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Zero Audio Carbo Tenore - ein japanischer In-Ear mit Carbon-Gehäuse im Review 🇩🇪

Prolog:

Den Japaner mit dynamischem 5,78 mm Schallwandler kann man sich in Deutschland über den Amazon Marketplace (http://amzn.to/1J8uk54) importieren lassen, dabei habe ich exakt 36,05€ gezahlt. Gedauert hat der Versand in meinem Fall keine 10 Tage.



Lieferumfang:

Die Verpackung ist schlicht und günstig gehalten und der Lieferumfang des Zero Audio Carbo Tenore mit seinen drei verschiedenen Aufsatzgrößen und dem Stoffbeutel, den das Zero Audio Logo ziert, ist ebenfalls eher spärlich, immerhin jedoch größer als bei manch anderem Konkurrenzprodukt bis 50€.





Verarbeitung:


Der In-Ear selbst ist mit seinem hübschen kleinen Gehäuse, das aus CFK und matt glänzendem, dunkelgrauem Aluminium gefertigt ist, gut verarbeitet und ich kann keine Mängel am Gehäuse feststellen.

Das Kabel ist weich, jedoch ein wenig „wabbelig“ und die Ummantelung wirkt nicht sehr stabil oder widerstandsfähig. 
Weder am gewinkelten Stecker noch an sonstigen Übergängen gibt es etwas, das ich als wirklichen Knickschutz bezeichnen würde.


Tragekomfort:


Größenmäßig ist der Carbo Tenore wirklich enorm klein, sodass er sogar den wirklich winzigen Sennheiser IE 800 noch ein gutes Stück in Sachen Größe unterbietet.
Durch die schmale Bauweise dürfte der Carbo Tenore wohl jedem passen. Durch das in einem Winkel von 45° am Gehäuse angebrachte Kabel lässt der sehr leichte In-Ear auch sehr bequem mit dem Kabel über den Ohren tragen.


Klang:


Eigentlich bleibt dieser Teil in meinen Reviews üblicherweise leer, da „Klang“ die große Gesamtüberschrift für die folgenden Teilgebiete meines Reviews ist, bei diesem In-Ear muss ich jedoch vorgreifen, denn in meinen Gehörgängen klingt der Carbo Tenore mit den mittleren Aufsätzen signifikant anders als mit den Großen, hervorgerufen durch die merklich unterschiedliche Einsetztiefe in den Gehörgang aufgrund der Bauform.
Bei keinem meiner anderen In-Ears kann ich diese nämlich so stark verändern (während der Carbo Tenore mit den großen Aufsätzen in „normaler“ Position ideal sitzt und abdichtet, bekomme ich den gleichen Seal mit den mittleren Aufsätzen erst sehr tief im Gehörgang, wenn der In-Ear bei schräg seitlichem Blick auf’s Ohr nicht mehr wirklich sichtbar ist).
Kurz gesagt ist der Klang bei tiefem Einsetzen bei mir dunkel (ja, dunkel), mit zurückgesetztem Hochton und leicht warmen Mitten.
Meine nun folgenden Höreindrücke basieren auf Hören mit den großen Aufsätzen, da die Position mit diesen für mich die natürlichere ist und sich wohl die wenigsten Nutzer den In-Ear so tief in den Gehörgang stecken werden, dass er gänzlich verschwindet.

Tonalität:


Tonal würde ich den Carbo Tenore als ausgewogen bis tendenziell badewannig mit einer Spur zu viel Hochton bezeichnen.

Fangen wir mal mit dem Bassbereich an: im Grundtonbereich und dem Oberbass kann ich eine äußerst moderate Betonung ausmachen, von den mittleren Regionen des Midbasses bis hin in den Tiefbass steigt der Pegel gleichmäßig an. 
Der Hochton ist stellenweise betont, beim Sweepen kann ich je eine Betonung zwischen 2,4 und 3; sowie 6,8 und 7,8 kHz (in diesem Bereich stärker) ausmachen.
Den Mittelton würde ich nicht wirklich als zurückgesetzt bezeichnen, im Vergleich zum Hochton und den tiefen Lagen hingegen ordnet er sich etwas hinten ein. Der Mittelton spielt meiner Meinung nach recht korrekt und frei von Verfärbungen, lediglich recht tiefe und hohe Stimmen klingen ein wenig zu dunkel respektive hell, aber dies auch nur manchmal.
Tonal erinnert er mich an den Superlux HD681 mit mehr Tiefbass, merklich weniger Mid-, Oberbass und Grundton, sowie tonal richtigen Stimmen und weniger nervendem Hochton.

Auch wirkt die Implementierung des Bassbereichs dem des Shure SE846 nicht unähnlich, welcher auch den Grundton und Kickbass im Wesentlichen unberührt lässt und sich hauptsächlich auf den Tiefbass konzentriert, wenngleich mit etwas weniger Pegel.

Im Vergleich zum UE200 besitzt der Zero Audio weniger Grundtonwärme und durch den Anstieg in den tieferen Gefilden einen deutlich stärker ausgeprägten Tiefbass, der beim UE recht neutral ist. Im Hochton ist der Carbo Tenore klar heller als der UE.


Die Anhebung der tieferen Frequenzen kann schon Spaß machen und der untere Midbass und Tiefbass können schon ordentlich bollern, wenn sich auf der Aufnahme in diesem Bereich viel abspielt.
Das Sounding ist im Prinzip schon geglückt (wäre da nicht der leicht zum Nerven neigende Hochton, was aber hauptsächlich an der Auflösung liegt, dazu jedoch gleich mehr) und ich kenne weder aus eigener Erfahrung noch vom Hörensagen einen anderen günstigen In-Ear, der diese tonale Charakteristik im Bassbereich besitzt.

Auflösung:


Auflösungsmäßig spielt der Carbo Tenore im Bereich der besseren dynamischen In-Ears unter/um 50€ (TTPod T1, SundMagic E10, Havi B3 Pro I
), nicht deutlich besser, jedoch glücklicherweise definitiv auch nicht schlechter. Die gängigen in Deutschland vertretenen In-Ears von Philips, Sennheiser und Konsorten im Preisbereich bis etwa 100 überbietet er klanglich dennoch.

Was mich manchmal ein wenig stört, sind die beiden wohl ca. 4 dB betragenden Betonungen im Hochton, besonders die obere der beiden. Gepaart mit der nur der Preisklasse angemessenen Auflösung gibt es hier für mich nach längerer Hörzeit Nervpotenzial, denn um die Betonungen auszugleichen, müsste meiner Meinung nach der Midbass klar kräftiger angehoben werden, damit das Verhältnis stimmt.
Beim TTPod T1 (ohne E) wurde dies imo besser gelöst, da dieser eben seine stellenweise Hochtonbetonung durch den Midbass wieder ausgleicht, beim Carbo Tenore stimmt das Verhältnis jedoch durch die tief angesetzte Bassbetonung nicht so ganz.

Bei Musik mit wenig/höher spielendem Bass kann da der Hochton schon nerven. Beim Triple.Fi 10, FA-4E XB (und FA-3E XB, den ich als Demo gehört habe) und UERM hat der Hochtonpeak für mich durch die klar bessere Auflösung viel weniger Nervpotenzial als beim Carbo Tenore, etwas unfair ist das natürlich aufgrund des deutlich höheren Preises der anderen In-Ears jedoch trotzdem.

Das klingt jetzt alles vielleicht ein wenig harsch formuliert und wie ein Verriss, ich will’s jedoch erwähnt haben, da ich mit (etwas) spitzem Hochton kein Problem habe, solange die Auflösung und/oder der Ausgleich durch die tiefen Frequenzen stimmt. Hier sind beide Kriterien meiner Meinung nach nicht ganz gegeben.
Positiv finde ich hingegen, dass Sibilanten trotz des manchmal schrillen Hochtons kaum zischen.

Der Tiefbass könnte ein Stück präziser/differenzierter sein, ansonsten spielt der Bass für einen dynamischen In-Ear recht präzise/trocken, kann jedoch nicht ganz mit einem günstigen Single-BA wie dem Sony XBA-C10 oder MeElec A151p mithalten, wobei diese bauartbedingt quantitativ nicht so viel Pegel in den unteren Regionen erreichen können.
In Sachen Hochtonnatürlichkeit wird der Sony jedoch vom Carbo Tenore meiner Meinung nach klar geschlagen.
Schnellere Musikstücke und auch jene mit viel Klanginformationen gibt der Zero Audio etwas präziser als der UE wieder, muss sich jedoch auch hier wieder dem MeElec geschlagen geben.
Auflösungs-mäßig sehe ich den Carbo Tenore insgesamt irgendwo zwischen dem UE200 (der im Unteren Hochton und Tiefbass trotz weniger Pegel besser Auflöst) und dem MeElectronics A151p.

Räumliche Darstellung:


Die Carbo Tenore-Bühne ist recht schmal gehalten und für mich in allen Dimensionen weder breiter noch schmaler als die des UE200.
Beim Carbo Tenore ist die Tiefenstaffelung klar besser als beim UE200, da der Zero Audio eine bessere Instrumentenseparation als der UE vermittelt, – bei schnelleren Aufnahmen und Musikstücken mit vielen Tonelementen hingegen kollabiert diese jedoch ein wenig.
Sowohl in der Tiefe als auch in der Breite könnte der Carbo Tenore auch bei langsamerem Material trotzdem eine leicht bessere Instrumentenseparation besitzen, denn auch bei diesem gehen Instrumente im Raum ineinander über und sind nicht ganz klar voneinander abgegrenzt, für den Preis und die Bühnengröße ist die Bühnenpräsentation jedoch mehr als nur gut, jedoch schlechter als die des TTPod, der die bessere Instrumentenseparation bietet.
Ich denke, wäre die Bühne in allen Dimensionen eine Spur breiter, hätte ich hier kaum etwas/nichts zu kritisieren.







Fazit:

Klanglich ist der Carbo Tenore für den Preis sehr ordentlich, einigermaßen ausgewogen und keine der typischen Basswummen, jedoch kann der obere Hochton manchmal etwas nerven. Ein Game-Changer ist der Carbo Tenore definitiv nicht, jedoch ein hübscher Exot mit gutem Klang für den Preis, jedoch etwas nervendem Hochton.
Die allgemeine Klangsignatur/Tonalität ist mir definitiv nicht unangenehm, jedoch muss ich sagen, dass andere In-Ears, auch im günstigen Bereich, technisch besser und präziser spielen, aber nicht die gleiche Abstimmung erreichen können (hier denke ich an günstige Single-BA In-Ears).

Gravierende Schwächen kann ich in Anbetracht des Preises beim Carbo Tenore nicht erkennen, dafür jedoch auch keine deutlich herausstechenden Stärken. Dies kann man als Vorteil sehen: bei anderen In-Ears im günstigen Preisbereich gibt es Teilkategorien, in denen sie besonders positiv hervorstechen, dafür jedoch in anderen unterdurchschnittlich sind. Beim Carbo Tenore hingegen bekommt man quasi überall das gleiche Leistungsniveau.
Für einen günstigen dynamischen In-Ear spielt er gut, keine Frage. Die einzigen wirklichen Kritikpunkte sind für mich der im Verhältnis zum Rest etwas zu langsame Tief- und untere Midbass, sowie der etwas zu Schärfe neigende, hart spielende Hochton.