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Ein MP3-Player für etwas über einen Euro im Test 🇩🇪

Prolog:
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Bevor es hier Reviews zu höherpreisigen Hi-Res Playern gibt, will ich mal mit einem extrem(!) günstigen Produkt einsteigen.

Bei ebay gibt es diverse MP3-Spieler im Ultra-Low-Budget Bereich, die preislich zwischen einem und etwa 20€ liegen, je nach Ausführung. Allesamt haben sie die Gemeinsamkeit, dass es sich bei ihnen um No-Name Produkte handelt und sie in Fernost produziert und auch von dort aus verschickt werden; eine Wartezeit von einem bis zwei Monaten sollte man also einkalkulieren und so dauerte es bei meinem ersten Gerät knapp sieben Wochen, bis es bei mir eintraf.
Entschieden habe ich mich für die günstigste Variante ganz ohne Display, Radio, Mikrofon oder sonstige Extras – mit schlecht entwickelter Software und hakeliger Menüführung wollte ich mich dann doch nicht auseinandersetzen, also orderte ich den 1,38€ ($1.49) kostenden Musikspieler, bei dem man zufällig eine von sechs möglichen Farbvarianten erhält.





Lieferumfang:

Im Umschlag befand sich lediglich der grüne MP3-Player in einer durchsichtigen Plastiktüte, mehr nicht. Manchmal sollen sich wohl noch ein Mini-USB-Kabel zum Laden und/oder ein Kopfhörer im Lieferumfang befinden, was bei mir jedoch bei beiden angekommenen Playern nicht der Fall war.


Anschlüsse/Tasten/Funktionen:

Am Gerät gibt es eine Mini-USB-Buchse zum Laden und Datentransfer, sowie einen 3,5 mm Klinkenanschluss. Dazu gibt es noch einen mechanischen Schalter zum Ein- und Ausschalten, als auch eine Status-LED, die Betriebsbereitschaft und gestartete Wiedergabe signalisiert und zusätzlich einen Einschub für Micro-SD Karten.

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Optik/Haptik:


Abgesehen von den knalligen Farben wirkt der MP3-Player meiner Meinung nach recht schlicht. Verarbeitungsmängel kann ich trotz des geringen Preises nicht erkennen und auf der Vorderseite befindet sich sogar quasi eine „Schutzfolie“, die ich entfernt habe.
Der Kunststoff ist recht dünn und wirkt billig, der rückseitig befestigte, abnehmbare „Clip“ ebenso. Der Druckpunkt der Tasten ist recht hart und bei der Eingabe hört man ein lautes mechanisches Klicken.
Positiv fällt hingegen das sehr geringe Gewicht und ebenfalls die geringe Größe des MP3-Spielers auf.

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Der Billigst-Player im Größenvergleich mit dem SanDisk Sansa Clip Zip und Apple iPod Nano 6G.



Wiedergabe:

Bei eingelegter Micro-SD Karte (32 GB Karten funktionieren auf jeden Fall) startet der MP3-Player sofort die Wiedergabe nach dem Einschalten, was sich dadurch bemerkbar macht, dass die rote LED blinkt (ohne Karte oder bei pausierter Wiedergabe leuchtet sie durchgehend, bis die automatische Abschaltautomatik nach kurzer Zeit eingreift).
Dateien, die sich nicht innerhalb eines Ordners befinden, werden dabei bevorzugt, erst danach werden sich in Ordnern befindende Musikstücke wiedergegeben.

Diese Unterstützung von sich in Ordnern befindenden Dateien scheint keine Selbstverständlichkeit bei jenen günstigen Playern zu sein, zumindest hat dies meine Recherche ergeben. Es scheint so, als werden die Geräte mit unterschiedlichen Firmware-Versionen geliefert, die sich ein wenig im Leseverhalten von Dateien und Ordnern, sowie der Reaktion beim Vorspulen und Einstellen der Lautstärke (langer Druck auf die jeweils für die Funktion vorgesehene Taste) unterscheiden.
Mein Gerät unterstützt also das Abspielen von Dateien in Ordnern und auch erhöht/verringert sich die Lautstärke kontinuierlich, sofern man die dafür vorgesehene Taste gedrückt hält.
Längerer Druck auf die Vor-/Zurück-Taste spult im aktuellen Titel vor oder zurück, was man auch live hört, was ich als Vorteil in Anbetracht des fehlenden Displays ansehe.
Schaltet man das Gerät aus und danach wieder ein, startet die Wiedergabe an derselben Position wie vor dem Ausschalten wieder, ebenso bei Entnehmen und erneuten Einstecken der Micro-SD Karte.
Der Boot-Vorgang geht sehr schnell vonstatten und der Player reagiert ohne Verzögerung auf Eingaben.



Ausgangsimpedanz/Verträglichkeit mit niederohmigen In-Ears:




Wie meine Messung mit dem als Last angeschlossenen Ultimate Ears Triple.Fi 10 In-Ear, einer Impedanzmimose, deren Frequenzgang sich an Quellgeräten mit hoher Ausgangsimpedanz deutlich verändert, zeigt, ist der Ausgangswiderstand des 1,38€-Players sehr gering und es gibt auch keinen Bassabfall, wie ihn manche Audio-Player bei niederohmigen Kopfhörern haben.


Klang:

Eingestöpselt zum Testen habe ich den Triple.Fi 10 und später noch den günstigen Sennheiser PX 100-II.
So verringere ich die Lautstärke als bis zum Minimum und stecke den Triple.Fi 10 ein. Was ich höre, ist Stille, kein Rauschen, keine Störgeräusche – denkste! Ein Klick auf die „+“-Taste brachte daraufhin sofort ein deutlich hörbares, starkes Grundrauschen hervor, das zuvor nicht hörbar war, da der DAC-/Amp-Teil des Players ausgeschaltet war.
Soweit so schlecht. 
Weiter ging es dann, indem ich die Wiedergabe startete. Der niedrigste Pegel oberhalb Mute ist recht laut mit empfindlichen In-Ears in ruhiger Umgebung und für Leise-Hörer wie mich eindeutig zu laut. Die Abstufungen bei der Lautstärkeregelung sind für empfindliche Kopfhörer auch etwas zu grob.
Positiv fiel mir hingegen gleich auf, dass der Triple.Fi nicht verfälscht klang, was die Messungen anschließend auch bestätigten. Durch das Rauschen wirkte der Klang ein wenig dunkel/warm, was jedoch vielen bekannt sein dürfte, da ein erhöhtes Grundrauschen subjektiv den Klang als "wärmer" erscheinen lässt.


Dann ging es weiter mit den richtig negativen Seiten des Billig-Players: bei der Wiedergabe vernahm ich im linken Kanal ein in gleichem zeitlichem Abstand wiederkehrendes, hochfrequentes Störgeräusch. Ein Blick auf die LED bestätigte meinen Eindruck, dass diese der Auslöser für jenen hörbaren Mangel war. Dessen jedoch noch nicht genug: bei der Wiedergabe traten ständig Artefakte und Störgeräusche in Form eines Britzelns und Knisterns auf beiden Kanälen auf, die sich nicht auf der Aufnahme befanden.

Danach wechselte ich zum Sennheiser PX 100-II, welcher zu einem der auf Rauschen empfindlicher reagierenden Bügelkopfhörern gehört. Ja, bei diesem war das Grundrauschen ebenfalls hörbar, jedoch deutlich abgeschwächt, aber noch immer wahrnehmbar. Im portablen Betrieb wäre es jedenfalls nicht mehr wirklich von Relevanz.
Die pulsierenden Störgeräusche durch die LED traten auch auf, wenngleich auch weitaus schwächer und nur in leisen Passagen feststellbar, dennoch störend.
Natürlich liegen zwischen dem Triple.Fi 10 und dem PX 100-II sowohl von der tonalen Abstimmung, als auch von der Klangqualität, Welten, trotzdem waren die ganzen Artefakte bei gestarteter Wiedergabe auch mit dem Sennheiser noch deutlich vernehmbar.

Das war dann auch genug des Hörens und nach wenigen Hörzeit mit beiden Kopfhörern wusste ich, dass ich dem Plastikbomber nichts abgewinnen konnte, trotz des guten Frequenzganges.
Ach ja: ein lautes Geräusch, das man Ploppen bezeichnen könnte, gibt es beim Ein- und gibt auch noch, für mich ist das jedoch irrelevant, da ich meine Kopfhörer erst nach dem Einschalten einstecke und vor dem Ausschalten ausstecke.


Ein Blick ins Innere zeigte mir dann auch, dass der Aufbau wohl von primitivster Sorte sei, wobei ich auf dem Gebiet Schaltungen ein Unwissender bin. Wenn ich mich jetzt nicht täusche, sorgt ein einziger Microcontroller für das Abspielen, Wandeln und Verstärken des Signals.

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Die einzige weitere positive Eigenschaft, die ich dann doch noch feststellen konnte, war die hohe mögliche Lautstärke.


Fazit:


Ich hatte keine hohen Erwartungen an das Gerät. Das hohe Grundrauschen ist noch annehmbar, die Artefakte nicht mehr so wirklich, die synchron mit dem Blinken der LED im linken Kanal auftretenden Störgeräusche hingegen sind es definitiv nicht.
Ernsthaft HiFi-tauglich ist die Kiste also nicht. In Applikationen wie günstigen portablen Lautsprechern, die nur Musik wiedergeben sollen, oder Beschallung für einen Kiosk hingegen kann man den Plastikbomber hingegen bei dem günstigen Preis verwenden.

Übrigens weist ein zweites geordertes Exemplar die gleichen Störgeräusche auf, also lag beim grünen Gerät höchstwahrscheinlich kein technischer Defekt vor.

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