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Sennheiser HD 800 - Review und Vergleich mit dem AKG K701 🇩🇪

Prolog:

Dieser Vergleich ist ganz spontan entstanden, da ich mal wieder mit meinem K701 hören wollte und dann kurzerhand entschied, ihn bei ein paar Aufnahmen bewusst direkt gegen den Sennheiser HD 800 antreten zu lassen. Daraus ist dann doch eine längere Hör-Session in meinem Arbeitszimmer geworden und ich möchte mit euch ein paar simultan zum Hören niedergeschriebene Eindrücke in meiner typischen Review-Gliederung teilen.
Gehört habe ich, wie üblich zum Testen, von Klassik über Jazz, Elektro, Akustik, Pop und ein wenig Rap.




Lieferumfang:

Beim K701 gibt's einen Plastik-Ständer und einen Standard-Klinkenadapter, beim Sennheiser-Flaggschiff HD 800 einen schönen, ausgepolsterten "Koffer".


Verarbeitung (und Tragekomfort):

Bei den Hörermuscheln gefällt mir der K701 besser und wirkt mit seinen Hochglanz-Plastikteilen robuster als der HD 800 mit seinem matt silber lackierten Körper, der zusammen mit dem feinen Gitter-Geflecht eher fragil erscheint, sich jedoch nicht so anfühlt.
Oberhalb davon gefällt mir der Bügel des HD 800 klar besser und wirkt robuster als der stufenlos verstellbare K701-Kopfbügel, wobei auch der HD 800, von "innen" betrachtet, durch die Spritzguss-Plastikteile nicht ganz makellos ist.
Das Kabel des AKG ist flexibler und gefällt mir haptisch besser als das "Bügeleisenkabel" des HD 800, das durch seine Ummantelung zwar schön aussieht, dafür jedoch unnötig steif ist.

Den Tragekomfort des Sennheiser empfinde ich besser als den des AKG, da die Ohrmuscheln des HD 800 deutlich mehr Platz bieten und sich weniger Wärme darunter staut. Mit dem Noppen-Kopfband des AKG habe ich im Gegensatz zu anderen generell kaum Probleme mit dem Komfort, sofern meine Haare länger als einige wenige Millimeter sind.


Klang:

Generell gehen beide in die neutrale/ausgewogene Richtung, sind im Vergleich zu richtig entzerrten Aktivmonitoren in einem akustisch optimierten Raum oder neutralen In-Ears (Etymotic ER-4S und UERM) doch ein wenig auf HiFi gesoundet, besonders der Sennheiser.

Tonalität:

Beide haben einen großen Tonumfang, der Sennheiser schafft es jedoch "weiter nach unten" ohne Bassabfall als der AKG.

Im Bassbereich (insbesondere Mid- und Oberbass, sowie Grundton) ist der Sennheiser insgesamt stärker als der AKG betont. Besonders im Midbass besitzt der Sennheiser mehr Pegel, was mir hier manchmal (besonders in Relation zum Tiefbass und den Mitten) 
als Neutralität-liebende Person dann doch ein Tick zu viel ist.
Ein wenig überrascht es mich, dass der AKG, zumindest mein Modell, einen kleinen Kickbasspeak besitzt.

Gehen wir mal vom Bass in den Mitten- und Hochtonbereich. Hier patzt der K701 in den oberen Mitten und vor Allem unteren Höhen mit zu viel Pegel, was Stimmen etwas zu schrill/hell und diesen Bereich generell nicht ganz natürlich erscheinen lässt.
Der Sennheiser spielt hier hingegen in meinen Ohren tonal korrekt, also weder zu hell noch zu dunkel, wenngleich die Mitten des HD 800 gleichzeitig auch einen Tick in den Hintergrund treten.

In den mittleren oberen Höhen haben beide eine Betonung/Resonanz, wobei diese beim HD 800 auffälliger, jedoch nicht störend ist (sofern man Koteletten und Haare oberhalb der Ohren besitzt, denn diese dämpfen jenen Bereich in den mittleren Höhen etwas, was ich im Selbstversuch nach einer Komplettrasur des Kopf- und Gesichtshaares selbst festgestellt habe).

Auflösung:

Der Sennheiser übertrifft den AKG in Sachen Auflösung in allen Belangen, ist jedoch nicht sechs Mal besser als dieser, wie es der Preis vielleicht suggerieren mag, aber dies sollte man sowieso nicht erwarten. Trotzdem würde ich dem HD 800 persönlich immer den Vorzug gewähren und empfinde den Preis auch noch immer als gerechtfertigt und sogar fair.

Feine Details wie beispielsweise Anschläge von Instrumenten oder das Umblättern von Notenblättern bei klassischer Musik sind beim Sennheiser klarer als solche erkennbar und bei Popmusik ist die Sprachverständlichkeit ein ganzes Stück höher als beim AKG.
Auch bei komplexen Aufnahmen mit viel Audioinformationen merkt man dem Sennheiser dessen technische Überlegenheit an, denn hier schafft er es, die Kontrolle zu behalten, während der AKG manche Details unterschlägt und angestrengt/überfordert klingt.

Im Tiefton ist der HD 800 im Tief- und Midbass klar trockener/schneller/fester/präziser als der AKG, welcher jedoch den Sennheiser im Ober- und Kickbass in Sachen Trockenheit mit einem sehr geringen Vorsprung schlägt.

Insgesamt klingen Instrumente beim HD 800 merklich natürlicher als beim K701, was wohl hauptsächlich am korrekteren unteren Hochton und der höheren Auflösung, sowie der präziseren Instrumentenseparation (die ich eigentlich weiter unten im Review erwähnen sollte) liegt.

Räumliche Darstellung:

Was mich am AKG schon immer gestört hat, ist dessen flache Bühne. Zwar ist sie breit, bietet dafür jedoch in meinen Ohren so wenig räumlichen Tiefgang, dass dieser vernachlässigbar ist. Manchmal jedoch gibt es Anzeichen von einer inversen Bühnendarstellung und einzelne Töne erscheinen schräg hinter mir.
Im direkten Vergleich ist die HD 800-Bühne nochmal ein ganzes Stück breiter als die des K701, variiert dafür jedoch je nach Aufnahme in ihrer dreidimensionalen Ausdehnung, auch wenn sie eine gewisse Breite immer beibehält - beim AKG hingegen erscheint sie fast immer gleich breit.

Räumliche Tiefe kann der HD 800 gut wiedergeben, jedoch stimmt hier die Relation zwischen Tiefe und Breite für mein Empfinden nicht ganz - etwa 25%, vielleicht noch ein wenig mehr, mehr räumliche Tiefe müsste er meiner Meinung nach besitzen, um ein perfekt homogenes Breite-zu-Tiefe-Verhältnis zu schaffen.


Die Abgrenzung einzelner Tiefenschichten gelingt dem HD 800 fast genau so gut wie die Instrumentenseparation in der Breite, nämlich exzellent und ganz ohne Anstrengung.
Was ihm ebenfalls schön gelingt, ist räumliche Leere darzustellen - in meinen Ohren schaffen das nicht viele Kopfhörer.
Beim K701 wirken Instrumente zu sehr in die Breite gezogen, trotz der kleineren Bühne - beim HD 800 nicht.
Die Instrumentenseparation des AKG ist etwas schlechter als beim HD 800 und einzelne Instrumente gehen ein wenig ineinander über, statt voneinander abgegrenzt zu sein.



Fazit:

Der Sennheiser ist in meinen Ohren definitiv ein Upgrade zum K701 und schlägt diesen in allen Kategorien.
Hätte ich nicht beide in meinem Besitz und müsste mich dafür entscheiden, den günstigen K701 zu behalten oder auf den HD 800 zu sparen, würde ich mich sofort für den HD 800 entscheiden, denn in allen Kategorien, in denen der AKG nur positiv auffällt, brilliert der HD 800 geradezu.

Keine Frage, der K701 ist ein toller Kopfhörer, gerade im Preisbereich zwischen 200 und 300€, aber der Sennheiser stellt definitiv ein Upgrade dar, obwohl man bei beiden erkennt, in welche Richtung sie gehen sollen - der Sennheiser macht jedoch einfach alles nochmals ein ganzes Stück besser.

Der UERM (In-Ear) toppt den HD 800, gerade in Sachen Bühnendarstellung und Basspräzision übrigens teils deutlich, aber der Vergleich ist meiner Meinung nach auch ein wenig unfair, da beide Hörer komplett andere Konzepte verfolgen und auf andere Einsatzgebiete abzielen, deshalb werde ich wohl auch nie einen In-Ear ausführlich mit einem Bügelkopfhörer vergleichen, sondern, wenn überhaupt, nur auf einzelne Aspekte eingehen.

Ich kenne manche, denen der klangliche Unterschied zwischen dem K701 und HD 800 nicht den höheren Preis gerechtfertigt hat, weshalb sie sich für den AKG entschieden haben.
Für mich kann ich jedoch klar sagen, dass mir der Aufpreis zum HD 800 den besseren Klang definitiv wert war und ich die Anschaffung nicht im Geringsten bereue.