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Shure SE846 Review 🇩🇪

Prolog:

Den SE846 habe ich 2014 neu für 969€ bei Thomann gekauft.







Mit dem SE846 schlägt Shure eine neue Richtung ein und stellt alle Treiber für sein neues, etwa 1000€ kostendes Flaggschiff mit universellem Gehäuse diesmal selbst her, einschließlich der neuen Bass-Treiber, die zum ersten Mal in der In-Ear-Welt auf ein bei Lautsprechern bereits bekanntes Transmissionsline (TML) Prinzip zurückgreifen.

Der SE846 arbeitet in 3-Wege-4-Treiber-Konfiguration mit zwei TML-Bässen.
Wie es schon von anderen In-Ears anderer Hersteller bekannt ist, offeriert Shure seinen Kunden diesmal mit dem SE846 die Möglichkeit, den Klang in einem begrenzten Ausmaß durch Tauschen der akustischen Filter im Schallkanal nach seinen eigenen Bedürfnissen anzupassen.
Nebenbei sei noch gesagt, dass der SE846 einer der rauschempfindlichsten Multi-BA In-Ears ist und sehr deutlich Quellrauschen aufdeckt und wie alle In-Ears mit mehreren Balanced Armature Treibern ein Quellgerät mit geringem Ausgangswiderstand benötigt.Die Geräuschisolation des In-Ears ist sehr gut.


Shure SE846 bei Amazon: http://amzn.to/1stVOLP

SE846 bei Thomannhttps://goo.gl/mgWPdv





Lieferumfang:

Der Lieferumfang präsentiert sich dem Preis entsprechend sehr üppig mit einer Vielzahl an

Aufsätzen; einem rechteckigen Aufbewahrungsetui; einem Aluminium-Zylinder, welcher die Klangfilter enthält und an einer Kette das Werkzeug zum Wechseln dieser Filter; einer großen, durchsichtigen Otterbox, die Platz für das Aufbewahrungsetui und bspw. einem Abspielgerät oder Zubehör bietet; sowie einem großen Reinigungstuch mit Shure-Logo, Adapter (6,3 auf 3,5 mm, Flugzeugadapter, Adapter mit Poti-Lautstärkeregelung) und ein kürzeres Ersatzkabel.




Verarbeitung:


Die Verarbeitungsqualität ist sehr gut und ich kann keine Mängel am Gehäuse/Kabel erkennen. Das Kabel besitzt an allen Stellen einen guten Knickschutz.


Tragekomfort:


Typisch für diese Gehäuseform ist der Tragekomfort (für mich) sehr gut, das Gehäuse ist jedoch nochmals ein ganzes Stück größer als das des SE425 und somit eher nicht für sehr kleine Ohrmuscheln geeignet.





Klang:


Die Beschreibung der Tonalität werde ich in zwei Teile gliedern, wobei ich mich im ersten Teil auf die blauen Filter („neutral“), im zweiten hingegen auf die weißen („hell“) beziehen werde.
Gehört wurde mit den großen dunkelgrauen Silikonaufsätzen.

Tonalität:


Teil 1: blaue Klangfilter („neutral“):

Ganz grob könnte man den SE846 als ausgewogen mit einer ordentlichen Portion Tiefbass bezeichnen.
Die Mitten sind stets präsent (insgesamt sind sie sogar ein klein wenig betont, wie auch beim SE425, jedoch ohne störenden Peak) und leicht auf der dunklen/warmen Seite, was daran liegt, dass der Grundton zusammen mit den unteren Mitten ein wenig betont ist, was dem In-Ear in diesem Bereich eine dezente Wärme verleiht.
Im Gegensatz zu anderen In-Ears mit Bassbetonung greift die des SE846 erst sehr tief und beginnt im Midbass, weswegen der Grundton nicht von der Bassbetonung beeinflusst wird und der Kickbass nur unwesentlich betont ist (weitaus weniger als beispielsweise beim Triple.Fi 10, der den Kickbass merklich betont, oder FA-4E XB, bei dem der Kickbass noch präsenter ist). [Im Vergleich zu einem neutralen In-Ear wie etwa dem Etymotic ER-4S merkt man schon eine geringe Betonung im Grundton und Oberbass, jedoch ist sie wirklich nur sehr gering ausgeprägt. Der InEar SD-2 ist im Grundton klar präsenter und der UE Triple.Fi 10 im Kickbass.]
Vom Midbass an abwärts beginnt dann die Bassbetonung, die schön gleichmäßig und eher subtil ihr Maximum im Tiefbass erreicht. Bei Musikstücken mit sehr tiefen Tönen gibt es sehr da schönes präsentes „Kellerrumpeln“, beispielsweise bei Black Widow von Iggy Azalea ft. Rita Ora (eigentlich überhaupt nicht meine üblicherweise gehörte Musik), wo der erste der beiden synthetischen Basstöne bei 30 Hz liegt.

Das war es dann aber auch mit den positiven Aspekten – der Hochton ist ein kleinwenig im Hintergrund (auf den Messgraphen sieht das zwar anders aus, jedoch spielt der Hochton subjektiv wirklich nicht so sehr zurückgesetzt, wie es die Graphen im Internet bspw. bei HeadRoom vermuten ließen, was auch andere in ihren Reviews ansprachen).
Leider ist der Tonumfang nach oben nicht so gut für einen Dreiweger im Preisbereich um 1000€, denn der SE846 fällt im Hochton recht früh ab. Dem SE425, der etwa 2 kHz früher als der SE846 abzurollen beginnt, kann ich das bei einem Preis zwischen 200 und 300€ mit 2-Wege-2-Treiber-Konfiguration ja noch verzeihen, dem SE846 jedoch nicht so ganz.

Klar, er kommt ein wenig höher als der SE425, jedoch rollt er ab 10 kHz auch merklich ab, was man am fehlenden Superhochton-Glitzern merkt. Zudem sind die mittleren Höhen im Bereich um 5 kHz recht stark abgesenkt – erst nach einiger Zeit wurde mir klar, dass dadurch mein Eindruck einer gewissen Langeweile/Anstrengung (ja, eine starke Senke in diesem Bereich klingt für mich anstrengend)/Unstimmigkeit zustande kam. Und genau diese Senke ist es, die beim Westone 4R, bei dem sie noch etwas stärker ausgeprägt ist, diese von einem anderen Reviewer in seinem W4 Review beschriebene „Relaxed-Abstimmung“ ausmacht, die mir bei meinem W4R auch nicht sonderlich gut gefällt. Ein anderer Rezensent beschrieb bei seinen Eindrücken den SE846 als „hochauflösend, jedoch einer Präsentation, als überdecke er alles mit Zuckerguss“ [frei aus dem Gedächtnis zitiert]. Diese Beschreibung trifft den Klang mit den blauen Filtern meiner Meinung nach sehr gut.
Hebt man diesen 5 kHz „Relaxed“-Bereich per Equalizer etwas an oder verwendet die weißen Filter (gleich mehr dazu), verschwindet diese Anstrengung/Unstimmigkeit, jedenfalls für mich.

Teil 2: weiße Klangfilter („hell“):

Der Bass- und Mittenbereich bleibt unangetastet, jedoch gibt es deutliche Veränderungen im Hochtonbereich: bei 9 kHz gibt es eine Anhebung, die zwar nicht wirklich als typischer heller Peak bezeichnet werden kann, im Vergleich zur zurückgesetzten Umgebung jedoch auffällt.

Ich gehe soweit zu sagen, die blauen Filter klingen homogener, ausgewogener, trotz der etwas zurückgenommenen Höhen.
Sehr positiv rechne ich den weißen Filtern die weniger stark ausfallende 5 kHz „Relaxed“-Senke an – der „Zuckerguss“ und die Anstrengung verschwinden, bei bleibendem unangestrengten Klang.


Wie man hier vielleicht herauslesen kann, ist der weiße Filter eher meine Wahl als der blaue, der den erwähnten Bereich zu sehr zurücksetzt.


Tonal im Vergleich mit dem SE425:

Der SE846 ist prominenter in den unteren Mitten und besitzt weniger Pegel im unteren und mittleren Hochton als der SE425, dafür jedoch mehr Pegel in den oberen Höhen (weiße Filter, mit den blauen ist der Pegel ähnlich, wobei dem SE846 zugute kommt, dass er einen etwas besseren Tonumfang besitzt). Wegen des steiler abfallenden Präsenzbereiches im Vergleich zum SE425 (sieht man gut bei innerfidelity und HeadRoom) ist der SE846 übrigens weniger kritisch bei schlechten Aufnahmen.
Vom Midbass an abwärts steigt der Basspegel des SE846 kontinuierlich gleichmäßig an, um dann im Tiefbass mit einer recht starken Betonung aufzuwarten, der Bass des SE425 hingegen ist eher neutral und im Tiefbass sogar leicht abrollend und besitzt nur im Kickbass/Grundton eine minimale Vordergründigkeit.


Auflösung:


Der SE846 löst sehr hoch auf und befindet sich klar im Flaggschiff-Bereich der universellen In-Ears um/ab 500€ und Customs ab 1000€ aufwärts.
Des weiteren klingt der SE846 authentisch und nicht synthetisch oder unstimmig, Instrumente klingen weitestgehend realistisch.

Der Bassbereich ist trocken, schnell und druckvoll, insbesondere der Tiefbass ist überraschend frei von Dröhnen und spielt trocken, sauber und präzise, trotz der doch recht starken Betonung ganz unten.

Räumliche Darstellung:


In Sachen Bühnendarstellung hat sich Shure definitiv weiterentwickelt im Vergleich zu den

Vorgängern.
Der SE846 besitzt eine schöne dreidimensionale Bühnenpräsentation mit guter Tiefe, Tiefenstaffelung, Breite und Instrumentenseparation auf dem Niveau von maßgefertigten In-Ears, jedoch mit geringerer Tiefen- und Weitenausdehnung.


Subjektiv nehme ich die Bühne des SE846 als halb so groß wie die des UERM, viermal so groß wie die des SE425 und ⅔ mal so groß wie die des InEar StageDiver SD-2 wahr.


Leere zwischen einzelnen Instrumenten kann der SE846 durch die gute und präzise Instrumentenseparation- und Platzierung auch gut darstellen und klingt dadurch glaubhaft und authentisch, was nur wenige Kopfhörer und In-Ears in meine Ohren erreichen.



Fazit:


Der SE846 hat einige Stärken, wie etwa seine gut eingearbeitete subtil ansteigende Bassanhebung und die wirklich gute Bühnendarstellung – dafür fällt der Hochton leider auch bereits ab 10 kHz ab, was meiner Meinung nach ein Unding für einen universellen In-Ear für ~1000€ ist.
Die selbst entwickelten und produzierten Treiber, der neue und patentierte TML-Bassbereich, die gute Implementation der Bassbetonung mit wirklich präzisem Tiefbass und auch die gelungene Bühnendarstellung sprechen zwar für den Preis von ~1000€ (die momentane Marktentwicklung im Hinterkopf habend, vor ein paar Jahren wäre das noch undenkbar gewesen), der nicht ganz so gut gelungene Hochton hingegen klar weniger.

Ja, der SE846 klingt schon verdammt gut, aber eben nicht überall, der Hochton ist meiner Meinung nach klar seine Schwäche und nicht ganz so stimmig wie der Rest.