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the t.bone EP-7 - Review eines zu Unrecht unbekannten Exoten 🇩🇪

Prolog:

Im Internet findet man kaum Erfahrungsberichte zum EP-7 und die wenigen, die existieren, sind ehrlich gesagt recht nichtssagend, somit war ich neugierig, ob und vor allem wie der EP-7 klingt, der für einen In-Ear mit zwei BA-Treibern zu einem wirklich günstigen Preis von 145€ bei Thomann vertrieben wird, weshalb ich mich kurzerhand dazu entschloss, ihn mir zuzulegen.


Der the t.bone EP-7 ist ein recht günstiger Dual-BA In-Ear Monitor in zwei-Treiber-zwei-Wege-Konfiguration, wobei ein Treiber die Tiefen und Mitten, der andere den Hochtonbereich übernimmt.
Eigentlich ist der EP-7 ein umgelabelter JTS IE-6, der im Bereich zwischen 200 und 300€ gehandelt wird. Ob auch dieser Preis gerechtfertigt wäre, zeigt mein Review.

Erhältlich ist der EP-7 hier bei Thomannhttps://goo.gl/HzDpNb


Lieferumfang:

Zwar ist die Verpackung noch recht neutral/durchschnittlich gehalten, dafür fällt der Lieferumfang jedoch umso spärlicher aus: neben drei hautfarbenen Aufsatzstück-Paaren in verschiedenen Größen und einer Aufbewahrungstasche sowie den In-Ears ist die Verpackung leer.


Verarbeitung:


Die In-Ears sind gut verarbeitet und erscheinen stabil, das Gehäuse erinnert an Shure und Westone und das Schallröhrchen besitzt den gleichen Durchmesser wie diese.
Das Kabel ist nicht tauschbar, besitzt jedoch an allen Stellen einen guten Knickschutz und der Stecker ist massiv. Das Kabel besitzt das gleiche Muster wie das des Shure SE846, ist jedoch ein wenig rau und tendenziell starr.



Tragekomfort:


Der Tragekomfort ist, wie auch bei In-Ears von Westone und Shure, in meinen Ohren gut und die Silikonaufsätze fühlen sich angenehm an und sind weich.
Was mir persönlich nicht so gut gefällt, ist der flexible Teil direkt nach dem Hörergehäuse, ich bevorzuge einfach einen Drahtbügel hinter den Ohren, das soll jedoch keine Abwertung sein.



Klang:

Tonalität:


Die Tendenz des EP-7 ist ganz klar dunkel und warm. Oberbass und vor allem Grundton sind um ca. 8 dB angehoben; die unteren Mitten sind ebenfalls präsent und warm. Vom Midbass abwärts fällt der Pegel gen Tiefbass ab, jedoch besitzt der EP7 noch einen gute Portion Tiefbass, dessen Pegel noch oberhalb der des Mitteltons liegt.
Durch diese Betonung erhält das Klangbild Wärme und Fülle und Stimmen klingen dunkler und voluminös.
Von den oberen Mitten an beginnt der Pegel, immer stärker abzufallen.
Die Höhen sind klar zurückgesetzt, bei 5 kHz ist der Pegel im Vergleich zu den Mitten ca. 12 dB zu leise, bei 10 kHz etwas weniger. Bei 8,5 kHz gibt es eine Betonung, welche die Wärme etwas ausgleicht, jedoch noch unterhalb der Nulllinie liegt, dadurch jedoch den Klang nicht zu dunkel und bedeckt erscheinen lässt. Oberhalb von 14 kHz ist Schluss.


Nach etwas Quervergleichen habe ich dann auch herausgefunden, mit welchem meiner anderen In-Ears der EP-7 Ähnlichkeit besitzt: nämlich dem Westone 4R. Tonal ist the t.bone dem Amerikaner nicht unähnlich, besitzt jedoch den präsenteren und dunkleren Mittelton und etwas weniger Hochton, ist also dunkler abgestimmt.


An niederohmigen Quellen fühlt sich der EP-7 übrigens, Multi-BA-typisch, am wohlsten, wie diese mit dem sehr hochohmigen Google Asus Nexus 7 (erste Generation) durchgeführte Messung, anhand derer sich übrigens auch der Impedanzgang grob tendenziell ablesen lässt, zeigt:





 



Auflösung:


Die wahre Auflösung zu erhören, ist mit diesem Sounding nicht ganz einfach, weshalb ich zum besseren Vergleichen den Tiefbass angehoben, den Oberbass und Grundton abgesenkt, sowie die Höhen gleichmäßig ansteigen lassen habe.
Die zuvor gedanklich notierten Tendenzen bestätigten sich dann weiter: der In-Ear spielt auf dem Niveau des Shure SE425 und steht diesem in Sachen Auflösung in nichts nach.
Der Tiefton ist ebenfalls knackig, straff und trocken, wie man es von geschlossenen BA-Bässen auch erwartet, wenngleich der t.bone ein wenig weicher im Direktvergleich klingt.
Durch das Sounding klingt der EP-7 ohne Equalizing in den Mitten etwas wollig und verhangen, wie auch etwa der Westone oder Logitech UE900, was am "Loch" in den mittleren Höhen liegt.



Räumliche Darstellung:


Was mich beim Hören wirklich überrascht hat, ist die gute dreidimensionale Darstellung dieses In-Ears, denn der EP-7 muss sich hier definitiv nicht hinter einem Shure SE425 verstecken und spielt sogar etwas breiter (ca. 50%) als dieser, welcher zugegebenermaßen doch recht eingeengt klingt. Eine breite/große Bühne à la Westone 4R, Brainwavz R1 oder InEar Stage-Diver SD-2 (in absteigender Größe geordnet) darf man hier jedoch nicht erwarten, der EP-7 positioniert sich hier viel eher zwischen dem SE425 und Fischer Amps FA-3E.

Die Instrumentenseparation ist gut und präzise.


Fazit:



Ganz ehrlich, der EP-7 hat mich überrascht - und zwar ziemlich positiv. Dass ich ein etwas gesoundetes Werkzeug für Musiker mit dunkler Tendenz erhalten würde, hatte ich mir bereits gedacht, die gute räumliche Darstellung und wirklich sehr ordentliche Dual-Driver-Auflösung haben mich dann doch enorm positiv überrascht bei diesem Preis.
Nach ein wenig Recherche fand ich dann heraus, dass sich hinter dem EP-7 ein JTS IE-6 verbirgt, der preislich (zurecht) zwischen 200 und 300€ angesiedelt ist, wie der Shure SE425 auch, nur dass der EP-7/IE-6 eben ohne Einsatz eines Equalizers weniger HiFi-tauglich als der Shure ist.

Für Menschen, die das Wort „Equalizer“ nicht als Schimpfwort/Unsitte ansehen oder einen Klang in Richtung Westone W4R suchen, kann der the t.bone EP-7 auch ein günstiger In-Ear mit HiFi-Qualitäten sein, die richtigen Tweaks vorausgesetzt.
Ansonsten kann ich mir gut vorstellen, dass sich der EP-7 gut als Abhöre für Bassisten oder auch Sänger/-innen mit tiefer Stimme eignet.