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MeElectronics M6 Pro Review 🇩🇪




Prolog:

Vor Beginn meines eigentlichen Reviews möchte ich mich bei MeElectronics für das Bereitstellen eines Exemplares des M6 Pro für mein Review bedanken.

Neben dem eigentlichen Review werde ich stellenweise Vergleiche zu meinem A151 von MeElectronics, den ich letztes Jahr gekauft habe, einbinden.

Eine Besonderheit des M6 Pro stellt ein lebenslanges Austausch-Programm des In-Ears dar, bei dem man, sollten die In-Ears nach Ablauf der Garantie defekt sein oder verloren gehen, zum halben Neupreis ein neues Paar erwerben kann.

Die In-Ears sind auch bei Amazon erhältlich: http://amzn.to/23VLkA3


Technische Daten:

Schallwandler: dynamisch, 10 mm
Tonumfang: 20 Hz bis 20 kHz
Impedanz @ 1 kHz: 16 Ohm
Empfindlichkeit (1 mW @ 1 kHz): 100 +/- 3 dB
Maximale Eingangsleistung: 30 mW
Wasserabweisend nach: IPX5
Kabel: 130 cm, austauschbar


Lieferumfang:

Die Verpackung ist im typischen MeElectronics Stil gehalten, den ich bereits von meinem A151 kenne, unterscheidet sich von diesem jedoch insbesondere durch ein kleines Sichtfenster an der Seite, durch welches man den M6 Pro sehen kann.
Nach dem Öffnen der Verpackung offenbart sich eine enorme Vielfalt an Zubehör,
darunter ein 6,35 mm Klinkenadapter, sieben Paar Aufsätze (1x Comply Foam, 2x Triple-Flange, 1x Bi-Flange, 3x Single-Flange) und nicht zuletzt zwei verschiedene Kabel (beide mit Kleidungsclip, eines davon mit Mikrofon und Fernbedienung) und ein großes Aufbewahrungsetui, das etwa doppelt so groß wie das des A151 ist und zusätzlichen Platz für das Abspielgerät oder Zubehör bietet. Diese Menge ist wirklich beachtlich für einen ~50€ In-Ear.










Verarbeitung:

Optisch wirkt der M6 Pro auf mich ein wenig billig, ist jedoch hochwertig verarbeitet und wirkt sehr stabil, wenngleich das Gehäuse der In-Ears von Shure dickwandiger wirkt.

Übrigens sind die In-Ears auch nach IPX5 wasser- und schweißabweisend.

Im Gegensatz zu den meisten anderen In-Ears im günstigen Preissegment ist das Kabel am Hörer
austauschbar, besitzt jedoch nicht wie die meisten teureren Konkurrenten 2-Pin- oder MMCX-Stecker, sondern setzt auf 2 mm DC-Stecker, wie man sie von manchen Ladegeräten kennt und wie sie teils auch von anderen Herstellern von In-Ears, wie Panasonic oder JVC, verwendet werden.
Wider Erwarten sind die Stecker nicht drehbar, sondern rasten fest ein (und lassen sich nur mit einem gewissen Kraftaufwand wieder entfernen), was die Haltbarkeit erhöhen sollte.
Mein Eindruck des nicht so weit verbreiteten Stecker-Systems ist also schon mal positiv.


Das eine der beiden Kabel besitzt ein Mikrofon und eine Fernbedienung (dazu weiter unten mehr) und ist unter der Ummantelung silberfarben und sehr flexibel, dazu überträgt es kaum Kabelgeräusche.
Bis auf direkt unterhalb der Fernbedienung gibt es an allen Stellen einen guten Knickschutz.

Das reguläre Kabel ist verdrillt, wie auch das des A151, besitzt jedoch noch eine zusätzliche Gummiummantelung, durch die es leider auch ein wenig anfällig gegenüber Mikrofonie und nicht ganz so flexibel wie das Mikrofon-Kabel ist.
An allen Stellen gibt es einen guten Knickschutz.


Der Knickschutz am gewinkelten Stecker ist wirklich top.
Das an den In-Ears angebrachte normale Kabel.


oben: das normale Kabel; unten: das Mikrofon-Kabel
Das Mikrofon-Kabel ist nicht verdrillt und silberfarben. 


Tragekomfort, Isolation:

Ich habe recht große Ohrmuscheln, weshalb mir die meisten In-Ears sehr gut passen. Mit dem M6
Pro einen guten luftdichten Abschluss (welchen man Seal nennt) zu erreichen, dauerte in den ersten Minuten nach dem Finden der richtigen Aufsätze ein wenig; seitdem ich jedoch herausgefunden habe, dass ich den M6 Pro bei mir sehr tief und ein wenig gedreht einsetzen muss, ist der Seal jedoch richtig gut. Den In-Ear einfach mal schnell mit einer Hand einzusetzen, ist mir mit dem MeElec hier im Gegensatz zum A151 und den In-Ears von Shure nicht möglich.
Habe ich einen guten Seal erreicht, ist der Sitz bombenfest, sicher und auch bequem.

Die Trageweise ist beim M6 Pro mit dem Kabel über dem Ohr vorgesehen, was ich auch bei den meisten In-Ears, bei denen dies möglich oder vorgesehen ist, mache, da dies den Halt, Sitz und Tragekomfort verbessert und Mikrofonie vermindert.

Die Isolation des In-Ears ist gutes Mittelmaß und klar schlechter als bei gänzlich geschlossenen Modellen (A151, Shure SE425, Logitech UE200, …), was daran liegt, dass die Gehäuse des M6 Pro je zwei Öffnungen besitzen.


Fernbedienung, Mikrofon:

Im Gegensatz zu den meisten In-Ears mit Fernbedienung, bei denen man die Lautstärke regeln kann,

Links ("oben") befindet sich der Shieberegler,
rechts der Knopf für die Wiedergabesteuerung.
besitzt der M6 Pro nicht drei Tasten, bei denen zwei die Befehle zur Lautstärkeregelung digital ans Abspielgerät senden, sondern stattdessen einen analogen Lautstärke-Schieber, der recht schwergängig ist, wodurch ein versehentliches Verstellen der Lautstärke verhindert wird.
Ein Vorteil dieser Art der Lautstärkeregelung ist es, dass diese unabhängig vom Wiedergabegerät funktioniert, jedoch kann es mit der Zeit zu Korrosion der Schleifkontakte kommen, was sich in Knistern beim Verstellen der Lautstärke äußert.
Der Knopf zum Pausieren und Fortsetzen der Wiedergabe funktioniert bei allen Geräten, die eine Kabelfernbedienung unterstützen.

Die Mikrofonqualität ist eher durchschnittlich; Stimmen sind etwas zu hell und auch ein wenig blechern, dazu ist die Sprachverständlichkeit eher Mittelmaß. Mit dem guten Mikrofon des günstigen Brainwavz Jive kann das des M6 Pro also nicht mithalten.


Klang:

Getestet wurde der Klang des In-Ears mit den größten Silikonaufsätzen mit einem Flansch. Als Abspielgerät diente mein iBasso DX90 mit hauptsächlich CD-Rips im FLAC-Format (16 Bit, 44,1 kHz).

Tonalität:

Die allgemeine Klangsignatur des M6 Pro ist bassig-warm mit betonten unteren und mittleren Höhen.

Der Tief- und Midbass sind gleichmäßig um ca. 4 bis 6 dB angehoben, der Kickbass etwas weniger. Der Grundton besitzt ebenfalls eine mäßige Betonung und ist dadurch für eine gewisse Wärme verantwortlich.
Ins Klangbild fügt sich der vom Kickbass an abwärts ansteigende Tiefton angenehm gleichmäßig ein und wirkt nicht übertrieben.
Die Mitten (und somit Stimmen) stehen ein wenig im Hintergrund und sind auf der moderat dunklen Seite.
Im Bereich der oberen Mitten/unteren Höhen beginnt ab 2500 die Betonung im Hochton, die sich bis ca. 7,5 kHz erstreckt. Beim Sweepen kann ich bei 5200 und 7500 kHz jeweils einen Peak vernehmen. Oberhalb davon fällt der Hochton recht schnell ab, der obere Hochton und Superhochton sind klar im Hintergrund, dafür ist der Tonumfang (sowohl nach unten als auch nach oben hin) jedoch sehr gut und reicht bis mindestens 18 kHz.

Durch die früh beginnende Hochtonbetonung wirken hohe Stimmen und dieser Bereich allgemein etwas angestrengt, jedoch wird die moderate Bassbetonung dadurch auch gut ausgeglichen, wenngleich ich eine Verlagerung der Hochtonbetonung nach etwas weiter oben als ein wenig angenehmer empfände.
Trotz der früh beginnenden Hochtonbetonung wirkt dieser Bereich nicht übermäßig unnatürlich, spielt recht gleichmäßig und wirkt realistischer und homogener als beispielsweise beim Brainwavz Jive.
Der Einsatz von Besen beim Schlagwerk wirkt recht unrealistisch, Becken und Hi-Hats hingegen klingen natürlicher.
Insgesamt empfinde ich die Abstimmung bis auf die zu früh einsetzende Hochtonbetonung als gelungen.

Im Vergleich zum A151 besitzt der M6 Pro mehr Bass und weniger Grundton; Stimmen sind etwas im Hintergrund, aber auch weniger dunkel. Der untere und mittlere Hochton des M6 Pro sind im Gegensatz zum A151, bei dem diese Bereiche klar zurückgesetzt sind, betont; der Superhochton des M6 Pro reicht durch seinen dynamischen Treiber höher.

Auflösung:

Die Auflösung des M6 Pro befindet sich auf einem ordentlichen Niveau und ist nur wenig von der des A151 oder Brainwavz M3 entfernt.
Einzelne Töne werden gut voneinander getrennt und auch bei schnellem und komplexem Musikmaterial behält der M6 Pro noch gut die Kontrolle.
Der Bass ist für einen günstigen In-Ear mit dynamischen Treibern überraschend fest, trocken und kontrolliert, besitzt einen guten und realistischen Körper und weicht auch im Tiefbass nicht übermäßig auf.
Im Tiefton ist der A151 durch seinen BA-Treiber definitiv schneller und kontrollierter; den Brainwavz Jive schlägt der M6 Pro im Bass jedoch klar.
Die Stimmverständlichkeit ist beim A151 und Brainwavz Jive etwas besser.

Räumliche Darstellung:

In meinen Ohren wirkt die Bühne zusammenhängend und stimmig. Größenmäßig ist sie meinem Empfinden nach ein wenig größer als durchschnittlich, besitzt eine gute Tiefe und ist etwas breiter und tiefer als die des A151.
Die Instrumentenseparation ist eher etwas schlechter als der Durchschnitt, dazu ist die Tiefenstaffelung ein wenig verschwommen und es lassen sich keine wirklichen Ebenen heraushören. Das machen der A151 und Brainwavz Jive dann doch noch ein ganzes Stück besser, obwohl der M6 Pro durchaus räumlich klingt, dabei jedoch etwas Definition und Präzision bei der Instrumentenseparation vermissen lässt.
Der A151 bietet hier eine schärfere Instrumentenseparation und das bessere Layering.


Fazit:

Der reichliche und nützliche Lieferumfang und die Verarbeitung sind für den Preis quasi ein Overkill, für den Konsumenten jedoch ein großes Plus.


Meine Anfänglichen Bedenken vor dem Schreiben, die Vielzahl an Zubehör könnte sich negativ auf den Klang auswirken, haben sich glücklicherweise als unbegründet herausgestellt, denn die Auflösung befindet sich auf einem hohen Niveau und der Bass ist nicht übertrieben und für einen dynamischen Treiber auch recht schnell.
Der Klang ist zusammenhängend und für den Preis auch richtig gut; lediglich die unteren Höhen sind ein wenig anstrengend. Die Bühnendarstellung ist gut, jedoch habe ich diesbezüglich in diesem Preisbereich schon bessere In-Ears gehört.

Wie auch der A151 damals kann mich der M6 Pro nun auch größtenteils überzeugen.