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Brainwavz Kidwavz KV100 Bluetooth-Kopfhörer für Kinder Review 🇩🇪



Prolog:

Von Brainwavz/Pandora von der GPGSHK wurde ich gefragt, ob ich Lust hätte, ein Review zum neuesten Brainwavz Produkt, dem für Kinder entwickelten Bluetooth-Kopfhörer namens „Kidwavz KV100“, zu verfassen, woraufhin ich zustimme.
Mein Review stellt meine ehrliche Meinung dar und wurde teilweise mit zwei meiner Neffen zweiten Grades verfasst, von denen der jüngere noch ins Anwenderschema von 3-14 Jahren passt (der ältere ist ein wenig älter, ich habe ihn jedoch trotzdem mit eingebunden).


Technische Daten:

UVP: $42,50
Bluetooth-Profile: HSP, HFP, A2DP, AVRCP
Bluetooth-Reichweite: 10 Meter
Verzerrungen: ≤1%
Mikrofonempfindlichkeit: -40 dB
Wiedergabezeit: Musik: bis zu 6 Stunden; Sprechzeit: bis zu 10 Stunden
Ladeanschluss: DC 5V
Ladezeit: etwa 3 Stunden
Lautstärke-Limit: 85 dB (im Bluetooth-Modus)
Lieferumfang: Kopfhörer, USB-Ladekabel, 3,5 mm Verbindungskabel, Bedienungsanleitung & Garantiekarte
Empfohlenes Alter: 3-14 Jahre


Lieferumfang:

In der kindlich-gelb gestalteten Verpackung befinden sich der Kopfhörer, ein 3,5 mm Klinkenkabel, ein Micro-USB Ladekabel und eine Schnellstartanleitung, die auch als Garantiekarte dient.
Was ich hier vermisse, ist ein Hardcase oder wenigstens ein Aufbewahrungsbeutel, aber bei ~40€ darf der verwöhnte Anwender wohl nicht zu viel erwarten und muss gegebenenfalls auf das Zubehör-Angebot von Brainwavz zurückgreifen.





Optik, Haptik, Verarbeitung, Tragekomfort, Isolation:

Optisch erinnert mich der Kopfhörer an die Modelle von Urbanears. Auf den mattschwarzen Ohrmuscheln prangt links groß das Kidwavz Logo, auf der rechten Seite gibt es fünf Knöpfe zur Wiedergabesteuerung.

Sowohl die Ohrpolster als auch das Kopfband fühlen sich gut an und sind perforiert und weich, weswegen sich der Kopfhörer, der auch einen (auf Kinder-Köpfen) eher moderaten Anpressdruck besitzt, sehr angenehm tragen lässt – für meinen eher kleinen Erwachsenen-Kopf (meinen Audeze LCD-X habe ich nur um zwei Stufen ausgezogen) gab es noch gut einen Finger breit Platz, und selbstverständlich auch für meine beiden Neffen gab es beim Aufsetzen noch genügend Platz.
Das Gewicht des Kopfhörers fällt zwar gering aus, für ganz junge Kinder könnte der KV100 dann jedoch eine Spur zu schwer sein.

Die Verarbeitungs-/Anfassqualität ist weder sehr gut noch sehr schlecht, zudem wirkt der Kopfhörer einigermaßen robust, also gut für Kinder geeignet.

Das beiliegende 3,5 mm Kabel ist recht kurz (ca. 100 cm) und somit gut für Kinder geeignet.

Ein nettes Gimmick stellt der Klappmechanismus dar, obgleich die Gabeln des Verstellmechanismus dann hervorstehen.

Der On-Ear isoliert bei gutem Seal okay  (geschätzte 10-15 dB), reicht jedoch klar nicht an bewährte Modelle wie den Sennheiser Amperior heran.



Funktionen:

Anschlüsse, Tasten:

An der rechten Hörermuschel befinden sich der 3,5 mm Anschluss (was etwas ungewöhnlich ist, da sich dieser bis auf wenige Ausnahmen üblicherweise links befindet), an den sich das beiliegende oder jedes beliebige 3,5 mm Klinkenkabel anschließen lässt, sowie die Micro-USB Ladebuchse, ein Mikrofon und eine LED.
Seitlich angebracht sind fünf Knöpfe für die Wiedergabe- und Anrufsteuerung und zum Ein- und Ausschalten.


Einschalten, Ausschalten, Bluetooth-Kopplung:

Das Einschalten und Pairing sind identisch und erfolgen mit der Mitteltaste, die im ausgeschalteten Zustand für ca. fünf Sekunden gedrückt werden muss (beim ersten Verbinden muss der KV100 noch im Wiedergabegerät ausgewählt werden, danach erfolgt die Verbindung sehr schnell und automatisch).
Das Ausschalten erfolgt ebenfalls durch einen etwa fünf Sekunden dauernden Druck auf dieselbe Taste.

Negativ muss ich dem für Kinder entwickelten Kopfhörer hier anrechnen, dass die Ansagen wie etwa „Waiting for a Connection“ und „Power Off“ sehr laut sind.

Fernsteuerung, Tasten:

Die fünf Tasten sind recht intuitiv angebracht und dienen zum Pausieren/Starten der Wiedergabe, Titelwechsel und Steuern der Lautstärke (die im Bluetooth- Modus auf maximal 85 dB begrenzt ist).
Negativ fällt mir dabei leider auf, dass die Tasten eine Menge Kraft zum Drücken benötigen und beim Betätigen auch unangenehm laut klicken – davon waren weder meine Neffen noch ich wirklich begeistert, trotz der guten Anordnung/Funktionen.



Mikrofon, Anrufsteuerung:

Das Mikrofon sollte wirklich nur als Dreingabe statt als Alternative betrachtet werden, so ist dessen Sprachqualität recht niedrig und die Übertragung voller Artefakte, weshalb ich den KV100 definitiv nicht zum Telefonieren empfehlen kann.

Die typischen Befehle der Anrufsteuerung (Anruf annehmen, auflegen, letzte Nummer wählen) beherrscht der Kopfhörer, darauf werde ich jedoch nicht weiter eingehen, da diese näher in der Bedienungsanleitung erläutert werden.

Bluetooth-Reichweite, Akkulaufzeit:

Mit dem iPhone konnte ich gute 12 Meter (mit zwei Wänden im Weg) kabellose Reichweite erreichen, bevor die Wiedergabe zu stocken begann.

Praktisch ist, dass bei den meisten Android- und iOS-Geräten die verbleibende Akkukapazität grafisch in der Statusleiste angezeigt wird. Angegeben wird diese mit bis zu 6 Stunden, unter realen Testbedingungen konnte ich noch fünf bis fünfeinhalb Stunden erreichen.


Klang:

Getestet wurde der Kopfhörer kabellos und kabelgebunden hauptsächlich mit meinem iPhone 4 und Blackberry Q10.

Um es gleich vorweg zu sagen: die kabellose Übertragung ist miserabel und hängt dem heute machbaren technischen Stand (siehe dazu die Reviews zum MeElectronics Air-Fi Matrix² Kopfhörer und Noble BTS Receiver, die via Bluetooth sehr beachtliche Ergebnisse ablieferten (abgesehen vom Bassabfall des Noble mit niederohmigen Kopfhörern)) deutlich hinterher.
Kabellos gibt es beim KV100, ungeachtet des Quellgeräts (getestet wurden unter anderem ein iPhone 4, iPhone 4S, BlackBerry Q10, HTC Explorer, Acer Iconia Tab, Google Nexus 7, PS Vita, Acer Laptop und Lenovo Laptop, um Fehler des Quellgerätes auszuschließen) oder Formats (von MP3s über AACs und FLACs kamen auch WAV Dateien zum Einsatz) einfach permanent deutlich hörbare Artefakte und einen unkontrollierten, komprimierten Klang (getestet wurde mit vollem Akku und mehreren Lade- und Entladezyklen) – so macht die Wiedergabe einfach überhaupt keinen Spaß.
Am erträglichsten war die Wiedergabe hier mit AAC Dateien an den beiden iPhones, jedoch war das klangliche Ergebnis noch weit von gut entfernt und es traten noch immer viele Artefakte auf, die ich in dieser Intensität nur von meinem >10 Jahre alten Philips Bluetooth-Receiver kenne.
Sogar meinen beiden Neffen fiel die schlechtere Klangqualität bei der kabellosen Wiedergabe sofort auf – dies ist sehr schade, da damit wirklich viel Potential verschenkt wird, so ist der KV100 nämlich kabelgebunden klanglich überraschend potent für seinen Preis – einen besseren Bluetooth-Chip zu verbauen und den Preis dadurch um vielleicht $5-$10 zu erhöhen, wäre die sinnvollere Lösung gewesen.

That said, somit erfolgten die eigentlichen und unten aufgeführten Hörtests lediglich mit angeschlossenem Kabel – schade.

Tonalität:

Der Kidwavz KV100 ist  warm-bassig und in seiner tonalen Abstimmung dem Sennheiser Amperior gar nicht mal so unähnlich.

Im Grunde ist der Kopfhörer bassig-warm abgestimmt, mit etwas zurückgesetztem Hochton, wodurch ein relaxter, sanfter Klangeindruck entsteht, der unterwegs recht angenehm ist.
Die moderate Anhebung des Tieftons beschränkt sich hauptsächlich auf den Kickbass, den oberen Midbass und den unteren Grundton, ist von der Intensität her jedoch weniger stark als beim Sennheiser Amperior ausgeprägt – der KV100 ist also weniger bassig und auch die Betonung im Grundton ist weniger stark ausgeprägt und erstreckt sich nicht so weit, wodurch der Kidwavz gemäßigter als der Sennheiser Amperior spielt.
Vom Midbass runter gen Tiefbass fällt der Pegel ab, unterhalb von 30 Hz hört das Geschehen gänzlich auf.
Die Mitten sind tonal recht gut gelungen und befinden sich durch einen nur gering ausfallenden Peak irgendwo zwischen den unteren und mittleren Mitten nur minimal auf der dunklen Seite.
Der Hochton ist ein wenig zurückgesetzt. Durch den zurückgesetzten Präsenzbereich im unteren Hochton wirkt der Klang entspannt und nicht analytisch. Bei etwa 8 kHz höre ich beim Sweepen einen breitbandigen Peak, der jedoch noch immer unterhalb der Nulllinie liegt.

Insgesamt kann man den KV100 rein tonal als Amperior mit geringer ausfallender Bassbetonung, etwas mehr unterem, jedoch weniger oberem Hochton bezeichnen.
Für den Preis ist das Sounding also ganz gut gelungen, da die Mitten weitestgehend realistisch klingen und der Tiefton nicht übermäßig betont wird. Perkussionsinstrumente und Trompeten hingegen klingen etwas komprimiert und unnatürlich, jedoch noch immer besser, als ich es etwa von anderen günstigen Kopfhörern (z.B. Koss Porta Pro oder die dumpf-mumpfigen Urbanears) kenne.


Auflösung:

Für den Preis geht die Auflösung ganz gut in Ordnung. Preis-Leistungs-Wunder wie die Modelle von Superlux schlägt der KV100 zwar nicht, ist jedoch gut erträglich und nicht matschig oder wollig, wie man es von vielen günstigen No-Name Kopfhörern kennt.
Der Bass ist (für den Preis) recht fest und punchy, besitzt jedoch eine gewisse Stumpfheit. Hier kommt auch das geschickte Sounding mit der Kickbassbetonung und dem abrollenden Midbass zum Tragen, wodurch mögliche Schwächen im Tiefton kaschiert werden. Hebt man den Tief- und Midbass an und senkt den Oberbass ab, bleibt der Tiefton jedoch noch immer (den Preis im Hinterkopf habend) recht fest und kontrolliert, jedoch etwas stumpf.
Einzig den Mitten könnte man einen gewissen Schleier und eine moderate Detailarmut vorwerfen, der Hochton hingegen geht in Ordnung.

Bei schneller Musik neigt der Kopfhörer nicht zu sehr zum Matschen und klingt nicht übermäßig angestrengt; bei der Dynamik merkt man ihm jedoch den geringen Preis an.

Wie gesagt, für den Preis kann ich eigentlich keine wirklichen Mängel bezüglich der Auflösung feststellen, obgleich der offene Koss Porta Pro eine etwas höhere Auflösung, dafür jedoch meiner Meinung nach das schlechtere Sounding besitzt.

Räumliche Darstellung:

Der KV100 schafft es doch tatsächlich, eine Art Bühne zu konstruieren.
Deren seitliche Ausdehnung ist, typisch für geschlossene On-Ears, eher gering ausgeprägt, aber vorhanden. Positiv hat mich dann die vorhandene Tiefe überrascht, die in etwa gefühlten drei Vierteln der Breite entspricht. Dies macht der KV100 besser als der teurere Amperior, der eigentlich gar keine Bühne besitzt, dafür jedoch eine messerscharfe und genaue Ortungsschärfe bietet, die dem Kidwavz klar fehlt.
Für den Preis ist die Instrumentenseparation aber recht gut.

Einschätzung meiner Neffen:

Dem jüngeren der beiden gefiel der Klang des KV100 außerordentlich gut, der ältere hingegen, der auch gelegentlich bei mir mit meinen anderen Kopfhörern hören darf (und nicht mehr in die empfohlene Altersklasse passt), wenn er mich besucht, fand ihn zwar gut, würde jedoch nicht auf meine anderen Kopfhörer verzichten wollen.
Beim kabellosen Betrieb über Bluetooth sagten mir beide, dass der Klang schlechter sei, ohne dass ich sie darauf ansprach.

Den Tragekomfort empfanden beide als gut und angenehm.


Fazit:

Eigentlich hätte der Brainwavz Kidwavz KV100 von mir ein sehr gutes und überaus positiv ausfallendes Fazit erhalten – wäre da nicht der eher schlechte und komprimierte Klang voller Artefakte beim Betrieb über Bluetooth.
Kabelgebunden ist der Kopfhörer meiner Meinung nach wirklich empfehlenswert und auch gut für Kinder (aber nicht nur diese) geeignet, kabellos hingegen ist der Klang nicht so toll. Weniger gut haben uns auch die teils nur mit hohem Kraftaufwand zu betätigen Tasten und die lauten Ansagen im Bluetooth-Betrieb gefallen.
Insgesamt bleiben also nur eine Empfehlung im kabelgebundenen Betrieb und ein Daume, der weder nach oben noch nach unten zeigt.