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RHA T20 Review 🇩🇪

Prolog:

Vor Beginn meines Reviews möchte ich mich bei RHA für ein Exemplar des T20 im Austausch für meine ehrliche Meinung bedanken.

Reid Heath Acoustics ist ein britischer Hersteller von Kopfhörern mit dynamischen Treibern und hat mit dem T20 sein neuestes In-Ear Flaggschiff präsentiert, das preislich bei gut 230€ liegt und wie auch der Vorgänger drei austauschbare Klangfilter-Paare zur individuellen Anpassung der Tonalität beinhaltet.

Recht interessant finde ich beim T20, dass als Treiber eine neuartige koaxial-ähnliche Konstruktion mit einer innen und einer außen liegenden Schwingspule zum Einsatz kommt, durch welche die einteilige Membran außen hohe und im Zentrum tiefe Töne reproduziert, was man auch schön  auf dem sich auf der Verpackung befindenden Explosionsdiagramm sehen kann.

In meinem Review werde ich den T20 auch gegen den Sennheiser IE 80 antreten lassen, den ich als direkten Konkurrenten sehe, da beide auf dynamische Treibertechnologie setzen und etwa gleich viel kosten.

Wie auch die anderen Modelle von RHA ist der T20 mit einer dreijährigen Garantie abgedeckt.

Erworben kann der T20 unter anderem bei Amazon werden (http://amzn.to/1PvwpcB).

Technische Daten:

Treiber: DualCoil™ dynamisch
Frequenzbereich: 16-40000Hz
Impedanz: 16 Ohm
Empfindlichkeit: 90dB
Nennleistung/Höchstleistung: 2/5mW
Gewicht: 39g
Kabel: 1,35m, mehradrig, OFC
Anschlüsse: 3,5mm



Lieferumfang:

Geliefert wird der T20 in einer schön gestalteten Verpackung, die auf der Vorderseite eine magnetische Klappe besitzt, hinter der ein Sichtfenster den Blick auf die In-Ears, Filter und Aufsätze freigibt. Auf der Innenseite jener Klappe befindet sich eine beschriftete Explosionszeichnung, die das Wirkprinzip des DualCoil Treibers näher erläutert.
Öffnet man die Verpackung, findet man neben den  Aufsätzen und Klangfiltern ebenfalls eine Aufbewahrungstasche vor, die von der Größe und dem Material her der von Bose gleicht, dafür jedoch noch ein zusätzliches Innenfach besitzt. Ein Kleidungsclip und eine bebilderte Bedienungsanleitung sind ebenfalls vorhanden.











Optik, Haptik, Verarbeitung:

Das aus Edelstahl gefertigte Gehäuse des Premium In-Ears mit eingraviertem Firmen- und Modellnamen wirkt sehr stabil und besitzt praktischerweise am fest angebrachten Kabel farbige Markierungen zum schnelleren Zuordnen der richtigen Seite.
Der ebenfalls aus Edelstahl gefertigte Y-Splitter ist optisch schön gearbeitet und mit dem Schriftzug „Designed by Lewis Heath“ versehen, wobei „Lewis Heath“ kalligrafisch dargestellt wird.
Am ebenfalls schön aus Edelstahl gearbeiteten 3,5 mm Klinkenstecker besteht der Knickschutz, ganz ungewöhnlich, aus einer Feder, was jedoch eine enorm wirksame Methode gegen Kabelbrüche darstellt und sich optisch auch von anderen In-Ears abhebt.




Wie auch die In-Ears selbst sind der Halter für die Ohrpassstücke und auch derjenige für die wechselbaren Klangfilter aus Edelstahl gefertigt, wobei letzterer sogar mit Gewinden versehen ist; diese hätten jedoch sauberer geschnitten werden können. Die Gewinde der Filter selbst und In-Ears hingegen sind einwandfrei gearbeitet.
In den Filterröhrchen wird übrigens ein schwammartiges Material, wie etwa auch bei den Filtern des Shure SE846, verwendet.

Das Kabel ist sehr lang und wirkt stabil.


Tragekomfort, Isolation:

Die im höherpreisigen Segment bis auf wenige Ausnahmen übliche Kabelführung über den Ohren, die auch der T20 besitzt, verbessert den Sitz, Halt und verringert Kabelgeräusche.
Trotz des verhältnismäßig hohen Gewichts sitzen die In-Ears, zumindest in meinen Ohren, sehr bequem, was auch an der Gehäuseform liegt, die unter anderem in etwas abgewandelter Form
beispielsweise auch von Westone und Shure verwendet wird.
Die formbaren Ohrbügel sind patentiert und nicht so starr, wie man es von anderen In-Ears kennt, was daran liegt, dass kein klassischer Drahtbügel verwendet wird.
Trotzdem tritt ganz geringe (aber nicht störende) Mikrofonie auf, welche sich jedoch mit dem mitgelieferten Kleidungsclip gänzlich eliminieren lässt.

Außengeräusche isoliert der RHA T20 aufgrund seiner typisch für dynamische In-Ears belüfteten Gehäuse nur marginal besser als mittelmäßig, jedoch merklich besser als etwa der Sennheiser IE 80.


Klang:

Getestet habe ich den Klang des T20 hauptsächlich mit meinem iBasso DX90 und CD-Rips im FLAC Format und Hi-Res-Material; als Aufsätze kamen die großen aus Silikon zum Einsatz.

Beim T20 sind drei Paare an austauschbaren Klangfiltern, mit denen man den Klang in einem gewissen Ausmaß nach seinen individuellen tonalen Präferenzen anpassen kann, im Lieferumfang enthalten. Neu ist diese Idee nicht und fand bereits in der Vergangenheit bei einigen anderen In-Ears Verwendung, dennoch ist dies eine gute Möglichkeit, bestimmte Frequenzbereiche nach seinen eigenen Vorlieben zu verändern, ohne mehrere In-Ears kaufen zu müssen (ein paar Hersteller bieten nämlich verschiedene Variationen eines Modelles mit unterschiedlicher Tonalität an).

Tonalität:

Riesig sind die tonalen Unterschiede der verschiedenen Filter nicht, jedoch wahrnehmbar.

„Reference“-Filter:

Mit den standardmäßig installierten Klangfiltern kann man die allgemeine Klangsignatur des RHA als „Consumer-orientiert“ bassig-dunkel beschreiben. Diese drückt sich in einem recht prominenten Bass aus, dessen circa 10 dB betragende Betonung bereits merklich im Oberbass beginnt, im Midbass jedoch glücklicherweise nur unwesentlich zunimmt. Gen Tiefbass fällt der Pegel etwas ab, obwohl der RHA auch hier noch klar betont ist.
Der untere Grundton ist ebenfalls betont, jedoch weitaus weniger, weshalb der Klang nicht wirklich warm wird, was auch daran liegt, dass sich die Betonung schön aus dem oberen Grundton/den unteren Mitten heraushält.
Die präsenten, aber nicht betonten oder zurückgesetzten Mitten (und dementsprechend auch Stimmen) befinden sich in meinen Ohren hier leicht auf der hellen Seite, wirken jedoch noch natürlich.
Bis auf einen tendenziell breitbandig ausfallenden geringen Peak bei ca. 4,75 kHz, den ich via Sinusgenerator erhört habe, ist der Hochton etwas zurückgesetzt, wobei sich der obere Hochton stärker im Hintergrund befindet.

„Treble-Filter“:

Mit dem kupferfarbenen Hochton-Filter, der gänzlich leer, also unbedämpft daherkommt, verliert der Bass etwas an Präsenz, wie auch der Grundton, der etwas schlanker wird.
Tonal befinden sich die Mitten noch immer auf der eher hellen Seite.
Der mittlere Hochton gewinnt etwas an Pegel, dazu verschiebt sich der Peak bei mir minimal nach oben zu 5 kHz; dazu steht der obere Hochton etwas weniger im Hintergrund, ist jedoch noch immer klar hörbar zurückgesetzt.

„Bass“-Filter:

Bei diesem Filter bleibt der Bass von der gefühlten Quantität identisch, dafür erhält der Grundton etwas mehr Pegel und klingt etwas wärmer.
Interessanterweise verändert der „Bass“-Filter als einziger der drei in meinen Ohren den Mittelton, welcher hier nun in meinen Ohren tonal korrekt klingt und den minimal hellen Charakter ablegt.
Wie erwartet befindet sich der Hochton in dieser Filterkonfiguration etwas weiter im Hintergrund und der Peak in den mittleren Höhen verliert etwas an Metalligkeit.

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Der T20 mit dem Sennheiser IE 80 tonal im Vergleich:

Quantitativ besitzt der RHA weniger und tiefer ansetzenden Grundton als der Sennheiser, welcher durch seinen gänzlich angehobenen Grundton wärmer klingt und auch warme Stimmen besitzt; beim RHA sind diese tonal klar besser.
Der Sennheiser besitzt etwas mehr Midbass als der RHA.
Während der Sennheiser in den unteren und mittleren Höhen etwas mehr zurückgesetzt ist und dann etwas peakt, sobald der obere Hochton beginnt, betont der RHA („Reference“- und „Treble“-Filter) den mittleren Hochton minimal und besitzt einen klar zurückgesetzten oberen Hochton. Was einem bezogen auf die Implementierung der Hochtonbetonung nun besser gefällt, ist Geschmackssache.

Auflösung:

Die Detailauflösung befindet sich beim T20 auf einem guten Niveau für einen In-Ear mit dynamischem Treiber und ist alles in allem mit der des IE 80 vergleichbar und stellenweise sogar besser.
Richtig gut ist die Differenzierung des RHA im Bereich der Stimmen, die sehr sauber und präzise kommen, was etwa dem Sennheiser nach meinem Empfinden nicht ganz so gut gelingt.
Zwar ist der Hochton des T20 recht gut auflösend, hier gewinnt für mich der Sennheiser jedoch
knapp, da die mittleren Höhen des RHA einen leicht harten Anschlag besitzen und in diesem Bereich auch ein wenig unruhig wirken.
Positiv hat mich der Bass des RHA überrascht, der für einen dynamischen Treiber sehr fest und kontrolliert einschlägt und den eher matschigen Tiefton des IE 80 klar übertrifft, obwohl der Kickbass meiner Meinung nach etwas weniger Pegel vertragen könnte.
Riesig sind die Unterschiede der wechselbaren Klangfilter bezüglich der Bassqualität nicht, jedoch bietet der „Treble“-Filter von den dreien den schnellsten Bass, wohingegen der „Bass“-Filter etwas langsamer ausklingt, dabei jedoch noch immer knackig bleibt. Der „Reference“-Filter liegt irgendwo dazwischen, jedoch näher am „Treble“-Filter.

Räumliche Darstellung:

Die Bühne besitzt, ganz typisch für belüftete dynamische In-Ears, eine gute seitliche Ausdehnung, ohne hier jedoch übertrieben oder unnatürlich zu wirken. Die Tiefenebene ist beim T20 auch vorhanden, vergleichsweise jedoch etwas schwächer ausgeprägt, aber dennoch eindeutig vorhanden.
Instrumente werden sehr sauber voneinander getrennt und auch die Tiefenstaffelung ist wirklich sehr ordentlich.

Zwar besitzt der IE 80 die von den Ausmaßen her größere Bühne und kann dadurch eine etwas bessere Instrumentenplatzierung erreichen, der T20 bietet dafür jedoch die klar schärfere Instrumentenseparation und auch in der räumlichen Tiefe die bessere Trennung einzelner Elemente.


Fazit:

RHA hat mit seinem neuesten Flaggschiff einen sehr interessanten und sich auf einem hohen technischen Niveau befindenden In-Ear mit dynamischem Treiber, bei dem eine neuartige koaxial-
ähnliche Treiberkonstruktion, von RHA DualCoil™ genannt, zum Einsatz kommt, auf den Markt gebracht.
Bei der Verarbeitungsqualität gibt es wirklich nichts zu bemängeln und die In-Ears sitzen sehr bequem und sicher im Ohr, dazu kann der hochauflösende, bassbetonte Klang mit gut differenzierten Stimmen, trockenem und schnellem Tiefton, via Klangfiltern in begrenztem Umfang anpassbarem Hochton und einer guten Bühnendarstellung mit präziser Instrumentenseparation punkten.