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Fostex TE-07: ordentlicher Klang mit eher mäßiger Verarbeitung - Review 🇩🇪


Prolog:

Vor Beginn meines eigentlichen Reviews möchte ich mich bei Fostex International und insbesondere deren deutschem Vertrieb Mega Audio (www.megaaudio.de) für die Möglichkeit bedanken, ein Exemplar des TE-07 hören zu können.

Fostex ist definitiv kein unbekannter Hersteller in Audio-Kreisen. 1973 aus Foster Electric hervorgegangen, gilt die japanische Firma schon seit langer Zeit als einer der wichtigsten Zulieferer und OEM-Produzent für diverse Lautsprecher- und Kopfhörerhersteller, vertreibt jedoch auch eigene Produkte.
Der TE-07 bezeichnet Fostex‘ aktuelles In-Ear Flaggschiff, welches mit einem einzelnen Balanced Armature Schallwandler ausgestattet ist, einem Wandlerprinzip, das man hauptsächlich bei höherwertigen und insbesondere professionellen In-Ears für Musiker vorfindet. Gegenüber den weit verbreiteten dynamischen Wandlern zeichnen Balanced Armature Treiber eine hohe Pegelfestigt, gute Detailauflösung und ein schneller, präziser Bassbereich aus.


Erhältlich ist der In-Ear übrigens auch bei Amazonhttp://amzn.to/2lV0OJR


Technische Daten:

Typ des Schallwandlers: Balanced Armature
Frequenzbereich: 20 Hz – 20 kHz
Impedanz: 32 Ohm
Empfindlichkeit: 95 dB (bei 1 kHz, 1 mW)
Maximale Eingangsleistung: 5 mW
Stecker: 3,5 mm Mini-Klinke
Kabellänge: 1,2 m
Zubehör: Ohrpassstücke, Tragetasche


Lieferumfang:

Fostex‘ In-Ear Flaggschiff wird in einer stabilen, handlichen, farblich schwarz-orange gestalteten
Verpackung geliefert, welche umlaufend auf der matt schwarzen Oberfläche ein glänzend schwarzes Muster ziert.
Neben der Produktbezeichnung gibt auf der Vorderseite ein Sichtfenster im linken Quadranten den Blick auf die In-Ears frei; die Rückseite erklärt die Einzelteile des In-Ears. Auf der Seite befinden sich in mehreren Sprachen die technischen Daten.
Öffnen kann man die Verpackung nach dem Durchbrechen des transparenten Siegels dann durch Aufklappen der via Magnetklappe befestigten Vorderseite, danach liegen das Zubehör und der Kopfhörer frei und werden nur noch durch eine transparente Kunststoffscheibe vom neuen Besitzer getrennt.
Neben den In-Ears sind im Lieferumfang vier Paar Silikon-Ohrpassstücke in unterschiedlichen Größen und ein hochwertiges Etui aus Leder enthalten.





Optik, Haptik, Verarbeitung:

Das leichte Gehäuse des TE-07 ist aus Aluminium gefräst, hat in weißer Schrift den Firmennamen aufgebracht und fühlt sich hochwertig und auch stabil an. Ein kleines Loch zur Belüftung des Treibers und zum Druckausgleich befindet sich auch im Gehäuse, wirkt sich jedoch glücklicherweise nicht allzu sehr auf die Isolation aus.
Optisch unauffällig ist die Steckverbindung des austauschbaren Kabels integriert, welche auf ein koaxiales MMCX-System setzt, für das Fostex jedoch selbst konstruierte Stecker verwendet, die ein
wenig vom gängigen Standard abweichen, weshalb der Hersteller auch nicht garantiert, dass Kabel von Drittanbietern mit dem TE-07 funktionieren; dafür besitzt Fostex jedoch Ersatzkabel im Sortiment, wodurch die Ersatzteilversorgung sichergestellt wird.
Vom Kabel sprechend: dieses wirkt zwar stabil, robust und verheddert sich nicht wirklich, ist optisch jedoch nicht unbedingt ein Highlight und erinnert mich (rein optisch, haptisch ist es schon besser) an Beipack-Stöpsel von billigen MP3-Spielern; einen „Chin-Slider“ vermisse ich auch. Als Ausgleich bietet es dann jedoch einen sehr guten Knickschutz mit einem soliden, gewinkelten Klinkenstecker.
Das kleine mitgelieferte Aufbewahrungsetui ist aus schwarzem Leder gearbeitet und sehr stabil, dazu bietet es einen Magnet-Verschluss und ist innen mit weinrotem Samt ausgepolstert. Ein wenig größer oder mit einer auf der Längsseite angebrachten Öffnung hätte es dann jedoch ausfallen können, so passen die In-Ears nämlich nur gerade so hinein, wenn man sie um zwei oder drei Finger aufgewickelt hineinlegt.
Etwas enttäuschend waren für mich die Ohrpassstücke, welche recht dünnwandig sind und so eigentlich nur bei sehr günstigen Modellen Verwendung finden – da sind die Aufsätze, welche bei Modellen anderer Hersteller mitgeliefert werden, doch eine ganze Ecke besser und hochwertiger.







Tragekomfort, Isolation:

Durch seine Bauweise lässt sich der TE-07 regulär mit dem Kabel nach unten tragen, jedoch ist eine Trageweise mit den Kabeln über den Ohren ebenfalls bequem und einfach möglich und bietet den Vorteil eines besseren und sichereren Sitzes, einhergehend mit einer Reduktion der Mikrofonie.
Kabelgeräusche, auch Mikrofonie genannt, sind bei der „klassischen“ Trageweise nur mäßig ausgeprägt und werden bei einer Führung der Kabel über den Ohren noch geringer. Ein „Chin-Slider“ wäre hier trotzdem ein willkommenes Bauteil am Kabel gewesen.
Durch das geringe Gewicht „verschwinden“ die In-Ears beim Tragen bereits nach kurzer Zeit, und somit sitzt der TE-07 bei mir sehr bequem in den Ohren.

Die Isolation von Umgebungsgeräuschen befindet sich auf einem hohen Niveau, erreicht jedoch nicht ganz den Level von beispielsweise Modellen von Shure, was wohl hauptsächlich an den dünnwandigen Aufsätzen und der kleinen Öffnung im Gehäuse liegt. Von der Intensität liegt diese nur minimal unterhalb von noch sehr gut isolierenden in-Ears wie dem Logitech UE900, womit der TE-07 wesentlich stärker als die meisten dynamischen In-Ears isoliert, welche häufig größer ausfallende Gehäuseöffnungen besitzen.


Klang:

Den Klang des TE-07 habe ich mit hauptsächlich mit meinem iBasso DX90 evaluiert, mit welchem ich FLAC-, Hi-Res- und hochwertige MP3-Dateien abspielte.

Tonalität:

Die allgemeine Klangsignatur des TE-07 ist sehr ausgewogen und könnte als tendenziell neutral mit moderater Wärme bezeichnet werden.
Der eigentliche Bassbereich ist hier in meinen Ohren, mit dem extrem neutralen Etymotic ER-4S verglichen, nur einen Tick mehr präsent; gefühlsmäßig sind dies gerade einmal etwa 3 dB. Diese nicht wirklich stark ausgeprägte Betonung erstreckt sich bis in den unteren und tieferen mittleren Grundton; der obere Grundton/die unteren Mitten sind frei von jeglichen Betonungen.
Der Mittelton ist präsent und tonal in meinen Ohren korrekt, jedoch nicht aufdringlich, da der Präsenzbereich um 2 kHz etwas abgesenkt ist, wodurch der In-Ear trotz seiner nicht zurückgenommenen Mitten nicht aufdringlich spielt und somit gut langzeittauglich ist.
In den mittleren Höhen gewinnt der Hochton wieder an Pegel und steigt an, bis  bei 7 kHz ein schmalbandiger Peak auftaucht, welcher jedoch nicht spitz klingt und verhältnismäßig etwas geringer als beispielsweise beim UERM ausfällt.
Superhochton besitzt der TE-07 zwar, jedoch rollt dieser ab 12 kHz gleichmäßig und dadurch nicht abrupt ab – hier erkennt man bei genauem Hinhören, dass nicht der Hochtonumfang mit dem gleichen subtilen „Funkeln“ wie bei vielen Multi-BAs erreicht wird, jedoch schlägt sich der Fostex für einen Single-BA hier noch sehr gut, denn das Funkeln ist vorhanden, jedoch weniger präsent.
Im Tiefbass unterhalb von 30 Hz fällt der Pegel beim Sweepen mit einem Sinusgenerator hörbar ab, was jedoch nicht zu tragisch ist, da dieser Bereich kaum Toninformationen besitzt und bei 20 Hz auch noch Töne aus dem In-Ear kommen, jedoch hörbar leiser. Erfreulich für einen Single-BA In-Ear weicht der Tiefton gen Tiefbass nicht auf, was ich jedoch bei manchen anderen Single-BA In-Ears feststellen konnte.

Das Sounding ist sehr gelungen und angenehm natürlich. Die moderate „Betonung“ im Tiefton, einhergehend mit dem etwas zurückgesetzten Präsenzbereich, nimmt dem In-Ear Anstrengung aus dem Klangbild, ohne zu sehr merklich von einem neutralen Ideal abzuweichen. Insgesamt wirkt der Klang sehr stimmig und ist eher dem „entspannten“ Neutral zuzuordnen, wie etwa beim UE900, der bis auf den stärker zurückgesetzten Präsenzbereich (wodurch Stimmen etwas verschleiert klingen) und den um ca. 1 dB präsenteren Tiefton dem Fostex sehr ähnlich klingt.
Statt der „Studio-Neutralität“ des Etymotic ER-4S, die manchmal auch ein wenig erdrückend und emotionslos wirken kann, besitzt der TE-07 also eher eine leicht entspannte und etwas angewärmte „Consumer-Neutralität“.

Auflösung:

Viel muss ich hier nicht sagen, so befindet sich die Detailauflösung des Fostex, typisch für In-Ears mit BA-Schallwandlern, auf einem sehr hohen Niveau und übertrifft die meisten dynamischen In-Ears im gleichen Preisbereich.
Die Sprachverständlichkeit ist sehr gut, und somit sind feine Details im Mittelton und Variationen von Sängern schön und präzise hörbar. Auch im stimmigen Hochton ist die Detailauflösung hoch und Tasten-, Blas- und Streichinstrumente werden sehr realistisch wiedergegeben und klingen natürlich, mit gut hörbaren sauberen Anschlägen der Tasten oder Streichen des Bogens. Lediglich durch den Peak bei 7 kHz bekommen Besen und Hi-Hats einen minimal metallischen, jedoch nicht spitzen Charakter.
Ebenfalls typisch für Balanced Armature In-Ears ist der Bass schnell, präzise und fest, besitzt jedoch trotzdem einen natürlichen Körper.

Verglichen mit anderen Single-BA In-Ears ist die Auflösung des TE-07 etwas höher als die des Phonak Audéo PFE132, dessen Tiefbass auch minimal aufweicht. Der Fostex besitzt die höhere Aufdeckrate an feinen Details und einen natürlicheren Hochton.
Dem Etymotic ER-4S muss sich der TE-07 dann doch geschlagen geben; jedoch verzeiht der Fostex durch seinen moderat zurückgenommenen Präsenzbereich schlechte Aufnahmen weitaus besser und macht diese nicht gänzlich unhörbar, anders als der ER-4S, welcher nichts verzeiht und mit welchem nur sehr gut aufgenommene CDs hörbar sind.

Räumliche Darstellung:

Wie die meisten Single-BA In-Ears, die ich gehört habe, besitzt der TE-07 eine zusammenhängende und räumliche Bühne, welche hier sogar recht breit ist, jedoch nicht auf die Tiefe verzichtet.
Einzelne Instrumente werden sauber im Raum platziert und die Tiefenstaffelung wirkt präzise und natürlich, mit einer guten Instrumentenseparation.
Lediglich bei sehr schnellem Musikmaterial wirkt die Bühne des Fostex minimal angestrengt.

Natürlicher als beim Phonak wirkt die Bühne des TE-07, und vor allem zusammenhängend. In meinen Ohren klingt die Bühne des Phonak nämlich ein wenig zerstückelt, mit einer erzwungen erscheinenden Tiefe.
Die Bühne des Etymotic ER-4S ist etwas kleiner als die des TE-07, bietet dafür jedoch die präzisere Instumentenseparation.


Fazit:

Der Fostex TE-07 ist ein richtig guter Single-BA In-Ear, welcher mit einem sehr ausgewogenen und
natürlichen Klang sowie einer hohen Detailauflösung überzeugen kann. Die Bühnendarstellung ist sehr präzise, räumlich und weitläufig, der Tiefton nicht betont, jedoch sehr präzise, schnell und knackig.
Die Verarbeitung der In-Ears selbst ist sehr gut, jedoch stehen auf der Schattenseite das etwas fragil wirkende Kabel, die für die Preisklasse unangemessenen Silikonaufsätze und schließlich das Aufbewahrungsetui, welches zwar sehr wertig wirkt, jedoch im Vergleich zu klassischen Hardcases oder Reißverschluss-Etuis auch ein wenig unpraktisch ist.
Dies tut dem Klang, der für mich das wichtigste Kriterium ist, jedoch keinen Abbruch, weswegen der TE-07 von mir in der Gesamtbewertung noch einen äußerst positiven Eindruck hinterlässt.

85% oder 4,25 von 5 Sternen