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Shozy Lancea portabler DAC/AMP - Review 🇩🇪




Prolog:

Bevor ich mit meinem Review beginne, möchte ich mich bei Shozy für das Organisieren eines Exemplares des Lancea-DAC für meine ehrliche Einschätzung bedanken.

Seit Jahren als OEM-Produzent und Entwickler für Audio-Produkte im Hintergrund agierend, hat ein Team aus Entwicklern 2012 beschlossen, unter eigenem Namen eine Firma zu gründen und Audio-Produkte für Hi-Fi-Begeisterte herzustellen. So ist Shozy, eine Handelsmarke von Cozoy International, entstanden.

Erhältlich ist der DAC-Amp auch bei Amazonhttp://amzn.to/2cwMgwY


Technische Daten:

Decoding rate                       16/44.1 (20/44.1bit design)
System power current         10mA - 70mA max.
Power input                          1.8V-3.3V+-10%
Output gain level step         3dB/step; 16 steps
Supported connectors         Lightning, micro - micro usb, usb 2.0


Lieferumfang:

Der kleine DAC kommt in einer kleinen, modern gestalteten Verpackung, die auf der Oberseite vom Shozy-Logo und einem aufgedruckten, harmonisch erscheinenden Farbband geziert wird. Auf den Seiten befinden sich die Worte „Lancea“ und „Hi-Res Audio Amplifier“ sowie die Information, dass der USB-DAC mit Apple-Produkten kompatibel ist. Die Rückseite enthält eine Bedienungsempfehlung, die technischen Daten, eine Beschreibung des Lieferumfangs sowie schließlich ein Bild des DAC.

Hebt man den Deckel der Verpackung ab, präsentiert sich der goldfarbene DAC, dessen Farbe wunderbar der goldenen Farbe der neueren goldfarbenen iPhone-Generationen entspricht; dahinter versteckt sich das Zubehör, welches aus drei Anschlusskabeln besteht, welche es dem Nutzer ermöglichen, den Lancea ohne weitere Adapter an Computern, neueren Apple-Geräten sowie Smartphones und Tablets mit Android als Betriebssystem zu verwenden.











Optik, Haptik, Verarbeitung:

Der DAC ist enorm klein und entspricht von seinen Abmessungen ziemlich genau einem regulären USB-Stick.
Das goldfarbene Gehäuse aus Metall ist CNC-gefräst und extrem stabil. Auf der Oberseite ist „Shozy“ eingraviert, mitsamt eingefrästen Linien auf der Ober- und Unterseite, was mir persönlich optisch sehr gut gefällt. Vorder- und Rückseite, in welchen sich der 3,5 mm Audioausgang beziehungsweise Micro-USB Eingang befinden, sind mit silberfarbenen Torx-Schrauben befestigt und besitzen silberfarbene, angefaste Ecken, welche sich schön als optischer Kontrast absetzen.
Die Anschlusskabel erinnern in ihrer Beschaffenheit und Optik an die von Apple; die Micro-USB Stecker aller drei Kabel rasten sehr fest und sicher im DAC ein, wodurch eine stabile Verbindung gewährleistet wird.


Funktionen, Anschlüsse:

Shozy hat sich dazu entschlossen, den Lancea möglichst simpel zu gestalten und ihm daher neben dem digitalen Ein- und analogen Ausgang keine weiteren Spielereien verpasst.
Mit 16 Bit/44,1 kHz (maximal 20 Bit/44,1 kHz) decodiert der DAC Standard-CDs, jedoch kein Hi-Res Material. Manchen wird dies möglicherweise zu wenig sein, mir jedoch genügt der CD-Standard im Alltag vollkommen und selbst durchgeführte Blindtests mit derselben Audiodatei, welche von Hi-Res auf CD-Standard heruntergerechnet wurde, ergaben, dass ich objektiv keinen Unterschied feststellen kann (was mit Sicherheit auch für 99% der anderen Nutzer in einem Blindtest zuträfe).

Verwendung am Computer:

Die Verwendung des Lancea-DAC am Computer ist sehr einfach: Treiber müssen nicht installiert werden; das Gerät kann einfach eingesteckt und direkt benutzt werden, nachdem es in der Systemsteuerung ausgewählt wurde („plug & play“). Die Lautstärkeregelung erfolgt im Windows-Mixer, wobei Vorsicht geboten ist, denn der DAC ist sehr kraftvoll mit empfindlichen In-Ears.

Verwendung mit iOS-Geräten:

Die Verbindung mit meinem iPhone klappte einwandfrei und der DAC wurde schnell erkannt. Die 16 Lautstärke-Schritte der iOS-Geräte regeln den Pegel dabei in 3 dB-Schritten, wobei mit dem digitalen Regler auf dem Bildschirm auch noch feinere Schritte möglich sind.
An älteren iOS-Geräten mit 30-Pin Stecker ist die Nutzung des Lancea auch möglich und klappt einwandfrei mit dem Camera Connection Kit, jedoch muss ein USB-Verteiler (jedoch nicht zwangsweise einer mit Stromversorgung) zwischengeschaltet werden.

Verwendung mit Android-Geräten:

Wie für alle USB-DACs muss das Android-Gerät USB Audio Out unterstützen, damit der DAC nativ verwendet werden kann. Alternative Apps wie „USB Audio Player Pro“ ermöglichen jedoch auch die Verwendung mit vielen eigentlich nicht kompatiblen Geräten.


Allgemein war hier jedoch an allen Geräten das Fehlen einer Status-LED manchmal ein wenig nachteilig, wodurch man nicht wusste, ob der DAC bereits erkannt wurde oder noch nicht.


Klang:

Getestet habe ich den Klang des Lancea mit einigen meiner In-Ears (unter „Meine Kopfhörer“ oben in der Statusleiste einsehbar), darunter die meiste Zeit mit meinem Shure SE846, Ultimate Ears Triple.Fi 10 und Brainwavz S3, teils auch mit meinem Leckerton UHA-6S MKII als Verstärker am DAC angeschlossen.

Frequenzgang, Ausgangsimpedanz:

Dies ist der Frequenzgang ohne angeschlossene Last:


Messfehler sind mir nicht unterlaufen und was man sehen kann, ist der reale Frequenzgang des Lancea, welcher scheinbar einen dauerhaften Equalizer verwendet, den man leider nicht deaktivieren kann.
Die Veränderungen im Frequenzgang von bis zu 2 dB sind zwar nicht sehr viel, jedoch genug, um den Klang des Lancea absichtlich zu verändern und in eine sanftere Richtung zu lenken. Zwei Absätze weiter unten werde ich dann genauer darauf eingehen, in wieweit der Frequenzgang mit meinem akustischen Eindruck, den ich beim ersten Hören als Notizen auf Papier niedergeschrieben habe, zusammenhängt.

Ich hatte die Gelegenheit, mit den Entwicklern bei Shozy über dieses „Problem“ zu sprechen und erhielt auch eine Antwort über die Beweggründe, welche ich mir auch so gedacht hatte: der milde DSP-Eingriff in den Frequenzgang (der wirklich mild ist, denn bis zu 2 dB sind wirklich recht wenig) wurde gewählt, um bestimmte Bereiche etwas zu mildern, wodurch ein organischer und analog-ähnlicher Klang entsteht, welcher Shozys Haussound symbolisiert, welcher sich in all ihren Produkten wiederfinden lässt. Meiner Meinung nach ist dies so auch geglückt und lässt den Lancea weniger steril klingen, da er „analoger“ spielt, ohne jedoch an Details zu verlieren, jedoch gehe ich weiter unten näher darauf ein.

Ist der Frequenzgang (bis auf den fest eingebauten moderaten Equalizer) mit dynamischen In-Ears und Bügelkopfhörern noch gerade, verändert er sich jedoch hörbar mit In-Ears, welche eine variierende Impedanz über den Frequenzverlauf besitzen (= alle Mehrtreiber-In-Ears), wie hier am Beispiel des Ultimate Ears Triple.Fi 10 am Lancea zu sehen:


Dies lässt darauf schließen, dass der Ausgangswiderstand des Lancea eher hoch ist, weshalb man ihn mit eben solchen Mehrtreiber-In-Ears nur als reinen DAC verwenden und an ihn einen niederohmigen Kopfhörerverstärker anschließen sollte. Mit In-Ears, welche einen dynamischen Treiber besitzen, ist der DAC jedoch trotz des erhöhten Ausgangswiderstandes uneingeschränkt und ohne separaten, niederohmigen Kopfhörerverstärker nutzbar.

Rauschen:

Erfreulicherweise ist das Grundrauschen des Lancea ziemlich gering und selbst mit enorm empfindlichen In-Ears, wie dem Shure SE846, nur leise zu hören und somit leiser als etwa beim Geek Out, HiFime 9018d oder iPhone 4 und befindet sich etwa auf dem Niveau des ersten FiiO X3 oder sogar ein wenig darunter.

Auflösung, Präzision, Bühne:

Der Lancea ist, was Auflösung, Präzision und Bühne betrifft, ein richtig toller portabler DAC und kann sich mit dem Geek Out IEM 100 diesbezüglich ganz gut messen.
Shozys Lancea besitzt eine sehr gute Bühne, die eine tolle räumliche Tiefe generiert und dabei gleichzeitig auch sehr breit ist. Der Bass ist sehr trocken sowie präzise und auf GO IEM 100-Niveau, mit einem sehr sauberen „Punch“. Der allgemeine Klangcharakter des Lancea ist „smooth“, jedoch gleichzeitig auch sehr detailliert und druckvoll.
Der leicht smoothe Charakter wird durch den Frequenzgang des Lancea erzeugt. Die Veränderungen sind zwar nicht übermäßig groß, jedoch beim Musik-Hören in einem leicht sanfteren, entschärften Klang wahrnehmbar und beim Nutzen eines Sinus-Generators hörbar: die Senke bei 200 Hz nimmt dem unteren Grundton/oberen Kickbass Mächtigkeit; die darauf folgende Betonung bei 400 Hz verleiht den unteren Mitten/dem oberen Grundton Wärme und Sanftheit. Mit der Senke bei 1 kHz werden aufdringliche Stimmen abgemildert; bei 7 kHz werden durch die sich dort befindende Senke metallische Peaks etwas entschärft.
Obwohl die eigentliche Klangqualität des Lancea wunderbar ist, finde ich es aus objektiver Sicht gar nicht gut, einen permanenten Equalizer in den Frequenzgang einzubauen. Vielmehr sollte der Frequenzgang linear sein und dem Nutzer die Möglichkeit gegeben werden, sofern er dies möchte, mit einem Software-EQ auf dem Abspielgerät den Klang zu verändern.
Nach meiner Konversation mit den Entwicklern, die ich weiter oben im „Frequenzgang“-Abschnitt erwähnte, kann ich die Entscheidung einer geringen DSP-Kurve auf den Frequenzgang nun zwar besser nachvollziehen, jedoch persönlich nicht 100%ig tolerieren, da die Kurve vom idealen Frequenzgang abweicht.

Im Vergleich mit dem Geek Out klingt der Lancea etwas heller und besitzt die breitere Bühne; die räumliche Tiefe ist bei beiden exzellent. Der Charakter des Shozy ist hierbei direkter als der des LH Labs, wobei sich beide, was Auflösung und Kontrolle betrifft, auf einem sehr guten Niveau befinden. Im Hochton wirkt der Geek Out feiner zeichnend, dafür besitzt der Shozy jedoch das hörbar geringere Grundrauschen, gleichzeitig aber auch die deutlich höhere Ausgangsimpedanz.





Fazit:

Beim Lancea bin ich, was mein Fazit betrifft, doch recht zwiegespalten – einerseits kann der DAC durch eine hervorragende Verarbeitungsqualität mit einem modernen, schlichten Design, einem hochauflösenden, räumlichen und präzisen Klang sowie geringen Grundrauschen punkten, andererseits will mir der dauerhafte Equalizer aus einer objektiven Betrachtungsweise gar nicht  gefallen, da dem Nutzer somit ein etwas verfälschter, beschönigender Frequenzgang präsentiert wird – das hätte wirklich nicht sein müssen, da der Lancea ansonsten ein exzellenter DAC ist.

Für In-Ears mit variierendem Impedanzgang (also alle Multi-BA In-Ears) ist der Ausgangswiderstand etwas zu hoch, weshalb man für diese einen niederohmigen Kopfhörerverstärker nach dem Lancea verwenden sollte. Für wirkungsgradschwache und hochohmige In-Ears und Kopfhörer, für welche der DAC auch hauptsächlich entwickelt wurde, ist er hingegen durch seine beachtliche Verstärkerleistung bestens geeignet.

Da ich versuche, meine Reviews einigermaßen objektiv zu gestalten und meine persönliche Meinung aus der Bewertung herauszulassen, kann ich dem Lancea durch den nicht 100%ig idealen Frequenzgang, welcher den Klang analoger erscheinen lassen soll, dadurch jedoch den objektiven Anspruch, den ein DAC meiner Meinung nach doch haben sollte, etwas verfehlt, leider nur etwa 60% in der Gesamtnote geben, obwohl er ansonsten ordentlich ist.
Gäbe es eine Möglichkeit, den DSP zu deaktivieren, bekäme der DAC von mir etwa 80%.