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Vibro Labs Veritas In-Ear Messmikrofon - Review & Guide 🇩🇪

Prolog:

Das Vibro Labs Veritas Messmikrofon habe ich von Luke, dem Kopf hinter der Firma, zu einem
vergünstigten Einführungspreis von gut 70$ erworben. Der spätere Marktpreis beträgt 99 US-Dollar zuzüglich 10$ (für den günstigsten) Versand und anfallender Einfuhrumsatzsteuer (welche dann von der Post entweder direkt beim Eintreffen des Pakets oder per nachfolgender Rechnung erhoben wird).

Mein untenstehendes Review ist größtenteils als Anleitung zu verstehen und richtet sich an den ambitionierten Kopfhörer-Enthusiasten.


Was ist „Veritas“?

Bevor ich näher auf das „Veritas“-Messmikrofon eingehe, hole ich etwas weiter aus:
Dass verschiedene Kopfhörer und In-Ears nicht identisch klingen, sollte den meisten Menschen, die in dieses Hobby eintauchen, bereits bewusst sein. Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie man jemand die Tonalität eines Kopfhörers näherbringen kann. Natürlich ist es möglich, einfach zu beschreiben, wie ein Kopfhörer klingt, jedoch unterscheidet sich die Wahrnehmung von Mensch zu Mensch und nicht jeder verfügt über den gleichen Erfahrungshintergrund, so kommt es bei Neulingen häufig vor, dass sie einen extrem bassbetonten Klang als „neutral“ einstufen, weil sie einfach noch nichts anderes kennen – und diese Fehleinschätzung würde dann zu Trugschlüssen anderer Suchender führen.
Wie so Vieles lässt sich nun auch „Klang“ messtechnisch erfassen und graphisch darstellen. Den meisten Enthusiasten sollte so zumindest wenigstens einmal ein Messdiagramm des Frequenzganges eines Kopfhörers begegnet sein. Jene Messungen werden in der Regel jedoch mit sehr teurem Präzisionsequipment durchgeführt, dessen Preise schnell in hohe Sphären schießen können.
Kurzum: solange man kein sehr wohlhabender Extrem-Enthusiast ist oder jenes Equipment für die Arbeit (beispielsweise als Hersteller/Entwickler von Kopfhörern) benötigt, wir wohl kaum jemand in Betracht ziehen, eine präzise Profi-Messanlage käuflich zu erwerben.

Für Enthusiasten, Reviewer, Hobbyisten und Hobby-In-Ear-Entwickler, die dennoch in den Genuss von Messungen kommen wollen, bietet Vibro Labs das „Veritas“ In-Ear-Messmikrofon an, mit welchem man mit vergleichsweise geringem Aufwand und etwas Zeitinvestition brauchbare Ergebnisse erzielen kann.

Beim Preis von 99$ muss man jedoch auch ein paar Abstriche machen:
Das Mikrofon muss kalibriert werden, um rohe, unkompensierte Messungen zu erhalten; für eine angewendete HRTF-Kompensation (wer möchte, kann zum Schlagwort „HRTF“ und „diffuse field compensation“ googeln, denn die Messungen, welche man üblicherweise von Kopfhörern und In-Ears sieht, sind normalerweise HRTF-kompensiert) muss zusätzlich noch eine weitere Kompensationskurve erstellt werden. Das Mikrofon ist nicht genormt, womit die Messresultate, welche man erhält, nur angenäherte Werte sind.


Lieferumfang:

Viel wird nicht benötigt, somit fällt der Lieferumfang auch eher spärlich aus: neben dem Mikrofon kommen lediglich etwas Knete und ein akustischer Schlauch (zum Messen einzelner Balanced Armature-Treiber) im Luftpolsterumschlag.



Optik, Haptik, Verarbeitung:

Optisch ist das Mikrofon einfach gehalten. Mit der blauen Knete kann man es gut auf einem Tisch fixieren; die Verarbeitung ist funktionell gestaltet.



Voraussetzungen:

Theoretisch könnte man so schon loslegen, doch fehlen möglicherweise noch essentielle Bestandteile zum Messen, welche ich hier kurz aufzählen möchte:

Hardware:

Pflicht: Computer, Audioausgang, Audioeingang, Veritas Mikrofon, In-Ears
Nicht unbedingt notwendig, jedoch hilfreich: 3,5mm (männlich) auf 3,5 mm (männlich) Kabel, 3,5 mm-Stereo auf 2x 3,5 mm-Stereo Y-Splitter, digitaler Audio-Player, Kopfhörerverstärker

Software:

Pflicht: Software zum Durchführen der eigentlichen Messung (z.B. ARTA)
Nicht unbedingt notwendig, jedoch hilfreich: Audacity, Right Mark Audio Analyzer (RMAA)


Durchführung:

Bevor man mit den eigentlichen Messungen beginnt, ist es empfehlenswert, zu testen, ob das verwendete Messequipment (Soundkarte/Audio-Interface) überhaupt linear aufzeichnet und somit für präzise Messungen verwendet werden kann.
Diese Schritte kann man bereits überprüfen, bevor man sich für ein Messmikrofon, wie dem Veritas, entscheidet, um Enttäuschungen vorzubeugen.

Ermittlung der Eignung des Mikrofon-Einganges:

Zuerst sollte man überprüfen, inwieweit der Mikrofoneingang das eingehende Signal linear aufzeichnet. Dazu werden neben der Soundkarte (bei der hier nur der Eingang benötigt wird) das 3,5 mm auf 3,5 mm-Kabel und ein Audiospieler, bei dem man weiß, dass dessen ausgegebenes Signal linear ist (z.B. FiiO X3, SanDisk Sansa Clip Zip, jedoch auch die meisten anderen Audio-Spieler), Audacity und RMAA benötigt.



Zur Vorbereitung sollten alle DSPs und sonstige den Klang verändernden Faktoren ausgeschaltet werden. Nutzt man den internen Mikrofon-Eingang des Computers, kann man in der Systemsteuerung unter „Hardware und Sound -> Sound -> Aufnahme -> Mikrofon -> Verbesserungen“ den Haken bei „alle Soundeffekte deaktivieren“ setzen und unter „Pegel“ den Pegel der Mirkofonverstärkung bis zum Anschlag nach rechts schieben. Weitere DSPs (wie etwa das „Dolby Home Theater“) sollten selbstverständlich auch deaktiviert werden.

Weiter geht es dann mit der Software, wobei mit RMAA über „Generate WAVE“ das Testsignal erstellt wird (die relevante Datei nennt sich dann „Test signal (44 kHz 16-bit).wav“), welches gleich benötigt wird und nun auf den Mediaplayer kopiert wird, bei dem bekannt ist, dass sein Ausgang ein schnurgerades Signal ausgibt (z.B. FiiO X3, Sansa Clip Zip). Sollte das Gerät keine .wav Dateien unterstützen, sollte die Datei zuvor möglichst verlustfrei in ein anderes Format umgewandelt werden.

Ist dies erledigt, startet man Audacity und schließt den Mediaplayer mit dem 3,5 mm auf 3,5 mm Kabel am Mikrofoneingang an. Schließlich stellt man am Mediaplayer eine relativ hohe Lautstärke ein, startet in Audacity die Aufzeichnung und spielt danach die Datei am Mediaplayer ab.
Nachdem die Audiodatei durchgelaufen ist, kann man in Audacity die Aufnahme stoppen und die Datei dann exportieren, um diese dann in RMAA unter „Analyze WAV“ dann auszuwählen und analysieren zu lassen.
Nun sollte sich idealerweise folgendes Fenster öffnen und man kann auf die gelb markierte Schaltfläche klicken, um sich den aufgezeichneten Frequenzgang anzusehen:



Sollte RMAA den Pegel jedoch für zu niedrig ansehen und kein solches Fenster erscheinen, kann man das Signal entweder mit einem (linear spielenden) Kopfhörerverstärker oder digital in Audacity verstärken, woraufhin die Messung dann erkannt werden sollte.
Der ausgegebene Frequenzgraph sollte dann idealerweise so aussehen:





Wird hingegen „Gezappel“ angezeigt, ist dies ein Indiz dafür, dass die Messung nicht korrekt war, weshalb sie mehrfach wiederholt werden sollte, bis eine anständig aussehende Kurve oder Linie ausgegeben wird.
Sollte der Graph nicht so linear wie in meinem Fall aussehen, bedeutet dies, dass der Eingang nicht linear aufzeichnet, weswegen eine andere externe Soundkarte respektive Audio-Interface in Betracht gezogen werden könnte.

Ermittlung der Eignung des Audio-Ausganges:


Hat sich der Audioeingang als geeignet herausgestellt, kann man nun mit dem Testen der Eignung des Ausganges fortfahren. Benötigt hierfür werden neben Audacity, RMAA und dem Kabel ein Y-Splitter, welcher ein Stereosignal in zwei Stereosignale aufteilt.

Messung ohne angeschlossene Last:

Zuerst testen wir ohne angeschlossenen Kopfhörer, ob das ausgegebene Signal linear ist. Hierzu wird der Audioausgang direkt mit dem Eingang verbunden, wobei der Y-Splitter bereits in den Ausgang gesteckt werden kann, zumal er für die Messung mit Last von Bedeutung sein wird.





Wie üblich sollten alle DSPs und sonstige den Klang verändernden Faktoren ausgeschaltet sein und der Ausgangspegel relativ hoch eingestellt werden.
Wie bereits vorhin wird die Aufnahme in Audacity gestartet und mit einem Abspielprogramm (wie beispielsweise dem Windows Media Player) das „Test signal (44 kHz 16-bit).wav“ abgespielt.

Wie auch vorhin wird die Datei dann gegebenenfalls in Audacity verstärkt, exportiert und dann in RMAA analysiert.
Sollte der nun sichtbare Graph so linear wie derjenige beim Prüfen der Eignung des Einganges sein, bedeutet dies, dass der Ausgang ebenfalls linear aufspielt. Weicht der nun sichtbare Graph (meist entweder im Hoch- oder Tiefton) vom vorigen ab, bedeutet dies, der Ausgang gibt das Signal nicht linear aus, womit eine andere Soundkarte zum Ausgeben des Signals verwendet werden sollte.

Mit Last:

Die Messung mit angeschlossenem Kopfhörer als Last soll hauptsächlich dazu dienen, herauszufinden, ob die Soundkarte, deren Ausgang das Signal im Idealfall linear ausgibt, auch an kritischen In-Ears mit variierendem Impedanzgang, wie etwa allen In-Ears mit mehreren Balanced Armature-Treibern, ein lineares Signal ausgibt, also eine niedrige Ausgangsimpedanz besitzt.
Der Aufbau unterscheidet sich nicht sonderlich von dem ohne Last, jedoch wird an den zweiten Ausgang des Y-Verteilers nun der In-Ear mit mehreren BA-Treibern angeschlossen.



Die anschließende Messung erfolgt dann wie gehabt, jedoch sind die Messtöne dann deutlich zu hören, selbst wenn die In-Ears auf dem Tisch liegen. Eine Verstärkung des Signals ist dabei eigentlich unumgänglich (entweder durch einen linear spielenden Kopfhörerverstärker im Signalweg zwischen dem Y-Splitter und dem Eingang (NICHT jedoch zwischen dem Ausgang und Kopfhörer, denn schließlich soll das den Eingang erreichende Signal und nicht das des Kopfhörers verstärkt werden) oder durch Software-Verstärkung in Audacity).

Da die meisten Audioausgänge keinen geringen Ausgangswiderstand besitzen, wird das in RMAA angezeigte Ergebnis etwas von der idealerweise zuvor erzielten schnurgeraden Linie abweichen, weshalb eine Soundkarte mit niederohmigem Ausgang (z.B. HiFime 9018d) zum späteren Durchführen der eigentlichen Messung mit ARTA  verwendet werden sollte.
Alternativ kann man den hochohmigen Ausgang auch umgehen, indem man für die eigentliche Messung einen niederohmigen Kopfhörerverstärker (z.B. FiiO E6) zwischen dem Ausgang und Kopfhörer schaltet.


Messen mit ARTA:

Trotz meiner messtechnisch einwandfreien Hardware hat sich herausgestellt, dass der Verstärker meines Mikrofoneinganges nicht genug Leistung hat, um eine brauchbare Messung zu erreichen, weshalb ich das von Luke empfohlene StarTech USB Audio-Interface zum Aufzeichnen des Signals verwendete, dessen Eingang sich vorbildlich linear misst und auch eine hohe Verstärkerleistung besitzt. Den Ausgang des Interfaces hingegen verwendete ich nicht, da dessen Frequenzgang nicht sonderlich gut ist; stattdessen setzte ich auf den LH Labs Geek Out IEM 100, welcher auch noch eine sehr niedrige Ausgangsimpedanz besitzt.

Am Rande erwähnt: selbst wenn sich die Soundkarte nicht 100%ig linear misst, kann man dennoch präzise Messungen mit ihr erreichen, wenn man eine Kompensationskurve erstellt (und in Arta importiert), welche die Nicht-Linearitäten ausgleicht.

Aufbau, Anschluss:


Der Aufbau der Messung ist eigentlich recht simpel: in den Audio-Eingang des Interface wird das Veritas-Mikrofon gesteckt, in den Ausgang kommt der zu testende In-Ear (gegebenenfalls mit einem niederohmigen Kopfhörerverstärker zwischen Ausgang und In-Ear). Weitere Kabel oder Adapter, wie für die obigen Messungen, werden nicht benötigt.

Schließlich steckt man den In-Ear dann in die Öffnung des Veritas, wobei gegebenenfalls mit verschiedenen Silikonaufsätzen für den In-Ear und zusätzlicher Fixierung mittels der Knetmasse probiert werden sollte, bis eine passabel aussehende Messung ohne steilen Bassabfall zustande kommt.
Will man maßgefertigte In-Ears oder einzelne BA-Treiber messen, kann man deren Schallaustritt mithilfe der Knete in der Öffnung des Mikrofons luftdicht positionieren, was auch recht gut funktioniert. Universelle In-Ears werden einfach mit dem Ohrpassstück in die Öffnung gesteckt, wobei auch hier auf eine gute Abdichtung geachtet werden sollte. Größere Aufsätze halten meist leider nicht so gut im Kegel, weswegen fast immer die mittleren verwendet werden müssen – halten auch diese nicht richtig, können die In-Ears mittels der mitgelieferten Knetmasse fixiert werden, wobei hierbei darauf geachtet werden sollte, dass keine (gegebenenfalls vorhandenen) Belüftungslöcher („Vents“) blockiert werden.

Durchführung:

Ist alles hardware-seitig eingerichtet, das Mikrofon eingesteckt und ein In-Ear, der mit dem Audioausgang verbunden ist, im Kegel positioniert, kann man Arta öffnen. Über „Mode -> Impulse response/Signal time record“ wechselt man dann in das relevante Mess-Menü. Unter „Setup -> Audio devices“ wählt man danach den Ein- und Ausgang aus und bestätigt dies unten mit „Ok“; schließlich kann man auf das kleine „FR“-Symbol unterhalb von „Analysis“ klicken, woraufhin sich ein neues Fenster öffnet, in dem man unten auf „Record“ klickt. „Pink cutoff“ setzt man auf „20 Hz“, danach kann man mittels „Generate“ den Messton wiedergeben und die Lautstärke so einstellen, dass die Balken des SPL-Meters unten weit nach rechts ausschlagen, sich jedoch noch im grünen Bereich befinden.
Auf der rechten Seite wählt man bei „Preferred input channel“ denjenigen aus, welcher den lauteren Pegel anzeigt; unter „Number of averages“ kann man dann noch einstellen, aus wie vielen direkt nacheinander erfolgenden Messungen ein Mittelwert erstellt wird, wobei ich persönlich je nachdem, wie gut der In-Ear im Trichter sitzt, zwei bis fünf wähle, was auch ausreicht. Mit „Record“ startet man dann die Messung, nach deren Durchführung das Ergebnis angezeigt wird, dessen Graph mit einem Klick auf „Fit“ automatisch ins Sichtfeld verschoben wird.
Das sollte es mit den Basics gewesen sein. Sobald man diese beherrscht, sind die restlichen Funktionen eigentlich auch selbsterklärend.

Kalibrieren des Mikrofons:

Wie schon erwähnt, simuliert das Veritas-Mikrofon keinen IEC 711-Kuppler, weshalb das Mikrofon im Ausgangs-Zustand nur für grobe Vergleichs-Messungen seiner eigenen In-Ears taugt. Will man seine Messungen auch einigermaßen nachvollziehbar mit anderen aus dem Internet vergleichen können, muss man sein Veritas selbst durch Ausprobieren kalibrieren. Dazu benötigt man ein paar In-Ears, deren Frequenzgänge bereits in diversen Online-Datenbanken erfasst sind. Beachten werden sollte hier jedoch, dass man entweder rohe Messungen ohne angewandte Diffusfeld-Entzerrung oder nur eine Datenbank-Quelle heranzieht, da nicht jede Seite dieselbe Kompensationskurve anwendet.
Ausgehend von den eigenen Messungen kann man dann mit dem Windows-Programm „Editor“ eine IEC-711-Pseudo-Kalibrierungs-Kurve erstellen, welche wie folgt aussehen kann (die folgenden Zahlen sind fiktiv und dienen nur der Veranschaulichung; die linke Zahl bezeichnet die Frequenz und die rechte den Wert in dB, um den die Frequenz angehoben oder abgesenkt wird, wobei ein positiver Wert die Frequenz hier absenkt):

1000      -17
1250      -6.3
1300      -3
3000      -15.75
3400      -14.5
5000      +1
7000      -3


Die Datei speichert man dann als „.mic“ ab und kann sie in Arta mit einem Klick auf den rot-blauen „FR compensation“ Knopf unterhalb von „Analysis“ importieren; die Kompensation wird dann auf die aktuelle und zukünftige Messungen angewandt, wobei man im Windows-Programm „Editor“ hier etwas länger experimentieren und mehrere In-Ears messen und mit bekannten Graphen vergleichen muss, bis dabei brauch- und vergleichbare Resultate entstehen. Nach jeder Änderung der Kompensations-Datei muss man diese übrigens erneut in Arta importieren, damit die Änderungen wirksam werden.

Für die genäherte Rohkurve habe ich die Ergebnisse meiner Messungen vieler meiner In-Ears mithilfe von vier Online-Datenbanken angenähert.

Erste Messresultate:


Hat man das Mikrofon einmal anständig kalibriert, ist der größte Teil der Arbeit getan und man muss für die Zukunft keine neuen Kalibrationskurven erstellen.

Ich für meinen Teil habe auf die rohe Kalibrationskurve eine angenäherte Form der Diffusfeld-Entzerrungskurve von Hammershøi & Møller aus dem Jahr 2008 angewandt, welche den Mittelwert aus 47 gemessenen individuellen Ohrresonanz-Kurven darstellt.

Bis ich die ersten halbwegs brauchbaren Resultate erzielen konnte, vergingen Stunden – viele Stunden. Sehr viele Stunden. Und selbst dann waren die Ergebnisse noch sehr kompromissbehaftet und dienten nur zum persönlichen Vergleich, jedoch bei vielen Modellen nicht zum repräsentativen Vergleich mit „korrekten“ Messungen mit einem IEC 711 Kuppler.
Mit manchen Modellen waren die Resultate brauchbar und mit Messungen vergleichbar, die mit gutem Equipment erzeugt wurden; mit anderen hingegen gab es deutlichere Abweichungen von genormten Messungen und von der subjektiven Wahrnehmung – insbesondere in den oberen Höhen um 10 kHz, die bei manchen In-Ears ziemlich deckungsgleich mit einer Datenbank-Quelle waren, jedoch bei anderen Modellen bei mir zu viel Energie anzeigten und damit von derselben Datenbank-Quelle teils signifikant abwichen – dies kam insbesondere bei Modellen zustande, die aufgrund ihrer Bauweise nicht sehr tief in den Trichter des Veritas eingesetzt werden konnten (so etwa bei meinen maßgefertigten Ultimate Ears Reference Monitors), was ich bei abweichenden Resultaten vom Gehörten in meinen zukünftigen Messungen jedoch auch angeben werde. Auch um 6 kHz herum gab es bei manchen meiner gemessenen In-Ears Abweichungen von den bekannten Datenbanken.
Für vergleichende Messungen und um einen etwas besser als groben Überblick über die Tonalität der eigenen In-Ears zu bekommen, funktioniert das Veritas-System jedoch sehr gut, sofern man es nach etlichen Stunden mal endlich geschafft hat, eine annehmbare Kalibration zu erstellen. Dann eignet es sich auch zu angenäherten, vergleichenden Messungen mit einem IEC 711 Kuppler.
Besonders für Vergleiche zwischen den eigenen In-Ears eignet sich das Veritas dann ganz gut.

Nachfolgend ein paar diffusfeldentzerrte Messungen einiger In-Ears (dabei möge man beachten, dass verschiedene Quellen unterschiedliche Skalierungen der Graphen anwenden; größtenteils sind meine Messungen hierbei mit den Resultaten  eines IEC 711 näherungsweise vergleichbar):

Westone W4R
SoundMAGIC E10 (wide bore tips)
Shure SE846 (treble filters, grey silicone tips)
Shure SE425 (grey silicone tips)
Sennheiser IE 800
Phonak Audéo PFE 132 (grey filters) [NOTE: UPPER TREBLE MAY VARY]
InEar StageDiver SD-2
DUNU DN-2000J (black silicone tips)


Fazit:

Wenn man ein linear ausgebendes und aufzeichnendes Audio-Interface besitzt sowie das Veritas-Mikrofon einmal eingemessen/kalibriert hat, ist es sehr brauchbar für vergleichende Messungen der eigenen In-Ears und auch näherungsweise mit „richtigen“ Messungen vergleichbar.
Trotzdem fällt mein Fazit nur mittelmäßig aus, aus einfach nachvollziehbaren Gründen:  bis man mal annehmbare Ergebnisse erzielt, benötigt es sehr viel Zeit,  Ausprobieren, Justieren und so weiter. Diese Zeit sollte man definitiv nicht unterschätzen, zudem benötigt man dafür selbst mehrere In-Ears, welche bereits in einer Datenbank erfasst sind, sowie bezüglich des Lesens, Erstellens und Skalierens von Graphen ein Mindestmaß und Verständnis. Mit Enthusiasmus, Verständnis und vor allem sehr viel Zeit erreicht man dann auch gute Ergebnisse.
Das Veritas-Konzept ist einfach nichts für Jedermann.
Würde ich es mir erneut zulegen und viele Abende des Kalibrierens aufwenden? Ich tendiere für mich persönlich zu einem knappen „Ja“.