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Elekit TU-HP02 Kopfhörerverstärker: portabler "Trioden"-Klang mit Hablbleitern? - Review 🇩🇪

Prolog:

Bevor ich mit meinem eigentlichen Review beginne, möchte ich mich bei Elekit Japan für das
Bereitstellen eines Exemplares des TU-HP02 Kopfhörerverstärkers (http://www.elekit.co.jp/en/product/TU-HP02) im Austausch für meine ehrliche Einschätzung sowie den stets offenen, freundlichen und kompetenten Kontakt bedanken.

Die Geschichte der seit den 1970er Jahren bestehenden japanischen Firma Elekit ist recht interessant: der Eigentümer eines Geschäftes für den Elektrofachbedarf sah oft Kinder in sein Ladengeschäft kommen, die sich elektrische Bauteile für den Zusammenbau eines Radios mithilfe eines technischen Buches heraussuchten. Aus diesen Beobachtungen sind dann verschiedene in Japan beliebte Bausätze entstanden, und so ist es nicht allzu verwunderlich, dass man in Elekits Webshop auch heute noch größtenteils Elektro-Bausätze findet, die sich hauptsächlich an Kinder richten.
Doch davon abgesehen bietet die japanische Firma auch ernsthafte und technisch gute Hi-Fi-Produkte an, die man als Kits oder wie bei den mobilen Verstärkern bereits fertig zusammengebaut beziehen kann.


Technische Daten:

Preis: 29700 Yen (~ 225€)
Typ: diskret aufgebauter Transistorverstärker
Kopfhörerimpedanz: 16 – 300 Ohm
Maximale Ausgangsleistung: 170 mW (Alkaline-Batterien, 16 Ohm Last)
Eigenrauschen: 6 µV
Frequenzgang: 1 Hz – 230 kHz (-3 dB)
Stromversorgung: 4x AA Alkaline-Batterien (1,5 V) oder 4x wiederaufladbare AA NiMH Akkus (1,2 V)
Leistungsaufnahme: ohne Signal etwa 40 mA, bei einer Leistung von 10 mW an 16 Ohm etwa 60 mA
Batterie-/Akkulaufzeit: etwa 30 Stunden Dauerbetrieb (bei 10 mW, 16 Ohm, 20°C und Alkaline-Batterien oder 1900 mAh NiMH Akkus)
Abmessungen (BxHxT): 75 x 19 x 132 mm  l  75x19x112 (nur das Gehäuse)
Gewicht: 175 g (ohne Batterien)


Lieferumfang:

Der TU-HP02 wird in einem kompakten und in den Farben Japans, Weiß und Rot, gestalteten Karton geliefert, auf dessen Oberseite man neben einem Bild des Verstärkers noch in englischer als auch japanischer Sprache die technischen Besonderheiten vorfindet. Auf der Rückseite befindet sich die Seriennummer.
Öffnet man die Verpackung, findet man neben dem Verstärker, welcher in rosafarbener Luftpolsterfolie sicher verpackt ist, noch ein 3,5 mm auf 3,5 mm Verbindungskabel und eine japanische Bedienungsanleitung vor (auf Anfrage bekommt man per E-Mail eine englische Version als PDF-Datei zugeschickt).
Batterien oder Akkus sind nicht enthalten.




Optik, Haptik, Verarbeitung:

Das Gehäuse des Verstärkers besteht aus silberfarbenem, gebürstetem Aluminium sowie auf der
Vorder- und Rückseite aus rotem Leiterplatten-Material (die Farben der Verpackung und damit gleichzeitig auch die Farben der japanischen Nationalflagge werden somit also ebenfalls im Design des Verstärkers ersichtlich). Die Verarbeitung ist einwandfrei und das Gehäuse fühlt sich sehr stabil an.
Auf der Vorderseite ist der zentrale Lautstärkeregler ebenfalls aus Aluminium gefertigt, sehr griffig und besitzt einen angenehmen Drehwiderstand, der hoch genug ist, damit ein versehentliches Verstellen der Lautstärke mobil nicht auftritt. Auch der Gain-Schalter besitzt einen guten Widerstand, sodass auch hier ein versehentliches Betätigen kaum möglich ist.
 Alle Schalter und Anschlüsse sind gut ablesbar weiß beschriftet.

Was ich jedoch leider vermisse, sind Gummifüße auf der Unterseite des Gehäuses.






Funktionen, Anschlüsse:

Zentral auf der Vorderseite befindet sich der analoge Lautstärkeregler, welcher ebenfalls als kombinierter Ein-/Ausschalter dient. Schaltet man den Verstärker ein, leuchtet der „Virtual Triode“ Schriftzug grün auf und signalisiert dadurch Betriebsbereitschaft.
Ganz links auf der Vorderseite befindet sich der 3,5 mm Kopfhörerausgang, ganz rechts der 3,5 mm Audioeingang. Neben beiden Klinkenbuchsen gibt es genug Platz, sodass auch große Stecker angeschlossen werden können. Zwischen dem Audioeingang und dem Potentiometer befindet sich ein zweistufiger Gain-Schalter.

Mittig auf der Rückseite lässt sich der Verstärker mittels des Schraubverschlusses sehr einfach öffnen, woraufhin man das Aluminium-Gehäuse abziehen kann.
Was man dann vorfindet, ist ein gänzlich aus roten Leiterplatten bestehendes Chassis mit der Verstärkerschaltung im vorderen sowie dem Batteriefach im hinteren Bereich (der TU-HP02 bezieht seinen Strom nämlich aus vier AA-Batterien oder –Akkus, was man heutzutage nicht mehr häufig in Hi-Fi Geräten antrifft, jedoch ziemlich praktisch ist).





Batterie-/Akkulaufzeit:

Elekit gibt eine mögliche Akkulaufzeit von 30 Stunden im Dauerbetrieb an. Dieser Wert hängt natürlich neben den verwendeten Kopfhörern, der Lautstärke und dem Gain auch von den
verwendeten Batterien/Akkus ab.
Zum Testen verwendete ich Eneloop Panasonic BK-3MCCE 1,2 V, 1900 mAh-Akkus, welche vor dem Einsetzen vollständig aufgeladen wurden. Als angeschlossene Last diente der günstige Superlux HD681, das Lautstärkepotentiometer befand sich bei etwa 13 Uhr, der Gain-Schalter stand auf „Low“. Unter diesen Bedingungen konnte ich enorm beachtliche 50 Stunden und 15 Minuten Laufzeit erreichen.
Neigt sich die Kapazität der Batterien/Akkus übrigens dem Ende, wechselt die Beleuchtung des „Virtual Triode“ Schriftzuges von Grün auf Rot.


Klang:

Meine Hörtests fanden mit diversen meiner In-Ears sowie Bügelkopfhörern am iBasso DX80 als auch DX90 statt. Das Musikmaterial lag hauptsächlich im FLAC-Format vor; zum vergleichenden Hören wurde ein exakter messtechnischer Pegelabgleich durchgeführt.

Technischer Hintergrund/Implementierung:

Für den typischen, sanften Röhren-Klang (vorausgesetzt, dass der ausgegebene Frequenzgang des Verstärkers linear ist) sind hauptsächlich die harmonischen Verzerrungen verantwortlich. Ein Nachteil (neben der Vorlauf-Zeit) ist dabei jedoch die typischerweise hohe Ausgangsimpedanz, wodurch der Frequenzgang von Hörern, die keinen geraden Impedanzverlauf besitzen (etwa alle Mehrtreiber-In-Ears oder die meisten offenen, dynamischen Bügelkopfhörer), mehr oder weniger stark im Zusammenhang mit der Hörer- und Ausgangsimpedanz verbogen wird.
Der TU-HP02 ist ein diskret aufgebauter Transistorverstärker mit Halbleiterelementen, besitzt dementsprechend also keine Röhren-Bauteile. Stattdessen ist dessen Eingangsschaltung „triodisiert“ (wie es Elekit nennt), um dem Klang gezielt einen gewissen Anteil an harmonischen Verzerrungen beizufügen, wodurch ein sanfterer, Röhren-ähnlicher Klang erreicht werden soll.

Kanalgleichheit/Potentiometer-Gleichlauf:

Nach dem Einschalten beginnt der Regelbereich ab ziemlich genau 9 Uhr, wo es nur einen ganz minimalen Kanalunterschied von einem dB gibt (bei analogen Stereo-Potenziometern ist im niedrigen Regelbereich eine Ungleichheit normal und häufig stärker ausgeprägt als der geringe Unterschied des TU-HP02). Bei ca. 10 Uhr beträgt die Ungleichheit nur noch 0,5 dB und ist bei 11 Uhr gänzlich verschwunden, mit einem perfekten Kanalgleichlauf.

Messwerte:

Frequenzgang:

Der Frequenzgang (ohne angeschlossene Last) gestaltet sich als perfekt linear, somit sind jegliche klanglichen Eigenschaften nicht auf Veränderungen im Frequenzgang des Verstärkers zurückzuführen:



Ausgangsimpedanz:

Besonders Mehrtreiber-In-Ears, welche eine über den Frequenzgang variierende Impedanz besitzen, benötigen ein Quellgerät mit einem möglichst niedrigen Ausgangswiderstand, damit der vom Quellgerät ausgegebene Frequenzgang so unverfälscht wie möglich bleibt. Wie üblich zum Testen der Abweichung und des daraus errechenbaren Ausgangswiderstandes habe ich die Messungen mit den Ultimate Ears Triple.Fi 10 In-Ears durchgeführt:




Durch die Abweichung (Peak to Peak) lässt auf eine Ausgangsimpedanz von um die 1,5 Ohm schließen (sofern ich mich nicht verrechnet habe), was noch immer ein guter Wert ist, der auch für sehr viele Mehrtreiber-In-Ears und sowieso für alle Bügelkopfhörer ideal ist.

IMD:

Wie zu erwarten war, produziert die „Trioden“-Schaltung harmonische Verzerrungen, die jedoch geringer als bei einer typischen Röhren-Schaltung ausfallen:



Gain:

Den Gain des Verstärkers (mit 1,5 V Batterien) habe ich ebenfalls gemessen.
Im Low Gain Modus beträgt die Verstärkung -1 dB (also 1 Dezibel geringer als der Eingangspegel) sowie 8,5 dB im High Gain Modus. Diese Werte wurden mir dann auf Nachfrage auch von Elekit bestätigt.
Als Grafik sieht das dann so aus:



(Der geringe Bassabfall auf diesem Diagramm kommt von der Soundkarte und nicht dem TU-HP02, da für die Gain-Messung eine andere Soundkarte verwendet wurde. Der Elekit-Verstärker selbst spielt perfekt linear, was meine Messung des Frequenzganges mit einem anderen Audio-Interface weiter oben auch bestätigt.)

Rauschen:

Zum Testen des Grundrauschens habe ich wie üblich zwei meiner am rauschempfindlichsten In-Ears angeschlossen, nämlich den Shure SE846 und Ostry KC06A.
Mit diesen beiden Rausch-Lupen konnte ich (der sich selbst auch als ziemlich rauschempfindlich bezeichnet) ein etwas höheres Grundrauschen (bspw. hörbar höher als beim FiiO X3 der ersten Generation) ausmachen, das sich Größenordnungs-mäßig zwischen dem LH Labs Geek Out IEM 100 und iBasso DX80 befindet, jedoch näher am iBasso angesiedelt ist.
Wie erwartet gab es an weniger empfindlichen In-Ears wie dem Sennheiser IE 800 sowie allen Bügelkopfhörern kein hörbares Rauschen (und als hauptsächlich für portable Bügelkopfhörer angedacht sehe ich den TU-HP02 auch an).
Mit sehr empfindlichen, jedoch nicht extrem empfindlichen In-Ears (Ultimate Ears Reference Monitors, Ultimate Ears Triple.FI 10, …) war zwar bei moderater Lautstärke bei wiedergegebener Musik noch etwas Rauschen für mich hörbar, welches jedoch nicht störend war.

Auflösung, Präzision, Bühne:

Nun zum subjektiveren Teil meines Reviews. Meine Ansicht und Erfahrung bezüglich Verstärker- und Geräteklang stellt sich wie folgt dar: Verstärker- und Geräteklang gibt es in begrenztem Umfang und er ist hörbar, jedoch sollte dieser nicht überschätzt werden – die grundlegende Charakteristik eines Kopfhörers wird durch ein (sauber konstruiertes) Gerät nicht gänzlich verändert, doch „formt“ das Wiedergabegerät den Klang des Kopfhörers ein wenig, was sich aber verhältnismäßig eher in Nuancen ausdrückt und sich oft auch anhand der Eigenschaften oder Messwerte erklären lässt.
Beim TU-HP02 stellen sich meine subjektiven Eindrücke wie folgt dar (wie bereits weiter oben erwähnt, erfolgten meine Hörtests bei zuvor messtechnisch angeglichenem Lautstärkepegel):

Sprechen wir zuerst über die Lautstärke: am Line-Out betrieben könnte der Regelbereich in niedriger Poti-Stellung für Leise-Hörer (wie ich es etwa einer bin) in Kombination mit empfindlichen In-Ears etwas zu grob sein. Deswegen kam weiter oben auch der Hinweis von mir, dass ich den Verstärker eher für portable Bügelkopfhörer geeignet sehe (wenn man nicht gerade ein Laut-Hörer mit In-Ears ist).
Mit Hörern wie einem Sennheiser Amperior, HD 800 oder dem Beyerdynamic DT880 Edition (600 Ohm) spielt der Verstärker (zumindest für mich) auch deutlich mehr als ausreichend laut genug.

Aber wie klingt der TU-HP02 nun subjektiv?
Definitiv anders, als ich es erwartet hatte. Der Beschreibung Elekits nach erwartete ich einen warmen, vielleicht sogar etwas wolligen Klang, doch weit gefehlt – der kleine Japaner klingt sehr sauber, detailliert und die „Triodisierungs“-Stufe macht sich deutlich weniger stark als erwartet bemerkbar.
Müsste ich den Klang beschreiben, würde ich sagen, der Elekit klingt „entschärft analytisch“. Durch die geringen harmonischen Verzerrungen klingen der Mittel- und insbesondere Hochton etwas weniger spitz, jedoch nicht minder detailreich: der Hochton wirkt subjektiv kein Bisschen dunkler, doch werden „splashige“ und klingelnde Hochton-Attacken sowie Becken etwas entschärft und klingen ein wenig auseinandergezogen, wodurch sie nicht mehr so schnell einschlagen und das Klingeln gedämpft wird: der Klang wird sanfter, verfärbt jedoch nicht hörbar. Der Bassbereich ist trocken, wenngleich auch nicht ganz so schnell wie der des Geek Out IEM 100, aber auch in keinster Weise langsam.

Die räumliche Darstellung betreffend geht der TU-HP02 in meinen Ohren in die Richtung des LH Labs Geek Out IEM 100, also mit einer etwas schmaleren Bühne, die jedoch eine gute Tiefenstaffelung bietet – dem Triple-Fi 10 etwa konnte der Japaner dadurch sogar etwas räumliche Tiefe entlocken.

Zusammengefasst kann ich sagen, dass der Klang des TU-HP02 gelungen und die „Triodisierungs“-Stufe sanft, jedoch hörbar, wenngleich eher unauffällig implementiert ist.


Fazit:


Der TU-HP02 von Elekit ist ein erstklassiger Verstärker, der eine gute Verarbeitung, austauschbare AA-Batterien, eine beachtliche Akkulaufzeit sowie einen räumlich tiefen, detailreichen, in Richtung analytisch gehenden Klang, der durch die „Triodisierungs“-Schaltung etwas entschärft wird, bietet.
Auf der Schattenseite stehen lediglich das Fehlen von Gummifüßen sowie die nicht ganz so gute Eignung zum Leise-Hören mit sehr empfindlichen In-Ears.