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Xiaomi Piston Colorful Starter Edition - Review 🇩🇪

Prolog:

Als mich George von GearBest kontaktierte und fragte, ob ich Lust hätte, die „Original Xiaomi Piston Colorful Starter Edition“ In-Ears (http://www.gearbest.com/earphones/pp_231055.html?lkid=10385991) zu testen, sagte ja, hatte jedoch ehrlich gesagt eine recht negative Voreinstellung gegenüber dem Klang,


welche sich jedoch nicht erfüllte, aber dazu später mehr.

Xiaomi ist ein chinesischer Smartphone-Hersteller, welcher im asiatischen Raum sehr bekannt ist. Neben Mobiltelefonen stellt der Industrie-Gigant jedoch auch Kopfhörer und In-Ears her (letztere sind immer recht preisgünstig, wie auch diese, welche lediglich 7,59$ kosten) und ich war ehrlich gesagt sehr überrascht, als mich kurze Zeit nach Georges Kontaktaufnahme ein mysteriöses DHL Express-Paket erreichte und musste eine ganze Weile lauthals lachen, als ich nach dem Öffnen die Xiaomi In-Ears erblickte.


 Technische Daten:

Schallwandler: dynamisch
Anschluss: 3,5 mm
Kabellänge: 1,25 m
Frequenzgang: 20 Hz - 20 kHz
Impedanz: 32 Ohm
Maximale Eingangsleistung: 5 mW


Lieferumfang:

Die günstigen In-Ears kommen in einer schlichten Pappschachtel mit dem „mi“ Logo, welche neben den In-Ears eine in chinesischer Schrift verfasste Karte sowie vier Silikon-Aufsatzpaare (in drei Größen) beinhaltet.
Ein Aufbewahrungsetui fehlt, aber ein solches darf man beim Preis sowieso nicht erwarten.



Optik, Haptik, Verarbeitung:

GearBest hat mir die schwarze und hellblaue Variante zukommen lassen. Optisch sind die In-Ears mit dem flachen Kabel matt und sehen auf den ersten Blick nicht allzu billig aus, was jedoch täuscht.
Abgesehen von einer Metall-Applikation bestehen die In-Ears aus sehr leichtem Plastik, welches sich minderwertig anfühlt, jedoch sind beide Gehäusehälften sehr sauber miteinander verklebt. Das Kabel hingegen ist wirklich nicht sonderlich toll, so gibt es keinerlei Knickschutz (und auch keinen Kinnschieber) und allgemein wirkt es nicht lange haltbar.
Die Fernbedienung fühlt sich ebenfalls billig an und funktioniert nicht mit iOS-Geräten (mit meinem BlackBerry kann ich sie leider nicht testen, da es sich momentan in der Reparatur befindet).


Tragekomfort, Isolation:

Vorweg muss ich sagen, dass mir lediglich bei der Trageweise mit der Kabelführung über den Ohren ein guter Seal möglich war und ich daher die In-Ears nur in dieser Position bewerten kann.

Mit den Kabeln über den Ohren getragen ist der Tragekomfort für mich einwandfrei und ich vernehme auch keinerlei Mikrofonie, und durch das geringe Gewicht fallen die In-Ears auch nicht auf.

Die dynamischen In-Ears besitzen eine Reflexöffnung je Hörerseite, isolieren jedoch ziemlich gut.


Klang:

Getestet habe ich den Klang der Underdogs hauptsächlich mit meinem iBasso DX80 und gejailbreakten sowie für die Musikwiedergabe optimierten Apple iPhone 4.
Ganz ehrlich gesprochen habe ich klanglich fast nichts erwartet, wurde dann jedoch umso mehr überrascht, als ich zum ersten Mal Musik mit den Pistons abspielte.
Was die Qualitätskontrolle betrifft, wird hier übrigens neben gut verklebten Gehäusen auch auf einen konstanten Frequenzgang der In-Ears geachtet, denn beide In-Ears zeigten mit allen vier Hörerseiten einen sehr konstanten Frequenzgang.

Tonalität:

Die Piston Colorful Starter Edition beschreiben klanglich eine klassische consumer-orientierte Badewannenabstimmung, die jedoch etwas gemäßigter als bei manchen Einsteiger-Produkten ausfällt, obwohl der Bassbereich mit etwa 8 dB doch eher stark ausfällt und ein wenig mächtig wirkt.
Die Tieftonbetonung erstreckt sich hierbei vom Tief- über den Mid- sowie Oberbass als auch den unteren und mittleren Grundton, in dessen oberen Gefilden sie erst aufhört. Der Tiefton beginnt erst oberhalb des oberen unteren Grundtons auf einen normaleren Pegel abzufallen; der Tiefbass ist präsent und fällt gehörmäßig nicht wirklich ab.
Die Mitten sind weder über- noch unterpräsent und in den unteren Höhen ist der Pegel minimal zurückgenommen. Ab 3 kHz steigt der Hochtonpegel rasch wieder an und wartet in meinen Ohren bei 5,9 sowie 9,2 kHz mit je einem Peak auf.
Im Superhochton reicht der Pegel noch konstant bis 18 kHz.
Die Hochtonbetonung fällt übrigens eher mild und gleichmäßig ansteigend aus.

Stimmen sind tonal in meinen Ohren erfreulich korrekt und der Hochton wirkt einigermaßen natürlich und trotz der Betonung nicht scharf, was an einer recht gleichmäßig ansteigenden Anhebung liegt.

Auflösung:

Erwartet hatte ich nicht viel, doch konnte mich der Piston Colorful positiv überraschen.
Die allgemeine Auflösung ist besser als bei Kommerz-Produkten wie etwa dem Sennheiser CX 200 Street II (welcher neben der extremen Badewanne mit scharfen Höhen auch noch eine nur mäßige Auflösung bietet) und befindet sich etwa auf dem gleichen Niveau wie bei guten Budget-Hörern und ich sehe ihn von den technischen Stärken zwischen dem KZ ED10 und EDSE.
Die Mittel- und Hochtonauflösung ist sehr ordentlich und kann sich auch mit teureren Modellen problemlos messen – durch die gleichmäßige Hochtonbetonung und die dort gute Auflösung gibt es keine Probleme mit Schärfe oder Spitzen.
Der Tiefton hingegen ist weniger gut auflösend, könnte mehr Details enthalten und wirkt auch ein wenig stumpf. Der Anschlag ist gut und recht punchy (Doppel- und Trippel-Bassschläge lassen sich etwa noch als solche erkennen), jedoch sind die Pistons beim Ausschwingen etwas langsam und voluminös und wirken hier auch etwas unkontrolliert – für den Preis sind sie jedoch auch in deisem Bereich ordentlich.

Bühnendarstellung:

Die Bühne ist etwas breiter als durchschnittlich und besitzt auch etwas Tiefe, jedoch ist die Instrumententrennung etwas verwaschen und Instrumente gehen ineinander über – eine gute Trennung und Positionierung von Instrumenten wie etwa beim KZ EDSE oder ATE erreicht der Piston hier nicht, ist in meinen Ohren hier jedoch besser als etwa der ED10. Einen Bühnen-Brei, wie man es vielleicht beim Preis erwarten könnte, gibt es beim Piston jedenfalls nicht und er spielt sehr ordentlich.


Fazit:

Für den Preis bietet der Piston Colorful einen consumer-orientierten Klang, der technisch auf einem höheren Niveau spielt, als man es bei unter 10$ erwarte könnte. Die Abstimmung ist gut gemacht und der Mittelton tonal ziemlich korrekt, dazu wirkt der Hochton recht natürlich und trotz der Betonung nicht spitz.
Im Mittel- und Hochton ist die Auflösung einwandfrei und der Bass besitzt einen guten Einschlag, wirkt dafür etwas unpräzise, stumpf und im Ausschwingen langsam und etwas unkontrolliert.
Die Verarbeitungsqualität ist leider recht mau und bei anderen In-Ears im Lowest-Budget Bereich habe ich schon viele sich deutlich besser anfühlende Modelle gehabt.
Audiophilen Klang darf man bei dem Preis nicht erwarten, bekommt jedoch einen In-Ear mit einem sehr guten Gegenwert für das Geld.

In Anbetracht des Preises komme ich auf eine Gesamtbewertung von etwa 4,5 aus 5 Sternen oder 90%, wobei sich der größte Punktabzug auf die Verarbeitung/Haptik bezieht.


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Als einen kleinen Bonus gibt es noch einen Frequenz-Graph der In-Ears (mit dem Vibro Labs Veritas und Arta erstellt - die Messungen sind nicht die genauesten und entstammen von nicht offiziell genormtem Equipment, sollten euch jedoch einen groben Überblick verschaffen):