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Shanling M2 - Review 🇩🇪

Prolog:

Shanling Audio (http://shanling.com/en/default.html), in Europa und Amerika eher weniger bekannt, ist ein aus China stammender und im asiatischen Raum etablierter Hersteller von Audio-Produkten,
der sich insbesondere auf die Produktion von stationären Geräten spezialisiert hat. Die seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts existierende Firma hat vor nicht allzu viel Zeit auch damit begonnen, portable Produkte herzustellen und bietet so aktuell neben den mobilen Bluetooth-DACs H3 und dem kleinen H1 auch den digitalen Audio-Player M3 und neuerdings dessen „kleineren Bruder“ M2 an, der zu einem Preis von 250$ (UVP) erhältlich ist.
Und so bin ich schließlich dankbar dafür, dass sich Shanling Audio dazu bereiterklärt hat, mir ein Exemplar des M2 für eine Review-Aktion, welche freundlicherweise vom Nutzer „AG1M“ aus dem deutschen HiFi-Forum (der auf Head-Fi als „h1f1add1cted“ registriert ist) co-organisiert wird, für ein paar Eindrücke/Reviews mehrerer Enthusiasten zur Verfügung zu stellen.

Erhältlich ist der Player mittlerweile auch bei Amazon: http://amzn.to/1stVL2J


Technische Daten:

Bildschirm: 2.35” TFT LCD-Display (360x400)
Unterstützte Formate: APE, FLAC, ALAC, WMA, AAC, OGG, MP3, WAV, AIFF, DSF, DIFF
Abtastrate: 44,1 kHz – 192 kHz
Ausgangspegel: 1.3 Vrms
DAC: Cirrus Logic CS4398
Tiefpassfilter: JRC MUSE8920
DAC: unterstützt bis zu 192 kHz/32 Bit
Ausgänge: Kopfhörer (3.5mm)/kombinierter analoger Line- und digitaler Koaxial-Ausgang (3,5 mm)
Ausgangsleistung: 125 mW @32 Ohm/13 mW @300 Ohm
Frequenzgang: 20 Hz~20 kHz (-0,5dB)
THD+N: <0,004%
SNR: >102dB
Clock Jitter: 30ps (Typ)
Referenced clock jitter: 200 Femtosekunden
Akku: 2200 mAH Lithium-Batterie


Lieferumfang:

Neben dem eigentlichen Player hat uns Shanling Audio noch eine separat erhältliche braune Schutzhülle aus Leder zu Verfügung gestellt, welche für alle Bedienelemente sowie Anschlüsse Aussparungen bietet und den M2 sicher und fest einfasst und schützt.




Der M2 kommt in einer weißen Umverpackung, welche auf der Vorderseite ein großes Bild des Players besitzt. Öffnet man diese Umverpackung, präsentiert sich das eigentliche Behältnis aus Karton, welches sich mithilfe einer roten Schlaufe herausnehmen lässt und den M2 enthält. Nach dem Abheben des mit einem silberfarbenen Shanling-Logo bestückten Deckels präsentiert sich der Audio-Player, hinter dem sich an Zubehör noch eine Schnellstartanleitung, eine Garantiekarte, ein USB-Kabel zum Laden und Datentransfer sowie zur Verwendung als DAC am Computer, ein Coaxial-Kabel zum Anschluss eines externen DAC, zwei Display-Schutzfolien, ein Micro SD auf USB Adapter sowie ein Aufbewahrungsbeutel befinden.







Optik, Haptik, Verarbeitung:

Das Gehäuse des M2 ist aus schwarzem Aluminium und Carbon gefertigt. Die Seiten des einteiligen Aluminium-Blocks sind leicht angeraut und die Vorderseite ist gebürstet.
Die Carbon-Rückseite ist seidenmatt versiegelt.


Auf der Unterseite des Players findet man einen Micro USB-Port vor, welcher zum Laden, Datentransfer und zur Verwendung als USB-DAC an einem Computer dient. Auf der linken Seite findet man unten den Einschub für eine Micro SD-Karte vor; auf derselben Seite befindet sich oben ein silberfarbener Aluminium-Knopf zum Ein- und Ausschalten sowie Entriegeln des Bildschirms. Darüber gibt es im Gehäuse ein kleines Loch, in welchem sich der Reset-Knopf verbirgt.
Auf der Oberseite befinden sich links der Kopfhörerausgang und rechts daneben ein kombinierter Line Out/digitaler Ausgang.
Mittig auf der Vorderseite ist das 2,35 Zoll TFT LCD Display eingefasst, welches mit 360x400 Pixeln auflöst, was für die heutige Zeit vielleicht wenig erscheinen mag, doch stellt es Bildschirminhalte überraschend scharf dar. Rechts oberhalb des Displays befindet sich das Alleinstellungsmerkmal des Shanling M2, nämlich dessen zentrales Bedienelement, welches
absichtlich stark an das Bedienrad einer digitalen Spiegelreflexkamera erinnert. In dessen Mitte befinden sich fünf Knöpfe, welche zur Wiedergabesteuerung und zum Auswählen sowie Zurückgehen in den Menüs dienen. Leider, so muss ich sagen, erinnert mich das Rad haptisch weniger an das einer Spiegelreflexkamera (wie etwa der Canon EOS 60D, welche ich einst besaß), so sind der Drehwiderstand eher gering und die hör- und fühlbaren Rasten etwas zu undefiniert und schwach ausgeprägt. Die Tasten hingegen gehen in Ordnung, wobei ich erst nach längerem Probieren festgestellt habe, dass die äußeren Kreuz-Tasten ihren Druckpunkt auf dem Scrollrad selbst besitzen. Der Druckpunkt der Mitteltaste ist meiner Meinung nach jedoch etwas zu fest.

Die Haptik des Players erweist sich als sehr gut und durch seine handliche Größe (von den Abmessungen ist er etwas schmaler und kürzer als ein iPhone 4) liegt er sicher und bequem in der Hand; die Verarbeitung wirkt gut und wertig.


Bedienung, Benutzeroberfläche:

Die Eindrücke der Bedienoberfläche entstanden unter der Firmware 1.01; Eindrücke der bald erscheinenden neuen Firmware werden hier nachgereicht, sobald der M2 von der Tour wieder zurück bei mir eingetroffen ist.

Die Bedienung und Eingabe des M2 erfolgt über das Scroll-Rad und dessen Steuerkreuz mit fünf Tasten (sowohl das Rad als auch alle Tasten bestehen übrigens aus Metall). Die oberste der Tasten dient dabei zum Pausieren und Fortsetzen der Wiedergabe, die linke und rechte Taste zum Wechseln von Titeln und Vor-/Zurückspulen. Die untere Taste dient zum Zurückgehen in den Menüs, die Mitteltaste schließlich fungiert hierbei als Auswahltaste.
Mit dem Scrollrad kann man in den Menüs Navigieren und auf dem Wiedergabebildschirm die Lautstärke regeln, welche 60 Stufen umfasst – die einzelnen Abstufungen zwischen der Lautstärke sind deshalb ein kleinwenig grob, jedoch soll der Regelbereich mit der nächsten Firmware-Version erweitert werden.
Praktischerweise lässt sich beim M2 einstellen, ob das Scrollrad mitsamt seiner Knöpfe bei deaktiviertem Bildschirm aktiv bleibt oder deaktiviert wird.
Die Bedienung mit dem Scrollrad mit dessen Steuerkreuz erfolgt übrigens sehr genau und intuitiv und ist, wie ich finde, eine gute Alternative zur „klassischen“ Bedienung, jedoch wäre es von Vorteil, wenn die Scroll-Geschwindigkeit bei längeren Listen zunehmen würde, wie es etwa beim iPod Classic der Fall ist.

Das Hauptmenü besteht aus fünf Untermenüs, nämlich dem Wiedergabebildschirm, einer Datenbankdarstellung (welche Alben und Künstler leider nicht nach dem „Album Artist“ Tag sortiert), einem Ordnerbrowser, den Wiedergabeeinstellungen und schließlich generellen Systemeinstellungen. Auf der linken Seite wird praktischerweise das Albumcover des aktuell wiedergegebenen Liedes angezeigt; die Statusbar oben enthält Informationen wie etwa dem Menü, in dem man sich aktuell befindet, der Lautstärke sowie einer prozentualen und grafischen Darstellung der Akkukapazität.
In den generellen und Wiedergabe-Einstellungen lassen sich neben einer Vielzahl an Sprachen verschiedene weitere Dinge einstellen, darunter drei unterschiedliche Themes, welche Funktion der kombinierte Line Out/koaxiale Ausgang besitzt, Handhabung beim Anschluss an einen Computer (der M2 lässt sich als USB-DAC am PC verwenden) sowie verschiedene Bildschirmeinstellungen und ein Equalizer mit 10 Bändern, welche sich fein justieren lassen. Eine Anpassung der Vorverstärkung (Gain) ist ebenfalls in zwei Stufen möglich.
„Folder Play“ unterstützt der M2 übrigens auch.














Der Wiedergabebildschirm zeigt mittig das Albumcover (falls vorhanden) an; darunter befinden sich Informationen über die Abtastrate,  eine Zeitleiste sowie Titelinformationen. Ein Track-Counter fehlt leider.
Ein Druck auf die Mitteltaste öffnet das aktuell wiedergegebene Album; bei einem längeren Druck öffnen sich die Schnelleinstellungen, welche den Wiedergabemodus, eine Möglichkeit zum Hinzufügen einer Playlist, die Suche nach dem Künstler respektive Album sowie die Möglichkeit zum Löschen der Datei bieten.
Ein kurzer Klick auf den Zurück-Knopf wechselt in die direkt davor liegende Ebene, ein langer Druck zurück ins Hauptmenü.


Das Menü und die Nutzeroberfläche mitsamt der Bedienung sind logisch aufgebaut und meiner Meinung nach gibt es hier nicht viel, das man ändern könnte. Lediglich ein Track-Counter auf dem Wiedergabebildschirm sowie eine beim längeren Scrollen zunehmende Geschwindigkeit und eine feinere Lautstärkeregelung wären noch wünschenswert.

Der Shanling M2 unterstützt Gapless Playback, welches bei FLAC-Dateien auch einwandfrei funktioniert. Bei MP3-Dateien hingegen gibt es bei Alben, bei denen die Titel ineinander übergehen (also beispielsweise vielen Live-Aufnahmen), manchmal eine sehr kurze Unterbrechung.

Übrigens merkt der DAP, wenn man den Kopfhörer herauszieht und pausiert die Wiedergabe dann automatisch.


Akkulaufzeit:

Die Akkulaufzeit habe ich ermittelt, indem ich ohne Pause FLAC-Dateien (16 Bit, 44,1 kHz sowie 24 Bit, 192 kHz) wiedergegeben und zwischendurch den Bildschirm immer mal wieder eingeschaltet habe und in den Menüs navigierte. Als angeschlossene Last verwendete ich dabei den Superlux HD681 bei 25 von 60 Lautstärkestufen auf Low Gain.

Angegeben werden von Shanling Audio etwa 9 Stunden; unter den oben genannten Bedingungen erreichte ich etwa 9 Stunden und 15 Minuten.


Klang:


Getestet wurde der Klang des Shanling M2 mit vielen meiner In-Ears und Bügelkopfhörer. Als Musikmaterial kamen sowohl FLAC- als auch MP3-Dateien zum Einsatz.

Frequenzgang, Ausgangsimpedanz:

An In-Ears mit geradem Impedanzgang spielt der M2 vorbildlich linear ohne Veränderungen im Frequenzgang:



In-Ears mit variierendem Impedanzgang (also etwa alle Mehrtreiber-In-Ears) benötigen einen geringen Ausgangswiderstand des Quellgerätes, damit ihr Frequenzgang unverändert bleibt. Beim M2 scheint der Ausgangswiderstand etwas höher zu sein (rechnerisch um 7 Ohm herum), weshalb es mit Multi-BA In-Ears Änderungen im Frequenzgang gibt, welche man auch hören kann.
Am Beispiel des Ultimate Ears Triple.Fi 10 (links) und UERM (rechts) kann man die Auswirkungen sehen:


Die Abweichung vom idealen Frequenzgang beträgt beim Triple.Fi 10 um die 4,4 dB. Umgehen lässt sich eine solche Abweichung durch den Anschluss eines niederohmigen Kopfhörerverstärkers, wie etwa dem Leckerton UHA-6S.MKII, wofür der M2 auch einen Line Out mit fixem Pegel besitzt.

Rauschen:

Mit sehr empfindlichen In-Ears wie dem Shure SE846 oder Ostry KC06A gibt es ein hörbares Grundrauschen, welches schon etwas höher als „leise“ ist und sich so in etwa auf dem Niveau eines HiFiMe 9018d oder BlackBerry Q10 befindet (und nur minimal leiser als beide ist) und damit etwa höher als beim iPhone 4 ausfällt.
Mit weniger empfindlichen In-Ears wie dem Sennheiser IE 800 oder Etymotic ER-4S ist das Grundrauschen nicht hörbar, mit Bügelkopfhörern sowieso nicht.

Auflösung, Präzision, Bühne:

Nun zum subjektiveren Teil meines Reviews. Meine Ansicht bezüglich Verstärker- und Geräteklang stellt sich wie folgt dar: Verstärker- und Geräteklang gibt es in begrenztem Umfang und er ist hörbar, jedoch sollte er nicht überschätzt werden – die grundlegende Charakteristik eines Kopfhörers wird durch ein (sauber konstruiertes) Gerät nicht verändert, jedoch „formt“ das Wiedergabegerät den Klang des Kopfhörers ein wenig, was sich aber eher in Nuancen ausdrückt und sich oft auch anhand der Eigenschaften oder Messwerte erklären lässt.
Nun also weiter mit meinen subjektiven Eindrücken:

Vorweg gesagt, der M2 hat, zumindest für mich als jemand, der sich eher als Leise-Hörer bezeichnet, genug Power für In-Ears und Bügelkopfhörer.

Den empfundenen Klang des M2 würde ich als neutral einstufen. Im Vergleich mit dem FiiO X3 (erste Generation), den ich als eher warm und „analog“ einstufe und iBasso DX90, den ich der analytischen und „digitalen“ Sparte mit einer leichten Schärfe im Hochton zuordne, besitzt der Shanling für mich eine gute Balance zwischen Analytik und Analogität, mit einer stärkeren Hang zum digitalen Charakter.
Die Bühne empfinde ich als weitläufig und in etwa so breit wie beim iBasso DX90 (dessen Bühne ich als breiter als durchschnittlich empfinde), jedoch mit mehr räumlicher Tiefe. Die Tiefenstaffelung und Instrumentenseparation empfinde ich als sehr gut.
Was den Bassbereich und die allgemeine Kontrolle und Auflösung betrifft, ist der M2 ein toller und klanglich hochwertiger DAP, der einen festen Tiefton und eine saubere Instrumententrennung an den Kopfhörer weitergibt.

Line Out, Digitalausgang, USB-DAC:

Der Pegel des Line Out ist konstant und nach meinem Empfinden kann der Klang des M2 hier durch den Anschluss eines guten externen Verstärkers nochmals ein wenig gesteigert werden, was sich insbesondere in der Dynamik bemerkbar macht.

Der koaxiale Digitalausgang lässt sich in den Systemeinstellungen umschalten, ist jedoch nur mit dem mitgelieferten 4-Pin-Kabel nutzbar.

Nach der Treiberinstallation (http://www.shanling.com/Source/20151010103853_7311.rar) lässt sich der M2 an Windows-Computern als externer USB-DAC verwenden, was auch in meinem Fall schnell und problemlos funktionierte. Die Lautstärkeregelung des M2 bleibt dann übrigens weiterhin aktiv.


Fazit:

Der Shanling M2 ist ein preiswerter kleiner DAP, der eine unkonventionelle, jedoch intuitive
Methode zur Steuerung verwendet, die bewusst an das Steuerungsprinzip digitaler Spiegelreflexkameras angelehnt ist, jedoch ruhig einen höheren Drehwiderstand mit besser fühlbaren Rastern besitzen könnte.
Die Nutzeroberfläche und das Menüdesign empfinde ich als gut gemacht und logisch aufgebaut, dazu gibt es in den Einstellungen viele sinnvolle Unterpunkte wie etwa Folder Play und einen automatischen Hold-Modus bei deaktiviertem Bildschirm. Eine Sortierung nach dem „Album Artist“ Tag bietet der M2 leider nicht, was jedoch leider auch bei vielen anderen DAPs der Fall ist, weswegen ich schon vor längerer Zeit auf eine gute Ordnerstruktur umgestiegen bin – und die Ordnerwiedergabe beherrscht der M2 sehr gut, jedoch wäre eine ansteigende Scrollgeschwindigkeit bei längerem Scrollen in langen Listen nützlich.
Optisch und haptisch gibt es am M2 nichts auszusetzen und so ist die Verarbeitung makellos und das Gehäuse besteht (mitsamt der Knöpfe und dem Scrollrad) aus Metall und auf der Rückseite aus Carbon.
Klanglich ist der Einsteiger-DAP von Shanling einwandfrei und kann neben einer sehr guten und weitläufigen Bühnendarstellung noch mit einer hohen Kontrolle und guter Balance zwischen analogem und digitalem Klang mit einer Tendenz zum Digitalen überzeugen – dafür ist er durch seine hohe Ausgangsimpedanz weniger gut für eine unverfälschte Wiedergabe mit Mehrtreiber-In-Ears und durch das etwas höhere Grundrauschen auch direkt etwas weniger für empfindliche In-Ears geeignet. Hierfür ist die Nutzung des M2 mit einem externen, niederohmigen Verstärker sinnvoll.

Alles in Allem finde ich den Shanling persönlich gut, jedoch nicht als eigenständigen DAP mit empfindlichen Mehrtreiber-In-Ears, jedoch erreicht der M2 in meiner Wertung noch 3,75 von 5 Punkten oder etwa 75 Prozent (0,5 Sterne Abzug für das Rauschen, 0,5 Sterne Abzug für die Ausgangsimpedanz, 0,25 Sterne Abzug für Kleinigkeiten wie das Fehlen eines Track-Counters oder die Sortierung nach „Track Artist“ in der Datenbank und das etwas undefinierte Scrollrad).

Mit In-Ears, welche einen linearen Impedanzgang besitzen sowie für Bügelkopfhörer oder in Verbindung mit einem niederohmigen, rauscharmen Kopfhörerverstärker kann ich den M2 hingegen nahezu uneingeschränkt empfehlen.