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Joinhandmade Jelly Doux: handgefertigte In-Ears aus Vietnam - Review 🇩🇪

Prolog:

Seitdem es Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter oder Indiegogo gibt, haben Privatpersonen sowie Firmen die Möglichkeit, ihre Ideen durch finanzielle Unterstützung der Community zu realisieren.
Dadurch sind schon einige interessante Konzepte hervorgegangen, etwa Echobox Audio, die ich auch unterstütze, wie ich neulich berichtete (http://kopfhoerer-lounge.blogspot.de/2015/12/Echobox.html).

Eine im Audio-Bereich angesiedelte Firma, die wirklich von Null startet und mit den Jelly Galaxy In-Ears Anfang dieses Jahres ihre erste Kampagne startete, ist Joinhandmade. Mit dem Jelly Doux
(https://www.indiegogo.com/projects/jelly-doux-redefining-handcraft-earphones/x/12951541#/, https://www.joinhandmade.com/vi-vn/Jelly-Doux.html) stellt die vietnamesische Firma ihre zweiten In-Ears vor, welche wieder über Crowdfunding auf Indiegogo finanziert werden.
Das erklärte Ziel von Joinhandmade ist es, modische, individualisierbare und gut verarbeitete Produkte herzustellen, die laut eigener Aussage auch für Menschen mit kleinen Ohren (wie etwa denen von asiatischen Frauen oder Kindern) geeignet sein sollen.
Mehr als 80% des Fertigungsprozesses der In-Ears, deren Herstellung laut Aussage Joinhandmades mehr als 48 Stunden dauert, ist handgemacht. Oberste Priorität bei der Oberflächenbeschaffenheit der In-Ears ist es, ein Spalten- und Kanten-loses Unibody zu erreichen.
Neben der normalen Version der Jelly Doux (späterer Preis: ~ 35$), die in 12 Farben und zwei verschiedenen Kabeln erhältlich ist, gibt es noch die „Vogue Edition“ (späterer Preis: ~ 55$), welche sich gänzlich individualisieren lässt, denn neben weiteren Farben und Kabel-Optionen besteht die Möglichkeit, jedem einzelnen Teil (Gehäuse, Y-Splitter, Fernbedienung, 3,5 mm Klinkenstecker) eine andere Farb-Note zu verpassen und der Fernbedienung einen individuellen Text (maximal 12 Buchstaben/Zeichen) zu verleihen.

Nachdem mich Joinhandmades Lam Cam Duong kontaktiert und gefragt hatte, ob ich daran interessiert sei, die In-Ears auszuprobieren, stimmte ich nach etwas Zögern zu.
Wie immer stellt das Review meine ehrliche Meinung über das Produkt dar.



Technische Daten:

Treiber: 8 mm, dynamisch


Lieferumfang:

Geliefert wurde mein Test-Exemplar in einer braunen Karton-Verpackung der Jelly Galaxy; die
Verpackung der Verkaufs-Version sowie deren Inhalt kann von meinem Exemplar abweichen.
Inkludiert sind zudem ein schönes, handgefertigtes Aufbewahrungsetui (mehr dazu weiter unten) sowie drei Paar an hochwertigen, stabilen Silikonaufsätzen.

Bedanken möchte ich mich hier übrigens auch beim Deutschen Zoll, der die Verpackung wie damals bei meinem iBasso DX90 vergewaltigt verunstaltet hat (dieser Satz enthält Zynismus). Ernsthaft, man kann beim Öffnen sowie erneuten Verschließen einer Sache auch vorsichtiger sein und aus dem Paket versehentlich oder absichtlich entfernte Gegenstände (wie beim DX90 die Garantiekarte sowie die zerstückelte Banderole) sind unzulänglich.








Optik, Haptik, Verarbeitung:


Wenig verwunderlich sind die Gehäuse der In-Ears, der Y-Splitter sowie 3,5 mm Klinkenstecker hochwertig verarbeitet und enthalten viele kleine Metallic-Partikel. Auf der linken Hörerseite
befindet sich das Markenzeichen von Joinhandmade, eine weiße Hand.
Die Fernbedienung mit drei Knöpfen (welche jedoch nicht das iDevice-Layout besitzt) ist zur Hälfte aus dem gleichen hochwertigen Kunststoff-Gemisch hergestellt, besitzt auf der Seite mit den Tasten jedoch eine Stoffabdeckung, die nicht sonderlich hochwertig erscheint.

Das Kabel gefällt mir nicht so gut: es besitzt keinerlei Knickschutz und die Gewebeummantelung wirkt auch nicht sonderlich hochwertig und ist weit von der Ummantelungs-Qualität des DUNU Titan 1 entfernt, wodurch es mich stark an das billig anmutende Kabel des Awei ES-Q5 erinnert. Ein reguläres Gummi-Kabel wäre hier die bessere Lösung gewesen, ehrlich. Wenigstens ist das Kabel recht flexibel. Ein Kinnschieber fehlt leider auch.

Das Aufbewahrungsetui ist für mich ein kleines Highlight: es ist sehr robust, besteht ebenfalls aus dem hochwertigen Kunststoff-Metallic-Gemisch und bietet im Inneren Halterungen für die Silikonaufsätze, welche wirklich gut sind. Lediglich ist das kurze Gewinde etwas leichtgängig, weshalb sich die Box schnell ungewollt öffnen kann – hier wäre ein „richtiges“ Gewinde passender.




Die In-Ears selbst sind hochwertig, das Kabel (welches zudem auch ausfransen kann) jedoch leider nicht.




Tragekomfort, Isolation:

Die Gehäuse sind wirklich sehr klein, wodurch das Versprechen, dass die In-Ears auch „asiatischen Frauen und Kindern“ passen, auch eingehalten werden kann.
Die Silikon-Aufsätze sind dickwandig, flexibel und bequem, weswegen sie zu dem guten Tagekomfort beitragen.
Einen Vorteil bietet die Gewebeummantelung des Kabels schließlich dann doch, so reduziert sie auch bei der „klassischen“ Kabelführung nach unten Mikrofonie deutlich.

Die Isolation ist richtig gut und definitiv besser als obere Mittelklasse, reicht jedoch nicht ganz an die von gänzlich geschlossenen In-Ears heran.


Klang:

Zum Hören dienten hauptsächlich der iBasso DX90 sowie mein zum Hören von Musik optimiertes iPhone 4. Die Musik lag größtenteils im FLAC- sowie WAV-Format vor.
Sicherheitshalber wurden die In-Ears vor dem Hören eingespielt.

Tonalität:

Gleich vorweg gesagt, der Klang ist klar consumer-orientiert, jedoch abstimmungstechnisch gut gemacht.

Die In-Ears sind klar basslastig abgestimmt, wie die meisten in diesem Preisbereich angesiedelten Modelle.
Im Mid- und Tiefbass gibt es mit ca. 15 dB die stärkste Betonung; der Kickbass und untere Grundton
sind auch stark betont, wenngleich geringer. Ab 100 Hz beginnt der Pegel in meinen Ohren gleichmäßig bis 500 Hz abzusinken. Durch die starke Bassbetonung ist der mittlere Grundton klar auch hörbar betont (was bei der Intensität unvermeidbar ist), wenngleich geringer als bei vielen anderen basslastigen In-Ears. Dadurch wird dem Klang eine gewisse Fülle beigefügt, doch gibt es nur wenig Dröhnen, was sehr positiv anzusehen ist.
Der Bereich der Mitten ist sehr sauber und in meinen Ohren tonal korrekt, was man gerade in dieser Preisklasse nicht häufig antrifft – sehr schön. Der Präsenzbereich ist in meinen Ohren nicht wirklich zurückgesetzt.
Der folgende Hochtonbereich befindet sich gehörmäßig nicht stark im Hintergrund und ist sehr gleichmäßig. Bei 3, 5 sowie 9 kHz höre ich geringfügige, breitbandige Betonungen heraus, welche sich jedoch unterhalb der Nulllinie befinden. Der Hochtonumfang ist gut.

Bei Tiefbass-starken Liedern gibt es durch die starke Betonung gehörig Kellerrumpeln; trotz der basslastigen Abstimmung ist die Klangsignatur gut gemacht und positiv anzurechnen – das typische Grundton-Dröhnen vieler basslastiger In-Ears fällt beim Jelly Doux recht gering aus und Stimmen werden dadurch nicht unnötig angefettet.
Der Mittelton ist überraschend korrekt und der Hochton minimal auf der sanfteren Seite, jedoch sehr gleichmäßig, weshalb er natürlich und nicht im Geringsten metallisch oder bedeckt klingt.

Tonal geht der Jelly Doux für mich in Richtung des Zero Audio Carbo Tenore, besitzt also auch eine Betonung im Tiefton, die sich hauptsächlich auf den Tief- und Midbass konzentriert. Beim Jelly Doux fällt diese Betonung jedoch etwas stärker aus. In den Mitten und dem Hochton finde ich den Jelly Doux sogar etwas besser als den Carbo Tenore, welcher mir hier ein wenig zu peakig spielt.

Anbei noch ein Frequenzgraph aus meinem IEC 711-ähnlich kalibrierten Vibro Veritas mit angewandter Diffusfeld-Kompensationskurve (die Kompensation ist noch nicht perfekt und bei 3 bzw. 6 kHz sollte man gedanklich noch zwischen 5 und 10 dB Pegel hinzufügen):



Das von mir Gehörte bestätigt dieser Graph somit auch größtenteils.

Auflösung:

Für den Preis befindet sich die allgemeine Auflösung auf einem angemessenen Niveau und steht trotz der handgefertigten Gehäuse anderen Modellen wie etwa dem Carbo Tenore in nichts wirklich nach. Arg viel mehr als eine 35$-Auflösung sollte man dabei jedoch nicht erwarten.
Der Bassbereich (besonders unten) ist stark angehoben, was ihn etwas weich erscheinen lässt. Auch ein wenig mehr Geschwindigkeit im Tiefbass wäre mir lieber, doch ist der Bass für den Preis okay und wirkt ordentlich kontrolliert, auch bei schnellerem sowie komplexerem Material.
Stimmen wirken zwar nicht wie hinter einem Vorhang, doch könnte dieser Bereich etwas detailreicher sein.
Der Hochton wirkt natürlich, gleichmäßig und recht gut differenziert, wenngleich es den oberen Höhen ein wenig an Trennung beim "Glitzern" fehlt.

Für den Preis ist der Detailreichtum jedoch wie gesagt angemessen, mehr jedoch nicht – glücklicherweise aber auch nicht wirklich weniger. Einem Sennheiser CX200 Street II oder den meisten billigen Modellen von Philips würde ich den Jelly Doux hingegen vorziehen.

Räumliche Darstellung:

Die generierte imaginäre Bühne ist von der Ausdehnung durchschnittlich, wirkt jedoch sehr „rund“, besitzt also ein gutes Verhältnis zwischen Breite und Tiefe.
Für den Preis ist die Instrumentendarstellung im Raum recht präzise und die Tiefenstaffelung wirklich ordentlich.


Fazit:

Klanglich ist der Jelly Doux den Preis wert, jedoch auch kein Geheimtipp (dafür spielt er technisch jedoch auch nicht unterhalb des Preis-Niveaus). Die Tonalität ist recht basslastig, jedoch auch gleichzeitig gut implementiert: die Betonung bezieht sich hauptsächlich auf den Tief- und Midbass, der Grundton fettet den Klang nicht unnötig an und hört auch bei 500 Hz auf, weshalb Stimmen nicht wirklich überstrahlt werden. Die Mitten sowie Höhen sind gleichmäßig und frei von Senken oder Betonungsspitzen, was ich sehr würdige. Für den Preis ist die allgemeine Kontrolle gut; die Bühne ist zwar nicht sehr groß, dafür jedoch glaubhaft und besitzt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Breite und Tiefe.

Klanglich gibt es für den Preis eigentlich nicht wirklich viel zu bemängeln – der Bass könnte etwas schneller sein und die Mitten höher auflösen, das war’s jedoch schon. Die In-Ears selbst sind zwar gut verarbeitet, doch nervt das Kabel: es wirkt keineswegs hochwertig, an Knickschutz fehlt es ihm auch gänzlich und die Kabelfernbedienung wirkt auch etwas billig. Ja, das Kabel zieht die In-Ears in der Gesamtbewertung klar etwas herab, doch bieten die In-Ears für den Preis einen ordentlichen Gegenwert für das Geld und schöne, handgefertigte Gehäuse.
In der Gesamtwertung erreichen die Jelly Doux noch gute 3,75 von 5 möglichen Sternen.