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Pai Audio DR1: gute Räumlichkeit mit kleinen Schwächen bei der Abstimmung - Review 🇩🇪

Prolog:

Bevor ich mit meinem eigentlichen Review beginne, möchte ich mich bei Pai Audio und
insbesondere deren Alex für das Bereitstellen eines Exemplares des DR1 (Preis: ~ 37-47$) im Austausch für meine ehrliche Einschätzung bedanken.
Nach meinem Erwerb deren „Flat“ Earbuds und dem Spitzenmodell MR3 (zu beiden habe ich damals auch je einen Erfahrungsbericht geschrieben) kommt nun meine Einschätzung des DR1.

PaiAudio ist eine noch recht junge im letzten Jahr gegründete chinesische Firma mit Sitz in Shenzhen, die sich auf die Produktion von In-Ears spezialisiert hat und laut eigenen Angaben im dreizehnköpfigen Team nationale Elite-Entwickler besitzt.
Die noch relativ unbekannte Firma besitzt derzeit vier Kopfhörer im Sortiment, davon einen Earbud, einen dynamischen In-Ear und zwei Balanced Armature In-Ears, wobei bis auf die Earbuds alle Modelle trotz des verhältnismäßig günstigen Preises austauschbare Kabel besitzen.

Bei der Vermarktung setzt PaiAudio auf hauptsächlich auf einen Direktvertrieb auf den drei Plattformen ebay (http://stores.ebay.com/paiaudio), Amazon (http://www.amazon.com/gp/aag/main/ref=olp_merch_name_1?ie=UTF8&asin=B00ZU89S6E&isAmazonFulfilled=0&seller=A4X08XUDEJ1P3) und AliExpress (http://www.aliexpress.com/store/1738335).

Wie sich der DR1 behauptet und wie er klingt, könnt ihr in meinem Review lesen.


Technische Daten:

Schallwandler: dynamisch
Treiber pro Seite: 1
Wege: 1
Empfindlichkeit: 120 dB
Tonumfang: 20 – 20000 Hz
Impedanz: 32 Ohm
Kabel: 120 cm; gewinkelter 3,5 mm Klinkenstecker
Farbe: gebräunt, rot, orangeblau, glitzerfarben oder golden


Lieferumfang:

Wie alle In-Ears von PaiAudio kommt der DR1 in der gleichen Verpackung, mit dem gleichen
Zubehör.
Geliefert werden die In-Ears in einer schlichten schwarzen Verpackung mit Papierhülle, auf der groß ein „π“, das Markenzeichen von PaiAudio, auf der Vorderseite prangt. Die eigentliche Verpackung unter dieser Papier-Banderole ist gänzlich schwarz und besitzt eine Magnet-Klappe, welche nach dem Öffnen die In-Ears präsentiert. Im Lieferumfang befinden sich neben den In-Ears eine Gebrauchsanweisung, drei Paare weißer Silikonaufsätze sowie ein Aufbewahrungsbeutel. Ein stabiles Aufbewahrungsetui wird zwar nicht mitgeliefert, doch ist die allgemeine Ausstattung (MMCX-Verbindung bei dem geringen Preis der In-Ears!) so gut, dass man diesen „Mangel“ gut verschmerzen kann.






Optik, Haptik, Verarbeitung:

Das Gehäuse der In-Ears ist verhältnismäßig groß und ergonomisch geformt, was für meine großen
Conchas jedoch in der Regel keine Probleme darstellt.
Die Verarbeitungsqualität ist augenscheinlich einwandfrei und die beiden Hälften des Gehäuses sind makellos und sehr stabil miteinander verbunden. Insgesamt wirkt das Gehäuse auch hochwertig und vermittelt einen stabilen Eindruck. Für diese Preisklasse komplett unüblich (jedoch sehr vorteilhaft) kommt ein MMCX Koaxial-Steckersystem für die austauschbaren Kabel zum Einsatz, wie es auch etwa von Shure verwendet wird.
Das flexible Kabel ist gräulich semi-transparent und wirkt dick, stabil sowie lange haltbar, obwohl es keinen Knickschutz besitzt. Einzig vermisse ich einen Kinn-Schieber oberhalb des Y-Splitters.
Durch das semi-transparente Gehäuse kann man den dynamischen Treiber erkennen.

Für lediglich einen kleinen Aufpreis kann man auch andere Gehäuse-Farben erhalten, darunter eine Auswahl an Faceplates mit Glitzer-Applikation (davon gibt es ganze 13 verschiedene Varianten, aus denen man wählen kann).
In meinem Fall habe ich mich für „Option 5“ entschieden, welche sich in weinroten In-Ear Körpern mit rot glitzernden Faceplates darstellt. Meiner Meinung sieht das richtig toll aus, besonders bei direkter Lichteinstrahlung.






Tragekomfort, Isolation:

Wie bereits erwähnt, ist das Gehäuse der In-Ears an die Form der Concha angelehnt und recht groß,
womit ich mit meinen großen Ohrmuscheln keine Probleme habe, jedoch könnten die In-Ears Menschen mit kleinen Ohren nicht passen.
Anfangs vermochte ich noch überhaupt keinen guten Seal mit den In-Ears zu erreichen, was sich nach einiger Zeit dann jedoch änderte: durch den etwas unkonventionellen Winkel des kurzen Schallröhrchens muss ich das Gehäuse der In-Ears etwas nach vorn drehen, dann ist der Seal auch einwandfrei.
Den Tragekomfort erachte ich als sehr angenehm, dazu überträgt das Kabel fast gar keine Mikrofonie – ein Kinn-Schieber wäre trotzdem wünschenswert.

Das Gehäuse besitzt eine kleine Belüftungs-Öffnung, trotzdem befindet sich die Isolation auf einem hohen Niveau, ist jedoch ganz minimal schlechter als bei den gänzlich geschlossenen Modellen von PaiAudio.


Klang:

Den Klang der MR2 In-Ears habe ich hauptsächlich mit meinem iBasso DX90, DX80 sowie HiFime 9018d evaluiert. Das Musikmaterial lag vornehmlich im FLAC- und WAV-Format vor, doch kamen auch vereinzelte MP3-Dateien zum Einsatz.

Tonalität:

Der DR1 ist recht dick und basslastig abgestimmt.
Die mächtige Bassbetonung von 13 dB erstreckt sich gleichmäßig vom Tief- über den Mid-, Oberbass sowie unteren Grundton. Bei etwa 150 Hz beginnt der Pegel dann bis in den unteren Mitteltonbereich abzufallen. Der Grundton ist somit allgemein auch klar betont und gibt dem Klang eine größere Fülle und Mächtigkeit.
Die Mitten sind überraschend korrekt und nur eine Spur dunkler, doch nicht wirklich verfärbt. Weibliche sowie helle Stimmen klingen jedoch etwas bedeckt, „normale“ Stimmen hingegen nicht.
In den oberen Mitten und unteren Höhen ist der Pegel etwas zurückgesetzt, beginnt jedoch bei 3 kHz wieder anzusteigen und wartet dann bei 4,5 kHz mit einem schmalen Peak auf.
Bei 5,5 kHz gibt es eine kleine Senke, der obere Hochton befindet sich etwas im Hintergrund, wie auch der Superhochton.

Der Peak bei 4,5 kHz sorgt dafür, dass manche Instrumente im Hochton einen etwas metallischen Anschlag und Charakter erhalten sowie etwas unnatürlich klingen – insgesamt empfinde ich den Hochton dennoch ein wenig besser abgestimmt als etwa den des Zero Audio Carbo Tenore, bei welchem der Bassbereich jedoch besser implementiert ist.

Auflösung:

Beginnen möchte ich hier mal mit den positiven Aspekten – die gesamte Detailauflösung wirkt recht zusammenhängend und ist für den Preis weder überragend noch wirklich schlecht, sondern angemessen (wie eben auch beim Carbo Tenore). Trotz der sehr kräftigen Bassbetonung ist der  Tiefton verhältnismäßig schnell und kontrolliert, doch kommt das durch den fetten Grundton nicht ganz so gut rüber, da dieser den Bassbereich etwas stumpf und wollig erscheinen lässt (der Tiefton wirkt auf mich ein wenig, als befände sich ein Subwoofer unter einer dicken Decke). Dies ist etwas schade, da der Bass, insbesondere Tiefbass, für einen recht preisgünstigen dynamischen In-Ear ziemlich trocken ist (etwa klar trockener als beim Carbo Tenore) – hier wäre eine andere Abstimmung mit einem langsamer ansteigenden Grundton von Vorteil gewesen.
Zwar sind Stimmen (auch hohe) trotz der Klangsignatur tonal noch recht korrekt, doch sorgt der Grundton zusammen mit dem etwas zurückgenommenen Präsenzbereich und der Senke bei 5,5 kHz für belegte, bedeckt wirkende Frauenstimmen – senkt man den Grundton ab und behebt die Senke bei 5,5 kHz, verschwindet der Schleier (dieser hätte jedoch nicht unbedingt vorhanden sein müssen).

Mit etwas Feinabstimmung käme die Auflösung hier besser zur Geltung, obwohl sich der DR1 ordentlich und auf Carbo-Tenore-Niveau (stellenweise besser, stellenweise schlechter) befindet.
Dynamische Dual-Driver In-Ears im ähnlichen Preisbereich wie der Havi B3 Pro I oder TTPod T1 (ohne E) lösen Prinzip-bedingt etwa eine halbe Klasse besser auf.

Räumliche Darstellung:

Die räumliche Darstellung scheint bei PaiAudio eine sich durch die ganze In-Ear Palette ziehende Stärke zu sein, denn der MR1 besitzt eine breite Bühne, welche auch noch eine gute räumliche Tiefe besitzt (diese beträgt in ihrer Ausdehnung jedoch nur etwa die Hälfte der Breite). Die Instrumentenseparation und –platzierung ist gut und der Pai schlägt hier den Carbo Tenore sowohl in Sachen Räumlichkeit als auch räumliche Präzision.
Dem Havi B3 Pro I muss sich der DR1 bei der räumlichen Tiefe geschlagen geben, spielt jedoch ebenso weit und auch präzise.


Fazit:

Der PaiAudio DR1 ist ein guter dynamischer In-Ear mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis
(man beachte die echten MMCX-Verbindungen und das gut verarbeitete Gehäuse).
Technisch spiellt der In-Ear stark, doch ist er ein Rohdiamant, dem es etwas an Feinschliff fehlt, der sich hauptsächlich durch eine etwas geänderte Klangsignatur erreichen ließe – aktuell ist der (untere mittlere) Hochton im Anschlag manchmal etwas zu metallisch und durch den Grundton sowie den etwas zurückgesetzten unteren Hochton und die Senke bei 5,5 kHz wirken Stimmen, besonders weibliche, ein wenig verschleiert – bei dem Preis ist das zwar annehmbar, doch geht da noch mehr.
Die Räumlichkeit ist gut ausgeprägt und auch die Auflösung ist ordentlich.
Wer einen stark bassigen Klang mit einem betonten Grundton sucht, mit einer Klangsignatur, die teils in Richtung Sennheiser IE 80 geht, findet mit dem PaiAudio DR1 einen guten und Preis-Leistungs-technisch günstigen mobilen Begleiter.
Einzig die Klangsignatur hätte meiner Meinung nach besser gewählt werden können, denn teils ist sie für die wahrgenommene Auflösung, die an sich eigentlich gut ist, nicht ganz vorteilhaft – so gibt es in der Gesamtwertung dennoch gute 78% oder 3,9 (gerundet 4) von 5 möglichen Sternen.