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Pai Audio MR2: sanfter, badewanniger Dual-Driver zu fairem Preis - Review 🇩🇪

Prolog:

Bevor ich mit meinem eigentlichen Review beginne, möchte ich mich bei Pai Audio und insbesondere
deren Alex für das Bereitstellen eines Exemplares des MR2 (Preis: ~ 129-139$) im Austausch für meine ehrliche Einschätzung bedanken.
Nach meinem Erwerb deren „Flat“ Earbuds und dem Spitzenmodell MR3 (zu beiden habe ich damals auch je einen Erfahrungsbericht geschrieben) kommt nun meine Einschätzung des MR2 – und wie auch beim MR3 fällt mein Fazit richtig gut aus, soviel sei schon mal gesagt.

Pai Audio ist eine noch recht junge im letzten Jahr gegründete chinesische Firma mit Sitz in Shenzhen, die sich auf die Produktion von In-Ears spezialisiert hat und laut eigenen Angaben im dreizehnköpfigen Team nationale Elite-Entwickler besitzt.

Die noch relativ unbekannte Firma besitzt derzeit vier Kopfhörer im Sortiment, davon einen Earbud, einen dynamischen In-Ear und zwei Balanced Armature In-Ears, wobei bis auf die Earbuds alle Modelle trotz des verhältnismäßig günstigen Preises austauschbare Kabel besitzen.

Bei der Vermarktung setzt Pai Audio auf hauptsächlich auf einen Direktvertrieb auf den drei Plattformen ebay (http://stores.ebay.com/paiaudio), Amazon (http://www.amazon.com/gp/aag/main/ref=olp_merch_name_1?ie=UTF8&asin=B00ZU89S6E&isAmazonFulfilled=0&seller=A4X08XUDEJ1P3) und AliExpress (http://www.aliexpress.com/store/1738335).

Wie sich der MR2 behauptet und wie er klingt, könnt ihr in meinem Review lesen.


Technische Daten:

Schallwandler: Balanced Armature
Treiber pro Seite: 2
Wege: 2
Empfindlichkeit: 120 dB
Tonumfang: 20 – 20000 Hz
Impedanz: 32 Ohm
Kabel: 120 cm; gewinkelter 3,5 mm Klinkenstecker
Farbe: rotblau oder gebräunt


Lieferumfang:

Wie alle In-Ears von Pai Audio kommt der MR2 in der gleichen Verpackung, mit dem gleichen
Zubehör.
Geliefert werden die In-Ears in einer schlichten schwarzen Verpackung mit Papierhülle, auf der groß ein „π“, das Markenzeichen von Pai Audio, auf der Vorderseite prangt. Die eigentliche Verpackung unter dieser Papier-Banderole ist gänzlich schwarz und besitzt eine Magnet-Klappe, welche nach dem Öffnen die In-Ears präsentiert. Im Lieferumfang befinden sich neben den In-Ears eine Gebrauchsanweisung, drei Paare weißer Silikonaufsätze sowie ein Aufbewahrungsbeutel. Ein stabiles Aufbewahrungsetui wird leider nicht mitgeliefert.






Optik, Haptik, Verarbeitung:

Das Gehäuse der In-Ears ist verhältnismäßig groß und ergonomisch geformt, was für meine großen Conchas jedoch in der Regel keine Probleme darstellt.
Die Verarbeitungsqualität ist augenscheinlich einwandfrei und die beiden Hälften des Gehäuses sind makellos und sehr stabil miteinander verbunden. Insgesamt wirkt das Gehäuse auch hochwertig und vermittelt einen stabilen Eindruck. Für diese Preisklasse eher unüblich kommt ein MMCX Koaxial-Steckersystem für die austauschbaren Kabel zum Einsatz, wie es auch etwa von Shure verwendet wird.
Das flexible Kabel ist gräulich semi-transparent und wirkt dick, stabil sowie lange haltbar, obwohl es keinen Knickschutz besitzt. Einzig vermisse ich einen Kinn-Schieber oberhalb des Y-Splitters. Durch das transparente Gehäuse kann man die beiden Balanced Armature Treiber, Frequenzweiche und Verkabelung sehen, was mir persönlich recht gut gefällt. Ebenfalls sichtbar sind die Schallkanäle der Treiber (diese werden nämlich in Dual-Bore Konfiguration zum Schallaustritt mit dem sich davor befindenden Gitter geleitet und besitzen jeder einen dedizierten akustischen Filter).

Auf Nachfrage sind übrigens auch andere Farbvarianten der Gehäuse verfügbar, in meinem Fall orange.








Tragekomfort, Isolation:

Wie bereits erwähnt, ist das Gehäuse der In-Ears an die Form der Concha angelehnt und recht groß, womit ich mit meinen großen Ohrmuscheln keine Probleme habe, jedoch könnten die In-Ears Menschen mit kleinen Ohren nicht passen.
Anfangs vermochte ich noch überhaupt keinen guten Seal mit den In-Ears zu erreichen, was sich nach einiger Zeit dann jedoch änderte: durch den etwas unkonventionellen Winkel des kurzen Schallröhrchens muss ich das Gehäuse der In-Ears etwas nach vorn drehen, dann ist der Seal auch einwandfrei.
Den Tragekomfort erachte ich als sehr angenehm, dazu überträgt das Kabel fast gar keine Mikrofonie – ein Kinn-Schieber wäre trotzdem wünschenswert.

Da das Gehäuse aufgrund der BA-Schallwandler geschlossen ist, befindet sich die Isolation auf einem hohen Niveau, ist jedoch minimal schlechter als bei extrem isolierenden In-Ears wie etwa den Modellen von Westone oder Shure, aber dennoch auf sehr gutem UE900-Niveau.


Klang:


Den Klang der MR2 In-Ears habe ich hauptsächlich mit meinem iBasso DX90, DX80 sowie HiFime 9018d evaluiert. Das Musikmaterial lag vornehmlich im FLAC- und WAV-Format vor, doch kamen auch vereinzelte MP3-Dateien zum Einsatz.

Tonalität:

Redaktioneller Hinweis 03/2016: Meine anfängliche tonale Einschätzung/Beschreibung möchte ich geringfügig revidieren - das damals Gehörte war auf einen nicht ganz idealen Sitz/Einsetzwinkel zurückzuführen, womöglich mit einer Abdichtung, die ganz geringfügig schlechter als perfekt war. Mit dem nun korrekten Sitz (herausgefunden habe ich erst nach Monaten, dass die In-Ears von Pai Audio in meinen Ohren besser richtig sitzen, wenn ich sie nicht (wie üblich) mit einer leichten Drehbewegung einsetze, sondern geradlinig in meine Ohren drücke, wodurch sie tiefer sitzen und nicht mehr geringfügig herausstehen) ist der Klang des MR2 nun etwas bassiger als zuvor. Somit decken sich meine Klangeindrücke (mit dem nun korrekten Sitz) endlich auch mit meinen Messgraphen.

Nach der gelungenen Erfahrung mit dem MR3 war ich hier natürlich besonders gespannt, wie der MR2 abgestimmt ist. Der Klang des Dual-Drivers geht in die sanfte, etwas bassbetonte Richtung, ist insgesamt jedoch noch immer recht ausgewogen. Mit der Betonung im oberen Hochton könnte man den MR2 auch als ganz leicht tendenziell „badewannig“ abgestimmt bezeichnen, aber „etwas bassiger als ausgewogen“ beschreibt den Klang der In-Ears meiner Meinung nach besser.

Der Bassbereich ist in meinen Ohren um etwa 6 dB 8 dB im Vergleich zu einem strikt neutralen In-Ear wie dem Etymotic ER-4S angehoben und umfasst hauptsächlich den Midbass, Oberbass sowie unteren Grundton, rollt im Tiefbass jedoch erfreulicherweise auch nicht ab. Damit besitzt der MR2 beispielsweise etwa 4 dB mehr Bass als der Pai Audio MR3 oder InEar StageDiver SD-2 und ist quantitativ mit dem des Audio Technica ATH-IM03 oder Ultimate Ears Triple.Fi 10 relativ gut vergleichbar.
Die Betonung des Tieftons fällt sehr gleichmäßig aus.
Der darauf folgende Mittelton ist in meinen Ohren Pegel-mäßig richtig sowie minimal betont (also kein typischer Badewannen-Mittelton) und durch die bei 500 Hz langsam startende Tieftonbetonung minimal auf der wärmeren Seite, jedoch noch so, dass ich ihn als nicht verfärbt bezeichnen würde.
Der folgende Präsenzbereich und die mittleren Höhen sind zurückgesetzt, wodurch dem Klang eine Sanftheit und Unangestrengtheit verliehen wird. Bei 9 kHz vernehme ich einen moderat ausgeprägten Peak.
Oberhalb von 10 kHz ist der Pegel auch bis 14 kHz noch ausreichend ausgeprägt; ein wenig subtiles Glitzern im Superhochton ist also auch vorhanden.

MR3 (l.) & MR2 (r.)
Der MR3 folgt einer Abstimmungs-Philosophie, welche mich sehr an meinen UERM erinnert.
Der MR2 ist bassbetonter sowie etwas dunkler als der MR3 und auch etwas entspannter – besonders im mittleren Hochton ist der MR2 hörbar weniger präsent, was ihn entspannter klingen lässt. Der gesamte Bereich der Höhen des MR2 wirkt im Gegensatz zu dem des MR3 nicht hell, aber auch nicht wirklich dunkel – „entspannt“ ist hier der passendere Begriff.
Im Superhochton kommt der MR3 in meinen Ohren etwa 1 kHz höher als der MR2.

Auflösung:

Der MR2 macht sich in Sachen Detailauflösung richtig gut, eben typisch für BA-basierte In-Ears. Der Tiefton ist wenig überraschend schnell, präzise, fest und trocken, bekommt durch den großen Bass-Treiber von Knowles jedoch dessen typischen Körper, den ich persönlich an den großen Knowles-Bässen mag. Der Mittelton ist sehr präzise, Stimm-Variationen werden gut aufgedeckt. Auch der Hochton erfreut sich einer guten Detailfülle.

MR3 (l.) & MR2 (r.)
Der MR3 befindet sich, was die Auflösung angeht, in meinen Ohren etwas vor dem MR2 (und schlägt auch den Shure SE425). Typisch für den Doppel-Basstreiber des MR3 ist dieser etwas fester als der große Tieftöner des MR2, der jedoch den schöneren Körper besitzt und fast ebenso trocken und schnell spielt, jedoch etwas weicher ist.
Im Hochton besitzt der MR3 zwar die etwas höhere Detailfülle, doch gefällt mir der MR2 hier besser – dieser besitzt nämlich nicht den etwas metallischen Anschlag des MR3, weshalb der Hochton beim MR2 natürlicher klingt.

Das Duell „Pai Audio MR2 vs. Shure SE425“ gewinnt der Shure knapp – der Amerikaner bietet neben dem etwas schnelleren Bass im oberen Mittelton sowie Bereich der Stimmen die etwas höhere Detailfülle. Bei mit Instrumenten überladenem Musikmaterial empfinde ich den MR2 jedoch als etwas kontrollierter (wahrscheinlich aufgrund der weitläufigeren Bühne). In Sachen Hochtonumfang oberhalb von 10 kHz gewinnt der Chinese wenig überraschend.

Räumliche Darstellung:

Räumlich kann mich der Dual-Driver wie auch schon der MR3 sehr überzeugen, spielt Bühnen-mäßig jedoch ein wenig schmaler und nicht ganz so tief, doch ist auch beim MR2 die Räumlichkeit gut ausgeprägt (im Gegensatz etwa zum UE900 oder Westone W4R, die in meinen Ohren räumlich recht flach spielen).
Wie auch beim MR3 sind die räumliche Platzierung und Instrumentenseparation richtig gut gelungen (ich würde sagen, der MR2 ist räumlich genau so präzise) und übertreffen wieder die des Shure SE425.
Wieder einmal empfinde ich die hier gebotene Präsentation als sehr gelungen, authentisch und realistisch.


Fazit:

Der MR2 von PaiAudio ist wie auch schon der MR3 ein richtig guter In-Ear mit Balanced Armature
Technik zu einem sehr fairen Preis. Im Gegensatz zum Flaggschiff, das eher neutral bis etwas badewannig-ausgewogen abgestimmt ist, repräsentiert der Dual-Driver eine bassigere, sanftere Klangsignatur, die ich als „gepflegt spaßig“ bezeichnen würde.
Die Bühnenabbildung sowie Detailauflösung befinden sich auch klar auf einem höheren Niveau, als man es bei dem Preis annehmen könnte – trotzdem ist der MR2, im Gegensatz zum etwas teureren MR3, kein „SE425-Killer“, kommt jedoch an die Performance des Amerikaners erschreckend nah heran.
Klanglich gibt es hier bei dem Preis rein nichts zu bemängeln und der MR2 bietet ein formidables Preis-Leistungs-Verhältnis, wodurch er sich mit Leichtigkeit 96% oder 5 von 5 möglichen Sternen in meiner Bewertung verdient.