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DUNU Titan 3 - Review 🇩🇪

Prolog:

Im Februar 1994 ursprünglich als OEM-Produzent gegründet, hat sich die chinesische Firma DUNU in den vergangenen Jahren immer weiter entwickelt und in Hi-Fi-Kreisen hoch geschätzte Modelle
auf den Markt gebracht, darunter den Titan 1, der ein recht offener und schwach isolierender In-Ear in der Manier eines Earbuds ist und in der portablen Hi-Fi-Welt recht viel Anklang fand sowie noch immer findet.
Nun folgen auf das Erfolgsmodell zwei weitere Produkte aus der „Titan“-Reihe, nämlich der Titan 3 sowie Titan 5. Diese sollen den Titan 1 jedoch nicht ersetzen, sondern in der Modellreihe klangliche Alternativen darstellen und bieten neben einer anderen Klangsignatur auch neue Features wie etwa austauschbare Kabel mit MMCX-Steckverbindung.

Erhältlich ist der Titan 3 auch bei Amazon: http://amzn.to/23VJU8F

Dieses Review (inklusive Vergleichen mit dem Titan 1 sowie Titan 5) beleuchtet den Titan 3 und stellt den zweiten Teil meiner Titan-Review-Reihe dar.
Bedanken möchte ich mich hierbei noch bei DUNU-Topsound für das Bereitstellen eines Exemplars der In-Ears für meine ehrliche Einschätzung.



Technische Daten:

Preis: ~ 135$
Treiber: dynamisch, 13 mm, Titan-beschichtet
Frequenzgang: 10 Hz – 40 kHz
Empfindlichkeit: 110 +/- 2 dB
Impedanz: 16 Ohm
Kabellänge: 1,2 m


Lieferumfang:

Typisch für DUNU fällt der Lieferumfang des Titan 3 recht üppig aus, wenngleich auch etwas geringer als bei den höherpreisigen Modellen.

Die Verpackung ist hochwertig, stabil und DUNU-typisch gestaltet. Auf der Vorderseite findet man
ein Bild der In-Ears vor, die Rückseite gibt Auskunft über den Lieferumfang inklusive Bildern eben jenes und Informationen über die In-Ears. Auf der linken Seite sind die technischen Spezifikationen in mehreren Sprachen aufgedruckt. Die rechte Seite, auf der sich zudem eine Lasche zum Öffnen der magnetischen Klappe befindet, zeigt die drei Wörter, welche für DUNU stehen: „Delicate Unique & Utmost“.
Die Innenseite des Deckels auf der Vorderseite beschreibt auf der linken Seite die Vorzüge der Titanbeschichtung und erläutert kurz die Klangsignatur der In-Ears. Auf der rechten Seite wird ein Musiker namens Max Barsky vorgestellt, dazu befindet sich hier ein Sichtfenster, durch welches man die In-Ears sehen kann.
Mittels einer Lasche kann man dann diese Seite  ebenfalls aufklappen und findet schließlich neben den In-Ears und einer Garantiekarte ein schönes Aufbewahrungsetui (dazu später mehr), einen Kabelclip, einen vergoldeten 6,35 auf 3,5 mm Adapter sowie zwei verschiedene Ausführungen an Silikonaufsätzen (und damit einen Typ weniger als beim Titan 1) in je drei Größen vor (darunter die werksmäßig installierten Sony-Hybrid-ähnlichen Aufsätze und Hybridaufsätze mit rotem Kern). Somit kann man in einem gewissen Ausmaß durch die unterschiedlichen Aufsätze Einfluss auf den Klang nehmen. Als Neuerung gegenüber dem Titan 1 sind zudem noch zwei Ohr-Haken aus weichem, weißem Silikon enthalten.







Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die silberfarbenen, CNC-gefrästen und dreifach polierten Gehäuse der In-Ears bestehen aus Edelstahl, sind hochwertig verarbeitet und mit klassischen „L“ und „R“ Seitenmarkierungen
versehen. Als schönes Element befindet sich auf der „Faceplate“ eine „3“.
Abgesehen von den sieben Löchern für den Schallaustritt zähle ich gegensätzlich zum Titan 1 lediglich ein weiteres Loch im Gehäuse.
Im Gegensatz zum Titan 1 sind die Gehäuse des Titan 3 nicht farblich codiert (der umlaufende Ring ist einfach dunkelgrau), was jedoch einen simplen Grund hat: der Titan 3 (wie auch 5) besitzt austauschbare Kabel mit MMCX-Steckern, weshalb sich die Seiten ganz einfach tauschen lassen, wenn man die In-Ears seitenkorrekt mit dem Kabel über den Ohren tragen will.
Für die Preisklasse sind die austauschbaren Kabel eine echte Bereicherung und schlagen sich erfreulicherweise nicht zu sehr im Preis wieder.

Sowohl der 3,5 mm Klinkenstecker, auf dem sich die Seriennummer befindet, als auch der Y-Splitter
mit dem „DUNU“ Schriftzug sowie der Kinnschieber bestehen aus schwarzem Edelstahl.
Das Kabel des Titan 3 ist im Gegensatz zu dem des Titan 1 unterhalb des Y-Splitters nicht mehr gewebeummantelt, was ich als Vorteil erachte (nichts kann mehr ausfransen).
Natürlich befindet sich am Kabel DUNUs typisches und patentiertes Tool zum Kabelmanagement und einfachen Aufwickeln, welches ich mit der Zeit auch wertzuschätzen gelernt habe.

Mit einem leichten Druck auf den sich auf der Vorderseite befindenden Knopf öffnet sich das praktische Aufbewahrungsetui, welches auf der Unterseite gummiert ist, wodurch es auf vielen Oberflächen rutschfest steht. Innen ist leider nur die untere Hälfte mit Gummi ausgepolstert, die obere besteht aus Plastik.







Tragekomfort, Isolation:

Durch Seiten-Tausch der Kabel lassen sich die In-Ears auch Seiten-korrekt mit dem Kabel über den Ohren tragen.

Die In-Ears lassen sich am besten wie Earbuds mit dem Kabel nach unten tragen, was auch sehr bequem funktioniert. Bei Menschen mit sehr kleinen Ohrmuscheln könnte es jedoch womöglich Probleme geben, die ich mit meinen großen Conchas natürlich nicht habe, weshalb die In-Ears sehr bequem in meinen Ohren sitzen. Schiebt man den Kinnschieber nach oben, hält sich die Mikrofonie auch in Grenzen.
Durch Seitentausch der Kabel ist es auch möglich, den Titan 3 seitenkorrekt mit dem Kabel über den Ohren zu tragen, was mit dem Titan 1 nicht möglich war. Ich persönlich bevorzuge es beim Titan 3 jedoch, wie auch beim Titan 1, die In-Ears wie Earbuds mit dem Kabel nach unten zu tragen und die Kabel dann über die Ohren zu legen. Mikrofonie gibt es dann auch nicht mehr.
Als Neuerung befinden sich im Lieferumfang auch noch weiche Silikon-Haken, welche einfach übergezogen werden können und für einen sichereren Halt sorgen.

Da die In-Ears ziemlich geschlossen sind, ist die Isolation hörbar stärker als beim Titan 1 ausgeprägt, jedoch noch immer geringer als durchschnittlich.


Klang:

Sicherheitshalber habe ich die In-Ears wie empfohlen eingespielt, obwohl ich bei dynamischen In-Ears wenn überhaupt, dann an keine großen physikalischen Einspieleffekte glaube, die insbesondere nicht die Tonalität betreffen.
Als Abspielgeräte dienten der iBasso DX80, DX90 sowie auch der HiFime 9018d; das Musikmaterial lag hauptsächlich im FLAC-, WAV-, aber auch MP3-Format vor.

Die folgenden Eindrücke des Klanges entstanden mit den mitgelieferten roten Hybrid-Aufsätzen, da sie für mich den besten Klang brachten.

Tonalität:

Der Titan 3 ist ziemlich ausgewogen abgestimmt, mit minimal prominenteren Mitten.
Sehr gleichmäßig ist der Tiefton vom Tiefbass bis etwa 300 Hertz um zirka 4 dB angehoben, danach sinkt der Pegel bis 600 Hz gleichmäßig auf ein normales Niveau. Im Bereich der Mitten (welche übrigens tonal korrekt erscheinen, also ohne Tendenz zum Hellen oder Warmen) ist der Pegel etwa auf dem gleichen normalen Level, wenngleich verhältnismäßig etwas vordergründiger. Der Präsenzbereich ist erfreulicherweise nicht zurückgesetzt; ab 3 kHz steigt der Pegel langsam an und bildet einen moderaten Peak bei 5 kHz. Bei 7,2 kHz gibt es in meinen Ohren einen weiteren, jedoch kleineren Peak; der darauf folgende obere Hochton ist etwas im Hintergrund. Im Superhochton gibt es bei 12,2 kHz einen weiteren Peak; der Superhochtonumfang ist richtig gut.
Insgesamt ist der Hochton also, wie auch beim Titan 1, ein wenig auf der helleren Seite, wenngleich etwas weniger.

Tuning-Optionen:

Wie auch bei vielen anderen Modellen legt DUNU dem Titan 3 verschiedene Aufsätze bei, die in einem gewissen Rahmen Einfluss auf den Klang nehmen.
Im Vergleich zu den roten Hybrid-Aufsätzen klingen die im „Sony“-Stil gehaltenen Hybrid-Aufsätze aus schwarzem Silikon in meinen Ohren minimal heller im Hochton und den oberen Mitten, ansonsten unterscheiden sich beide Aufsatz-Typen für mich im Klang nicht.

Auflösung:

Der Titan 3 löst auch schon wie der Titan 1 richtig gut auf und gehört in seinem Preisbereich definitiv zu den besseren In-Ears.
Der Bassbereich ist frei von Weichheit, kommt für einen dynamischen Treiber überraschend schnell sowie knackig, ist präzise und spielt sehr kontrolliert. Auch gen Tiefbass weicht da nichts auf. Die Tiefton-Textur ist trotz der Geschwindigkeit richtig schön ausgeprägt und gibt auch hier schon einen kleinen Vorgeschmack auf den Tiefton des hybriden DN-2000J (welcher jedoch noch präziser zu Werke geht).
Der Hochton wirkt fein als auch detailreich und hat den leicht unnatürlichen Charakter des Titan 1 abgelegt: der Titan 3 klingt bei höheren Frequenzen echter.
Der Titan 3 ist aus DUNUs Titan-Reihe zwar das Modell mit dem präsentesten Mittelton, doch gibt es hier eine Sache, die mir auch bei den anderen beiden Modellen aufgefallen ist: rein für sich allein betrachtet ist der Mittelton hochauflösend und präzise. Bezieht man aber den Hoch- und Tiefton mit ein, wirken diese beiden Frequenzbereiche minimal höher auflösend, wenngleich beim Titan 3 die Auflösungs-Verteilung einen Hauch gleichmäßiger als beim Titan 1 erscheint. Ein wenig ist dies wie beim UE900: bei diesem sind die Mitten auch das schwächste Glied in der Kette, wenngleich der Titan 3 einen geringeren Auflösungs-Unterschied zwischen dem Mittelton und den anderen Frequenzen besitzt als der UE (der Titan 3 klingt bei der Auflösung zusammenhängender und die Mitten sind wirklich nur ganz minimal „schlechter“ als der Rest).

Räumliche Darstellung:

Dass einen hier keine ganz so große Bühne wie beim Titan 1 erwartet, dürfte klar sein, doch spannt der Titan 3 einen imaginären Raum auf, der in meinen Ohren definitiv etwas größer als durchschnittlich ist – sowohl in Sachen Tiefe als auch Breite.
Das Breite-zu-Tiefe-Verhältnis stimmt hier, auch wenn der Titan 3 in meinen Ohren minimal breiter als tief spielt.
Die Instrumentenseparation, -platzierung und Tiefenstaffelung sind richtig gut und die In-Ears klingen nie eingeengt.

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vs. Titan 5:
Der Titan 5 ist dicker abgestimmt, besitzt also den stärkeren Bass- und Grundtonbereich. Der
Hochton beim Titan 5 ist dem des Titan 3 ähnlich, doch besitzt ersterer mehr oberen Hochton und erhält dadurch die besseren/verhältnismäßig natürlicher klingenden Becken, wodurch er sich meiner Meinung nach besser für Rock eignet.
Bei der Auflösung geben sich beide eigentlich nichts: beide besitzen einen schnellen, knackigen Bassbereich (durch die Anhebung ist der Titan 5-Tiefton jedoch kaum verwunderlich einen Hauch weniger trocken), detailreiche, gut getrennte Höhen und lösen im Mittelton minimal geringer als im Hoch- und Tiefton auf, wenngleich dies beim Titan 5 auch kaum ins Gewicht fällt und bei diesem sogar noch weniger auffällt.
Der Titan 5 generiert in meinen Ohren die etwas größere Bühne, die offener klingt und auch mehr räumliche Tiefe besitzt, bei der Größe jedoch nicht an den offenen Raum des Titan 1 heranreicht.

vs. Titan 1:
Der Titan 3 ist von beiden der natürlichere, ausgewogenere In-Ear. Während die Signatur des Titan 1
eher an eine Badewanne erinnert, spielt der Titan 3 ausgeglichener und konzentriert sich mehr auf den Mittelton. Beim Titan 3 (wie auch beim Titan 5) ist der Hochton (welcher auch etwas weniger präsent ist) klar gleichmäßiger und klingt dadurch natürlicher.
Bei der Auflösung geben sich beide eigentlich nichts: beide besitzen einen schnellen, knackigen Bassbereich, detailreiche, gut getrennte Höhen und lösen im Mittelton minimal geringer als im Hoch- und Tiefton auf, wobei dies beim Titan 3 durch die andere Abstimmung weniger auffällt.
Der Titan 1 generiert bauartbedingt die größere Bühne, der Titan 3 klingt jedoch auch keineswegs eingeengt und spannt eine Bühne auf, die größer als nur durchschnittlich ist und eine gute Instrumentenplatzierung sowie Tiefenstaffelung besitzt.


Fazit:


Der Titan 1 konnte mich ganz persönlich schon größtenteils sehr überzeugen, besaß jedoch objektiv
betrachtet ein paar kleine Schwachstellen, die ihn „nur“ zu einem „richtig guten“ statt zu einem „sehr guten“ In-Ear machten: das gewebeummantelte Kabel konnte ausfransen, der Mittelton stand bei der Auflösung dem Hoch- und Tiefton minimal hinterher und der Hochton wirkte etwas unnatürlich.
Der Titan 3 behebt zwei dieser minimalen Schönheitsfehler, indem sein austauschbares Kabel ohne Ummantelung daherkommt, dazu wirkt der Hochton natürlicher.
Der Titan 3 ist aus der Titan-Reihe der ausgewogenste, besitzt eine gute Auflösung mit einem schnellen sowie knackigen Bassbereich und einer überzeugenden Bühnendarstellung.
Hier gibt es von meiner Seite aus eigentlich nichts zu bemängeln und der Titan 3 erhält damit verdiente knapp 5 von 5 Sternen.