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Zorloo ZuperDAC: wie [z]uper ist dieser DAC? - Review 🇩🇪

Prolog:

Zorloo, eine neue chinesische Audio-Firma, hat kürzlich durch Crowdfunding ihre ersten beiden
Produkte  auf den Markt gebracht, darunter die digitalen In-Ears namens Z:Ero, die ich neulich im Test hatte, sowie den portablen DAC namens ZuperDAC (http://www.zorloo.com/#!zuperdac/ci25), den ich heute im Test habe.
Der kleine und verhältnismäßig preisgünstige Audio-Wandler setzt auf hochwertige Chips von ESS Sabre und kommt in einem gänzlich aus Aluminium bestehenden Gehäuse daher.
Wie sich der portable Hi-Res DAC mess- und klangtechnisch schlägt und wie gut die Sabre-Chips implementiert sind, könnt ihr hier in meinem Review nachlesen.

Danke an Andy Ho für das Testmuster im Austausch für meine ehrliche Einschätzung.



Technische Daten:

Preis: 74$
DAC: ESS Sabre ES9018K2M
Verstärker: ESS Sabre ES9601
Maximale Auflösung & Abtastrate: 24 Bit, 192 kHz
Maximale Ausgangsleistung: 25 mW + 25 mW
Maximaler Ausgangspegel: 1 Vrms
Signal-Rauschabstand: 115 dB
THD: 0,003%
Kanaltrennung: 60 dB
Farbe: Silber oder Gold


Lieferumfang:

Geliefert wird der USB-DAC in einem kleinen schwarzen Karton, auf dessen Vorderseite sich ein Bild des DAC befindet. Die Seiten geben die maximal mögliche Abtastrate sowie Bittiefe an; auf der Rückseite befindet sich die Seriennummer.
Im Inneren der Verpackung enthalten ist neben ZuperDAC noch eine Schnellstartanleitung, welche auch die technischen Daten beinhaltet.








Optik, Haptik, Verarbeitung:

Der DAC ist klein, silberfarben und besitz auf der Oberseite das Zorloo-Logo.
Das Gehäuse besteht gänzlich aus Aluminium und wirkt, wenig verwunderlich, sehr stabil.
Auf der Vorderseite befinden sich der 3,5 mm Kopfhörerausgang sowie eine kleine LED; auf der Rückseite findet man den männlichen USB-Stecker vor.

Schnörkellos, schlicht, funktionell.





Funktionen, Anschlüsse:

Der DAC decodiert Hi-Res Material bis 24 Bit/192 kHz.
Mit 25 mW Leistung je Kanal gehört er klar zu den schwächeren DAC/Amp Kombos auf dem Markt, bietet dafür jedoch einen schönen Regelbereich für wirkungsgradstarke In-Ears und kann damit Leise-Hörer wie mich überzeugen.
Auch mit wirkungsgradschwächeren Bügelkopfhörern gibt es (für mich) noch genug Lautstärke, Pegel-Orgien sind für Laut-Hörer jedoch nicht möglich.

Neben dem Kopfhörerausgang befindet sich hinter einem kleinen Loch eine LED, welche beim Anschließen zunächst rot, bei Betriebsbereitschaft dann grün leuchtet, was ich sehr praktisch finde.
Gut ist überdies auch, dass die LED recht dezent leuchtet.

Verwendung am Computer:

Am (Windows-) Computer muss man vor der Verwendung Treiber von der Zorloo Website herunterladen und installieren, was auch gut sowie recht schnell funktioniert. Danach kann der ZuperDAC einfach in der Systemsteuerung ausgewählt und verwendet werden.

Die Lautstärke wird ganz gewöhnlich über den Mixer geregelt und eine verhältnismäßig geringe Abhörlautstärke ist auch möglich. Die einzelnen Lautstärke-Sprünge von Prozent zu Prozent sind in Ordnung.

Verwendung mit iOS-Geräten:

Mithilfe des Apple Camera Connection Kit lässt sich der ZuperDAC einfach mit dem iPhone verbinden und sofort verwenden.
Die Lautstärke lässt sich dann auch sehr feinstufig, präzise und quasi nahtlos regeln.

Verwendung mit Android-Geräten:

Wie für alle USB-DACs muss das Android-Gerät USB Audio Out unterstützen, damit der DAC nativ verwendet werden kann. Alternative Apps wie „USB Audio Player Pro“ ermöglichen jedoch auch die Verwendung mit vielen eigentlich nicht kompatiblen Geräten.


Klang:

Genutzt habe ich den ZuperDAC sowohl am PC (Windows 7, Foobar 2k) als auch iPhone 4 (CCK); die Musik lag hauptsächlich verlustfrei vor.
Zum Testen kamen viele meiner In-Ears sowie Bügelkopfhörer zum Einsatz.

Frequenzgang, Ausgangsimpedanz:

Ohne Last und mit Kopfhörern, die einen geraden Impedanzgang besitzen (so gut wie alle dynamischen In-Ears) spielt der ZuperDAC vorbildlich linear:




Besonders Kopfhörer mit einem nichtlinearen Impedanzgang (und somit alle Multi-BA In-Ears) benötigen ein Quellgerät mit möglichst niedriger Ausgangsimpedanz, vorzugsweise deutlich unter einem Ohm.
Hier patzt der ZuperDAC leider etwas:



Wie man im Diagramm sehen kann (und das hört man auch), gibt es eine Peak-to-Peak Abweichung von etwa 4,3 dB mit meiner Mess-Referenz, dem Ultimate Ears Triple.Fi 10. Errechnen lässt sich damit eine Ausgangsimpedanz des ZuperDAC von etwas unter 7 Ohm – für In-Ears, die einen kapriziösen Impedanzgang besitzen (also so gut wie alle In-Ears mit mehreren Treibern), ist dies klar zu viel.

Um die wahren Qualitäten des ZuperDAC herauszuhören und keinen niederohmigen Kopfhörerverstärker dazwischenschalten zu müssen, erfolgten die Klangtests somit größtenteils mit dem Sennheiser IE 800, der einen flachen Impedanzgang besitzt und somit auch an der erhöhten Ausgangsimpedanz des Zorloo unverfälscht spielt.

Rauschen:

Ich bin eine sehr rauschempfindliche Person – beim FiiO X3 (erste Generation), iPhone 4 sowie Astell & Kern AK120 höre ich ein wenig eher gering ausgeprägtes Grundrauschen mit empfindlichen In-Ears und der iBasso DX80 rauscht bei geringen Lautstärken für mich schon etwas zu stark.
Der ZuperDAC ist quasi rauschfrei, selbst mit dem Shure SE846 oder Ostry KC06A (letzterer ist da besonders geeignet, da er durch seinen dynamischen Treiber mit geradem Impedanzgang auch an höherer Ausgangsimpedanz unverfälscht spielt), zwei meiner größten Rausch-Lupen. Sehr schön.

Wobei, zu 100% stimmt das nicht: bei leeren Audio-Dateien beginnt der Rausch-Pegel am PC ab 40% Lautstärke (was mit sehr empfindlichen In-Ears, mit denen man Rauschen überhaupt nur aufdecken kann, jedoch schon verdammt laut und schmerzhaft ist) langsam hörbar zu werden, am iPhone hingegen bleibt der ZuperDAC über den gesamten Bereich rauschfrei.
Dies ist eine Rausch-Performance, wie man sie sich wünscht; sehr schön.

Auflösung, Präzision, Bühne:

Nun zum subjektiveren Teil meines Reviews. Meine Ansicht bezüglich Verstärker- und Geräteklang stellt sich wie folgt dar: Verstärker- und Geräteklang gibt es in begrenztem Umfang und er ist hörbar, jedoch sollte er nicht überschätzt werden – die grundlegende Charakteristik eines Kopfhörers wird durch ein (sauber konstruiertes) Gerät nicht verändert, jedoch „formt“ das Wiedergabegerät den Klang des Kopfhörers ein wenig, was sich aber eher in Nuancen ausdrückt und sich oft auch anhand der Eigenschaften oder Messwerte erklären lässt.
Nun also weiter mit meinen subjektiven Eindrücken, die bei abgeglichenem Pegel, jedoch nicht verblindet entstanden sind:

Bei der allgemeinen Beschreibung will ich mich gar nicht lange aufhalten (zumal auch im direkten Vergleich die Unterschiede bei einem korrekt angeglichenen Pegel enorm gering ausfallen):
Den Klang des ZuperDAC würde ich als Sabre-typisch präzise, sauber, mit einer hohen Klarheit sowie einer analytischen Neutralität bezeichnen.
Wie bei den meisten Sabre-Implementationen ist der Klang „crisp“; der Hochton ist sehr differenziert, schnell sowie sauber und eine der mir persönlich besser gefallenden Sabre-Installationen, zumindest die Höhen betreffend.
In meinen Ohren ist die Bühne durchschnittlich breit und tief, aber mit einer guten Kontrolle auch bei komplexen Stücken mit großer Besetzung.

Weiter geht es mit einem schnellen Vergleich zwischen zwei weiteren Sabre-Implementationen, nämlich dem HiFime 9018d sowie LH Labs Geek Out IEM 100.

Der Geek Out ist ein wunderbares Produkt mit einem richtig guten Klang und einem sanfteren Sabre-Sound, der eine sehr präzise und räumliche (jedoch eher schmale) Bühne mit guter Tiefenstaffelung sowie trockenem, straffem Bass beinhaltet.
Der ZuperDAC ist bei der Auflösung keinen Deut schlechter (bei DACs und Verstärkern spreche ich aber auch nicht wirklich gern von Auflösung, da die Detailauflösung sich bei einem Hörtest bei abgeglichenem Lautstärkepegel meist verflüchtigt, doch gibt es andere Sachen, die den Klang besser oder schlechter erscheinen lassen), doch besitzt der Geek Out die wesentlich freiere, offenere Bühne mit der präziseren Tiefenstaffelung und scheint in der virtuellen Manege insgesamt die bessere Darstellung zu bieten. In Sachen Bühnenbreite sind beide DACs auf Augenhöhe, der Geek Out staffelt jedoch tiefer.
Der Hochton ist beim ZuperDAC analytischer, schneller als auch scheint auch präziser und ist allgemein einer der schnellsten und crispsten Sabre-Hochtöne, jedoch ohne künstlich zu klingen.
Eine Mini-Schwäche beim Zorloo ist, dass der Bass nicht ganz so trocken und fest wie beim Geek Out scheint. Eine wirklich als langsam zu bezeichnenden Tiefton habe ich zwar nicht gehört, doch ist der des ZuperDAC nicht so trocken wie der des Geek Out, wenngleich jedoch minimal fester als der des Sansa Clip +.
Noch ein paar Worte zum Rauschverhalten: mit extrem empfindlichen In-Ears rauscht der Geek Out geringfügig, beim ZuperDAC hingegen herrscht Stille.

Der HiFime 9018d sowie ZuperDAC sind sich bei der klanglichen Qualität sehr ähnlich, doch sehe ich einen bei der Hoch-, den anderen jedoch bei der Tieftonqualität eine Nuance vorne.
Die Bühne ist bei beiden etwa gleich präzise, doch spielt der HiFime etwas breiter; in Sachen Tiefe sind beide in meinen Ohren identisch.
Der Hochton des ZuperDAC ist hier wieder das für mich besonders positiv herausstechende Highlight, mit einer enormen Geschwindigkeit, „Splashigkeit“, einer sehr crispen und präzisen Darstellung, ohne jedoch künstlich zu erscheinen.
Wie auch im Vergleich zum Geek Out ist der Bass des 9018d in meinen Ohren etwas fester als der des ZuperDAC (dessen Bass in Sachen Festigkeit ziemlich identisch mit dem des FiiO X3 ist).
Während der HiFime deutlich hörbar mit empfindlichen In-Ears rauscht, herrscht beim ZuperDAC Stille.


Fazit:

Zorloos ZuperDAC ist ein sehr gelungenes Erstlingswerk der chinesischen Audio-Firma und setzt auf den (auch von mir) besonders geschätzten Sabre Sound, mit einer Neutralität mit analytischem Touch sowie einem schnellen, crispen und detailreichen Hochton.
Der Preis für das Gebotene ist sehr fair und der Klang ist einwandfrei wowie hochauflösend, dazu gibt es auch an extrem empfindlichen In-Ears praktisch kein Rauschen.
Zur Perfektion fehlen dennoch ein paar Sachen, so ist die Ausgangsimpedanz mit etwas unter 7 Ohm eher hoch (auf Anraten von ESS wurden Widerstände zur Vermeidung von Kurzschlüssen in die Ausgangsstufe gelötet), dazu könnte der Bass eine Winzigkeit fester sein und die Leistung ist mit 25 mW je Kanal für Menschen, die laut Musik hören, möglicherweise zu wenig.

Insgesamt komme ich beim ZuperDAC auf eine super Bewertung von 4,3 von 5 möglichen Sternen und bin gespannt, was die Firma in der Zukunft noch an Audio-Produkten auf den Markt bringt.

GearBest