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Jays q-JAYS: Qualität und Klang aus Schweden - Review 🇩🇪


Prolog:

Bevor ich zu meinem eigentlichen Review übergehe, möchte ich mich herzlich bei Jays für das Bereitstellen eines Exemplares der q-JAYS (https://www.jays.se/products/q-jays/) im Austausch für meine ehrliche Einschätzung bedanken.

Schweden, im Norden Europas gelegen, mit 53% Waldfläche und etwas unter 10 Millionen Einwohnern, ist was seine Errungenschaften angeht, gar nicht so klein. Neben seinem sympathischen Königshaus sollte etwa der Automobilbereich Schwedens heute den meisten Menschen bekannt sein und so brachte das Land neben den soliden, etablierten und  innovativen Herstellern Saab und Volvo ebenfalls den Hersteller von Supersportwagen Koenigsegg hervor.
In meiner Kindheit hat mich insbesondere Schwedens Literatur in ihren Bann gezogen und neben Pettersson und Findus oder der Reise des Nils Holgersson mit seiner Gans Martin waren es vor allem Astrid Lindgrens Geschichten über Karlsson vom Dach oder die Erzählungen über Michel aus Lönneberga, welche ich öfter als nur einmal gelesen habe. In meiner späten Jugend entdeckte ich dann auch mit Henning Mankells fesselnden Kriminalromanen eine düstere Seite von Schwedens Literatur.
Auch die musikalischen Auswüchse des nordischen Landes sind recht beachtlich und weltweit bekannt. Neben den Export-Schlagern ABBA oder Roxette sind Sänger und Gruppierungen wie The Cardigans, Mando Diao, The Hives, Clawfinger, In Flames, Robyn, Lykke Li, Avicii oder Nils Landgren international bekannte Musiker (und bilden nur einen kleinen Teil von vielen bekannten schwedischen Künstlern).

Damit komme ich auch schon zu Jays, einem schwedischen Hersteller von Kopfhörern, dessen Geschichte 2006 beginnt. Heute in einer alten Brauerei im Zentrum Stockholms ansässig, ging aus der Vision, ein großartiges musikalisches Erlebnis für jedermann zu erschaffen, ebendiese nordische Firma hervor. Mit dem Leitgedanken, technisch sowie klanglich hochwertige Produkte mit einem ansprechenden, eleganten Design zu verbinden und dem Verbraucher in jedem Detail vom Auspacken bis hin zum Verwenden der In-Ears und Kopfhörer eine hochwertige Erfahrung zu vermitteln, sind die q-JAYS von 2007, die weltweit kleinsten Dual-BA In-Ears, damals noch mit fest angebrachtem Kabel, das wohl bekannteste Produkt der Schweden.
Nach einer längeren Pause sind diese In-Ears mit zwei Balanced Armature Treibern je Hörerseite in zwei-Wege-Konfiguration nun mit einer leicht modifizierten Klangsignatur und einem wechselbaren Kabel in neuem Gewand zurück.

Mittlerweile kann man die In-Ears auch über Amazon beziehen: http://amzn.to/1stW3Xg


Technische Daten:

Preis: 400€ für die Variante ohne Mikrofon und Fernbedienung, 470€ mit (iOS, Windows oder Android)
Empfindlichkeit: 103 dB SPL @ 1 kHz
Impedanz: 50 Ohm @ 1 kHz
Frequenzgang: 5 Hz – 20 kHz
Frequenzgang (-5 dB): 8 Hz – 16 kHz
Isolation: -40 dB @ 2 kHz
Stecker: SSMCX mit Gewinde von Jays


Lieferumfang:

Jays verspricht bei seinen Produkten eine gute und hochwertige Erfahrung vom ersten Kontakt an – und enttäuscht damit auch nicht. Diese In-Ears sind wirklich von der Verpackung bis hin zum Kabel bis ins kleinste Detail durchdacht.

Die q-JAYS In-Ears werden in einer schwarzen Verpackung geliefert, die überraschend schwer ist und somit bereits schon einen hochwertigen Eindruck hinterlässt. Auf der Vorderseite befindet sich ein flächenfüllendes Bild der In-Ears, auf welchem man auch das austauschbare, mit kleinen SSMCX-Steckern und Gewinden versehene Kabel sehen kann, welches die zweite Generation des q-JAYS besitzt. Neben einem (unkompensierten) Frequenzgang befindet sich auf der Rückseite eine schöne Einführung zu den In-Ears und ganz oben ein eigentlich nebensächliches Element, das man bei Jays jedoch ebenfalls mit in die Gestaltung einer wunderbaren Nutzer-Erfahrung bis ins kleinste Detail übernommen hat – so ist diese scheinbar belanglose Schlaufe zum Aufhängen auf einen Haken im Regal in einem Geschäft aus Kunststoff gefertigt, ausziehbar und lässt sich wieder bündig ins Gehäuse hineinschieben. Auf der Oberseite prangt stolz „Designed in Sweden“.
Seitlich kann man dann die Box herausschieben, welche ebenfalls minimalistisch modern in Schwarz
gestaltet ist, eine Farbe und Designlinie, die sich durch das gesamte Konzept hindurch zieht. Aus dieser Box kann man dann schließlich nach dem Vorbild einer Schublade nach unten die eigentliche Verpackung mit dem Inhalt herausziehen, auf welcher oben ein mehrsprachig gestaltetes Buch liegt, welches keine typische Bedienungsanleitung ist, sondern inklusive Bildern, technischen Daten, Querschnittsgrafiken sowie Beschreibungen der einzelnen Bestandteile des In-Ears und deren Fertigung auch die klassischen Benutzungstipps enthält.
Hebt man das Buch ab, findet man drei Dinge vor: ein Aufbewahrungsetui sowie zwei Karton-Schachteln. Nimmt man das Etui heraus, erblickt man eine Grafik, welche anzeigt, welches das rechte und welches das linke In-Ear Gehäuse ist (klassische Seitenmarkierungen gibt es nämlich weder an den In-Ears noch am Kabel – die korrekte Seite identifiziert man anhand der Form der In-Ears). Im Etui befinden sich dann, sicher eingebettet, die In-Ear Gehäuse, noch ohne montiertem Kabel oder Aufsätzen.
Die obere der beiden kleinen Karton-Boxen enthält das austauschbare Kabel und lässt sich (wie auch die darunter liegende) wie eine Schublade öffnen. Nimmt man diese Karton-Box heraus, zeigt eine kleine Grafik übrigens wieder die korrekte Seitenbelegung des Kabels an, denn auch dieses besitzt im eingeschraubten Zustand keine sichtbaren Seitenmarkierungen mehr.
Die letzte und unterste Box schließlich enthält fünf unterschiedlich große Silikonaufsatz-Paare sowie ein Paar Comply Foam Aufsätze und zeigt die Größen auf der Verpackung an, sobald man die Box aus dieser herausnimmt - wie sollte es auch anders sein.

Diese minimalistisch schlichte jedoch gleichzeitig zauberhafte und fesselnde Unboxing-Erfahrung gehört definitiv zu den besten, die ich bei meinen über 80 In-Ears und Kopfhörern gesehen habe und zeigt wirklich eine Planung und konsequente Umsetzung bis ins letzte Detail. Hut ab.




















Optik, Haptik, Verarbeitung:

Sind die Kabel einmal mit den In-Ears verbunden, gibt es keine klassische Seitenmarkierung mehr, denn der kleine graue Streifen am rechten Kabel verschwindet im Gewinde der In-Ears, und lediglich anhand der Gehäuseform erkennt man schließlich die Ausrichtung. Dies mag zwar etwas gewöhnungsbedürftig klingen, doch hat man sich einmal eingeprägt, dass die flache Gehäuseseite nach hinten zeigen soll, funktioniert das richtige Einsetzen beinahe schon automatisch, ganz ohne groß nachzudenken.

Die In-Ears sind wirklich sehr klein. Das schwarze Metallgehäuse mit matt-rauem Finish stellt dabei eine Besonderheit der In-Ears darstellt, deren Entwicklungs-Zeit etwa zwei Jahre betrug und deren
Fertigungsprozess über 40 Stunden in Anspruch nimmt: zuerst werden die Gehäuse im Metall-Spritzgussverfahren hergestellt und anschließend poliert, woraufhin sie durch Sandbestrahlung ihre griffige, matte Oberfläche erhalten. Diese wird dann im letzten Schritt im PVD-Verfahren (Physical Vapor Deposition) versiegelt, wobei sich die Partikel der schwarzen Metall-Versiegelung auf molekularer Ebene mit dem Gehäuse verbinden und somit eine der widerstandsfähigsten Oberfläche bilden.
Vorne im Gehäuse befindet sich ein verschraubter und einfach zum Reinigen entfernbarer Schutzfilter, welcher eine lasergeschnittene Wabenstruktur mit 55 feinen Löchern besitzt – auf einem gerade einmal 2 mm betragenden Durchmesser.

Das austauschbare Kabel stellt eine kleine Besonderheit dar: statt auf die häufig verwendeten 2-Pin
oder MMCX-Stecker zu setzen, hat man sich bei Jays dazu entschieden, bei der Neuauflage der q-JAYS kleine SSMCX-Anschlüsse einzusetzen. Bei diesen In-Ears sind sie sogar mit einem Gewinde versehen, was ich als riesigen Vorteil erachte, denn dadurch umgehen sie das größte Problem der MMCX-Verbindung, nämlich durch Abnutzung (aufgrund der Rotation) oder eindringenden Schmutz auszusetzen – Kompliment.
Von den tollen Steckern abgesehen ist das zum Einsatz kommende Kabel zudem noch das beste nicht-verdrillte Kabel für In-Ears, das ich je gesehen habe: es ist zwar sehr klein im Profil und besitzt ein geringes Gewicht, doch ist es enorm, ja wirklich enorm flexibel und wirkt widerstandsfähig. Das Thema Knickschutz hat man auch an allen Übergängen ernst genommen und den In-Ears fehlt es auch nicht an einem Kinn-Schieber. Als netten kleinen Touch befindet sich neben dem L-förmigen Stecker auf dem Kabel in dunklem Grau die Aufschrift „Designed in Sweden by JAYS“.

Die mitgelieferten Silikonaufsätze sind auch von hoher Materialqualität, dickwandig und sehr weich.

Innen ist das mitgelieferte Aufbewahrungsetui mit Schraubverschluss vorbildlich mit Gummi ausgepolstert, liegt ergonomisch in der Hand und besitzt eine „Designed in Sweden“ Inschrift.


Was hier geboten wird, ist feinste schwedische Qualität ohne Nachteile, kombiniert mit einem eleganten, schlichten Design – Ästhetik und technische Qualität müssen kein Widerspruch sein, wie es auch der Klang weiter unten zeigen wird.






Tragekomfort, Isolation:

Die In-Ears sind winzig – nicht klein, sondern winzig. Dadurch verschwinden sie beim Tragen beinahe unsichtbar im Ohr und lassen sich wunderbar einfach im Gehörgang positionieren und passen wohl auch Menschen mit kleinen Ohren und engen Gehörgängen. Aufgrund der weichen Silikonaufsätze sitzen die q-JAYS dabei auch sehr bequem und ermöglichen idealen Langzeitkomfort.
Eine Trageweise mit den Kabeln nach unten als auch über den Ohren geführt ist hierbei problemlos möglich, jedoch rät Jays dazu, die Seiten bei der letzteren Methode zu tauschen, sodass beim Tragen die flache Gehäuseseite stets nach hinten gerichtet ist.
Kabelgeräusche sind bei der „klassischen“ Trageweise nur gering ausgeprägt und verschwinden bei der „professionellen“ beinahe gänzlich.

Die Isolation der In-Ears befindet sich auf einem sehr hohen Niveau, ist jedoch ganz minimal unterhalb der von gänzlich geschlossenen In-Ears anzusehen.


Fernbedienung (iOS), Mikrofon:

Das Mikrofon-Kabel kommt in einer im gleichen Design der In-Ear-Verpackung gestalteten, kleinen, schwarzen Papier-Verpackung.
Es ist ebenso flexibel wie das der In-Ears und ansonsten auch exakt gleich gestaltet, doch befindet
sich auf der rechten Seite eine kleine Kabelfernbedienung mit einem guten Knickschutz, drei Knöpfen und integriertem Mikrofon. Trägt man die In-Ears mit dem Kabel nach unten, befindet sich das Mikrofon genau auf Mund-Höhe, jedoch wandert es hinter das Ohr, sobald man die q-JAYS mit dem Kabel über den Ohren trägt – hier wäre eine tiefere Positionierung vielleicht sinnvoller gewesen, doch hat man sich bei Jays lieber dazu entschlossen, bei einer Trageweise eine perfekte Position zu erreichen, statt bei beiden nur eine mittelmäßige.
Die drei Tasten zur Wiedergabesteuerung und Regulierung der Lautstärke lassen sich gut ertasten und besitzen einen angenehmen Druckpunkt.
Das Mikrofon besitzt eine hohe Sprachverständlichkeit und Stimmen kommen klar beim Gesprächspartner und auf Aufnahmen an.
Durch die Positionierung der Fernbedienung auf der rechten Seite ist es auch einfacher, die In-Ears seitenkorrekt einzusetzen.








Klang:

Die q-JAYS verwendete ich hauptsächlich am iBasso DX90, da dieser eine sehr geringe Ausgangsimpedanz besitzt, sein Grundrauschen unhörbar ist und er im Allgemeinen einen präzisen und analytischen Klang besitzt, den ich mag.
Das Musikmaterial lag hauptsächlich im FLAC- und WAV-Format vor, jedoch kamen auch ein paar MP3-Dateien (320 kBps cbr) zum Einsatz. Meine Testmusik deckte wie üblich alle möglichen Genres von Jazz über Pop und Metal ab und beinhaltete schnelle, langsame, komplexe sowie einfache Aufnahmen.
Am Computer nutzte ich die q-JAYS mit dem niederohmigen LH Labs Geek Out IEM 100 mit Foobar 2000 und SineGen sowie Arta.
Obwohl ich bei Balanced Armature-Treibern nicht an Burn-In glaube, habe ich die In-Ears vor dem Testen sicherheitshalber 50 Stunden mit Rausch- und Sinussignalen eingespielt.

Die in meinen Vergleichen zu findenden Frequenzgangs-Messungen sind nicht mit professionellem Equipment, sondern mit dem Vibro Labs Veritas Messmikrofon entstanden. Sie sollen nicht als absolute Werte, sondern vielmehr als grobe, visualisierte Vergleiche dienen.

Tonalität:

Die klangliche Abstimmung der q-JAYS ist sehr erwachsen und ausgewogen, jedoch nicht langweilig. Wer auf gesoundete In-Ears steht, findet in den Jays jedoch wohl nicht den richtigen Ohrhörer. Genießer kommen hier jedoch auf ihre Kosten.
Die klangliche Abstimmung dieser In-Ears ist wirklich sehr gut gemacht und stellt sich wie folgt dar:

Der Bassbereich ist zusammen mit dem unteren Grundton im Vergleich zu einem fast strikt neutralen In-Ear wie dem Etymotic ER-4S moderat akzentuiert, jedoch gerade so, damit der Klang nicht langweilig oder steril erscheint, aber auch nicht wirklich bassbetont wirkt. Bassig ist der Klang keinesfalls, neutral jedoch auch nicht mehr. Allgemein fällt dies im Midbass und dem unteren Grundton auf.
Der Tiefton ist sehr gleichmäßig und eben, und sogar im Tiefbass unter 30 Hz fällt der Pegel nicht wirklich ab.
Die Mitten der In-Ears sind tonal perfekt, mehr muss man dazu nicht sagen. Stimmen kommen frei von jeglichen Verfärbungen ideal auf den Punkt genau; hier hat man sich bei der Abstimmung viel Mühe gegeben.
Der untere Hochton, also der Präsenzbereich, steht etwas im Hintergrund, was dem Klang eine gute Langzeittauglichkeit verleiht und den q-JAYS keine manchmal anstrengende „in your face“-Abstimmung wie etwa beim Etymotic ER-4S beschert. Dies sorgt auch dafür, dass man die In-Ears ermüdungsfrei über mehrere Stunden hinweg hören kann.
Ab etwa 4 kHz steigt der Pegel wieder an und bei 8,6 kHz gibt es in meinen Ohren im oberen Hochton eine schmalbandige Betonung, die jedoch beim tieferen Einsetzen in den Gehörgang nur noch gering ausgeprägt ist und nicht mehr nervt. Im Superhochton hält sich der Pegel nach 10 kHz auch noch richtig gut für einen Dual-Driver.

Bei Jays hat man den q-JAYS eine wirklich gelungene Abstimmung verpasst – der Bassbereich ist präsent genug, um nicht langweilig zu klingen, jedoch zurückhaltend genug, um nicht zu bassig zu erscheinen. Die Mitten sind tonal korrekt und pegelmäßig weder unter- noch überpräsent, jedoch nicht aufdringlich. Der Hochton kommt pegelmäßig ziemlich richtig (tiefes Einsetzen vorausgesetzt), jedoch befindet sich der Präsenzbereich etwas im Hintergrund, was eine gute Langzeittauglichkeit ermöglicht.
Die Tonalität der In-Ears ist insgesamt sehr natürlich und realitätsnah, auch wenn der Hochton manchmal eine kleine kleine Spur künstlich erscheinen kann – das stellt jedoch Kritik auf einem hohen Niveau dar (und trifft etwa bei meinen Ultimate Ears Reference Monitors ebenfalls zu einem gewissen Grad zu).

Auflösung:

Bevor ich die In-Ears einsetzte, war ich doch ein wenig skeptisch, ob die Auflösung dem Preis auch gerecht würde und die q-JAYS nicht einfach überteuerte Dual-Driver wären – völlig zu Unrecht, wie sich herausstellte.
Die allgemeine Auflösung befindet sich auf einem hohen Niveau und wird dem Preisbereich auch gerecht. Was die Entwickler bei Jays aus dem Knowles TWFK Dual-Driver an Details herausquetschen, stößt womöglich an die Grenze dessen, was mit diesem möglich ist.
Der Mittelton ist enorm detailreich, natürlich und besitzt eine hohe Detailfülle, natürliche und lebhafte Stimmen sowie eine typisch für Balanced Armature Wandler sehr hohe Sprachverständlichkeit auch bei niedrigen Abhörlautstärken. Der gesamte Klang ist sehr authentisch und klingt natürlich als auch frei und losgelöst, was nicht viele In-Ears in meinen Ohren erreichen.
Auch der Hochton ist detailliert, lässt einzelne Instrumente schön sauber voneinander getrennt erscheinen und bietet eine feine Differenzierung.
Beim Treiber für den Tiefton hat man die Möglichkeit des Back-Venting, also des rückseitigen Belüftens, bei dem das sich hinter dem Treiber im Gehäuse befindende Luftvolumen zur klanglichen Abstimmung mit genutzt wird und auch mit kleinen Balanced Armature Einheiten einen größeren Tieftonumfang mit einer stärkeren Betonung ermöglicht, ausgenutzt. Diese Methode kann entweder sehr gut und unauffällig oder auch weniger gut eingesetzt werden, was auf Kosten der Präzision gehen kann. Bei den q-JAYS gehört der Tiefton qualitativ jedenfalls zu den besser gelösten rückseitig belüfteten Treiber-Abstimmungen.
Der Bassbereich ist BA-typisch schnell, präzise, trocken und fest und in den q-JAYS auch sehr detailreich, im direkten Vergleich mit In-Ears mit geschlossenen BA-Treibern merkt man bei schnellen Bassfolgen jedoch den etwas weicheren Einschlag mit einem langsameren Ausschwingen, doch ist der Bass noch schnell genug für BA-In-Ears und knickt bei schnellem und komplexem Musikmaterial kaum ein, weswegen ich den Tiefton des Jays als besser als beim InEar StageDiver SD-2, der auch auf einen back-vented Bass setzt, empfinde.
Gleichzeitig bringt diese Art der technischen Abstimmung in den q-JAYS auch einen weniger klinischen Tiefton mit besserem Körper mit sich, jedoch mit weniger Aufweichen als beim SD-2 und auch einer höheren Auflösung als bei diesem.

Räumliche Darstellung:

Die gelungene Bühnendarstellung der q-JAYS trägt definitiv zu der guten Authentizität dieser In-Ears bei.
So weitläufig und räumlich wie bei meinen maßgefertigten Ultimate Ears Reference Monitors oder dem InEar StageDiver SD-2 ist die Bühne des Jays zwar nicht, ist jedoch auch nicht arg weit von diesen entfernt und gehört definitiv zu den besseren räumlichen Darstellungen bei In-Ears.
Breitenmäßig spielen die q-JAYS weiter als durchschnittlich und besitzen eine schöne und gut ausgeprägte Tiefe, deren Ausmaße etwa 80% der Breite betragen. Positioniert ist die Bühne dabei in meinen Ohren auch etwas vor meinem Kopf.
Die Instrumentenseparation ist sehr präzise und einzelne Klangelemente sowie Musiker als auch Instrumente werden sauber voneinander getrennt und im imaginären Raum positioniert.

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Im Vergleich mit anderen In-Ears:



Hier werde ich nun die q-JAYS mit anderen In-Ears mit Balanced Armature Treibern in zwei-Wege-zwei-Treiber Konfiguration vergleichen, wobei ich von günstig nach teuer gehe und den In-Ear zuerst grob beschreibe.

Apple DualDriver:
Die kleinen Apple DualDriver In-Ears (~70€) sind eigentlich zu Unrecht wenig verbreitete Hörer, denn für den Preis (der neben der großen Stückzahl hauptsächlich auch wegen der teils mäßigen Verarbeitung und des spärlichen Lieferumfangs ohne richtigem Aufbewahrungsetui niedrig angesetzt ist) spielen sie technisch sehr gut, jedoch mit ein paar Schwächen. Tonal sind sie der ausgewogenen, jedoch dunkleren Seite zuzuordnen (was jedoch eine gewisse Einsetztiefe voraussetzt). Der Klang ist recht räumlich, jedoch klingt er nicht ganz kohärent, weshalb ich persönlich trotz der stellenweise niedrigeren Auflösung bis 150€ andere Single-Driver In-Ears mit einem BA-Treiber wegen des besser zusammenhängenden Klangbildes bevorzugen würde.
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Die q-JAYS besitzen etwas weniger Bass und hörbar mehr Hochton und den tonal korrekteren
Mittelton (beim Apple DD ist dieser eine Spur zu dunkel).
Dass die q-JAYS den gleichen Treiber für die hohen Frequenzen verwenden (im In-Ear von Apple kommt ein veränderter, halber Knowles TWFK mit anderem Woofer zum Einsatz), merkt man, denn der Apple DualDriver kommt im Hochton recht nah an die Auflösung des Schweden heran, wirkt im Gesamtbild bei den oberen Frequenzen jedoch nicht ganz so differenziert und feinzeichnend. Was die obere Hälfte des Treibers beim Apple gut macht, macht dessen Tieftöner jedoch weniger gut – der Mittel- und Tiefton kann mit dem des Jays nicht mithalten und das hört man. Die q-JAYS decken im Mitten- sowie Bassbereich deutlich mehr Details auf und besitzen den festeren Einschlag mit dem schnelleren Ausschwingen, sind also knackiger. In Sachen Bühne und Kohärenz ist der Jays ein ganzes Stück vorne, mit der präziseren Bühnendarstellung sowie dem zusammenhängenderen Klang.

Thomann the t.bone EP-7:

Der EP-7 (~170€) ist eine OEM-Version des etwa 300$ kostenden JTS IE-6 und ist ein Dual-Driver BA In-Ear in zwei-Wege-Konfiguration. Tonal geht er in die Richtung eines Westone W4R, mit dickem Midbass und Grundton sowie zurückhaltendem Hochton. Die Auflösung muss sich hinter einem Shure SE425 definitiv nicht verstecken und die In-Ears besitzen zwar eine eher kleine Bühne, welche in Sachen Präzision die des Shure jedoch schlägt.
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Tonal ist der EP-7 deutlich mehr Bühnenmonitor als Hi-Fi-Hörer – er verfälscht einfach zu viel und
ist in den dunklen Mitten und dem Grundton recht dick und besitzt einen klar unterpräsenten, zurückgesetzten Hochton, der im Superhochton wesentlich weniger präsent als auf dem Graph ist. Ohne Equalizer mit dem t.bone Musik zu hören, zeugt entweder von einem sehr eigenartigen Geschmack oder niedrigen tonalen Ansprüchen – Auflösung und Bühne sind bei der OEM-Variante des JTS IE-6 jedoch einwandfrei und in meinen Ohren sogar besser als beim Shure SE425.
Der Jays ist tonal zum Hören von Musik wesentlich besser geeignet, das steht außer Frage.
Die Detailauflösung ist beim Jays besser. Im Tiefton sind sich beide die Präzision und Geschwindigkeit betreffend ziemlich ähnlich, wobei der Schwede im Grundton detaillierter spielt. Beide In-Ears besitzen eine gute Bühnendarstellung, der Jays jedoch eine bessere, die präziser und räumlicher ist. Tiefenstaffelung, Instrumentenseparation und besonders die Kontrolle bei komplexem Material handhaben die q-JAYS besser.

Shure SE425:
Der SE425 (~280€) ist ein klanglich ziemlich neutral abgestimmter In-Ear mit einem Fokus aus den Mittelton, weshalb er sich besonders für Live-Aufnahmen und intime Stücke sowie Singer-Songwriter Material eignet. Typisch für In-Ears von Shure ist der Hochtonumfang leider unterdurchschnittlich und fällt recht früh ab. Die Bühne ist ziemlich klein, besitzt jedoch eine gute Instrumentenseparation (bei den vorhandenen Gegebenheiten).
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In Sachen Neutralität gewinnt der SE425, ist jedoch in den Mitten vordergründiger und besitzt den
klar schlechteren Hochtonumfang ohne Glitzern im Superhochton.
In seinem früheren Preisbereich um 230€ empfinde ich den SE425 als guten Dual-Driver, darüber hinaus gibt es jedoch technisch stärkere In-Ears, und so ist es nicht arg verwunderlich, dass der Jays den Shure in Sachen Auflösung deklassiert. In den Mitten, Höhen und auch dem Bassbereich deckt der Schwede einfach mehr Details auf, was man gut hört. Der Shure besitzt einen geschlossenen Tieftöner und dementsprechend den etwas schnelleren Bass-Punch, doch ist der Jays im Tiefton detaillierter und auch kein Bisschen langsam und deshalb besser.
Der Shure besitzt eine kleine Bühne, der Jays eine größere, mit der präziseren Instrumentenseparation und durch die Größe bedingt besseren Instrumentenplatzierung.

InEar StageDiver SD-2:
Der SD-2 (~380€) ist die universelle Variante des LivePro 2 und nutzt wie auch dieser zwei BA-Schallwandler in zwei-Wege-Konfiguration und verwendet für den Tieftöner einen rückseitig belüfteten Treiber. Tonal ist er sehr ausgewogen, mit einem moderaten Hang zum Warmen und Dunklen, besitzt für einen Dual-Driver mit BA-Technik jedoch einen sehr guten Hochtonumfang. Durch den rückseitig belüfteten BA-Treiber für den Tiefton ist der Bass weniger klinisch, sondern eher körperhaft und weicher als bei typischen In-Ears und das, was viele als „natürlich“ bezeichnen würden. Die herausragende Stärke dieses In-Ears ist definitiv seine weitläufige, dreidimensionale Bühnendarstellung, die an die von teureren als auch maßgefertigten In-Ears in Sachen Instrumentendarstellung, -platzierung und Präzision sowie Authentizität erinnert.
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Das ist schon ein fairerer Vergleich, sowohl preislich als auch technisch sowie klanglich. Tonal
ähneln sich beide In-Ears, doch ist beim SD-2 der Mittelton dicker und der Hochton mehr im Hintergrund.
Die Auflösung betreffend ähneln sich beide In-Ears, wobei ich dem SD-2 den Vorzug im Bereich der oberen Mitten geben würde, den q-JAYS hingegen im Hoch- und Tiefton sowie dem Rest des Mitteltons als den Sieger sehe, wenn auch nicht mit deutlichem Abstand. Im Bassbereich ist das Back-Venting des Jays besser geglückt, so schlägt der Tiefton beim Schweden fester ein, ist präziser und behält auch bei schneller Musik besser die Kontrolle (was ein Grund ist, weshalb ich den SD-2 bei schneller und komplexer Musik nicht ganz so sehr mag – mit den q-JAYS funktioniert schnelle Musik mit vielen Bassschlägen hingegen merklich besser und ohne Weichheit).
Die Bühne des SD-2 ist sehr holographisch und besitzt eine tolle Tiefenstaffelung. Der Jays ist hier etwas weniger räumlich, doch liegt er nicht zu weit hinter dem deutschen In-Ear.
In Sachen Authentizität und Bühne sehe ich den SD-2 vorne (wenngleich auch ohne großen Abstand); die Präzision, Auflösung und Kontrolle betreffend ist der Schwede jedoch der knappe Gewinner.


Fazit:

Jays wollten ein Referenz-Produkt kreieren, was ihnen mit den q-JAYS auch gelungen ist.


Von Anfang an bekommt der Nutzer eine hochwertige Erfahrung präsentiert, welche bereits bei der Verpackung beginnt und sich in einem einheitlichen, schwarzen Design bis zu den In-Ears zieht und bis ins kleinste Detail durchdacht ist.
Neben der geringen Größe zeichnet die zweite Generation der q-JAYS eine hochwertige und robuste Verarbeitung mit einem ansprechenden Design aus. Die Gehäuse sind sehr hochwertig PVD-versiegelt und das Kabel bietet nicht nur gewindeverschraubte SSMCX-Verbindungen, sondern ist das mit Abstand beste nicht-verdrillte Kabel, welches mir je untergekommen und robust als auch enorm flexibel ist.
Tonal sind die In-Ears ausgewogen abgestimmt, jedoch nicht langweilig. Der gesamte Klang ist sehr transparent, zusammenhängend, hoch auflösend und präzise. Einzig Menschen, die empfindlich auf eine Betonung im oberen Hochton reagieren, könnten die In-Ears als etwas zu spitz klingend wahrnehmen.
Die imaginäre Bühne, welche die In-Ears abbilden, ist ebenfalls ziemlich überzeugend. Bei Jays hat man hier womöglich das Maximum an dem, was klanglich mit dem kleinen Dual-Driver von Knowles möglich ist, herausgeholt und ein wahrlich klanglich und optisch hochwertiges Produkt erschaffen.

Gibt es auch noch etwas Kritik? Ja, wenngleich auch auf hohem Niveau: wünschenswert wären kleine, eingeprägte Seitenmarkierungen in den Anschlusssteckern des Kabels, welche das nahtlose und fließende Design auch nicht beeinträchtigen würden. Manchmal kann der Hochton auch ein wenig künstlich wirken, das war es dann aber auch. Natürlich bekommt man für den Preis auch gute Triple- oder schon Quad-Driver In-Ears, welche in manchen Bereichen klanglich besser sind, doch bieten diese bei Weitem nicht diese Nutzererfahrung mit der perfekten Verarbeitungsqualität und dem kleinen Formfaktor der q-JAYS.

Alles in Allem komme ich auf eine sehr gute Bewertung von etwa 94 Prozentpunkten oder 4,7 von 5 möglichen Sternen.


Väldigt bra gjort, Jays!
(Sehr gut gemacht, Jays!)

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