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1MORE MK801 Over-Ears: viel Style und guter Klang für unter 100€ - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Die 1MORE Over-Ear Kopfhörer (http://www.gearbest.com/headsets/pp_265776.html?lkid=10385990) wurden mir
von GearBest für einen ehrlichen Test zugeschickt. Die UVP beträgt 79,99$, zum Zeitpunkt des Reviews lag der GearBest-Preis bei 50$.

1MORE ist eine chinesische Firma, die 2013 gegründet wurde. Mit dem Hauptaugenmerk auf Audioprodukte, insbesondere Kopfhörer und In-Ears, ist der Hersteller bereits nach recht kurzer Zeit mehr oder minder recht bekannt geworden.
Wie sich die Over-Ear Kopfhörer, welche damit beworben werden, mit einem international anerkannten Sound-Ingenieur abgestimmt worden zu sein, klanglich behaupten und ob sie etwas taugen, könnt ihr nachfolgend näher lesen.

Auf der GearBest Seite sind die 1MORE Over-Ear Kopfhörer als „Super Bass Kopfhörer“ gelistet – in meinem Review werde ich auch herausfinden, ob „super“ in diesem Fall als „gut“ oder „viel“ zu verstehen ist.

Erhältlich ist der Kopfhörer auch bei Amazonhttp://amzn.to/1stVkFt



Technische Daten:

Empfindlichkeit: 104 dB
Frequenzgang: 20 - 20000 Hz
Maximale Leistung: 50 mW
Impedanz: 32 Ohm
Gewicht (ohne Kabel): 235 g
Kabellänge: 1,2 m


Lieferumfang:

Die Over-Ears kommen in einer großen schwarzen Verpackung mit Papp-Hülle, auf deren Vorderseite
sich ein silbern glänzendes „Voice of China“ Logo befindet; die Rückseite benennt die technischen Daten. Entfernt man die Hülle, erscheint die wahre Verpackung, auf deren Vorderseite sich das 1MORE Logo mitsamt einem roten Muster, das an eine Impuls-Welle erinnert, befindet.
Im Inneren befindet sich dann sicher in Schaumstoff eingebettet der Kopfhörer, in einem kleinen roten Karton findet man zuletzt einen Aufbewahrungsbeutel, das Kabel sowie eine Bedienungsanleitung vor.








Optik, Haptik, Verarbeitung:

Von der Optik des Kopfhörers war ich doch recht positiv überrascht – der 1MORE ist mattrot metallic, mit einer sehr glatten Soft-Touch Oberfläche, welche sich von den meisten günstigen Kopfhörern unterscheidet und weder weich noch anfällig gegenüber Kratzern ist. Hergestellt ist der Kopfhörer aus leichtem und sehr widerstandsfähigem TR-90 Metall; das Kopfband ist innen gepolstert.
Unterhalb der 1MORE Logos gibt es auf jeder Seite ein silberfarbenes Element, welches einen annehmen lassen könnte, der Kopfhörer ließe sich zusammenfalten – hierbei handelt es sich jedoch leider um einen Trugschluss!
Der Verstellmechanismus erinnert an den des Sennheiser Momentum und ist stufenlos verstellbar; die Hörermuscheln besitzen in der Mitte eine Struktur, welche bei näherer Betrachtung sehr schön aussieht.
Die Kunstlederpolster sehen ziemlich hochwertig aus und fühlen sich ebenso an, lediglich die Seitenmarkierungen in den Hörermuscheln (wieso machen dies überhaupt einige Hersteller?!) wirken optisch etwas billig.
Das austauschbare Kabel ist recht gut und flexibel.

Der optische und Haptische Gesamteindruck ist sehr gut und der Kopfhörer fühlt sich wertig an und sieht wirklich sehr schön aus.
Lediglich etwas schade finde ich die großen Seitenmarkierungen und die Tatsache, dass er sich nicht falten lässt, obwohl er so aussieht.






Tragekomfort, Isolation:

Ich habe recht große Ohren und einen eher durchschnittlichen/kleineren Kopf, daher ist der 1MORE bei mir kein Over- sondern On-Ear; generell sind die Polster innen recht klein.
Für Menschen mit (recht) großen Köpfen wird die größte Einstellung des Verstellmechanismus wohl auch nicht ganz reichen.
Obwohl die Polster bei mir auf den Ohren aufliegen, fühlt sich der Kopfhörer nicht unangenehm an, da der Anpressdruck nicht übertrieben (aber auch nicht zu locker) ist und die Polster weich sind. Etwas Wärme staut sich unter ihnen, doch bleibt die Temperatur auch nach längerem Tragen auf einem angenehmen Niveau.
Das gepolsterte Kopfband bietet eine angenehme Druckverteilung, könnte jedoch gern noch ein wenig weicher sein.

Die Geräuschisolation ist recht ordentlich für einen Bügelkopfhörer und etwas besser als durchschnittlich, Außengeräusche klingen jedoch etwas dunkler.





Fernbedienung, Mikrofon:

Die Tasten der Fernbedienung wirken leider etwas billig, meiner Meinung nach hätte man sie weglassen können.
Die Sprachqualität des Mikrofons ist durchschnittlich; Stimmen klingen etwas dunkler als natürlich und ein wenig bedeckt.




Klang:

Als hauptsächliche Abspielgeräte dienten mir beim Test der iBasso DX80 sowie DX90. Die Musik lag im FLAC-, Hi-Res und teilweise MP3-Format vor; sicherheitshalber habe ich die Kopfhörer vor dem kritischen Hören eingespielt, obwohl ich kein Anhänger der Einspiel-Theorie bin.

Tonalität:

Den Klang würde ich als bassig-sanft und etwas dunkel beschreiben.

Von 600 Hz abwärts beginnt die Betonung des Tieftons langsam und sehr gleichmäßig anzusteigen, mit dem Klimax bei etwa 80 Hz, welcher sich in einem gewissen Buckel in diesem Bereich mit ca. 7 dB äußert – der Fokus liegt hierbei also auf dem Kickbass, doch sind der Grundton und Midbass auch hörbar betont, mit einem eher wärmeren Tiefton. Tiefbass bei 30 Hz schafft der 1MORE auch noch mit ordentlichem Druck, doch weniger Pegel.
Der Mittelton befindet sich auf der etwas dunkleren und auch ein wenig wärmeren Seite, ohne jedoch zu koloriert zu wirken.
Der Hochton ist sehr gleichmäßig und hörbar zurückgesetzt, jedoch nicht zu sehr, sodass die tonale Balance hier noch stimmt und der Klang nicht zu sehr ins Dunkle und Muffige abrutscht sondern nur sanft-dunkel ist. Im Präsenzbereich und dem oberen Hochton ist der Pegel ein wenig stärker im Hintergrund als in den mittleren Höhen.

Tonal lässt sich hier eine gewisse Ähnlichkeit bezüglich des sanft-dunklen Charakters mit dem Brainwavz HM2 und Sennheiser Amperior nicht abstreiten – der 1MORE ist etwas ausgewogener als der HM2 (etwas weniger Bass, etwas mehr Hochton, weniger Muffigkeit) abgestimmt; der Amperior ist im Bass noch ein wenig zurückhaltender, besitzt dafür jedoch den relaxteren mittleren Hochton mit mehr Pegel in den oberen Höhen.

Auflösung:

Sehr fein, erst recht für 50$ - der Klang ist zusammenhängend und muss sich nicht wirklich hinter etablierten Modellen wie dem Shure SRH440 oder Sennheiser Amperior verstecken; im Vergleich zum Brainwavz HM2 stellt der 1MORE ein klares Upgrade dar.
Stimmen werden detailliert und ohne Schleier wiedergegeben, wenngleich der Kopfhörer durch seine Abstimmung nicht meine erste Wahl für Vocal-lastiges Material wäre. Der Stimmen-Schleier des HM2 fehlt dem 1MORE gänzlich; Stimmen und Mitten besitzen hörbar mehr Details.
Der Hochton ist gleichmäßig, wirkt natürlich und nicht künstlich.
Der Tiefton ist sehr kontrolliert, trocken, fest und detailliert.


Räumliche Darstellung:

Für einen geschlossenen Kopfhörer generiert der 1MORE in meinen Ohren einen natürlichen imaginären Raum, der verhältnismäßig  offen und recht luftig klingt.
Die Bühne ist nicht eingeengt, mit einer etwa durchschnittlichen Breite und richtig guten räumlichen Tiefe, in der Instrumente gut gestaffelt werden. Die Instrumentenseparation lässt auch kaum Wünsche offen.

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Vs. Brainwavz HM2:
Der 1MORE isoliert stärker.
Der 1MORE besitzt etwas weniger Bass (ca. 2 dB weniger) und klingt nicht ganz so dunkel.
Der HM2 ist ein solider Kopfhörer für den Preis – der 1MORE hingegen ist ein sehr guter, der den Brainwavz mit Leichtigkeit übertrifft, was die Klangqualität und Auflösung betrifft. Den Schleier, welchen es beim HM2 gibt, sucht man beim 1MORE vergeblich.
Hoch- und Mittelton wirken natürlicher, mehr Details sind hörbar.
Der Bass des 1MORE ist klar fester, schneller, kontrollierter.
Die Bühne des 1MORE ist größer, mit der besseren Instrumententrennung und Staffelung.

Vs. Shure SRH440:
Der Shure isoliert minimal stärker.
Der SRH440 klingt viel ausgewogener/neutraler, mit einem ziemlich flachen Bass und mehr Hochton. Beim 1MORE reicht der Bass tiefer herunter.
Bei der Auflösung geben sich beide Kopfhörer kaum etwas und liegen beinahe auf dem gleichen Niveau, mit einem kleinen Vorsprung für den Shure, der im Mittel- und Hochton geringfügig feiner abbildet. In Sachen Bassgeschwindigkeit und Details sind beide etwa gleich auf, der Shure vermittelt jedoch subjektiv durch seinen viel schlankeren Grundton ein etwas besseres Gefühl von Geschwindigkeit.
Der SRH440 war für mich in Sachen Bühnenabbildung als geschlossener Kopfhörer schon immer ein positives Beispiel. Der vom Shure dargestellte Raum ist etwas größer und besitzt eine etwas freiere und präzisere Instrumentenseparation.
Der Shure ist klanglich insgesamt also schon ein wenig besser als der 1MORE, jedoch weitaus weniger als eine halbe Klasse.

Vs. Sennheiser Amperior:
Der Sennheiser isoliert noch ein ganzes Stück stärker.
Tonal haben beide Kopfhörer einen nicht ganz unähnlichen Charakter. Beim Amperior ist der Tiefton um etwa ein dB weniger präsent, der Mittelton ist etwas dunkler und durch den stärker im Hintergrund stehenden mittleren Hochton relaxter als beim 1MORE. Im oberen Hochton besitzt der Amperior hingegen etwas mehr Pegel.
Auch hier geben sich beide bei der Auflösung nicht viel und sind in etwa gleichauf, mit einem vergleichsweise geringen Vorsprung für den Sennheiser, der etwas sauberer und differenzierter spielt. Auch ist der Bassbereich bei beiden gleich schnell und trocken, beim Sennheiser jedoch etwas differenzierter und detailreicher, was sich wiederum aber auch in weniger als einer halben Klasse bemerkbar macht.
Der Amperior war noch nie als Bühnen-Wunder bekannt und spannt dementsprechend einen sehr kleinen Raum auf, der jedoch eine sehr gute Ortungsschärfe besitzt.


Fazit:



Bei stylischen, modisch aussehenden Kopfhörern leidet häufig der Klang unter dem Aussehen, jedoch nicht hier – für den geringen Preis bietet der 1MORE MK801 Over-Ear Kopfhörer richtig gutes Aussehen, eine tolle und makellose Verarbeitung mit viel Stabilität, gepaart mit einem sehr gelungenen Klang, bei dem man keine Abstriche machen muss.

Kommen wir nun zur Ausgangsfrage – wofür steht „Super Bass“ in diesem Fall? Der 1MORE bietet eine gute Mischung aus betontem und qualitativ hochwertigem Bass, ist also keine Basswumme mit undifferenziertem Tiefton, sondern lässt sich sehr gut hören.

Meine Damen und Herren, für den Preis haben wir hier einen klaren Gewinner, der sehr viel richtig macht und somit 93% oder 4,5 von 5 Sternen bekommt – lediglich die Fernbedienung könnte hochwertiger und der Kopfhörer sollte faltbar sein, dazu könnte der Grundton für ein besseres Gefühlt von Geschwindigkeit geringer ausgeprägt sein.