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ADV.SOUND M4: kleine In-Ears zu fairem Preis mit tollem Kabel - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Bevor ich mit meinem eigentlichen Review beginne, möchte ich mich bei ADV.SOUND für das
Bereitstellen eines Exemplares ihres M4 In-Ears (http://www.adv-sound.com/product/m4/) im Austausch für meine ehrliche Einschätzung bedanken.

Die in New York, Amerika ansässige Firma ADV.SOUND ist auf dem Audio-Markt ein neues Unternehmen, das mit den M4 In-Ears sein erstes Produkt auf den Markt gebracht hat, welches über die Crowdfunding-Seite Kickstarter von der Community finanziert wurde.
Die In-Ears werden als mit „betonten Mitten“ sowie einem „natürlich ausgewogenen“ Klang beschrieben, was ich in der Form nicht ganz unterschreiben würde, so ist die Klangsignatur eher eine natürliche, eher milde Badewanne, macht jedoch Spaß auf einem definitiv nicht übertriebenen Niveau, aber lest dies am besten selbst in meinem ausführlichen Test.



Technische Daten:

Garantie: 3 Jahre
Preis: 39,99$
Treiber: dynamisch
Impedanz: 16 Ohm
Empfindlichkeit: 92 dB bei 1 kHz
Frequenzgang: 20 Hz – 20 kHz
Durchschnittliche Leistungsaufnahme: 1 mW
Maximale Leistungsaufnahme: 5 mW
Kabellänge: 1,36 m


Lieferumfang:

Geliefert werden die In-Ears in einer schicken schwarzen Verpackung, auf deren Vorderseite sich in der oberen Hälfte ein großes, weißes ADV.SOUND Logo sowie ein Sichtfenster mit Blick auf die In-Ears, als auch in der unteren das Bild eines Mischpults befindet, zusammen mit einem „designed for musicians“ und „naturally balanced in-ear monitors“ Schriftzug.
Auf der Rückseite gibt es neben einem Bild des groben unkompensierten Frequenzganges und einer Klangbeschreibung des Herstellers ein Bild der In-Ears neben einem Gitarrenverstärker sowie ein weiteres Foto, welches den gesamten Lieferumfang abbildet.
Die linke Seite zeigt die Kabelfernbedienung, die rechte gibt ADV.SOUNDs Firmenphilosophie wieder.




Schiebt man den Karton nach unten heraus, offenbart sich der recht üppige Lieferumfang, der da besteht aus: den In-Ears, einem Aufbewahrungsetui, einem Kabel-Clip, drei Paaren an weißen Silikonaufsätzen, drei Paaren an schwarzen Silikonaufsätzen, drei Paaren an schwarzen Doppelflansch-Silikonaufsätzen sowie einem Paar an Comply Foam Aufsätzen, welche bereits montiert sind.






Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die Gehäuse der In-Ears sind extrem klein und aus mattem, silberfarbenem Aluminium gefertigt. Neben dem Knickschutz, auf dem sich die kleinen Seitenmarkierungen befinden, gibt es ein kleines „ADV.“ Logo; auf der Oberseite befindet sich eine kleine Belüftungsöffnung.
Der gewinkelte Klinkenstecker besteht aus Kunststoff, besitzt einen guten Knickschutz sowie einen Zierring aus schwarzem Metall.
Ein besonderes Highlight ist das flexible Kabel, welches wie eigentlich bei maßgefertigten In-Ears und höherpreisigen Modellen üblich, aus einzelnen verdrillten Adern besteht und unterhalb des Y-Splitters sogar vieradrig ist. Einzig einen Kinn-Schieber oberhalb des Y-Splitters vermisse ich.

Die Verarbeitung der In-Ears ist gut und besonders ein solch gutes Kabel habe ich in der Preisklasse um 50€, abgesehen vom MEE A151, noch nicht gesehen.
















Tragekomfort, Isolation:

Da die In-Ears wirklich sehr klein sind, dürften sie bei der überwiegenden Mehrheit der Benutzer problemlos passen.

Die „klassische“ Trageweise mit dem Kabel nach unten sowie die „professionelle“ mit dem Kabel über den Ohren sind problemlos möglich und gerade die letztere Methode reduziert die vorhandenen Kabelgeräusche massiv. Dennoch wäre hier ein Kinn-Schieber hilfreich, um Mikrofonie gänzlich zu eliminieren, alternativ kann man jedoch den Kabelclip verwenden.

Außengeräusche werden in meinen Ohren etwas weniger als durchschnittlich abgedämpft.


Fernbedienung, Mikrofon:

Die Kabelfernbedienung befindet sich auf der linken Seite und liegt sowohl bei der klassischen als auch bei der traditionellen Trageweise in einer guten Höhe.
Der einzelne Knopf zur Wiedergabe- und Anrufsteuerung lässt sich einfach ertasten und weist einen angenehmen Druckpunkt auf.

Die Sprachqualität des eingebauten Mikrofons ist überdurchschnittlich gut und klar; Stimmen klingen natürlich als auch tonal korrekt. Lediglich die Empfindlichkeit könnte etwas höher sein.


Klang:

Gehört habe ich mit den größten weißen Silikonaufsätzen, die In-Ears waren dabei ziemlich tief in meinen Gehörgang eingesetzt.
Als hauptsächliche Abspielgeräte dienten mir zur Evaluation der iBasso DX80 sowie HiFime 9018d, teils kam jedoch auch mein BlackBerry Q10 zum Einsatz, besonders zum Testen des Mikrofons.
Vor dem kritischen Hören habe ich die In-Ears sicherheitshalber eingespielt, obwohl ich kein Anhänger der Einspiel-Theorie bei Kopfhörern und In-Ears bin.

Tonalität:

Eins vorweg: die unterschiedlichen Aufsätze (abgesehen von den Comply Foam Tips, welche ich nicht verwendet habe) klingen in meinen Ohren identisch, lediglich die schwarzen Doppelflansch-Aufsätze lassen den Klang etwas heller werden.
Seit früheren Prototypen wurde die Klangsignatur etwas verändert – das Modell, welches ich erhielt, besitzt die aktuellste Abstimmung.


Kurz zusammengefasst würde ich die tonale Signatur der M4 In-Ears als eine gemäßigte, eher natürlich klingende Badewanne mit Fokus auf den Hochton beschreiben.

Der Bassbereich ist mit um die 5 dB überraschend gemäßigt angehoben, dabei bezieht sich diese Anhebung besonders auf den Midbass, Kickbass und den unteren sowie unteren mittleren Grundton, weshalb der Bassbereich eher der sanfteren, wärmeren Sorte zuzuordnen ist.
Der Tiefbass ist etwas abgerollt, im Midbass beginnt dann die Betonung, welche sich bis 450 Hz erstreckt, wo der Pegel wieder neutral wird.
Die Mitten ordnen sich leicht im Hintergrund ein und sind tonal etwas heller als korrekt, klingen gleichzeitig jedoch auch leicht hohl.
Der Präsenzbereich ist nicht wirklich abgesenkt; bei 2,5 bis 3 kHz gibt es einen breitbandigeren Peak, welcher dem Mittelton den eben beschriebenen Charakter verleiht. Bei 5 kHz gibt es eine Senke in meinen Ohren, ab 6 kHz steigt der Pegel wieder an und wartet zwischen 8,5 und 9,5 kHz mit einer breiteren Betonungsspitze auf. Oberhalb von 10 kHz ist der Tonumfang gut.
Allgemein fällt der Hoch- etwas prominenter als der Tiefton aus.

Randnotiz: mir hat der Klang vom ersten Hören an bereits eine Menge Spaß bereitet. Klar, der M4 ist eher ein gepflegter Spaßhörer mit heller Tendenz als ein ausgeglichener Referenzhörer, doch ist die Klangsignatur keineswegs übertrieben und für Bassheads eher nicht geeignet, doch stellt sie einen guten Kompromiss aus Spaß und Ausgewogenheit dar, mit einer Tendenz zum Ersten.
Nach längeren Hör-Sessions kann der Hochton etwas aufdringlich werden, so ist er definitiv hell und betont, jedoch nicht stechend, was an den eher breit gesetzten Peaks liegt. Zwar klingen hohe Frequenzen nicht ganz natürlich, jedoch sind sie bei Weitem nicht so metallisch, spitz und einschneidend wie etwa beim Sennheiser CX 200 Street II.


Nachfolgend noch ein Bild des Frequenzganges des M4 mit den weißen Silikonaufsätzen:


Der Graph entstammt meinem Vibro Veritas Messequipment, welches ich so kalibriert habe, dass es mehr oder minder ähnlich dem eines echten IEC 711-Kupplers ist und in vielen Fällen auch brauchbare Resultate liefert. In der Kalibration enthalten ist auch eine angewandte Diffusfeld-Kompensation.
Die Resultate sollen mehr als grobe Veranschaulichung denn als laboratorisch exakte Werte dienen und sind natürlich nicht ganz so genau wie ein professionelles Messequipment (etwa bei 3, 6 sowie 9 kHz gibt es stärkere Abweichungen). Deshalb sollte besonders der Hochton mit etwas Vorsicht betrachtet werden, denn in meinen Ohren bei tiefem Einsetzen ist insbesondere der Peak bei 9 kHz um wenigstens 5 dB weniger präsent als auf dem Graph.

Auflösung:

Die Detailauflösung erachte ich als für den Preisbereich angemessen bis gut – der M4 ist kein wirklicher Geheimtipp, jedoch auch weit davon entfernt, überteuert zu sein.
Der Hochton ist trotz der stärkeren Betonung recht angenehm, was für eine ordentliche Auflösung in diesem Bereich spricht, jedoch wirkt er mehr etwas künstlich und aufgesetzt als natürlich (was ebenfalls an den Betonungen liegt).
Der Mittelton löst durchschnittlich gut auf, klingt jedoch ganz leicht hohl, was an der Betonung bei 3 kHz liegt, welche besonders weibliche Stimmen etwas anfälliger gegenüber (doch eher weich klingenden) Sibilanten macht.
Der Bass klingt recht detailliert und keineswegs stumpf oder unnatürlich, ist jedoch klar der weicheren und langsameren Sorte zuzuschreiben. Ein- und Ausklang würde ich eher als tendenziell voluminös und körperhaft beschreiben; bei schnellen Bass-Lines neigt der Tiefton schon leicht zum Matschen. Die Kontrolle ist jedoch relativ ordentlich und solange das Musikstück nicht zu schnell ist, werden einzelne Bassnoten und –linien recht sauber und differenziert voneinander wiedergegeben – trotzdem würde ich mir einen etwas schnelleren, festeren Tiefton wünschen.

Räumliche Darstellung:

Die Bühne des M4 ist eher durchschnittlich breit und tief, mit etwas mehr räumlicher Breite als Tiefe. Positiv fällt die angesichts des Preises gute Instrumententrennung auf, bei der tonale Elemente sowie Musiker nicht verwaschen dargestellt erscheinen, sondern eine recht gute Separation erfahren. Räumliche Leere oder Luftigkeit wird hingegen weniger gut vermittelt, was jedoch auch nur extrem wenigen In-Ears um 50€ halbwegs glaubhaft gelingt.
Bei schnellem Musikmaterial bricht die Separation etwas ein, was am eher weichen Bass liegt.

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Im kurzen Vergleich mit anderen In-Ears:

TTPod T1 (non-E):
Beide besitzen eine ziemlich ähnlichen Bassbereich, doch ist dieser beim T1 um etwa 1,5 dB prominenter und rollt unten etwas später ab. Der Basseinschlag ist auch eher auf der weichen Seite, dafür ist der Ausklang schneller, weswegen der T1 ein wenig trockener und kontrollierter klingt.
Der Hochton des T1 ist weniger betont, gleichmäßiger und dementsprechend auch natürlicher.
Bei der Auflösung geben und nehmen sich beide nicht viel, was für den M4 spricht, denn ich erachte den T1 als einen der besten In-Ears für den Preis.
Beim T1 ist die Bühne breiter und besitzt ebenso mehr räumliche Tiefe, dafür gewinnt der M4 in Sachen Bühnenkontrolle sowie Instrumentenseparation.

Brainwavz M3:
Der M3 klingt ausgewogener, besitzt jedoch einen etwas betonten Mittelton. Der M4 ist stärker gesoundet, der M3 klingt natürlicher, besitzt jedoch auch einen Peak im oberen Hochton, der ihn minimal künstlich wirken lässt, doch durch die „relaxten“ mittleren Höhen klingt er natürlicher als der M4. Beim M3 ist die Stimmwiedergabe etwas dunkler, jedoch auch vordergründiger.
In Sachen Bassgeschwindigkeit gewinnt der M4 knapp.
Was die Detailauflösung betrifft, geht der M3 als Sieger hervor.
Beim M4 ist die Bühne breiter, die des M3 ist jedoch (viel) tiefer und besitzt die etwas bessere Separation sowie Staffelung.


Fazit:

ADV.SOUND ist mit dem M4 ein gelungener Einstieg in die Welt der In-Ears zu einem fairen Preis gelungen.
Die In-Ears bieten eine sehr gute Verarbeitungsqualität mit einem formidablen Kabel. Die tonale Abstimmung ist eine gemäßigte Badewanne mit Tendenz zu einem hellen, betonten Hochton, welcher vielleicht für eine bessere Langzeittauglichkeit weniger stark betont sein könnte.
Für den Preis macht der M4 vieles richtig und bietet einen soliden Gegenwert für das Geld, mit einer ordentlichen Detailauflösung und Bühne mit guter Instrumententrennung sowie einem Lächeln auf meinem Gesicht.
Einzig wünschen würde ich mir ein kleinwenig mehr Bassgeschwindigkeit und –trockenheit sowie einen Kinn-Schieber am Kabel.

Mission geglückt - 79% oder gerundete 4 von 5 Sternen.