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Brainwavz Omega: was bekommt man für 15$? - [Review] 🇩🇪



Prolog:

Als ich mich schon wunderte, dass ich seit „längerer“ Zeit nichts mehr von Brainwavz bezüglich neuer Produkte gehört hatte, kontaktierte mich Pandora. Inhalt der Nachricht war, dass ein neuer In-Ear, welcher den Namen „Omega“ (http://www.brainwavzaudio.com/products/omega-iem-noise-isolating-earphones-with-microphone-remote) trage, bald erschienen werde und ob ich Interesse hätte, einen Testbericht zu verfassen. Der sehr niedrige Preis sowie die technischen Daten (im Omega werkelt ein kleiner dynamischer Treiber mit 6 mm Durchmesser) lenkten meine Aufmerksamkeit auf sich und ich willigte ein.
Dass es im sehr niedrigen Preisbereich auch einige gut klingende Modelle gibt, haben die letzten Jahre gezeigt, so ist etwa Knowledge Zenith mit seinen Modellen, die sich um die 10$ bewegen, ein positives Beispiel. Die In-Ears spielen trotz ihres geringen Preises häufig in einer etwas höheren Liga, die ich bei 30 bis maximal 50€ festmachen würde.
Wie sich Brainwavz‘ neuestes Modell behauptet, könnt ihr nachfolgend lesen.

Erhältlich sind die In-Ears auch bei Amazonhttp://amzn.to/23VKbsq


Technische Daten:

Preis: 15$
Treiber: 6 mm dynamisch
Impedanz: 16 Ohm
Frequenzgang: 20 Hz – 20 kHz
Empfindlichkeit: 98 dB @ 1 mW
RMS-Belastung: 3 mW
Farben: weiß, schwarz, rot/blau


Lieferumfang:

Die Verpackung ist wie beim Brainwavz Jive recht simpel gehalten und besteht aus einfachem Plastik. Wie üblich befinden sich außen neben einem Bild der In-Ears eine allgemeine Beschreibung, die technischen Daten und Informationen über den Lieferumfang.
Durchbricht man das Siegel, findet man neben den In-Ears einen Kabel-Clip, drei Paar an Silikonaufsätzen, ein Paar Comply S400 Aufsätze, eine Garantiekarte und einen Klettverschluss-Kabelbinder vor.

Nicht schlecht bei dem geringen Preis, doch würde ich mir persönlich statt der Comply Aufsätze einen Aufbewahrungsbeutel wünschen.








Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die kleinen Gehäuse der In-Ears bestehen aus Metall, sind sehr hochwertig verarbeitet und besitzen einen ebenfalls hochwertig anmutenden Schmutzfilter aus Metall-Geflecht. Die Optik erinnert mich hierbei stark an die Sony MH1c In-Ears (welche ich nicht besitze).
Die Seitenmarkierungen sind etwas schwierig zu erkennen, was jedoch nicht weiter schlimm ist, da sich die bereits vom Jive bekannte Kabelfernbedienung mit drei Knöpfen für Apple-Geräte auf der rechten Seite befindet. Der Knickschutz ist gut, könnte oberhalb des Y-Splitters jedoch besser sein. Gut finde ich, dass es einen Kinn-Schieber gibt.
Das Kabel ist mit dem des Jive identisch.








Tragekomfort, Isolation:

Der Tragekomfort ist ob der geringen Größe sehr gut und die In-Ears sitzen angenehm in den Ohren.
Tragen lassen sich die Ohrhörer sowohl mit dem Kabel nach unten als auch über den Ohren, wobei die letztere Methode Kabelgeräusche (in Verbindung mit dem Kinn-Schieber) gänzlich eliminiert und den Sitz verbessert.

Die Isolation ist ein ganzes Stück besser als Mittelklasse, jedoch nicht ganz so gut wie etwa beim UE200, der sehr stark isoliert.

Klang:

Als hauptsächliches Abspielgerät während des Tests diente mir der iBasso DX80, hauptsächlich lag die Musik im FLAC-Format vor.
Zum Hören verwendete ich die großen mitgelieferten Silikonaufsätze; sicherheitshalber habe ich die In-Ears vor dem kritischen Hören eingespielt.

Tonalität:

Den Klang würde ich als eine gut gelungene Badewannenabstimmung mit Anlehnung an die Harman-Kurve im Tiefton bezeichnen.

Im Bassbereich beginnt der Pegel von 500 Hz an abwärts sehr gleichmäßig anzusteigen und erreicht seinen Zenit im Mid- und Tiefbass mit etwa 12 dB im Vergleich zu einem neutralen (viele würden „langweilig“ sagen) In-Ear wie dem Etymotic ER-4S. Im Kickbass ist der Pegel zu meiner Überraschung weniger präsent (nur um 7 dB), dazu gibt es kaum unnötige Wärme im Grundton – beide Sachen tragen positiv dazu bei, dass der Bass nicht wie bei den meisten In-Ears in diesem Preisbereich die Mitten überstrahlt, sondern nur in den unteren Gefilden prominent ist. Der Tiefton ist schon klar Bass-fokussiert und –betont, jedoch nicht erdrückend und auch nicht übermäßig oder übertrieben mächtig.
Der Mittelton steht unbestreitbar im Hintergrund und ist tonal sehr korrekt, jedoch mit einem geringfügig dunklen (nicht zu verwechseln mit „warm“) Charakter, was an den etwas im Hintergrund stehenden oberen Mitten liegt, trotz derer die Mittelton-Balance stimmt.
Der untere Hochton („Präsenzbereich“) ist zusammen mit dem mittleren etwas zurückgesetzt, beginnt jedoch schon bei 3 kHz wieder gleichmäßig und frei von Unregelmäßigkeiten anzusteigen, bis er bei 6 und 8 kHz eine gleichmäßige Betonung formt, die mit etwa 6 dB klar oberhalb von der Nulllinie liegt. Oberhalb von 10 kHz ist der Hochtonumfang gut und auch hier ist der Pegel gleichmäßig, jedoch geringer als bei 8 kHz ausgeprägt.

Anbei noch ein Graph des Omega zusammen mit den anderen In-Ears, mit denen ich ihn weiter unten vergleichen werde:


Angemerkt sei hierbei, dass es sich um kein professionelles Equipment, sondern meinen Vibro Veritas Messkuppler handelt, den ich durch Pseudo-Kalibrierung der Kurve eines echten IEC 711-Kupplers mit angewandter Diffusfeld-Kompensation angenähert habe. Daher sollten die Resultate nicht als absolut, sondern vielmehr zum groben Vergleich angesehen werden. Besonders bei 3, 6 und 9 kHz gibt es bei den Messungen teils Abweichungen von professionellen Graphen, da muss ich bei Gelegenheit an der Kalibrierungs-Datei noch ein wenig Hand anlegen – für einen allgemeinen, gegenüberstellenden Eindruck taugen die Messungen jedoch allemal.

Was man am Graph schön erkennen kann, ist dass der Tiefton sehr gleichmäßig und ohne Buckel ansteigt. Der Zenit wird nicht schon bei 100 Hz im Kickbass, sondern erst weiter unten im Midbass erreicht – dies erinnert mich stark an eine Abstimmung in Anlehnung an die Harman-Kurve im Tiefton und tatsächlich, der Bassbereich wirkt keineswegs überzeichnet, sondern hält sich schön aus dem Mittelton heraus und besitzt auch keine unnötige Grundtonwärme. Die tief angesetzte Betonung sorgt dafür, dass das für viele stark bassbetonte In-Ears typische Aufdicken im Grundton fehlt.
Im Hochton höre ich den Omega mit einem Sinusgenerator und mit Musik anders als auf dem Graph, also will ich mich auch noch schnell dazu äußern: was ich höre, ist ein sehr gleichmäßig ansteigender Hochton ohne Peaks und ohne viel unnötige Schärfe, obwohl der Pegel klar ein ganzes Stück oberhalb Null liegt, wenngleich auch nicht so sehr wie auf dem Graph und auch viel gleichmäßiger, mit mehr Pegel in Superhochton.

Die Abstimmung empfinde ich zwar als consumer-orientiert, jedoch sehr gelungen – der Bass ist klar präsent, wirkt aufgrund der Abstimmung und tief ansetzenden Betonung jedoch nicht zu dominant und fügt sich gut ein. Mit der Badewannenabstimmung, deren Fokus im Tiefton auf dem Mid- und Tiefbass und weiter oben den oberen Höhen liegt, eignet er sich auch sehr gut, um bei sehr geringer Lautstärke Musik zu hören.

Auflösung:

Die Auflösung ist schon besser als bei den In-Ears der „großen Hersteller“, die man für diesen Preis im Elektromarkt üblicherweise vorfindet, jedoch nicht ganz so gut wie bei den besseren Modellen von Knowledge Zenith oder dem UE200.
Positiv erwähnenswert wirkt sich der prominente Midbass nicht auf die Dynamikbereich aus, denn dieser ist beim Omega überraschend gut und die In-Ears wirken auch nicht angestrengt.
Mit viel teureren In-Ears sollte man den Omega nicht vergleichen, aber für seinen Preis verrichtet er einen recht ordentlichen Dienst.
Der Bassbereich ist eher knackig als schwammig, könnte trotzdem fester und besser definiert sein – das machen sowohl der KZ HDS1 als auch UE200 hörbar besser. Wesentlich schneller und präziser als beim Penon IEM ist der Tiefton des Brainwavz aber allemal.

Räumliche Darstellung:

Die Bühne ist in meinen Ohren eher klein, besitzt etwas mehr räumliche Tiefe als Breite und bietet eine für den Preis sehr ordentliche Instrumentenseparation.

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Im Vergleich mit anderen In-Ears:

Penon IEMs:
(10$) Die Penon In-Ears klingen viel basslastiger, mit sehr viel Grundton-Verfärbung, dunkler und verfärbter abgestimmt; die Mitten sind extrem warm. Die Omega In-Ears besitzen eine viel natürlichere Abstimmung, lösen besser auf und spielen kontrollierter, mit besser definierten Bässen.

Logitech UE200:
(29,97€) Der UE ist ausgewogener (flacher) abgestimmt, mit realistischer klingenden Mitten und Höhen. Detailauflösung, Kontrolle und Bassgeschwindigkeit sind beim UE etwas besser, wenn auch nicht deutlich. Nur in Sachen Kontrolle sehe ich den UE200 etwa eine halbe Klasse höher.

KZ HDS1:
(< 10$) Der KZ spielt im Grundton etwas wärmer, ist aber insgesamt ausgewogener abgestimmt, mit ähnlich korrekten Mitten. In Sachen Kontrolle, Bassgeschwindigkeit und Auflösung ist der HDS1 etwa eine halbe Klasse besser.


Fazit:


Für 15$ verrichtet der Brainwavz Omega gute Arbeit. Die Gehäuse wirken stabil und hochwertig, im Lieferumfang sind Comply Aufsätze enthalten und auf der rechten Seite befindet sich eine vollwertige Fernbedienung für Apple-Geräte.
Der Klang ist eine recht gut gemachte Badewanne mit starkem, aber nicht übertriebenem da tief angesetztem Bass, der nicht in die Mitten hineinstrahlt, dazu ist die Detailauflösung für den Preis gut und der In-Ear bietet besseren Klang und eine gelungenere Abstimmung als viele namhafte In-Ears in diesem Preisbereich.
Lediglich Preis-Leistungs –Sieger wie der KZ  HDS1 oder der auch recht gute UE 200 machen einige Sachen wie etwa die Detailauflösung, Basskontrolle und Geschwindigkeit zwar noch etwas besser, sind jedoch auch nicht deutlich besser als der Omega (ich spreche hier von weniger als einer halben Klasse).

70% oder 3,5 von 5 möglichen Sternen.