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Fostex TE-02: Neutralität sowie guter Klang für wenig Geld - Review 🇩🇪

Prolog:

Die Fostex TE-02 In-Ears habe ich bei Amazon für 29,24€ irgendwann in der Mitte des letzten Jahres
bei Amazon (http://amzn.to/1slmWMf)gekauft, hatte also ein wenig Zeit, mich mit ihnen näher zu beschäftigen. Auf anderen Seiten habe ich sie auch bereits zu einem geringeren Preis gesehen.

Die als wasserdicht (was impliziert, dass es sich um Sportkopfhörer handelt) beworbenen In-Ears haben nie meine Aufmerksamkeit erweckt, bis ich auf ein paar Beiträge von für mich vertrauenswürdigen Personen stieß, welche behaupteten, der Klang sei ziemlich neutral, was ich nicht anzweifelte, jedoch selbst hören wollte und musste. Nun, das Resultat war tatsächlich, dass diese In-Ears eine sehr neutrale Tonalität aufweisen, ganz anders als die meisten anderen Kopfhörer, welche für den Sport beworben sind. Ja, die Kleinen waren eine sehr positive Überraschung und nun da ich sie seit einigen Monaten besitze und keine anderen Reviews gesehen habe, dachte ich, es sei an der Zeit, mein eigenes zu erstellen.

Im unwahrscheinlichen Fall, dass Fostex für euch ein unbekannter Name ist, habe ich hier eine kurze Einführung:
Fostex ist definitiv kein unbekannter Name in Audio-Kreisen. 1973 aus Foster Electric hervorgegangen, gilt die japanische Firma schon seit langer Zeit als einer der wichtigsten Zulieferer und OEM-Produzent für diverse Lautsprecher- und Kopfhörerhersteller, vertreibt jedoch auch eigene Produkte.



Technische Daten:

Schallwandler: dynamisch
Frequenzgang: 20 – 20000 Hz
Impedanz: 16 Ohm
Empfindlichkeit: 93 dB/mW
Maximale Eingangsleistung: 50 mW
Kabellänge: 1,2 m


Lieferumfang:

Der TE-02WP (WP steht für waterproof, also wasserabweisend, da die In-Ears nach IPX5 sowie IPX7 zertifiziert sind) kommt in einer kleinen schwarzen Verpackung, auf deren Vorderseite sich ein kleines Plastik-Sichtfenster befindet. Auf der gesamten mattschwarzen Oberfläche findet sich das gleiche schwarz glänzende Linienmuster wie bei der Verpackung des TE-07 wieder. Auf den Seiten gibt es Informationen über den Lieferumfang; die Rückseite beherbergt die technischen Daten.
Im Inneren ist nicht viel, so befinden sich im Lieferumfang neben den In-Ears lediglich vier Paar Silikonaufsätze in unterschiedlichen Größen, was beim geringen Preis jedoch nicht arg verwunderlich ist.
Zur Aufbewahrung verwende ich ein preisgünstiges Reißverschluss-Etui, welches ich bei AliExpress bestellt habe (an den Verkäufer respektive die Produktseite erinnere ich mich nicht mehr, doch weiß ich noch, dass sich der Preis definitiv unter 5€ befand).








Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die In-Ears sind aus schwarz glänzendem Plastik gefertigt und erinnern von der äußeren Form her an einen Regentropfen.
Auf der „Faceplate“ befindet sich ein graues Fostex Logo; auf den Seiten findet man ein Dichtungsring-artiges Etwas vor. Der Schallaustritt besteht aus Metall und besitzt 9 Löcher, welche wahrscheinlich dazu dienen, das Innere vor Feuchtigkeit und Wasser zu schützen.

Das Kabel fühlt sich relativ gut und widerstandsfähig an, doch ist es auch ein wenig Feder-artig (aber nicht störend) und etwas anfällig gegenüber Verheddern. Der gewinkelte 3,5 mm Klinkenstecker besitzt einen guten Knickschutz, doch fehlt dieser gänzlich am Y-Splitter sowie direkt an den In-Ears, wo sich die Seitenmarkierungen befinden. Immerhin gibt es einen Kinn-Schieber.
Die Silikonaufsätze sind mittelmäßig dick, doch dicker und stabiler als die des TE-07, weshalb es mit dem TE-02 recht einfach ist, einen guten und Sicheren Sitz als auch Seal zu erreichen.








Komfort, Isolation:

In meinen Ohren sitzen die In-Ears sehr bequem, zudem folgt die Regentropfen-Form der Concha-Anatomie.
Zum Tragen setze ich die In-Ears entweder „nach unten“ ein und führe die Kabel dann über die Ohren, oder setze sie um 180° gedreht (seitenkorrekt) ein und trage sie so direkt über den Ohren. Beide Methoden funktionieren gut, sicher und komfortabel. Am Rande erwähnt sind die In-Ears auch recht leicht.
Mikrofonie wird durch beide genannten Trageweisen klar vermindert, doch gibt es trotz des Kinn-Schiebers noch minimale (jedoch nicht störende) Kabelgeräusche bei stärkerer Reibung.

Die Geräuschisolation liegt irgendwo zwischen „durchschnittlich“ und „sehr gut“ mit einer klaren Tendenz zum Letzten. Durch das winzige Loch in den Gehäusen ist die Isolation zwar nicht ganz so gut wie bei gänzlich geschlossenen In-Ears wie dem Logitech UE200, kommt dieser jedoch recht nah.


Klang:

Zum Hören verwendete ich die größten inkludierten Silikonaufsätze.

Tonalität:

Die TE-02 In-Ears sind sehr neutral abgestimmt und könnten für viele ein wenig zu steril und langweilig sein, doch sind sie eine gute Möglichkeit, recht günstig ziemlich neutrale In-Ears kennenzulernen.

Der bass reicht linear und ohne Abrollen bis 20 Hz herunter und ist nur marginal mehr präsent als der des Etymotic ER-4S zwischen 20 und 300 Hz (mit „marginal“ meine ich etwas weniger als ein dB in meinen Ohren, auch wenn diese sich bei Musik eher nach etwa 2,5 anhören, was daran liegt, dass die verwendeten dynamischen Treiber nicht ganz so schnell wie Balanced Armatures abklingen); die Mitten sind in meinen Ohren tonal korrekt und wie auch der Grundton bei einem kHz mit etwa einem dB präsenter als neutral, was mir jedoch nur mit einem Sinusgenerator und nicht bei Musik auffällt.
Der Präsenzbereich um 2 kHz befindet sich etwas im Hintergrund (wie bei den meisten In-Ears), wodurch Stimmen ein leicht entspannter Charakter verliehen wird, obwohl sie noch immer tonal korrekt spielen. Von 3 kHz an steigt der Pegel wieder an und wartet mit kleinen Peaks bei 5 sowie 7,3 kHz auf.
Der Hochtonumfang oberhalb von 10 kHz ist gut, doch ist dieser Bereich etwas weniger präsent als vor 10000 Hz.

Da sich der untere/untere mittlere Hochton etwas im Hintergrund befindet, klingen Stimmen ein wenig entspannt und die In-Ears bekommen eine relativ gute Langzeittauglichkeit, trotz der minimal betonten Mitten bei 1 kHz, bei einem noch immer sehr neutralen Klang.

Am Rande erwähnt klingt der TE-02 klar neutraler als der TE-07, welcher mehr der warmen und entspannten Seite von neutral zuzuordnen ist, wohingegen der TE-02 den etwas flacheren Bass und mehr Hochtonenergie besitzt.

Obwohl der Etymotic ER-4S etwas anders klingt (neutraler, besonders im Hochton), besitzt der TE-02 einige Gemeinsamkeiten, abgesehen von den zurückgesetzten unteren/unteren mittleren Höhen, weshalb er tonal doch näher am UERM ist, welcher zwar auch recht neutral spielt, doch nicht ganz so sehr wie der ER-4S.

Auflösung:

Kurzform: Klar oberhalb des Preises.
Ausführlich: Die Detailauflösung sowie Einzeltondarstellung dieser In-Ears sind eine sehr willkommene Überraschung, ganz genau wie der schnelle sowie recht trockene Bass.
Die Sprachverständlichkeit ist relativ hoch, mit guter Aufdeckung von Gesangsvariationen, doch gibt der moderat zurückgesetzte Präsenzbereich Stimmen eine etwas entspannte Spielweise.
Die Detailauflösung und Authentizität können zwar nicht mit guten In-Ears um 200€ (hier denke ich besonders an den Etymotic ER-4S und LEAR LHF-AE1d) mithalten, doch wäre es mir der Klang wert, um 100€ für den TE-02 auszugeben.
Der Hochton ist recht „crisp“ und klingt weitestgehend realistisch sowie nie scharf oder dumpf (was daran liegt, dass der Pegel „spot-on“ und weder unter- noch überpräsent ist), doch scheint der obere Hochton um 8 kHz zeitweilen ganz minimal dosig oder metallisch, doch stellt dies Kritik auf einem hohen Niveau dar und ist bei dem geringen Preis von etwa 30€ vollkommen vernachlässigbar (und wäre dies sogar bei den dreifachen Kosten, da diese Metalligkeit sehr gering ausfällt und nur sehr wenig auffällt).
Eine äußerst positive Überraschung ist ebenfalls der Bassbereich, welcher zu den festeren und schnelleren seiner Sorte bei In-Ears mit dynamischen Treibern gehört. Die Geschwindigkeit ist natürlich nicht so hoch wie bei besseren Balanced Armature Schallwandlern, doch wie gesagt für dynamische Treiber sehr schnell, recht trocken und gehört zu den „punchigsten“ dynamischen Bässen, weshalb er sehr genießbar ist, selbst bei komplexen und schnellen Aufnahmen.

Räumliche Darstellung:

Bei der Bühne gab es eine weitere positive Überraschung: sie ist nicht nur etwas breiter und tiefer als durchschnittlich, sondern besitzt auch eine präzise Instrumentenplatzierung, Staffelung sowie Darstellung. Die Position einzelner Instrumente im imaginären Raum gelingt einfach und diese erscheinen auch klar dargestellt, ohne ineinander überzugehen und sogar etwas „Leere“ zwischen tonalen Elementen oder Musikern kann herausgehört werden.
Auch bei schnellen Musikstücken kollabiert die Bühne nicht, sondern bleibt zusammenhängend als auch kontrolliert, bei einer noch immer luftigen und mühelosen Präsentation.

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Kurzer Vergleich:

vs. Logitech UE200:
Bis auf ein paar Cent habe ich für den UE den gleichen Betrag gezahlt, doch spielt der TE-02 eine oder zwei Klassen oberhalb diesem.
Beginnen möchte ich mal mit dem Kabel, denn dieses ist beim Fostex sehr viel besser und stabiler als beim UE200.
Der Fostex ist von den beiden der neutralere In-Ear, besonders im Tiefton, wo der UE etwas bassiger sowie wärmer ist, doch noch immer recht ausgeglichen klingt.
Der Bass des TE-02 ist viel schneller, fester und besitzt die bessere Kontrolle; die allgemeine Detailauflösung ist ebenfalls höher. Die Bühne des UE200 ist etwa durchschnittlich breit und tief, die des TE-02 ist größer sowie präzise, mit genauerer Instrumentenplatzierung und –staffelung.

vs. DUNU Titan 1:
Der DUNU ist besser verarbeitet, fühlt sich hochwertiger an und besitzt den umfangreicheren Lieferumfang; bei einem mehr als dreifachen Preis darf man dies jedoch auch erwarten.
Beide sind sehr gute In-Ears, doch ist der DUNU marginal besser, obgleich der TE-02 ihm sehr nah kommt und sogar in manchen Kategorien teils übertrifft.
Der Titan 1 ist mehr gesoundet, so besitzt er eine helle Badewannen-orientierte Abstimmung, welche auch mehr Bass sowie Grundton bereithält.
Der Tiefton des Fostex ist schneller und vermittelt ein besseres Gefühl von Geschwindigkeit, Kontrolle sowie Leichtigkeit – und das, obwohl der Titan 1 bereits einen ziemlich schnellen und trocknen Bass besitzt.
Die Detailauflösung ist beim DUNU etwas besser, doch ist der Abstand nicht arg groß. Der Titan 1 generiert die größere Bühne (wobei sie nicht viel größer ist), mit mehr räumlicher Tiefe und einer „offeneren“ Präsentation. Der Fostex besitzt die geringfügig präzisere Instrumentenseparation, der DUNU staffelt dafür in der Tiefe jedoch genauer.


Fazit:

Der Fostex TE-02 ist ein neutral abgestimmtes Juwel für wenig Geld und spielt definitiv oberhalb seines Verkaufspreises.
Trotz der wasserabweisenden Eigenschaften/Attribution, die einen mutmaßen lassen könnten, es handle sich um stark basslastige In-Ears, sind diese sehr neutral abgestimmt, was sehr begrüßenswert ist. Der TE-02 ist womöglich sogar einer der neutralsten In-Ears, den man für 30€ und auch darüber hinaus finden kann und besitzt überdies auch andere starke klangliche Aspekte.
Die Bühne ist größer als durchschnittlich, besitzt eine präzise Instrumentenplatzierung sowie -separation und Staffelung, wodurch sie ein authentisches als auch dreidimensionales imaginäres Klangfeld aufspannt. Zusammen mit der für den Preis sehr hohen Auflösung, die man bei teureren In-Ears vorfinden würde, besitzt der TE-02 einen festen, trockenen sowie kontrollierten Bass.
Diese In-Ears sind eine gute Möglichkeit, um für wenig Geld herauszufinden, ob einem eine neutrale Klangsignatur liegt oder sind auch für diejenigen bestimmt, welche einen neutralen Klang für wenig Geld suchen.