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Alpha & Delta AD01: basslastige jedoch etwas langsame In-Ears - [Review] 🇩🇪



Prolog:

Lend Me UR Ears ist ein Händler für Audio-Produkte, der in Singapur ansässig ist. Neben dem Online-Shop besitzt LMUE auch einen Amazon-Shop sowie ein örtliches Ladengeschäft, das am Nachmittag geöffnet ist.
Alpha & Delta ist LMUEs eigene In-Ear Marke und der AD01 (http://www.lendmeurears.com/alpha-delta/) ihr erster Kopfhörer, ein In-Ear mit zwei dynamischen Treibern pro Seite. Der Alpha & Delta AD01 ist dabei modular aufgebaut, was bedeutet, dass das Kabel und beide Hörer-Seiten im Falle eines Defekts separat nachgekauft und einfach ausgetauscht werden können, was wirklich vorbildlich ist. Neben dem In-Ear, der in zwei Farben (Schwarz und Silber) erhältlich ist, kann man auch ein Upgrade-Kabel erwerben.

Wie der AD01, der mir freundlicherweise von Lend Me UR Ears‘ Teo für einen ehrlichen Test zur Verfügung gestellt wurde, klingt, könnt ihr hier nachlesen.


Technische Daten:

Preis: 130 SGD/~ 82€
Treiber: dynamisch, 9,8 und 6 mm
Impedanz: 9 Ohm
Empfindlichkeit: 102 dB/mW
Frequenzgang: 10 Hz – 25 kHz
Leistungsaufnahme (RMS): 10 mW
Maximale Leistungsaufnahme: 30 mW


Lieferumfang:

Die In-Ears kommen in einem dunkelblauen Karton, der sich aufklappen lässt und auf dessen Oberseite sich ein silbern glänzendes Alpha & Delta Logo befindet. Im Inneren ist der eben erwähnte Karton mit Velours verkleidet. Der eigentliche Lieferumfang fällt dann recht üppig aus, denn neben den eigentlichen In-Ear Hörer-Stücken befinden sich in der Verpackung noch ein Kabel, eine Aufbewahrungstasche mit Trageschlaufe, ein Paar an Schaumstoff-Aufsätzen, drei Paare an Doppelflansch-Aufsätzen, drei Paare an regulären Silikonaufsätzen sowie drei Paare an Silikonaufsätzen, die den Sony Hybrid-Aufsätzen ähneln.




 Das Upgrade-Kabel wird in einem kleinen schwarzen Beutel inklusive eines Paars an etwas spitz zulaufenden Silikonaufsätzen geliefert.





Optik, Haptik, Verarbeitung:




Die Gehäuse der In-Ears bestehen aus schwarzem Aluminium und weisen keine Mängel in der Verarbeitung auf – sie fühlen sich sogar schon etwas hochwertig an. Da die Kabel austauschbar und die In-Ears modular aufgebaut sind, gibt es an den In-Ears selbst keine Seitenmarkierungen, sondern lediglich an den Kabeln in Form von Buchstaben (hier wären zusätzliche farbliche Markierungen nützlich).
Das Stecker-System der Kabel besteht aus 2,5 mm DC-Steckern, wie ich sie schon vom MEE M6 kenne, jedoch sind sie beim AD01 frei drehbar (wenngleich auch keinesfalls leichtgängig).

Das Aufbewahrungsetui sieht zwar nicht super gut aus und könnte innen besser verarbeitet sein, doch bietet es viel Platz und ist auch hart, weswegen es einen guten Schutz bietet.

Das reguläre schwarze Kabel ist von der Beschaffenheit dem von SoundMAGIC und dem Brainwavz M3 sehr ähnlich, doch ist es flexibler. Der gewinkelte Klinkenstecker, der Y-Splitter sowie die Stellen an den Steckverbindungen besitzen einen vorbildlichen Knickschutz, einen Kinn-Schieber gibt es auch; insgesamt macht es einen sehr guten Eindruck auf mich.
Das Upgrade-Kabel ist in seiner haptischen Beschaffenheit dem schwarzen sehr ähnlich, sprich es besitzt den gleichen exzellenten Knickschutz. Im Gegensatz zu diesem sind die Metall-Elemente jedoch silberfarben und die Ummantelung transparent, wodurch der Blick auf die Kupfer-Litzen freigegeben wird. Die Flexibilität des Upgrade-Kabels ist auch nochmal ein Stück höher.






Tragekomfort, Isolation:

Die Gehäuse der In-Ears sind nicht allzu groß, daher sollten die Hörer der Mehrheit der Menschen passen.
In meinen großen Ohren sitzen die In-Ears sehr bequem und sicher. Getragen habe ich den AD01 mit den Kabeln über den Ohren, was in Verbindung mit dem Kinn-Schieber eine gänzliche Eliminierung der Mikrofonie bedeutete, welche aber auch beim Tragen mit dem Kabel nach unten verhältnismäßig mild war.

Die Isolation befindet sich auf einem guten Niveau und ist recht ordentlich, besser als durchschnittlich (jedoch etwas geringer als bei manch anderen, gänzlich geschlossenen In-Ears).


Klang:

Als hauptsächliche Abspielgeräte dienten mir zum Hören der iBasso DX80, LH Labs Geek Out IEM 100 sowie HiFiMe 9018d.
Verwendet habe ich das Upgrade-Kabel sowie die größten inkludierten schwarzen Silikon-Aufsätze.
Obwohl ich kein Anhänger der Burn-In Theorie bei Kopfhörern bin, habe ich den AD01 100 Stunden mit Rausch- und Sinus-Signalen eingespielt.

Gedanken zum Upgrade-Kabel:

Ich bin jemand, der in Sachen „Kabelklang“ recht skeptisch ist, solange ein Kabel nicht messtechnisch den Klang beeinflussen kann, wie etwa durch unterschiedlichen Kabelwiderstand bei Multi-BA In-Ears. Somit war ich natürlich auch etwas skeptisch, als ich das Upgrade-Kabel verwendete. Ich meinte tatsächlich, einen kleinen Unterschied in Sachen Kontrolle und Klarheit zugunsten des Upgrade-Kabels wahrgenommen zu haben, was sich aber ganz einfach dadurch erklären ließ, dass der Pegel mit diesem minimal lauter als mit der schwarzen Standard-Strippe war.
Dabei möchte ich es auch belassen, denn ein objektiver Hörvergleich zwischen Kabeln ist kaum möglich.

Tonalität:

Eine kleine Randnotiz bezüglich des tonalen Unterschieds zwischen den Aufsätzen im Sony-Hybrid-Stil und den regulären schwarzen Silikonaufsätzen: klanglich sind sich beide Aufsatz-Typen sehr ähnlich – der größte Unterschied besteht darin, dass die Hybridaufsätze im mittleren Hochton ein wenig weniger Pegel besitzen und dadurch etwas entspannter klingen – groß sind die Unterschiede jedoch nicht.

Den Klang des AD01 würde ich als basslastig mit einer (geringer ausgeprägten) Portion oberem Hochton als Ausgleich beschreiben – also eine recht gängige „consumer-orientierte“ Abstimmung, die klar in Richtung „klassische Badewanne“ geht.

Der Bassbereich ist hier das zentrale, vordergründige Element, das beim Hören den Klang dominiert. Mit ca. 13 dB an der Stelle der stärksten Betonung fällt er auch sehr üppig aus. Im Tiefbass ist der Pegel nicht wirklich weniger als im Midbass ausgeprägt, doch weicht der Klang hier etwas auf. Der Fokus liegt auf dem Midbass, ab dem der Tiefton langsam und etwas Buckel-artig gen Mittelton abrollt, wo die Betonung bei etwa 800 Hz komplett aufhört. Der Grundton ist dadurch recht voluminös und der Tiefton nicht nur mächtig sondern auch recht warm, mit einem Mittelton, der zwar noch verhältnismäßig natürlich ist und obgleich der Abstimmung nicht gänzlich untergeht, doch sind Stimmen und Instrumente in diesem Bereich klar wärmer als üblich und werden auch etwas vom mächtigen Bassbereich überdeckt. Zwischen 1 und 2 kHz ist der Pegel sehr gleichmäßig und neutral, danach sind die oberen unteren sowie mittleren Höhen gleichmäßig im Hintergrund; 6 und 7 kHz befinden sich dabei am stärksten im Hintergrund und sorgen für ein etwas entspanntes Klangbild. Bei 9 kHz gibt es eine breitbandige Betonung, die oberhalb der Nulllinie liegt, jedoch ein ganz deutliches Stück geringer als die Bassbetonung ausfällt und diesen lediglich ausgleicht – die Badewanne ist also klar auf den Bass fokussiert. Oberhalb von 10 kHz rollt der Pegel gleichmäßig ab.

Sehr positiv fällt auf, dass der Klang sehr kohärent ist; es gibt keinen hörbaren Übergang zwischen beiden Treibern.
Wer mich und meine Reviews etwas genauer kennt, weiß, dass ich die allgemeine Klangsignatur eines Kopfhörers nicht werte beziehungsweise keinen Punktabzug basierend auf meinen Präferenzen gebe, solange der Mittelton tonal korrekt und der Hochtonumfang gut ist. In seiner Preisklasse ist der Hochtonumfang oberhalb von 10 kHz für den AD01 gerade noch in Ordnung und dafür gibt es keinen Punktabzug, beim Mittelton muss ich jedoch ein wenig abziehen – dieser ist zwar trotz des sehr mächtigen Basses recht natürlich, befindet sich bei etwas tieferen Stimmen jedoch hörbar auf der wärmeren und fülligeren Seite. Eine etwas tiefer beginnende Bassanhebung wäre vielleicht etwas sinnvoller gewesen.


Nachfolgend noch ein Bild des Frequenzganges des In-Ears:


Der Graph entstammt meinem Vibro Veritas Messequipment, welches ich so kalibriert habe, dass es mehr oder minder ähnlich dem eines echten IEC 711-Kupplers ist und in vielen Fällen auch brauchbare Resultate liefert, wie hier. In der Kalibration enthalten ist auch eine angewandte Diffusfeld-Kompensation.
Die Resultate sollen mehr als grobe Veranschaulichung denn als laboratorisch exakte Werte dienen und sind natürlich nicht ganz so genau wie ein professionelles Messequipment (etwa bei 3, 6 sowie 9 kHz gibt es manchmal stärkere Abweichungen). Deshalb sollte besonders der Hochton mit etwas Vorsicht betrachtet werden.

Auflösung:

Positiv fällt auf, dass es keinen hörbaren Übergang zwischen beiden Treibern gibt; der Klang ist zusammenhängend und in sich stimmig.
Mit dem Hochton beginnend: dieser ist recht detailliert und klingt gut, überwiegend natürlich. Hier kann ich nichts wirklich beanstanden.
Der Mittelton wird von der starken Bassbetonung etwas verschlungen, kann sich trotzdem noch etwas durchsetzen, auch wenn der Bereich der Stimmen nicht so detailliert wie die Höhen klingt. Für sich betrachtet sind die Mitten jedoch gut.
Der Pferdefuß im System ist ganz klar der Bassbereich: dieser ist mehr schwammig als trocken, mehr langsam als schnell, und knickt bei schneller, anspruchsvoller Musik hörbar ein; gen Tiefbass weicht er zudem auf.
Die allgemeine Auflösung würde ich als in der Preisklasse als durchschnittlich beschreiben – weder herausstechend gut noch sonderlich schlecht.

Räumliche Darstellung:

In meinen Ohren ist die Bühne des AD01 minimal breiter als durchschnittlich, mit guter räumlicher Tiefe und Höhe. Das Verhältnis zwischen Breite und Tiefe ist sehr harmonisch und die Bühne klingt rund und stimmig.
Die Tiefenstaffelung und Instrumentenseparation könnten jedoch etwas präziser und weniger neblig sein.

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Im Vergleich mit anderen In-Ears:

Brainwavz R3:
Der AD01 ist um Welten bequemer und einfacher einzusetzen – mit dem R3 ist es für mich trotz (oder gerade wegen?) meiner großen Ohrmuscheln etwas schwierig, einen sicheren Sitz mit gutem Seal zu erreichen, was mir mit dem AD01 im Handumdrehen gelingt.
Der Brainwavz klingt tonal viel ausgeglichener, mit einer etwas dunklen Neutralität. Anlasten könnte man ihm hier lediglich, dass der Mittelton ein wenig auf der dunklen Seite steht.
In Sachen Detailauflösung geben sich beide Hörer überraschend wenig – bei beiden ist der Hochton ähnlich präzise, beide haben einen Auflösungs-mäßig ganz leicht zurück stehenden Mittelton. Wo der AD01 hingegen das Nachsehen hat, ist der Tiefton: dieser ist beim Brainwavz einfach kontrollierter und schneller.
Die Bühne des AD01 ist tiefer, der R3 spielt jedoch etwas breiter und trennt Instrumente sauberer.

Havi B3 Pro I:
Der Havi ist tonal viel ausgeglichener und besitzt eine recht natürliche, moderat warme Klangsignatur mit etwas angehobenen oberen Höhen (mit den Standard-Aufsätzen, die ich verwende).
Der Havi ist ein extrem guter In-Ear in seinem Preisbereich, doch gibt es eine Sache, die ich nicht näher benennen kann und die mir an ihm nicht zu 100% gefällt – möglicherweise eine Phasenanomalie? Jedenfalls klingt der Übergang der beiden Treiber des Havi in meinen Ohren minimal unstimmig (jedoch wirklich nur minimal) – hier ist der AD01 in meinen Ohren zusammenhängender, kann jedoch, was Auflösung, Bassgeschwindigkeit und Bühnenpräzision betrifft, nicht mit dem B3 Pro I mithalten: der Havi spielt hier eine ganze Ecke besser und bietet einen enormen Gegenwert für den recht geringen Preis.

TTPod T1 (non-E):
Die tonale Signatur des TTPod (den ich als sehr guten In-Ear in seinem Preisbereich ansehe) ist auch eine Badewanne, jedoch eine viel natürlichere und geringer ausgeprägte.
Der T1 besitzt ein gehöriges Stück weniger Bass und ist im Hochton auch ein ganzes Stück heller – manchmal könnte der Hochton sogar gern ein wenig geringer ausgeprägt sein.
Der T1 löst im Mittelton etwas besser auf, klingt im Hochton jedoch weniger natürlich und gaukelt die Auflösung durch seine Betonungen vor. Trotz des im Hintergrund stehenden Hochtons gewinnt der AD01 das Hochton-Duell mit mehr Details und einer höheren Natürlichkeit. Solange dem Tiefton keine zu schnellen Bässe abverlangt werden, ähneln sich beide hier auch, was die Auflösung/Präzision betrifft; ganz allgemein ist die Auflösung der beiden In-Ears recht vergleichbar, wobei der T1 im Mittelton gewinnt, der AD01 hingegen im Hochton.
Der T1 ist nicht unbedingt für super schnelle Bässe bekannt, spielt jedoch recht kontrolliert und sauber – der AD01 matscht hier viel stärker und klingt „boomy“, unkontrolliert, sobald die Musik etwas schneller wird.
In Sachen Bühnendarstellung gewinnt der AD01 knapp durch etwas mehr räumliche Tiefe; in Sachen Instrumentenseparation sind sich beide recht ähnlich.


Fazit:

Ist der AD01 seinen Preis wert? Ja, wenn man diese Art von Klangsignatur sucht – aber für weniger Geld gibt es technisch etwas bessere Modelle, jedoch mit anderer tonaler Abstimmung. Wer eine Badewannenabstimmung mit voluminösem Tiefton, auf dem auch tonal ganz klar der Fokus liegt, mag, findet mit dem AD01 einen soliden In-Ear.
Sein Pferdefuß ist klar der Bassbereich, der eher stumpf daherkommt und auch recht langsam ist sowie bei schneller Musik einknickt. Würde der Bass etwas überarbeitet und gefestigt, wäre der AD01 ein guter In-Ear für seinen Preis – so ist er zwar auch ordentlich, besitzt eine gute Räumlichkeit, bietet einen umfangreichen Lieferumfang, ist sehr gut verarbeitet, bietet austauschbare Kabel, einen gut gemachten Hochton sowie warmen jedoch nicht muffigen Mittelton, kann schnelle Musik hingegen nicht richtig knackig darstellen und wird hier zu schwammig.

 67% oder 3,35 von 5 Sternen.