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AGPTek A06: überraschend exzellenter MP3-Player für 39,99€ - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Die in Brooklyn, New York ansässige Firma AGPTek wurde 2001 gegründet und führt seitdem alle
möglichen Artikel, darunter MP3-Player, LED-Lampen, Laptop-Akkus und viele andere in ihrem Sortiment.
Billige MP3-Player gibt es wie Sand am Meer, besonders im asiatischen Raum. Die technische Ausstattung reicht dabei vom simplen Display-losen Player bis hin zu komplexeren Modellen mit Bluetooth, Bildschirm und etwas, das man halbwegs als Nutzeroberfläche bezeichnen könnte. Getestet habe ich einst einen MP3-Player für 1,38€ (ich berichtete: http://kopfhoerer-lounge.blogspot.de/2015/07/cheap.html), der zwar eine recht geringe Ausgangsimpedanz besaß und auch in Sachen Bedienung sehr gut war, klanglich jedoch nicht punkten konnte, so gab es bei der Wiedergabe etwa ein hohes Grundrauschen sowie ständige Störgeräusche.

Was den AGPTek A06 von den meisten Billig-Playern unterscheidet und ihn auch allgemein besonders macht (so habe ich diese Funktion bisher noch bei keinem anderen Gerät gesehen), ist seine Fähigkeit, das FM-Radiosignal über Bluetooth wiederzugeben.
Ob der Player für den geringen Preis überhaupt irgendetwas taugt, werde ich im Laufe dieses Tests herausfinden.

Der AGPTek A06 (http://www.agptek.com/AGPtEK-A06-blue-713-126-1.html) wurde mir von AGPTek, vertreten durch die deutsche Distribution Linking Mart, für einen ehrlichen Test zugeschickt.

Erhältlich ist der Player bei Amazon für 39,99€ (http://amzn.to/1m142qI).


Technische Daten:

Up to 50 hours of music playback( 10 hours FM Radio playeback) when fully charged; intuitive controls, you can get used to it very soon
Up to 1500 songs by 8GB memory capacity, supports up to 64 GB Micro SD Card for 4000 Songs! To avoid incompatibility, please use AGPTek Memory Card
Lossless Sound quality, support formats:MP3(MP1,MP2,MP3),WMA,OGG,WAV,APE,FLAC,AAC-LC,ACELP.( Supports APE with sampling rate 8KHz- 48KHz, Bit Rate: Fast/Normal compression 800 Kbps-1000Kbps.)
The main design of this player is Bluetooth, so the FM Radio may not as decent as the Bluetooth function


Lieferumfang:

Im Karton, auf dessen Oberseite sich ein glänzend blauer AGPTek Schriftzug befindet und der hinten die inoffizielle Bedienungsanleitung bereithält, befinden sich der Player, ein Micro-USB Kabel zum Laden und Datentransfer, eine Schnellstartanleitung sowie weiße Earbuds.






Optik, Haptik, Verarbeitung:


Der Player ist recht simpel gestaltet und man merkt ihm an, dass es sich um ein sehr preisgünstiges Objekt handelt. Auf der Vorderseite befindet sich der (verhältnismäßig große) Bildschirm, dessen Auflösung jedoch ziemlich gering ist – dafür sind die Farben jedoch aber ziemlich ordentlich und satt. Darunter befindet sich das Steuerkreuz mit seinen fünf Tasten, welche einen eher lauten jedoch recht gut definierten Druckpunkt besitzen (sich jedoch nicht wertig anfühlen).
Auf der linken Seite befindet sich der Einschub für Micro SD-Karten (meine 128 GB SanDisk Karte im exFAT Format wurde übrigens problemlos erkannt), intern stehen 8 GB Speicherplatz zur Verfügung. Auf der rechten Seite findet man den physischen Ein-/Ausschalter vor; die Unterseite beherbergt den 3,5 mm Klinkenausgang sowie die Micro USB Buchse. Auf der Oberseite befindet sich eine Öse, an der man ein Trageband befestigen kann.
Die Oberfläche des Players besteht aus dem typischen, von vielen anderen Billig-Produkten bekannten Plastik in Soft-Touch Anmutung, ist jedoch etwas härter und deshalb nicht ganz so sehr anfällig gegenüber Kratzern. Als hochwertig kann man dies jedoch nicht bezeichnen.
Die Abmessungen des Players sind sehr gering, wodurch er enorm Hosentaschen-freundlich ist.

Optisch und haptisch repräsentiert der Player das, was er ist – ein preisgünstiges Produkt.






Bedienung, Benutzeroberfläche:

Ein- und Ausschalten lässt sich der Player entweder über den mechanischen Schieber auf der rechten Seite oder durch längeres Drücken der Mitteltaste. Eine Tastensperre lässt sich durch längeres Drücken der „M“-Taste zuschalten.
Die Nutzeroberfläche ist ziemlich simpel gehalten, dafür erfolgt die Bedienung jedoch auch sehr flüssig, schnell und intuitiv – hier bedarf es eigentlich keiner großen Erklärung: bereits nach wenigen Minuten sollte ein Technik-interessierter Mensch die Bedienung des Players intus haben, da die Eingabe sehr intuitiv erfolgt und selbsterklärend ist.
Auf der Haupt-Ebene befindet sich oben links die kleine Digitaluhr, oben rechts die Akkuanzeige. An Unter-Menüs gibt es einen Ordnerbrowser, Werkzeuge (Kalender, Stoppuhr, Wecker), Einstellungen (sehr simpel gehalten und hauptsächlich zum Wählen der vielen verschiedenen Sprachen, Regulieren der Helligkeit und zum Einstellen der Uhr nützlich), Bluetooth, einen „Now Playing“ Bildschirm, einem „Musik“-Bildschirm (Bibliotheks-Darstellung), einen Video-Spieler, Sprachaufnahmen, einen Bild-Betrachter, ein FM-Radio und schließlich einen e-Book Reader.
Konzentrieren möchte ich mich hierbei auf den Ordner-Browser, den ich hauptsächlich genutzt habe:

in diesem hat man Zugriff auf den internen und externen Speicher, wobei mehrere Unterordner unterstützt werden (was bei meiner Ordnerstruktur nach „Interpret -> Jahr -> Album“ wichtig ist). Leider werden die einzelnen Ordner, wie bei vielen anderen Billig-Playern auch, nicht alphabetisch sondern nach Datum des Schreibzugriffs geordnet, was etwas umständlich ist.
Der Wiedergabebildschirm zeigt zentral das Albumcover an, darüber wird die Anzahl der Dateien im Unterordner als Titel-Zähler („000X/000Y“) abgebildet. Unterhalb des Covers gibt es eine Zeitleiste mit Anzeige der genauen Minuten und Sekunden, dazu werden die Musik-Tags automatisch scrollend eingeblendet. „Folder Play“ ist übrigens konstant aktiviert.
Klickt man hier einmal auf die „M“-taste, bekommt man die Möglichkeit, entweder ins Hauptmenü zurückzukehren, den Wiedergabemodus zu wechseln, einen Equalizer zu aktivieren, die Datei zu löschen, Lesezeichen zu setzen sowie verwalten als auch schließlich die Datei zu einer Playlist hinzuzufügen.
Hält man die Mitteltaste hier etwas länger gedrückt, wechseln Bildschirm und Bedienung in den „Easy Mode“, in welchem die Lautstärke direkt ohne den umständlichen Umweg des langen Haltens der „VOL“-Taste direkt justiert werden kann; in den Menüs funktioniert das Ändern der Lautstärke nur nach längerem Drücken der „VOL“-Taste, was etwas mühsam ist. Insgesamt gibt es 30 Stufen, bei denen die niedrigste mit sehr empfindlichen In-Ears (je nach Aufnahme) für Leise-Hörer wie mich zwar nicht wirklich leise ist, sich jedoch auch nicht als übertrieben laut herausstellt.
Gapless Playback unterstützt der Player leider nicht, was ich jedoch auch nicht wirklich erwartet habe.











Akkulaufzeit:

Angegeben werden als Akkulaufzeit in etwa 50 Stunden. Explizit getestet habe ich das jetzt nicht, der Wert scheint jedoch realistisch.


Klang:

Zum Hören kamen FLAC-Dateien (44,1 kHz, 16 Bit) zum Einsatz; die am meisten zum Testen verwendeten Kopfhörer waren der Shure SE846, UERM, Ultimate Ears Triple.Fi 10 und Ostry KC06A. Ein paar andere Modelle aus meinem Inventar nutzte ich auch, doch waren die genannten die am häufigsten genutzten.

Frequenzgang, Ausgangsimpedanz:

Ohne Last ist der Frequenzgang perfekt linear:


Das sieht man auch nicht immer. Bei manchen extrem günstigen Mini-Lautsprecher-Verstärkern im Bereich um 50€ habe ich schon Frequenzgänge mit Bass- und/oder Höhenabfall gemessen – der AGPTek Audio-Player hingegen spielt vorbildlich linear.

Widmen wir uns mal der nächsten und deutlich schwierigeren Disziplin, nämlich komplexen Mehrtreiber-In-Ears mit über den Frequenzgang variierendem Widerstand. Jene In-Ears benötigen ein Quellgerät mit niedriger Ausgangsimpedanz (vorzugsweise ein Ohm oder geringer), damit ihr Frequenzgang nicht verfälscht wird.
Gemessen habe ich die Abweichung mit meiner üblichen Mess-Referenz, dem kritischen Ultimate Ears Triple.Fi 10:


Wie man sehen kann, ist die Abweichung vom Ideal mit gerade einmal etwas mehr als einem dB vernachlässigbar – der A06 besitzt hier eine Ausgangsimpedanz vergleichbar mit der des iPhone 4, also im Bereich von einem Ohm, was sehr gut ist.
Niedrige Ausgangsimpedanz: check!

Rauschen:

Sowohl mit dem Shure SE846 als auch Ostry KC06A, zwei meiner am empfindlichsten auf Rauschen reagierenden In-Ears, ist das Grundrauschen bei leeren Dateien sehr gering und nah daran, nicht existent zu sein. Größenmäßig befindet es sich irgendwo zwischen dem Cowon Plenue D und FiiO X3 (erste Generation), zwei Geräten, die bereits beinahe nicht rauschen (der Cowon am wenigsten).
Das Rauschverhalten des A06 ist hier ausgezeichnet!

Auflösung, Präzision, Bühne:

Nun zum subjektiveren Teil meines Reviews. Meine Ansicht und Erfahrung bezüglich Verstärker- und Geräteklang stellt sich wie folgt dar: Verstärker- und Geräteklang gibt es in begrenztem Umfang und er ist hörbar, jedoch sollte er nicht überschätzt werden – die grundlegende Charakteristik eines Kopfhörers wird durch ein (sauber konstruiertes) Gerät nicht verändert, jedoch „formt“ das Wiedergabegerät den Klang des Kopfhörers ein wenig, was sich aber eher in Nuancen ausdrückt und sich oft auch anhand der Eigenschaften oder Messwerte erklären lässt.
Nun also weiter mit meinen subjektiven Eindrücken:

Hier gibt es eigentlich nichts Schlechtes zu berichten – der A06 zeigt sich hier keinerlei Blöße. Verglichen habe ich ihn mit dem Sansa Clip Zip (der für den Preis auch ein sehr tolles Gerät war), der Pegel war dabei bis auf 0,2 dB genau angeglichen (jedoch fand der Test nicht verblindet dar).

Während ich den Sansa immer als minimal dunkel spielend, mit einem geringen Schleier empfinde, klingt der A06 heller und offener, ohne den Schleier des Sansa.
Was ich beim Clip Zip auch an höherwertigen In-Ears feststelle, ist ein etwas weicher klingender Bass – auch dieser ist beim AGPTek fester.
Bedenken sollte man aber auch hier, dass es sich wie bereits erwähnt eher um Nuancen als Welten handelt (wie bei den meisten Vergleichen, die bei angeglichenem Pegel stattfinden – wer sich damit auseinandersetzt, wie unser Gehör abhängig von der Lautstärke „arbeitet“, wird auch schnell feststellen, weshalb das so ist).
Die Bühne des A06 hingegen ist hörbar kleiner als die des Sansa, insbesondere in Sachen Breite.
Die Dynamik des Players ist gut.

Was wir hier haben, ist ein tendenziell „digital“ (jedoch noch immer neutral) spielender Player, der keine Schwächen offenbart und subjektiv besser als ein preislich vergleichbarer Sansa Clip Zip klingt, jedoch mit eher schmaler Bühne.

In sehr leisen Passagen oder bei leeren Audiodateien gibt es etwas Interferenz vom Bildschirm und den Tasten, zudem kann man hören, wie der DAC decodiert – diese Störgeräusche sind jedoch extrem gering ausgeprägt und verschwinden bereits in leisen Passagen der Musik (, zudem verschlechtern sie den Klang nicht). Bei etwas weniger empfindlichen In-Ears sind diese Geräusche gar nicht mehr hörbar.

Bluetooth:

Der Player besitzt Bluetooth 3.0, streamt jedoch nur im SBC-Format, was aufgrund der Lizenzpreise für Streaming über aptX, AAC und MP3 jedoch nicht allzu verwunderlich ist.
Getestet wurde hier mit dem MEE Air-Fi Matrix² sowie X7 Plus.

Der Klang über Bluetooth ist jetzt nicht ganz vergleichbar mit gut harmonierenden Geräten mit aptX als Übertragungs-Codec, doch noch immer sehr ordentlich, ohne allzu viele oder deutliche Kompressions-Artefakte (der Sender-Chip im A06 ist zumindest schon mal ein ganz deutliches Stück besser als der Empfänger-Chip im Brainwavz Kidwavz KV100 oder der Sende-Chip in meinem Laptop). Insgesamt würde ich den Klang über Bluetooth sogar als sehr ordentlich beschreiben, ohne einen deutlichen Verlust an Klangqualität.
Zusätzlich gibt es keine Aussetzer oder Verbindungsabbrüche; die Wiedergabe ist hier ausschließlich über den Ordner-Browser möglich.

FM-Radio:

Zu meiner sehr großen Überraschung ist der Radioempfang recht gut und klar, ohne Rauschen und mit sehr stabilem Empfang.

FM-Radio über Bluetooth:

Dieses Feature macht den Player wohl einzigartig: es ist möglich, mit ihm über Bluetooth Radio zu hören! Dies kann man sogar gänzlich ohne per Kabel angeschlossenen Kopfhörer (als Antenne) machen, hier scheint der A06 eine interne Antenne zu besitzen.
Dies ist recht gut möglich, doch ist die Verbindungs- und Übertragungsqualität dann nicht mehr so gut und es gibt teils Rausch-Aussetzer – Abhilfe schafft hier jedoch ein als Antenne angeschlossener Kopfhörer am Klinkenausgang, dann ist der Empfang auch stabil und beinahe so gut wie über Kabel.


Fazit:

Sehr positiv überrascht war ich von der doch recht intuitiven und flinken Bedienung sowie dem simplen jedoch gut strukturierten Menü. Der Funktionsumfang und die Ausstattung sind bei dem Preis einfach unglaublich (z.B. solides Bluetooth und FM-Radio über Bluetooth), dazu bietet der Player richtig gute Messwerte mit einer geringen Ausgangsimpedanz sowie sehr gutem Rauschverhalten, guten Radioempfang und weist auch klanglich keine Schwächen auf.
Der AGPTek A06 erreicht somit mit Leichtigkeit eine Top-Bewertung von 4.3 von 5 Sternen und eine klare Empfehlung – den Abzug gibt es aufgrund von ein paar Dingen, die etwas störend sind: Ordner werden nicht alphabetisch sondern nach Datum sortiert, die Lautstärkeregelung könnte feiner abgestuft sein („nur“ 30 Stufen), das Verändern der Lautstärke ist ein wenig umständlich, Gapless Playback wird nicht unterstützt.