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AGPTek B03: ein weiterer sehr guter Low-Budget-DAP, diesmal jedoch ohne Bluetooth - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Ich hatte nun schon das Vergnügen, drei Musik-Player von AGPTek testen zu können, von denen mich zwei sehr (A06, C05), einer (C01) jedoch überhaupt nicht überzeugen konnten.
Nun wurde ich vor nicht allzu langer Zeit von Echo von Linging Mart gefragt, ob ich Interesse hätte, auch den B03 zu testen, was ich nicht ausschlug, so mag ich den A06 und C05 trotz ihres geringen Preises klanglich und was die Funktionen betrifft sehr.
Meine Meinung über das Produkt beeinflusst dieser Umstand jedoch nicht und wie bei all meinen Tests, die allesamt unbefangen sind und meine ehrliche Meinung wiederspiegeln, erhalte ich keine Vergütung für das Schreiben.

Die in Brooklyn, New York ansässige Firma AGPTek (http://www.agptek.com/) wurde 2001
gegründet und führt seitdem alle möglichen Artikel, darunter MP3-Player, LED-Lampen, Laptop-Akkus und viele andere in ihrem Sortiment.
Billige MP3-Player gibt es wie Sand am Meer, besonders im asiatischen Raum. Die technische Ausstattung reicht dabei vom simplen Display-losen Player bis hin zu komplexeren Modellen mit Bluetooth, Bildschirm und etwas, das man halbwegs als Nutzeroberfläche bezeichnen könnte. Getestet habe ich einst einen MP3-Player für 1,38€ (ich berichtete: http://kopfhoerer-lounge.blogspot.de/2015/07/cheap.html), der zwar eine recht geringe Ausgangsimpedanz besaß und auch in Sachen Bedienung sehr gut war, klanglich jedoch nicht punkten konnte, so gab es bei der Wiedergabe etwa ein hohes Grundrauschen sowie ständige Störgeräusche.
Der günstige AGPTek B03 besitzt im Gegensatz zu den meisten Billig-Playern eine sehr gute Ausstattung mit Farbdisplay, FM-Radio und erweiterbarem Speicher, im Vergleich zum A06 und C05 fehlt ihm jedoch Bluetooth, was man bei dem Preis aber verschmerzen kann.
Inwieweit sich der B03 vom C05 und A06 unterscheidet und ob er wie diese auch in höchstem Maße empfehlenswert ist, werde ich im Verlauf dieses Reviews herausfinden.

Erhältlich ist der Player bei Amazon für 27,99€ (http://amzn.to/1LN51HC).



Lieferumfang:

Im Karton, auf dessen Oberseite sich ein glänzend blauer AGPTek Schriftzug mit einem Bild des Players befindet und der auf der Rückseite ein paar Tipps zur Bedienung bereithält, befinden sich der Player, ein Micro-USB Kabel zum Laden und Datentransfer sowie eine Schnellstartanleitung und Earbuds.

 




Optik, Haptik, Verarbeitung:

Der B03 ist klein im Format und besitzt ein elegantes Design.
Im Vergleich zum A06 wirkt der Player sowohl optisch als auch haptisch ein ganzes Stück weit hochwertiger, im Vergleich zum C05 aufgeräumter und harmonischer (bei gleicher „Wertigkeit“).
Auf der Vorderseite befinden sich sieben Tasten (zwei für die Lautstärke, drei zur Wiedergabesteuerung, eine zum Zurückgehen, eine zum Aufrufen des Untermenüs), was den Bedienkomfort im Vergleich zum C05 (sechs Tasten) und besonders A06 (fünft Tasten) nochmal steigert; auf der rechten Seite befindet sich wie auch schon vom A06 bekannt ein mechanischer Ein- und Ausschalter. Der Druckpunkt der Tasten des B03 ist etwas besser als beim A06, jedoch nicht ganz zu gut wie beim C05, dafür jedoch lassen sich diese beim B03 besser blind erkennen.
Auf der linken Seite befindet sich der Einschub für Micro SD-Karten (meine 128 GB SanDisk Karte im exFAT Format wurde übrigens problemlos erkannt), intern stehen 8 GB Speicherplatz zur Verfügung; die Unterseite beherbergt den 3,5 mm Klinkenausgang sowie die Micro USB Buchse.
Die Oberfläche des Players besteht aus dem typischen, von vielen anderen Billig-Produkten bekannten Plastik in Soft-Touch Anmutung, ist jedoch etwas härter und deshalb nicht ganz so sehr anfällig gegenüber Kratzern.
Der Bildschirm des Players ist mit dem der beiden anderen identisch, besitzt jedoch eine spürbar dickere und hochwertiger erscheinende Plexiglas-Abdeckung.
Im Gegensatz zu den anderen beiden Playern besitzt der B03 keine Bluetooth-Funktion.

Abgesehen von der Soft-Touch Oberfläche macht der Player einen sehr guten und wertigen Eindruck, zudem ist der Bedienkomfort durch eine zusätzliche Taste (Untermenü-Taste) im Vergleich zum C05 noch etwas besser.




Bedienung, Benutzeroberfläche:

Eine Tastensperre wie beim A06 gibt es übrigens nicht mehr, was mich persönlich jedoch nicht sonderlich stört, da ich diese Funktion sowieso nie nutze.
Im Hauptmenü (welches als 3x3 Raster aufgebaut ist) lässt sich der Player über das Steuerkreuz
navigieren, in den Menüs blättert man hingegen mit den Links- und Rechts-Tasten (die Oben-/Unten-Tasten regeln außer im Hauptmenü überall die Lautstärke). Die Navigation erfolgt nach sehr kurzer Eingewöhnungszeit sehr flüssig und intuitiv, hier benötigt es eigentlich keiner Erklärung. Praktisch ist die „neue“ Taste zum Öffnen der Untermenü-Einstellungen.
Das Hauptmenü besteht aus den Untermenüs „Musik“, „FM Radio“, „Ordneransicht“, „Einstellungen“ (mit vielen verschiedenen Sprachen), „Aufzeichnungen“, „Kalender/Wecker/Stoppuhr“, „Bilder“, „E-Book“ und schließlich „Filme“.
Konzentrieren möchte ich mich hierbei auf den Ordner-Browser, den ich hauptsächlich genutzt habe: in diesem hat man Zugriff auf den externen
Speicher, wobei mehrere Unterordner unterstützt werden (was bei meiner Ordnerstruktur nach
„Interpret -> Jahr -> Album“ wichtig ist). Leider werden die einzelnen Ordner, wie bei vielen anderen Billig-Playern auch, nicht alphabetisch sondern nach Datum des Schreibzugriffs geordnet, was etwas umständlich ist (mit Software wie „FAT Sorter“ soll sich dies umgehen lassen, habe ich gehört).
Der Wiedergabebildschirm zeigt zentral das Albumcover an, darüber wird die Anzahl der Dateien im Unterordner als Titel-Zähler („000X/000Y“) neben der Akkuanzeige abgebildet. Unterhalb des Covers gibt es eine Zeitleiste mit Anzeige der genauen Minuten und Sekunden, dazu werden die Musik-Tags automatisch scrollend eingeblendet. „Folder Play“ ist übrigens konstant aktiviert.
Drückt man die Einstellungen-/Untermenü-Taste (oben rechts), bekommt man die Möglichkeit,
entweder den Wiedergabemodus zu wechseln, einen Equalizer zu aktivieren, die Wiedergabegeschwindigkeit zu verändern (was mehr schlecht als recht funktioniert und Verzerrungen zur Folge hat), die Datei zu löschen, Lesezeichen zu setzen sowie verwalten als auch schließlich die Datei zu einer Playlist hinzuzufügen oder zu löschen.
Insgesamt gibt es 30 Lautstärkestufen (dass man die Lautstärke nun ohne Umwege direkt in allen Menüs einstellen kann, ist ein großes Plus), bei denen die niedrigste mit sehr empfindlichen In-Ears (je nach Aufnahme) für Leise-Hörer wie mich zwar nicht wirklich leise ist, sich jedoch auch nicht als übertrieben laut herausstellt.
Gapless Playback unterstützt der Player leider nicht, was ich jedoch auch nicht wirklich erwartet habe.
Im Vergleich zum A06 und C05 muss das Vorspulen manuell via Klick auf die Mitteltaste gestoppt werden, was zwar etwas umständlich ist, jedoch den Vorteil bietet, dass man verschiedene Spul-Geschwindigkeiten auswählen kann.




Akkulaufzeit:

Bis zu 30 Stunden Akkulaufzeit werden von AGPTek angegeben, was bei der reinen Musikwiedergabe mit per Kabel angeschlossenem Kopfhörer auch als recht realistisch erschien (~ 26-29). Somit hält der Akku zwar nicht ganz so lange wie beim A06, dafür jedoch deutlich länger als beim C05, besonders wenn man das FM-Radio häufig nutzt (hier wird der Akku des C05 sehr schnell „leergesaugt“, wo der B03 und A06 deutlich länger durchhalten).

Klang:

Zum Hören kamen FLAC-Dateien (44,1 kHz, 16 Bit) zum Einsatz; die hauptsächlich zum Testen verwendeten Kopfhörer waren der Shure SE846, Audio Technica ATH-IM03, Ultimate Ears Triple.Fi 10 und RHA T20. Ein paar andere Modelle aus meinem Inventar nutzte ich auch, doch waren die genannten die am häufigsten verwendeten.

Frequenzgang, Ausgangsimpedanz:

Ohne Last ist der Frequenzgang perfekt linear:


Das sieht man (leider) auch nicht immer. Bei manchen extrem günstigen Mini-Lautsprecher-Verstärkern im Bereich um 50€ habe ich schon Frequenzgänge mit Bass- und/oder Höhenabfall gemessen – der AGPTek Audio-Player hingegen spielt vorbildlich linear.

Widmen wir uns mal der nächsten und deutlich schwierigeren Disziplin, nämlich komplexen Mehrtreiber-In-Ears mit über den Frequenzgang variierendem Widerstand. Jene In-Ears benötigen ein Quellgerät mit niedriger Ausgangsimpedanz (vorzugsweise ein Ohm oder geringer), damit ihr Frequenzgang nicht verfälscht wird.
Gemessen habe ich die Abweichung mit meiner üblichen Mess-Referenz, dem kritischen Ultimate Ears Triple.Fi 10:


Wie man sehen kann, ist die Abweichung vom Ideal mit gerade einmal etwas mehr als einem dB recht gering – der C05 besitzt hier eine Ausgangsimpedanz mehr oder weniger vergleichbar mit der des iPhone 4, also im Bereich von einem Ohm (beim AGPTek etwas darüber, ~ 1,5 Ohm), was schon ziemlich gut ist.
Recht niedrige Ausgangsimpedanz: check!

Damit misst sich der B03 in Sachen Ausgangsimpedanz identisch und genauso gut wie der A06 und C05.

Rauschen:

Mit dem Shure SE846, einem meiner Rausch-empfindlichsten In-Ears, ist das Grundrauschen mit leeren Dateien ziemlich gering, jedoch geringfügig stärker als beim A06 ausgeprägt. Insgesamt ist es noch immer gering in seiner Ausprägung, mit dem C05 identisch und etwas weniger präsent als beim iPhone 4.

Auflösung, Präzision, Bühne:

Nun zum subjektiveren Teil meines Reviews. Meine Ansicht und Erfahrung bezüglich Verstärker- und Geräteklang stellt sich wie folgt dar: Verstärker- und Geräteklang gibt es in begrenztem Umfang und er ist hörbar, jedoch sollte er nicht überschätzt werden – die grundlegende Charakteristik eines Kopfhörers wird durch ein (sauber konstruiertes) Gerät nicht verändert, jedoch „formt“ das Wiedergabegerät den Klang des Kopfhörers ein wenig, was sich aber eher in Nuancen ausdrückt und sich oft auch anhand der Eigenschaften oder Messwerte erklären lässt.
Nun also weiter mit meinen subjektiven Eindrücken (die Vergleiche fanden bei messtechnisch angeglichenem Pegel, jedoch nicht verblindet statt):

Auch hier habe ich nichts Schlechtes über den B03 zu berichten, ganz im Gegenteil. Verglichen habe ich ihn mit dem Sansa Clip Zip (der für den Preis auch ein sehr tolles Gerät war) und dem AGPTek A06 sowie C05, die mich klanglich bereits überzeugen und sogar positiv überraschen konnten, trotz des geringen Preises.
Während ich den Sansa immer als minimal dunkel spielend, mit einem geringen Schleier empfinde, klingt der B03 heller und offener, ohne den Schleier des Sansa.
Was ich beim Clip Zip auch an höherwertigen In-Ears feststelle, ist ein geringfügig weicher klingender Bass – auch dieser ist beim AGPTek subjektiv eine Spur fester.
Bedenken sollte man aber auch hier, dass es sich wie bereits erwähnt eher um Nuancen als Welten handelt (wie bei den meisten Vergleichen, die bei angeglichenem Pegel stattfinden – wer sich damit auseinandersetzt, wie unser Gehör abhängig von der Lautstärke „arbeitet“, wird auch schnell feststellen, weshalb das so ist).
Vergleiche ich den B03 mit dem C05, erscheint mir der C05 geringfügig fester im Bass, der B03 hingegen minimal transparenter und auf den Punkt neutral, ohne minimalst auf der helleren Seite zu stehen (dabei handelt es sich aber wirklich nur um Nuancen, die in einem verblindeten Test wahrscheinlich verschwinden würden).

Was im Vergleich zum Quasi-Vorgänger, dem A06, auffällt, ist dass die geringen Störgeräusche vom DAC/Bildschirm/den Tasten in Verbindung mit extrem empfindlichen In-Ears beim B03, wie auch schon beim C05, gänzlich fehlen, weshalb diese mit sehr empfindlichen In-Ears noch etwas sauberer als der A06 klingen.
Das „Timbre“ des B03 ist subjektiv neutraler als bei den minimalst heller spielenden A06 und C05 Playern, mit einer dem C05 ebenbürtigen Bühnengröße, die also durchschnittlich groß und mit der des Sansa vergleichbar ist, im Vergleich zu der etwas schmaleren seitlichen Ausdehnung des A05.

Klanglich ist am B03, wie auch schon bei den beiden anderen AGPTek Playern (den miserablen C01 lasse ich mal außen vor), gar nichts billig und sie spielen sehr sauber, transparent und ohne erkennbare Mängel.

FM-Radio:

Zu meiner sehr großen Überraschung ist der Radioempfang recht gut und klar, ohne Rauschen und mit sehr stabilem Empfang. Die Qualität ist mit der der anderen beiden Player identisch, nur scheint der Empfang noch stärker zu sein, denn mit dem B03 empfange ich mehr weiter entfernte Sender als mit dem A06, wodurch er mit dem C05 identisch ist.


Fazit:

Wer auf Bluetooth verzichten kann, bekommt mit dem B03 einen tadellosen Player von AGPTek. Die Menüs sind nachvollziehbar strukturiert, die Verarbeitung ist (abgesehen von der Soft-Touch Oberfläche) trotz des Preises gut (besonders positiv erwähnenswert ist die gute Bildschirmabdeckung) und die Tastenanordnung ist intuitiv, mit gut möglicher „Blindbedienung“.
Das Gesamtpaket mit Farbbildschirm, internem sowie erweiterbarem Speicher als auch FM-Radio und Ordnernavigation ist hier sehr gut und auch klanglich kann der Player sehr überzeugen – was will man mehr für gerade einmal etwas weniger als 30€?

Damit erreicht der B03 ohne Probleme 4.5 von 5 möglichen Sternen und auf der Kritik-Liste stehen lediglich das Fehlen von Gapless Playback, die geringstmögliche Lautstärke zum sehr-leise-Hören mit empfindlichen In-Ears (jedoch nur für Leise-Hörer wie mich, hier bin ich einfach von der Lautstärkeskalierung des iBasso DX90 verwöhnt) sowie die interne Sortierung der Dateien nach Datum statt Alphabet.

GearBest