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AGPTek C05: überraschend viel Klang und Ausstattung für wenig Geld - [Review] 🇩🇪

Prolog:

AGPTeks deutsche Vertretung, Linking Mart, hat mich gefragt, ob ich daran interessiert sei, ein unbefangenes, ehrliches Review zum C05 zu schreiben, wozu ich einwilligte. Der Player wurde mir daraufhin für einen ehrlichen Test kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Die in Brooklyn, New York ansässige Firma AGPTek (http://www.agptek.com/) wurde 2001
gegründet und führt seitdem alle möglichen Artikel, darunter MP3-Player, LED-Lampen, Laptop-Akkus und viele andere in ihrem Sortiment.
Billige MP3-Player gibt es wie Sand am Meer, besonders im asiatischen Raum. Die technische Ausstattung reicht dabei vom simplen Display-losen Player bis hin zu komplexeren Modellen mit Bluetooth, Bildschirm und etwas, das man halbwegs als Nutzeroberfläche bezeichnen könnte. Getestet habe ich einst einen MP3-Player für 1,38€ (ich berichtete: http://kopfhoerer-lounge.blogspot.de/2015/07/cheap.html), der zwar eine recht geringe Ausgangsimpedanz besaß und auch in Sachen Bedienung sehr gut war, klanglich jedoch nicht punkten konnte, so gab es bei der Wiedergabe etwa ein hohes Grundrauschen sowie ständige Störgeräusche.

Der brandneue AGPTek C05 besitzt im Gegensatz zu den meisten Billig-Playern eine sehr gute Ausstattung mit Farbdisplay, FM-Radio, Bluetooth und erweiterbarem Speicher, dazu besitzt er auch die einzigartige Funktion (wie schon einst der A06), Radio über Bluetooth wiederzugeben.
Allgemein wird er als weiterentwickelter Nachfolger des A06 gehandelt, der mich bereits schon mit guten Messwerten und einem sauberen Klang überraschen konnte (siehe http://kopfhoerer-lounge.blogspot.de/2016/02/AGPTek-A06.html), jedoch auch ein paar Dinge an sich hatte, die mir nicht so sehr gefielen (wie etwa der Lautstärkeregelung, die erst nach langem Drücken einer Taste aktiviert wurde). Inwieweit sich der C05 verbessert hat und ob es auch Kategorien gibt, in denen er schlechter als sein Vorgänger ist, gilt es hier herauszufinden.

Erhältlich ist der Player bei Amazon für 39,99€ (http://amzn.to/1LmVx5m).



Lieferumfang:
Im Karton, auf dessen Oberseite sich ein glänzend blauer AGPTek Schriftzug mit einem Bild des Players befindet und der auf der Rückseite ein paar Tipps zur Bedienung bereithält, befinden sich der Player, ein Micro-USB Kabel zum Laden und Datentransfer sowie eine Schnellstartanleitung. Die weißen Earbuds, die man von anderen AGPTek Playern kennt (und die eigentlich sogar recht ordentlich klingen), sind beim C05 nicht inkludiert.






Optik, Haptik, Verarbeitung:

Der C05 ist nochmal etwas flacher als der A06, was zwar zu einer schickeren, eleganteren Form beiträgt, sich jedoch auch bei der Akkulaufzeit bemerkbar macht. Im Vergleich zu seinem Vorgänger wirkt der C05 sowohl optisch als auch haptisch ein ganzes Stück weit hochwertiger und auch der Druckpunkt der Tasten ist angenehmer (hier gibt es nun beim neuen Modell neben eigenen Lautstärketasten (endlich!) auch einen separaten Menü-Knopf; der mechanische Ein-/Aus-Schieber wurde entfernt). Verzichtet hat man beim neuen DAP zwar auf die Trageschlaufenaufnahme, doch besteht das Gehäuse nunmehr nur noch aus zwei Teilen, wodurch der Player glatter und besser zusammenhängend ist.
Der Bildschirm des Players ist mit dem des Vorgängers identisch.
Auf der linken Seite befindet sich der Einschub für Micro SD-Karten (meine 128 GB SanDisk Karte im exFAT Format wurde übrigens problemlos erkannt), intern stehen 8 GB Speicherplatz zur Verfügung; die Unterseite beherbergt den 3,5 mm Klinkenausgang sowie die Micro USB Buchse.
Die Oberfläche des Players besteht aus dem typischen, von vielen anderen Billig-Produkten bekannten Plastik in Soft-Touch Anmutung, ist jedoch etwas härter und deshalb nicht ganz so sehr anfällig gegenüber Kratzern.

Haptisch (die Tasten) und optisch ist der C05 schon ein Fortschritt gegenüber dem A06 und sieht nicht mehr ganz so sehr wie ein Billig-Produkt aus.




Bedienung, Benutzeroberfläche:

Eine Tastensperre wie bei der Vorgängerversion gibt es übrigens nicht mehr, was mich jedoch nicht sonderlich stört, da ich diese Funktion sowieso nie nutze.
Auf der Haupt-Ebene befindet sich oben links eine kleine Digitaluhr, oben rechts die Akkuanzeige.
Im Menü (welches als 3x3 Raster aufgebaut ist) lässt sich der Player über das Steuerkreuz navigieren, in den Menüs blättert man hingegen mit den Links- und Rechts-Tasten (die Oben-/Unten-Tasten regeln außer im Hauptmenü überall die Lautstärke). Die Navigation erfolgt nach sehr kurzer Eingewöhnungszeit sehr flüssig und intuitiv, hier benötigt es eigentlich keiner Erklärung.
Das Hauptmenü besteht aus den Untermenüs „Musik“, „Bluetooth“, „Ordneransicht“, „Einstellungen“ (mit vielen verschiedenen Sprachen), „Aufzeichnungen“, „Kalender/Wecker“, „Bilder“, „E-Book“ und schließlich „UKW-Radio“.
Konzentrieren möchte ich mich hierbei auf den Ordner-Browser, den ich hauptsächlich genutzt habe: in diesem hat man Zugriff auf den internen und externen Speicher, wobei mehrere Unterordner unterstützt werden (was bei meiner Ordnerstruktur nach „Interpret -> Jahr -> Album“ wichtig ist). Leider werden die einzelnen Ordner, wie bei vielen anderen Billig-Playern auch, nicht alphabetisch sondern nach Datum des Schreibzugriffs geordnet, was etwas umständlich ist.
Der Wiedergabebildschirm zeigt zentral das Albumcover an, darüber wird die Anzahl der Dateien im Unterordner als Titel-Zähler („000X/000Y“) abgebildet. Unterhalb des Covers gibt es eine Zeitleiste mit Anzeige der genauen Minuten und Sekunden, dazu werden die Musik-Tags automatisch scrollend eingeblendet. „Folder Play“ ist übrigens konstant aktiviert.
Hält man die Menü-Taste lange gedrückt, bekommt man die Möglichkeit, entweder den Wiedergabemodus zu wechseln, einen Equalizer zu aktivieren, die Datei zu löschen, Lesezeichen zu setzen sowie verwalten als auch schließlich die Datei zu einer Playlist hinzuzufügen, zu löschen oder einen Sleep-Counter einzustellen.
Insgesamt gibt es 30 Lautstärkestufen (dass man die Lautstärke nun ohne Umwege direkt in allen Menüs einstellen kann, ist ein großes Plus), bei denen die niedrigste mit sehr empfindlichen In-Ears (je nach Aufnahme) für Leise-Hörer wie mich zwar nicht wirklich leise ist, sich jedoch auch nicht als übertrieben laut herausstellt.
Gapless Playback unterstützt der Player leider nicht, was ich jedoch auch nicht wirklich erwartet habe.

Im Prinzip also alles wie beim Vorgänger, nur mit separaten Lautstärketasten und der Speicherung von einst verbundenen Bluetooth-Geräten.








Akkulaufzeit:

Bis zu 12 Stunden Akkulaufzeit werden von AGPTek angegeben, im Alltag jedoch erreichte ich diese nicht ganz.


Klang:

Zum Hören kamen FLAC-Dateien (44,1 kHz, 16 Bit) zum Einsatz; die am meisten zum Testen verwendeten Kopfhörer waren der Shure SE846, UERM, Sennheiser IE 800, Ultimate Ears Triple.Fi 10, Pai Audio MR3 und Ostry KC06A. Ein paar andere Modelle aus meinem Inventar nutzte ich auch, doch waren die genannten die am häufigsten genutzten.

Frequenzgang, Ausgangsimpedanz:

Ohne Last ist der Frequenzgang perfekt linear:


Das sieht man auch nicht immer. Bei manchen extrem günstigen Mini-Lautsprecher-Verstärkern im Bereich um 50€ habe ich schon Frequenzgänge mit Bass- und/oder Höhenabfall gemessen – der AGPTek Audio-Player hingegen spielt vorbildlich linear.

Widmen wir uns mal der nächsten und deutlich schwierigeren Disziplin, nämlich komplexen Mehrtreiber-In-Ears mit über den Frequenzgang variierendem Widerstand. Jene In-Ears benötigen ein Quellgerät mit niedriger Ausgangsimpedanz (vorzugsweise ein Ohm oder geringer), damit ihr Frequenzgang nicht verfälscht wird.
Gemessen habe ich die Abweichung mit meiner üblichen Mess-Referenz, dem kritischen Ultimate Ears Triple.Fi 10:


Wie man sehen kann, ist die Abweichung vom Ideal mit gerade einmal etwas mehr als einem dB recht vernachlässigbar – der C05 besitzt hier eine Ausgangsimpedanz vergleichbar mit der des iPhone 4, also im Bereich von einem Ohm, was schon ziemlich gut ist.
Niedrige Ausgangsimpedanz: check!

Damit misst sich der C05 in Sachen Ausgangsimpedanz identisch und genauso gut wie der A06.

Rauschen:

Sowohl mit dem Shure SE846, Ostry KC06A oder PaiAudio MR3, drei meiner Rausch-empfindlichsten In-Ears, ist das Grundrauschen mit leeren Dateien relativ gering, jedoch geringfügig stärker als beim A06 ausgeprägt. Insgesamt ist es noch immer recht gering in seiner Ausprägung und in etwa auf dem Niveau des iPhone 4.

Auflösung, Präzision, Bühne:

Nun zum subjektiveren Teil meines Reviews. Meine Ansicht und Erfahrung bezüglich Verstärker- und Geräteklang stellt sich wie folgt dar: Verstärker- und Geräteklang gibt es in begrenztem Umfang und er ist hörbar, jedoch sollte er nicht überschätzt werden – die grundlegende Charakteristik eines Kopfhörers wird durch ein (sauber konstruiertes) Gerät nicht verändert, jedoch „formt“ das Wiedergabegerät den Klang des Kopfhörers ein wenig, was sich aber eher in Nuancen ausdrückt und sich oft auch anhand der Eigenschaften oder Messwerte erklären lässt.
Nun also weiter mit meinen subjektiven Eindrücken (die Vergleiche fanden bei messtechnisch angeglichenem Pegel, jedoch nicht verblindet statt):

Auch hier habe ich nichts Schlechtes über den C05 zu berichten, ganz im Gegenteil. Verglichen habe ich ihn mit dem Sansa Clip Zip (der für den Preis auch ein sehr tolles Gerät war) und dem AGPTek A06, der mich klanglich bereits überzeugen und sogar positiv überraschen konnte.
Während ich den Sansa immer als minimal dunkel spielend, mit einem geringen Schleier empfinde, klingt der C05 heller und offener, ohne den Schleier des Sansa.
Was ich beim Clip Zip auch an höherwertigen In-Ears feststelle, ist ein etwas weicher klingender Bass – auch dieser ist beim AGPTek subjektiv eine Spur fester.
Bedenken sollte man aber auch hier, dass es sich wie bereits erwähnt eher um Nuancen als Welten handelt (wie bei den meisten Vergleichen, die bei angeglichenem Pegel stattfinden – wer sich damit auseinandersetzt, wie unser Gehör abhängig von der Lautstärke „arbeitet“, wird auch schnell feststellen, weshalb das so ist).

Was im Vergleich zum Vorgänger, dem A06, auffällt, ist dass die geringen Störgeräusche vom DAC/Bildschirm/den Tasten in Verbindung mit extrem empfindlichen In-Ears beim neuen C05 nun gänzlich verschwunden sind – bei diesem hört man auch mit den sensitivsten In-Ears nur noch die Musik und keine minimalen Störeinflüsse/Artefakte mehr (auch wenn diese beim A06 sehr leise waren, konnte man sie manchmal und insbesondere bei niedriger Lautstärke geringfügig hören).
Das Timbre des C05 ist subjektiv mit dem des Vorgängers identisch, doch hat der neuere DAP in meinen Ohren die etwas größere Bühne, die nun durchschnittlich groß und mit der des Sansa vergleichbar ist.
Der A06 klingt für mich subjektiv ganz minimal, eine Rasierklingendicke detaillierter (womöglich durch sein geringfügig geringeres Rauschen), dennoch ist der C05 extrem gut und insgesamt durch das Fehlen der DAC-Artefakte objektiv betrachtet besser (und die Unterschiede stellen sich, wie gesagt, im Direktvergleich mit angeglichenem Pegel als extrem marginal und vernachlässigbar sowie nur mit starker Konzentration hörbar dar) – klanglich ist am C05 zumindest mal gar nichts „billig“ und ich finde ihn mit dem A06 vergleichbar sowie klanglich einwandfrei sauber.

Was wir hier haben, ist ein tendenziell „digital“ (jedoch noch immer neutral) spielender Player, der keine Schwächen offenbart und subjektiv für mich besser als mein preislich vergleichbarer Sansa Clip Zip klingt.

Bluetooth:

Der Player besitzt Bluetooth 3.0, streamt jedoch nur im SBC-Format, was aufgrund der Lizenzpreise für Streaming über aptX, AAC und MP3 jedoch nicht allzu verwunderlich ist.
Getestet wurde hier mit dem MEE Air-Fi Matrix² sowie X7 Plus.
Der Klang über Bluetooth ist jetzt nicht ganz vergleichbar mit gut harmonierenden Geräten mit aptX als Übertragungs-Codec, doch noch immer sehr ordentlich, ohne allzu viele oder deutliche Kompressions-Artefakte (der Sender-Chip im C05 ist zumindest schon mal ein ganz deutliches Stück besser als der Empfänger-Chip im Brainwavz Kidwavz KV100 oder der Sende-Chip in meinem Laptop). Insgesamt würde ich den Klang über Bluetooth sogar als sehr ordentlich beschreiben, ohne einen deutlichen Verlust an Klangqualität.
Zusätzlich gibt es keine Aussetzer oder Verbindungsabbrüche; die Wiedergabe ist hier ausschließlich über den Ordner-Browser möglich.

Alles also wie beim Vorgänger, nur werden verbundene Geräte nun automatisch gespeichert und verbunden.

FM-Radio:

Zu meiner sehr großen Überraschung ist der Radioempfang recht gut und klar, ohne Rauschen und mit sehr stabilem Empfang. Die Qualität ist mit der des Vorgängers identisch, nur scheint der Empfang noch stärker zu sein, denn mit dem C05 empfange ich mehr weiter entfernte Sender als mit dem A06.

FM-Radio über Bluetooth:

Dieses Feature macht den Player wohl einzigartig: es ist möglich, mit ihm über Bluetooth Radio zu hören! Dies kann man sogar gänzlich ohne per Kabel angeschlossenen Kopfhörer (als Antenne) machen, hier scheint der C05, wie der A06, eine interne Antenne zu besitzen.
Dies ist recht gut möglich und im Vergleich zum Vorgänger ist ein als Antenne angeschlossenes Kabel oder ein Ohrhörer nicht mehr notwendig, der Empfang des C05 ist auch „nackt“ sehr gut und stabil.


Fazit:


Ich denke, ich kann hier ruhigen Gewissens sagen, dass der C05 ein legitimer Ersatz/„Nachfolger“ des beliebten SanDisk Sansa Clip +/Zip ist und sogar in Sachen Funktionsumfang und Ausstattung einige weitere Funktionen zu bieten hat (abgesehen davon, dass es keine RockBox Unterstützung gibt).
Der größte Kritikpunkt, den ich beim Vorgänger, dem A06, hatte, nämlich das Fehlen richtiger Lautstärketasten, wurde beim Nachfolger behoben, bei einem identisch guten Klang mit der gleichen geringen Ausgangsimpedanz und einem nahezu gleich niedrigen Grundrauschen, dazu ist der Funktionsumfang bei dem Preis einfach surreal gut (solides Bluetooth, FM-Radio über Bluetooth).
Damit erreicht der Player ohne Probleme 4.5 von 5 möglichen Sternen und auf der Kritik-Liste stehen lediglich das Fehlen von Gapless Playback, die geringstmögliche Lautstärke (jedoch nur für Leise-Hörer wie mich) und die Sortierung der Dateien nach Datum statt Alphabet.