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FLC Technology FLC8s: hybrides Flaggschiff mit 36 unterschiedlichen Klangsignaturen - [Review] 🇩🇪


Prolog:

Es gibt viele universelle In-Ears mit austauschbaren Klangfiltern, die eine (manchmal mehr und manchmal weniger deutliche) Anpassung des Klanges an den eigenen Geschmack zulassen, doch gab es keinen einzigen, der bis zu 36 Filterkombinationen ermöglichte – zumindest bis jetzt, denn der FLC Technology FLC8s bietet tatsächlich drei Filtergruppen, die zusammen 36 Möglichkeiten zur Kombination bilden.
FLC Technology (flctechnology.com) ist eine chinesische Firma, die 2011 von Forrest Wei gegründet wurde. Die Buchstaben F, L und C stehen dabei übrigens für „Glück kommt hier“. Forrest hat vor FLC etliche Jahre bei namhaften Audioherstellern als Ingenieur gearbeitet (in seiner Vita stehen so etwa Ultimate Ears, Jabra, MWM Acoustics und Harman), und diese Erfahrung wird definitiv bei seinen Kreationen ersichtlich. Vor dem FLC8s gab es von FLC Technology einen maßgefertigten hybriden In-Ear, der die gleiche patentierte Filter-Technologie besaß.
Was den FLC8s auch von den meisten anderen hybriden In-Ears unterscheidet, ist, dass er im Gegensatz zu diesen, welche eine koaxiale Treiber-Anordnung besitzen, bei der die Mittel- und Hochtontreiber vor dem dynamischen Basstreiber sitzen und in einem einzige, großen Schallaustritt enden, ein vor dem Schallröhrchen endendes Dual-Bore Design besitzt, welches die individuelle Feinabstimmung der einzelnen Treiber ermöglicht.

 Mein herzlichster Dank gilt Forrest Wei sowie Lend Me UR Ears für das Bereitstellen eines Exemplars der In-Ears für einen ehrlichen, unbefangenen Testbericht.


Technische Daten:

Preis: ~ 308€ (http://www.lendmeurears.com/flc8s-red/)
Empfindlichkeit: 107 dB/mW @ 1000 Hz
Frequenzgang: 20 – 20000 Hz
Treiber: 1x 8,6 mm dynamisch, 2x Balanced Armature
Impedanz: 8 Ohm
Kabellänge: 1,2 m


Über hybride In-Ears:

Wie man den technischen Daten bereits entnehmen kann, unterscheidet sich der FLC8s von den meisten gängigen In-Ears und setzt nicht lediglich auf dynamische oder Balanced Armature Schallwandler, sondern kombiniert beide – bei ihm handelt es sich um einen hybriden In-Ear, einer in den letzten Jahren vermehrt aufkommenden Bauweise.

Die meisten In-Ears verwenden dynamische Treiber für die Audiowiedergabe. Diese haben den Vorteil, ohne allzu großen Aufwand das gesamte für den Menschen hörbare Frequenzspektrum abzudecken und ebenfalls ohne große Mühe einen stark angehobenen Bassbereich zu erzielen. Hochwertigen dynamischen In-Ears wird allgemein ein körperhafter, musikalischer Bassbereich nachgesagt, der im Ausklang jedoch meist eher weich als hart und analytisch ist. Im Gegensatz zu anderen Wandlerprinzipen besitzen dynamische Treiber jedoch meist auch eine etwas niedrige Detailauflösung.

Im höherpreisigen und professionellen Bühnenbereich findet man fast nur In-Ears mit Balanced Armature Treibern vor, welche in der Regel eine höhere Auflösung als ihre dynamischen Konsorten besitzen und sehr detailreich, schnell, präzise und auch sehr pegelfest aufspielen, was insbesondere für Bühnenmusiker von Bedeutung ist. Auf der Schattenseite steht, dass ein einzelner BA-Treiber kaum oder nur mit größerem Abstimmungsaufwand den größten Teil des hörbaren Frequenzspektrums abdecken kann und dabei nur mit größerem Aufwand, wie mehreren und voluminösen Treibern für den Tiefton in der Lage ist, extremere Betonungen zu erzielen. Einige Menschen empfinden den Klang von In-Ears mit BA Treibern auch als analytisch, leblos, klinisch oder kalt (in meinen Jahren der Mitgliedschaft, Reviews und Kaufberatung in einem großen deutschen Onlineforum für Audio sind mir diese Begriffe schon mehrfach in Bezug auf die Wahrnehmung von BA-basierten In-Ears, insbesondere bezogen auf den Tiefton,  begegnet).

Hybride In-Ears vereinen die positiven Aspekte aus beiden Welten und setzen auf einen dynamischen Schallwandler für die tiefen Frequenzen und mindestens einen BA Wandler für die mittleren und hohen. Dadurch bleien der Körper und der oft als „musikalisch“ beschriebene Charakter des dynamischen Basses und die Detailauflösung und Präzision des Balanced Armature Mittelhochtöners erhalten – und auf genau diese hybride Technologie setzt FLC Technology mit seinem FLC8s und spricht damit diejenigen an, welche den klinisch-schnellen Bass eines BA-Treibers als unnatürlich empfinden, jedoch die Auflösung, Schnelligkeit und Präzision in den Mitten und Höhen beibehalten wollen.


Lieferumfang:

Zu einem hochwertigen Produkt gehört für mich persönlich auch eine ansprechende Verpackung, und hier enttäuscht FLC Technology definitiv nicht.
Rein äußerlich ist der etwas größer ausfallende, überraschend schwere und stabile Karton eher

schlicht in seiner eher blassen Sand-Farbe und den silbern glänzenden Logos gehalten, bietet dafür jedoch eine recht interessante und durchdachte Art, ihn zu öffnen, worauf bereits unten links der Pfeil mit der „open here“ Beschriftung hinweist. Die Vorderseite ist magnetisch befestigt und lässt sich ähnlich wie eine Truhe nach oben/hinten aufklappen, woraufhin der Blick auf die In-Ears, welche in blauem Schaumstoff eingebettet sind, freigegeben wird. Drückt man schräg hinten auf den Schaumstoff, lässt sich dieser entnehmen und man kann die In-Ears entfernen; darunter befindet sich eine große Kunststoff-Pinzette zum einfacheren Entnehmen sowie Anbringen der Klangfilter. Eine Schnellstartanleitung, welche unter anderem die Filter erklärt, befindet sich auch unter dem Schaumstoff.
Auf der Vorderseite zeigt ein weiterer Pfeil mit „open here“ Beschriftung auf die linke Seite, welche sich nach hinten klappen lässt; danach kann man die obere Ebene mit dem Schaumstoff nach rechts weg-klappen, was ich persönlich ziemlich cool finde. Im Innenraum der zweiten Ebene findet man wieder blauen Schaumstoff vor, welcher die große Aufbewahrungsdose für die In-Ears sowie den kleinen Aufbewahrungszylinder mit den Filtern enthält.
In einer Plastiktüte befinden sich zusätzlich noch ein 6,35 mm auf 3,5 mm Adapter, ein Reinigungs-Utensil, ein Flugzeugadapter, vier Paare an schwarzen Silikonaufsätzen, vier Paare an weißen Silikonaufsätzen sowie schließlich sechs Ersatz-Filter für den Bassbereich.










Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die In-Ears sind in zwei Farben erhältlich (rot oder blau), recht klein und aus Kunststoff gefertigt,
was mir nicht aufgefallen wäre, wenn ich es nicht zufällig irgendwo im Internet gelesen hätte, denn ich habe die Gehäuse der FLC8s tatsächlich für Metall gehalten, da sie sich sehr stabil anfühlen, sehr gut lackiert sind (wodurch sie den Anschein erwecken, aus Metall gefertigt zu sein) und der verwendete Kunststoff von sehr hoher Qualität ist, zudem kann man am Spalt, an dem die Gehäuse-Hälften miteinander verbunden sind, keine Klebestelle erkennen.
Auf der Innenseite befindet sich das Loch für die Tiefbass-Filter; ebenso findet man hier gut lesbar sowohl auf den In-Ears als auch auf dem Kabel die Seitenmarkierung vor. Auf der Außenseite sieht man das Loch für die Bass-Filter; die Filter für den Mittel- und Hochton bestehen aus Metall und werden in die Schallaustrittsöffnung geschraubt.
Bis auf die Mittel-/Hochtonfilter sind die Kunststoff-/Gummi-Filter für den Tiefton sehr klein und einfach zu verlieren, weshalb das Wechseln dieser möglichst mit ruhiger Hand in einem hellen Raum und im Sitzen erfolgen sollte.



Das Kabel ist dunkelblau, abnehmbar und besitzt das gleiche 2-Pin Stecksystem wie die Ultimate Ears Triple.Fi 10 (0,75 mm Durchmesser der Pins). Obwohl es den typischen, verdrillten, vieradrigen Standard aus dem professionellen Bereich besitzt, ist es ein wenig Feder-artig (jedoch gleichzeitig noch recht biegsam) und besitzt einen Kinn-Schieber, der so abnormal fest und eng sitzt, dass er sich nur mit Mühe bewegen lässt. Zu allem Überfluss ist das Kabel auch noch sehr mikrofonisch, dazu jedoch mehr im nächsten Abschnitt „Tragekomfort, Isolation“.




Die Aufbewahrungsdose aus Metall gefällt mir sehr gut: für den voll-portablen Einsatz mag sie zwar vielleicht ein wenig schwer sein, doch wirkt sie auch sehr hochwertig, massiv und besitzt ein sehr präzise geschnittenes Gewinde. Außen wirkt das matte Gunmetal-Blau Finish sehr schön, innen ist die Dose rundum mit weichem Stoff ausgepolstert, was mir persönlich bei Etuis sehr wichtig ist.
Der kleine blaue Zylinder mit den Tuning-Filtern erinnert mich sehr stark an den meines Shure SE846, doch bietet der des FLC8s den Vorteil, dass sich die Filter-Elemente in einen Gummi-Block gesteckt befinden und somit die Gefahr, sie zu verlieren, gemindert wird.


Tragekomfort, Isolation:


Die In-Ears sind ziemlich klein und lassen sich sehr gut und einfach in die Ohren einsetzen, danach sitzen sie sehr sicher und bequem, wozu auch der Winkel des Steckers beiträgt. Mit meinen recht großen Ohren habe ich sowieso fast nie Komfort-Probleme mit In-Ears, mit dem FLC8s sollten jedoch auch Menschen mit (sehr) kleinen Ohren einen bequemen als auch sicheren Sitz erreichen können.
Die In-Ears werden wie die meisten Modelle in diesem Preissegment mit den Kabeln über den Ohren getragen, was üblicherweise den Halt sowie Sitz verbessert und Kabelgeräusche drastisch mildert – leider trifft letzteres jedoch hier nicht zu, denn das Kabel des FLC ist ziemlich mikrofonisch für eines seiner Bauart und überträgt bereits bei kleinen Berührungen und Bewegungen deutliche Geräusche – schade! Hinter dem Kopf zusammengeführt und dann über die Schulter gelegt wird die Mikrofonie etwas gemildert, ist jedoch noch immer stärker ausgeprägt, als sie eigentlich sein könnte und sollte.

Die Isolation ist etwas besser als durchschnittlich, jedoch nicht deutlich. Außengeräusche werden trotzdem ein wenig stärker abgedämpft als bei vielen anderen belüfteten In-Ears.


Klang:


Als Quellgeräte dienten mir zum Testen der iBasso DX90, Leckerton UHA-6S.MKII, FiiO X3 (erste Generation) sowie LH Labs Geek Out IEM 100. Das Musikmaterial lag dabei hauptsächlich im FLAC Format (verlustfreie Rips meiner CDs in 16 Bit/44,1 kHz) vor, jedoch kamen auch Hi-Res-, DSD- und MP3-Dateien zum Einsatz.
Gehört habe ich mit den größten weißen Silikonaufsätzen aus dem Lieferumfang.

Tonalität:

Die große Frage, die sich mir beim Testen stellte, war „wie beschreibe ich hier am besten einen In-Ear, bei dem durch Kombination der Filter 36 Klangsignaturen möglich sind?“.
Entschieden habe ich mich dann schließlich dafür, die einzelnen Filter und deren Wirkung vorzustellen und dann schließlich ein paar Klangbeschreibungen bestimmter Filter-Kombinationen zu geben.

Insgesamt gibt es 10 Filter-Paare, die an drei verschiedenen Frequenzbereichen ansetzen und so bis zu 36 Klangsignaturen ermöglichen (3 x 3 x 4 = 36). Dabei gibt es drei Filterpaare für den Tiefbass („ULF“), die auf der Innenseite eingesetzt werden, drei Filterpaare für den Bassbereich („LF“) für die Außenseite sowie schließlich vier Filterpaare, die in das Schallröhrchen geschraubt werden und sich auf den Mittel- und Hochtonbereich („MF/HF“) auswirken.

Die Filter tabellarisch dargestellt:


ULF
LF
MF/HF



Clear = Minimum
Clear = Minimum
Blue = Minimum HF
Grey = Medium
Grey = Medium
Gunmetal = Medium MF & HF
Red = Maximum
Black = Maximum
Green = Medium MF & Maximum HF


Gold = Maximum MF & Medium HF


Nachfolgend noch ein paar Frequenzgangs-Messungen der verschiedenen Filter und dem Effekt, den sie auf den Frequenzgang haben. Die Farben der Graphen repräsentieren dabei auch die Farben der Filter.
Die Graphen entstammen meinem Vibro Veritas Messequipment, welches ich so kalibriert habe, dass es mehr oder minder ähnlich dem eines echten IEC 711-Kupplers ist und in vielen Fällen auch brauchbare Resultate liefert, wie hier. In der Kalibration enthalten ist auch eine angewandte Diffusfeld-Kompensation.
Die Resultate sollen mehr als grobe Veranschaulichung denn als laboratorisch exakte Werte dienen und sind natürlich nicht ganz so genau wie mit professionellem Messequipment (etwa bei 3, 6 sowie 9 kHz gibt es manchmal stärkere Abweichungen). Deshalb sollte besonders der Hochton mit etwas Vorsicht betrachtet werden.

ULF-Filter:

(ULF-Filter  I  Grey  I  Gold)



LF-Filter:

(Grey  I  LF-Filter  I  Gold)




MF-/HF-Filter:

(Grey  I  Grey  I  MF-/HF-Filter)





Ganz klar im Fokus dieser In-Ears steht die Möglichkeit der individuellen Klanganpassung mithilfe der Filter, mit denen man insgesamt 36 verschiedene (3 x 3 x 4) Kombinationen und Klangsignaturen bilden kann. Zum Wechseln der Filter wird eine große Pinzette aus Kunststoff mitgeliefert, die sich im Alltag jedoch nicht wirklich als hilfreich für mich herausstellte, denn mit meinen (sehr kurzen; < 0,5 mm) Fingernägeln gelang das Handling und Einsetzen/Wechseln der kleinen Elemente präziser, ist allgemein dennoch eine ziemliche Fummelei. Hier wäre eine kleinere Pinzette, möglicherweise mit Spitzen aus Gummi oder mit Widerhaken, vielleicht besser.

Weiter geht es nun also mit einer kleinen Auswahl diverser Filter-Kombinationen, wobei die Darstellung wie folgt aussieht: [ULF]/[LF]/[MF/HF]

01: Grey/Grey/Gold:
Dies ist die Filter-Kombination, mit der die In-Ears ausgeliefert wurden.
Der Klang stellt sich hier wie folgt dar: von 500 Hz abwärts beginnt die Bassbetonung, welche gleichmäßig und flach ansteigt und erst unter 100 Hz, im Midbass, ihren Höhepunkt mit etwa 6 dB nördlich von neutralem Klang (Etymotic ER-4S) erreicht; der Mid- und Tiefbass sind dann gleichmäßig sowie flach angehoben und auch im Tiefbass rollt der Pegel unterhalb von 30 Hz nicht ab. Der Bassbereich ist somit präsent, jedoch nicht überakzentuiert und fügt sich harmonisch ein.
Die Mitten sind um 1 kHz gleichmäßig etwas angehoben, mit einem etwas größeren Fokus auf den oberen Mittelton, was die Details bei Stimmen etwas stärker hervorhebt, aber auch minimal Sibilanten betont, wenn die Aufnahme nicht ganz sauber ist. Tonal ist der Mittelton in meinen Ohren jedoch korrekt, mit einer nur ganz minimalen Tendenz zum Hellen (der DN-2000J ist in den Mitten etwa minimal heller). Ab dem Präsenzbereich über 2 kHz sinkt der Pegel langsam gleichmäßig ab und bildet in den mittleren Höhen um 5 kHz eine breitere, etwas stärkere Senke, die für eine gute Langzeit-Hörbarkeit ohne Ermüdung sowie unaufdringliche Mitten sorgt und bei einigen In-Ears deshalb in der Abstimmung vorhanden ist (vergleichbar ist sie mit der Senke des FA-3E, jedoch ist sie auch nicht so stark ausgeprägt wie bei meinem W4R, sodass die Mitten und mittleren Höhen nicht tendenziell muffig sondern „normal mit etwas entspanntem, nicht vordergründigem Charakter“ klingen). Ab etwa 6,5 kHz steigt der Pegel wieder an und formt im oberen Hochton bei 8 kHz einen Peak, der geringfügig über der Null-Linie liegt und nicht nervt. Im Superhochton reicht der Pegel noch ohne wirklichen Abfall bis 12 kHz und beginnt dann abzurollen, was in Ordnung geht. Subtiles „Glitzern“ oberhalb von 10 kHz kann der In-Ear also noch authentisch wiedergeben und ich vermisse eigentlich auch nichts in Sachen Hochtonumfang, auch wenn es andere Modelle mit BA-Treibern gibt, die noch ein wenig höher kommen, bevor der Abfall beginnt.
Im Alltag stellt sich diese Art von tonalem Tuning als sehr angenehm dar – der Bassbereich ist etwas akzentuiert, jedoch nicht vordergründig, Stimmen bekommen durch die moderate Betonung einen gut durchhörbaren Charakter, der etwas zurückgesetzte Pegel in den mittleren Höhen garantiert für eine gute Langzeittauglichkeit ohne Ermüden und die kleine Betonung in den oberen Höhen fällt kaum auf, auch wenn Schlagwerk minimal heller klingt.

02: Grey/Clear/Blue:
Den Klang in dieser Filter-Kombination würde ich als recht neutral mit sanftem, dunklem Hochton

bezeichnen.
Der Bass ist etwas präsenter als mit einer Clear/Clear/MF-HF Kombination (etwa 2 dB nördlich von neutral unterhalb von 80 Hz), rollt dafür im Gegensatz zu dieser im Tiefbass auch nicht ab.
Der Mittelton ist hierbei ebenfalls breitbandig ein wenig angehoben, betont jedoch die oberen Mitten nicht; Stimmen befinden sich auf der dunklen sowie entspannten Seite und Sibilanten kann man zu keiner Zeit hören. Der mittlere Hochton befindet sich hierbei auch im Hintergrund, jedoch noch ein wenig stärker, wodurch der Eindruck des entspannten Mittel- und Hochtons noch verstärkt wird (mir persönlich ist der mittlere Hochton hierbei schon zu entspannt und geht an dieser Stelle in Richtung des Westone W4R). Der obere Hochton befindet sich nun auch klar im Hintergrund und macht den Klang dunkel.
Wer einen ausgewogenen Mittel- sowie Tiefton mag und eine abfallende Kurve im Hochton präferiert, könnte Gefallen an dieser Filterkonfiguration finden.

03: Red/Black/Blue:
Der Klang in dieser Filter-Kombination ist eine vom Tiefbass zu den oberen Höhen recht

gleichmäßig abfallende Linie und erinnert ein wenig an die Referenz-Kurve aus dem Car-Hi-Fi.
Die Betonung im Tiefton beginnt wieder bei etwa 500 Hz und steigt ab da schnurgerade, ohne Buckel nach unten in den Tiefbass an, wo der Pegel bei 30 Hz um die 9,5 dB nördlich von neutral ist. Der Midbass ist etwas weniger präsent und der Kickbass mit etwa 5,5 dB ebenfalls, mit einem gleichmäßig abfallenden Grundton. Aufgrund dieser Charakteristik fügt sich der Bassbereich schön natürlich und unauffällig in das Klangbild ein, ohne dass der Kickbass zusammen mit dem Grundton den Fokus auf sich zieht, da die hauptsächliche Betonung im Mid- und Tiefbass stattfindet. Aufgrund dessen hält sich der Bass auch schön aus den Mitten heraus.
Der Mittelton ist hierbei nicht mehr geringfügig betont und befindet sich wie bei der vorigen Grey/Clear/Blue Kombination auf der etwas dunklen, entspannten Seite. Der Hochton ist mit der vorigen Filterkombination identisch.
Für einen sanften, entspannten, bassbetonten Klang mit „Kellerrumpeln“ ist diese Filterkombination gut geeignet.

04: Red/Grey/Gold:
Diese Filterkombination bringt den Tiefbass hervor, bei gleichzeitig detaillierten Mitten und

korrekten Höhen.
Der Tiefton ist der Kombination Red/Black/Blue recht ähnlich, doch kommt bei dieser, der Red/Grey/Gold Kombination, der Tiefbass noch besser zur Geltung, da sowohl der Grundton als auch Kickbass etwas weniger präsent sind. Der Bass kickt dabei etwas weniger und konzentriert sich mehr auf das „Kellerrumpeln“.
Der Mittelton um 1 kHz ist nur ganz geringfügig angehoben und klingt in meinen Ohren tonal korrekt. Der mittlere Hochton ist wie bei der ersten Kombination etwas zurückgesetzt und sorgt für eine gute Langzeittauglichkeit. Der obere Hochton ist hierbei recht natürlich und klingt nicht angehoben, sondern auf den Punkt genau.
Für einen Klang mit ausgewogenem Mittel- und Hochton sowie einem etwas angehobenen Tiefbass mit eher wenig Kickbass und Grundton ist diese Filterkombination sehr gut.

05: Red/Black/Green:
In dieser Filterkombination ist der Klang der In-Ears eine Badewannenabstimmung.

Der Bass ist mit der dritten Kombination (Red/Black/Blue) recht identisch und stellt einen etwas angehobenen regulären Bassbereich mit Kickbass und Grundton dar, wobei der Fokus auch ein wenig stärker auf dem Tiefbass liegt.
Der Mittelton um 1 kHz ist nur ganz geringfügig angehoben und steht insgesamt betrachtet, wenn man den Bassbereich und Hochton mit einbezieht, sogar im Hintergrund und klingt ein wenig dünn, jedoch nicht hohl oder detailarm.
Der mittlere Hochton steht mit dem grünen Filter weitaus weniger im Hintergrund; der obere Hochton besitzt bei 8 kHz einen klar hörbaren Peak, der jedoch noch immer human ist und nicht zischelt oder sticht, solange man bei moderater Lautstärke hört. Sibilanten werden jedoch etwas stärker betont und können bei manchen Aufnahmen zum deutlichen Zischeln neigen.
Für Liebhaber von Badewannen-Abstimmungen ist diese Filterkombination gut geeignet.

06: Clear/Clear/Gold:
Diese Filterkombination ist eine der empfohlenen aus der Schnellstartanleitung und wird als „Vocal“

bezeichnet – was sehr treffend ist, denn sie ist Stimm-fokussiert.
Der Bassbereich ist recht wenig präsent und größtenteils neutral, zumindest im oberen Midbass, Kickbass, unteren sowie oberen Grundton. Im mittleren Grundton gibt es eine geringfügige Betonung und der Tiefton beginnt im Midbass ab etwa 50 Hz, abzurollen.
Der Mittelton steht hier etwas im Vordergrund, mit einer Präferenz der oberen Mitten, weshalb sich diese Filterkombination gut für weibliche Stimmen eignet. Männliche Sänger hingegen klingen etwas dünn.
Der Hochton ist identisch mit der ersten Kombination (Grey/Grey/Gold).
Für Musikstücke mit hauptsächlich weiblichen Sängern ist diese Filterkombination empfehlenswert, wenn man die Stimmen etwas in den Vordergrund bringen möchte.

07: Grey/Clear/Gunmetal:
Dies ist die Filterkombination, die ich beim FLC8s als Referenz-Tuning erachte und als jemand, der
neutralen Klang liebt und den Etymotic ER-4S in Sachen tonalem Tuning als Referenz ansieht (tonal ist der ER-4S näher an idealer Neutralität als mein maßgefertigter UERM), auch als ziemlich neutral empfinde und sage, dass der FLC8s mit dieser Filterkombination dem Etymotic tonal größtenteils wirklich recht nah kommt.
Kickbass, Midbass und der untere Grundton sind ganz marginal präsenter als bei einer Clear/Clear/Gunmetal Kombination, bei welcher der Tiefbass jedoch etwas abrollt, weshalb ich die Grey/Clear/Gunmetal Kombination als etwas besser und Referenz-gleicher betrachte. Ansonsten ist der Klang frei von etwaiger unnötiger Wärme und der Bassbereich ist sehr gleichmäßig, „flach“, ohne Betonung.
Der Mittelton kommt ziemlich auf den Punkt genau und spielt in meinen Ohren tonal korrekt, ohne Einfärbungen.
Der mittlere Hochton befindet sich auch ein Stück im Hintergrund, jedoch etwas weniger als beim goldenen Filter und wirkt dadurch weniger entspannt. Der obere Hochton ist hierbei auch nur noch ganz geringfügig oberhalb der Null-Linie.
Für einen eher sterilen, sehr neutralen Klang ist diese Filterkombination ideal (ich persönlich liebe sie).

Für die weiteren Vergleiche dienten hauptsächlich die erste und siebte Filterkombination.

Auflösung:

Das Auflösungsvermögen dieses In-Ears ist einfach schlichtweg sehr hoch für den Preis und ich sage hierbei sogar, dass der FLC8s im Mittel- und Hochton der Detailaufdeckung meines UERM sehr nah kommt und fast gleich ziehen kann – lediglich im Hochton spielt der UE ein kleinwenig differenzierter und im oberen Hochton trotz des Peaks realistischer (der FLC klingt hier ein minimal gepresst/platt), in den Mitten sind beide In-Ears jedoch in etwa gleichauf und der FLC8s deckt im Bereich der Stimmen enorm viele Details auf und klingt nicht minder unbeschwert, natürlich und präzise als der UERM (ehrlich gesagt, wenn nicht sogar ein Stück besser und detaillierter als der UE). Das ist schon ganz großes Kino und nach gut zwei Monaten fast täglicher Nutzung bin ich noch immer von der Detailwiedergabe des FLC8s sehr positiv überrascht. Feine Details in den Mitten und Höhen stellen für den In-Ear kein Problem dar und minutiöse Details werden sehr fein dargestellt. Dass die Sprachverständlichkeit extrem hoch ist, muss ich hier eigentlich gar nicht mehr erwähnen, denn dies ist aus dem Kontext heraus schon ersichtlich.
Im Tiefton sieht es dann wiederum ein wenig anders aus, aber das liegt schlichtweg an den
unterschiedlichen Wandler-Prinzipen: der Bass des FLC8s ist zwar sehr schnell und knackig, kommt jedoch nicht ganz an die Präzision des BA-Basses des UERM heran und kann bei sehr schnellem Musikmaterial auch nicht ganz so gut die Detailfülle und Kontrolle des BA-Basses behalten. Vom Charakter merkt man dem Basstreiber schon an, dass es sich um keinen Balanced Armature Treiber handelt, doch ist dies nicht immer deutlich – bei mittelmäßig schnellen Aufnahmen fällt der Unterschied nicht großartig auf, obgleich der Bass des FLC8s nicht ganz so punktgenau kommt wie der des UERM sondern mehr im Raum steht.
Was Forrest Wei hier aber neben der Auflösung auch wirklich sehr gut gelungen ist, ist die Kohäsion der  drei Treiber, denn sie harmonieren wirklich sehr gut miteinander und passen perfekt zusammen, ohne dass der dynamische Treiber in Sachen Präzision irgendwie negativ auffällt sondern einfach etwas körperhafter spielt und sich gleichmäßig einfügt.

Räumliche Darstellung:

Die einzige Disziplin, in der sich der FLC8s noch Blöße geben könnte, meistert er auch bravourös: die Bühne des FLC8s ist ziemlich groß und in der seitlichen Ausdehnung in etwa vergleichbar mit der meines UERM und somit auch etwas breiter als beim DUNU DN-2000J. In die Tiefe geht die Bühne des FLC auch gut, jedoch besitzt der In-Ear etwa ein Viertel weniger Tiefe als Breite und spielt damit nicht so tief wie der DUNU oder UE. In Sachen dreidimensionaler Präsentation und Natürlichkeit hinterlässt der FLC8s dennoch einen positiven Eindruck und klingt sehr harmonisch.
Was die Instrumentenseparation und räumliche Präzision betrifft, spielt der In-Ear sehr stark auf, denn einzelne Elemente, seien sie noch so klein, werden messerscharf getrennt – fast genauso gut wie bei meinem UERM. Der FLC8s besitzt zudem eine genauere Instrumentenseparation als der DN-2000J, dessen Bühne eigentlich schon sehr gut ist.

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Im Vergleich mit anderen hybriden In-Ears in drei-Treiber-drei-Wege-Konfiguration:

Oriveti Primacy:
Der Oriveti Primacy ist ein sehr guter hybrider In-Ear, der durch seinen sanften, jedoch gleichzeitig detaillierten und (im positiven Sinn) nicht aufregenden Klang sowie die makellose Verarbeitung überzeugen kann. Klanglich kommt der Primacy sehr nah an den DN-2000J, was für seine Qualität spricht.
Dem FLC8s gelingt es, noch ein wenig mehr Details im Mittel- und Hochton aufzudecken, dazu klingt der dynamische Bass des FLC noch etwas besser und vor allem nahtlos in das System integriert, da er qualitativ beinahe so gut wie die beiden BA-Treiber ist (beim Primacy ist der Bassbereich minimal weniger hoch auflösend als der Mittel- und Hochton, obwohl der Klang auch stimmig und kohärent ist
).
Die Bühne des FLC ist noch etwas größer als die des Oriveti und besitzt insbesondere auch etwas mehr Tiefe. In Sachen Instrumentenseparation, -darstellung sowie räumlicher Präzision ist der FLC8s auch der Sieger.

DUNU DN-2000J:
Der DN-2000J ist ein enorm guter hybrider In-Ear und kann unter anderem auch durch seinen besonderen Bass überzeugen, der gleichzeitig sehr schnell sowie präzise als auch fühlbar und körperhaft daherkommt (ähnlich dem Tiefton meines Audeze LCD-X) und in den Mitten und Höhen durch seine hohe Auflösung überzeugt.
Nun, der FLC8s löst nochmal ein Stückchen höher auf (jedoch nicht deutlich) als der DUNU und besitzt auch einen nochmals minimal schnelleren als auch festeren Bass, obwohl der des DN-2000J bereits schon ziemlich schnell für einen hybriden In-Ear ist. Was der FLC jedoch nicht besitzt, ist der Charakter des DN-2000J-Basses, der jedoch auch ziemlich einzigartig und unerreicht für sich ist – dafür ist der FLC8s jedoch insgesamt der technisch und klanglich etwas bessere In-Ear.
Die Bühne des FLC8s ist geringfügig breiter als die des DUNU, jedoch auch etwas weniger tief. In Sachen Bühnenpräsentation spielt der FLC noch etwas genauer als der DN-2000J, mit der präziseren Instrumententrennung und -darstellung.

UPQ Q-music QE80 (OEM-Version des Fidue A83):
Der FLC8s ist durch seine Tuning-Filter in Sachen tonaler Abstimmung vielseitiger, wird jedoch immer die geringer ausgeprägte Grundtonwärme besitzen.
Der FLC, den ich insgesamt schon als ganz geringfügig besser als den DUNU einstufe, übertrifft den UPQ hier auch. Der Bass des FLC8s ist schneller und fester als der des QE80, welcher jedoch den schöneren Körper generiert (was jedoch auf Kosten der Schnelligkeit geht). In Sachen Detailauflösung ist der FLC ebenfalls besser, mit der ebenfalls höheren Detailauflösung im Mittelton.
Einzig im oberen Hochton klingt der QE80 durch seine breitbandiger ausfallende Betonung etwas natürlicher und echter.
Die Bühne des FLC ist etwas breiter, bei etwa gleicher Tiefe. In Sachen räumlicher Präzision gewinnt der In-Ear mit 36 möglichen Klangsignaturen ebenfalls.
Sieg für den FLC8s in allen Kategorien bis auf die Natürlichkeit in den oberen Höhen.


Fazit:

Der FLC8s ist nicht nur ein sehr guter hybrider In-Ear, sondern klanglich definitiv ein hybrides Flaggschiff. Sehr überzeugen können die In-Ears durch ihre Präzision, Bühnendarstellung, Auflösung (besonders im Mittelton) und Vielseitigkeit. Natürlich ist das Wissen, 36 mögliche Klangsignaturen zu haben, richtig toll, im Alltag hat man jedoch eher höchstens vier Filterkombinationen, die man mag und vielleicht gelegentlich etwas anpasst. Bei den vielen filigranen Filtern sollte man auch aufpassen, denn man kann sie schnell verlieren – hierbei ist der FLC8s eher ein In-Ear für Enthusiasten als ein massentaugliches Produkt, was jedoch auch gut so ist, so zeigt er, was technisch anhand mehrerer Filterkombinationen möglich ist.
Was leider gar nicht zum Klang passt, der schon beinahe im Territorium des UERM spielt, ist das Kabel, denn dieses ist sehr mikrofonisch für eines von seiner Bauweise.


Klanglich erzielt der In-Ear so locker 5 von 5 Sternen – bei einer 70%-Klang-zu-30%-Rest-Gewichtung schafft es der FLC8s durch sein Kabel jedoch leider „nur“ auf 4,5 von 5 Sternen. Mit einem anderen (weniger mikrofonischen und dafür flexibleren) Kabel wäre der In-Ear sehr einfach ein 5-von-5-Sterne-Produkt; aber auch so gibt es für den Klang eine ganz klare Empfehlung.