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Echobox Finder X1: spaßig abgestimmte In-Ears aus Titan - [Review] 🇩🇪



Prolog:

Echobox Audio (echoboxaudio.com) ist eine sehr neue amerikanische Firma, die sich auf portable Hi-Fi-Produkte spezialisiert hat. Im vergangenen Jahr hat das Startup-Unternehmen mit Hilfe der Community auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo sehr erfolgreich seine ersten beiden Produkte finanziert, welche ein dynamischer In-Ear für 199 sowie ein digitaler Audio-Player für 499$ sind; weitere Ideen und Produkte für die Zukunft sind auch bereits in Planung.
Aufmerksam wurde ich auf die kleine Firma, als vor etlichen Monaten der erste digitale Design-Entwurfs des Explorer X1 vorgestellt wurde, bei dem es sich um einen Streaming-Player mit einem recht ungewöhnlichen Design handelt: der DAP mit Touchscreen besitzt die Form eines Flachmanns, ein Wagnis und Novum im Bereich der digitalen Audio-Player. Während der Vorbesteller-Phase habe auch ich ein Exemplar vorbestellt (ich berichtete: http://kopfhoerer-lounge.blogspot.de/2015/12/Echobox.html), vielleicht verfasse ich auch ein kleines Review, wenn ich die Zeit und Lust dazu habe.
Bis dahin folgt dieser Test von Echobox‘ erstem In-Ear, dem Finder X1, welcher komplett aus Titan gefertigt ist und drei verschiedene Filter-Paare zur individuellen Klanganpassung (in gewissen Grenzen) bietet.


Wie bei den meisten chinesischen Audio-Ingenieuren wird euch der Name "Tang" wohl nichts sagen, doch war es genau dieser Mann, der schon etliche Jahre in der professionellen Audio-Entwicklung tätig ist und für namhafte Hersteller Kopfhörer kommerziell entwickelt hat, aus dessen Händen der Finder X1 stammt. Ja, die In-Ears sind keine gelungene Zufalls-Entwicklung, sondern wurden von einem professionellen Menschen geschaffen, der sich auf seinem Einsatzgebiet bestens auskennt.


Mein Dank gilt George Gill von Echobox Audio für das Bereitstellen eines Finder X1 In-Ears für einen ehrlichen, unbefangenen Test.


Technische Daten:

UVP: 199$
Treiber: 9,2 mm dynamisch
Impedanz: 22 Ohm
Empfindlichkeit: 96 dB
Frequenzgang: 15 Hz – 35 kHz
THD: < 1%
Kabellänge: 1,2 m


Lieferumfang:

Die Verpackung, in welcher der Finder X1 kommt, ist ziemlich cool: auf der Vorderseite zeigt sie ein glänzendes, in den Farben des Regenbogens schillerndes Bild der In-Ears (alle Bilder und der gesamte Text der Verpackung zeigt den gleichen, etwas schwächer ausgeprägten Regenbogeneffekt), vor planetarischem Hintergrund. Die Rückseite gibt Informationen über das Kabel, den Treiber sowie das Gehäuse. Im Inneren findet man dann die In-Ears, ein stabiles Aufbewahrungsetui, die Klangfilter, eine Schnellstartanleitung, eine Garantiekarte sowie sechs Paare an Silikon-Aufsätzen (1x Doppel-Flansch, 1x Dreifach-Flansch, 4x Einfach-Flansch (1x S, 2x M, 1x L)) vor. Zusätzlich befanden sich auch noch drei Paare an Comply Foam Aufsätzen in der Versandverpackung meines Exemplars.
Die Auspackerfahrung ist recht ansprechend und gefällt mir.





Optik, Haptik, Verarbeitung:


Die In-Ears sind aus Titan gefertigt und dadurch sehr leicht und stabil. Die Gehäuse sind sehr klein und kegelförmig, in ihnen ist auch ein farbiger Knickschutz aus Gummi optisch unauffällig integriert und dient neben den klassischen Buchstaben als Seitenmarkierung.
Das versilberte Kabel ist verdrillt und dann mit einem klaren Mantel versiegelt; die Flexibilität ist gut und an allen Stellen gibt es einen guten, vorbildlichen Knickschutz. Praktisch finde ich, dass oberhalb des Y-Splitters, am Kinn-Schieber, die linke Seite des Kabels nochmals durch einen kleinen, fühlbaren Punkt markiert wird.
Die Gewinde für die Filter sind genau geschnitten, weshalb das Anbringen und Entfernen einfach ist.
Die In-Ears wirken sehr hochwertig und schön gemacht.



Gut gefällt mir auch das Aufbewahrungsetui.



Die Silikonaufsätze könnten zwar etwas steifer und dicker sein, doch gibt es eine kleine Sache, die mir sehr gut an ihnen gefällt: in die Aufsätzen eingearbeitet ist der Echobox-Schriftzug zusammen mit einer Größenbezeichnung.




Tragekomfort, Isolation:

Die kleinen Gehäuse aus Titan sind sehr leicht und die In-Ears lassen sich dementsprechend auch in kleinen Ohren gut positionieren (was mir mit meinen großen eigentlich egal sein kann).
Das Kabel kann man sowohl klassisch nach unten sowie professionell über die Ohren geführt tragen, wobei ich wie üblich die letztere Variante ob des verbesserten Sitzes sowie Halts empfehle, außerdem werden Kabelgeräusche dadurch in Verbindung mit dem Kinn-Schieber beinahe gänzlich eliminiert.

Die Geräuschisolation ist besser als durchschnittlich.


Klang:

Die meiste Zeit über nutze ich zum Hören den iBasso DX80, LH Labs Geek Out IEM 100 sowie HiFiMe 9018d.
Das Quellmaterial lag hauptsächlich im 16 Bit, 44,1 kHz FLAC-Format vor.
Gehört habe ich mit den großen Einfach-Flansch Silikonaufsätzen.

Tonalität:



Der Finder X1 kommt mit drei Filterpaaren, die dabei in begrenztem Umfang die Tonalität bezüglich des Hochton-Pegels beeinflussen. Die Filter wirken sich dabei eigentlich hauptsächlich auf den Hochtonbereich aus, mit allen klingt der Finder jedoch bassstark und badewannig.

Schwarze Filter („Referenz“):
Von 600 Hz an abwärts steigt der Pegel relativ geradlinig an und formt im Midbass bei etwa 60 Hz den Zenith, steigt genaugenommen gen Tiefbass jedoch nochmals minimal an. Mit ca. 15 dB im Midbass fällt die Betonung dabei sehr stark aus; da der Kickbass bei 100 Hz und der untere Grundton jedoch etwas weniger betont sind, wirkt der Bassbereich zwar sehr stark, jedoch nicht überaus mächtig wie bei vielen anderen In-Ears, die eine ähnlich stark ausgeprägte Betonung besitzen – was auch gut so ist, denn mit einem mächtigeren, Buckel-artigen Grundton wäre der Finder zu basslastig. So, wie er ist, würde ich den Tiefton als "bassig richtig gemacht" bezeichnen.
Die Mitten ordnen sich typisch für eine Badewannenabstimmung etwas im Hintergrund ein, sind jedoch tonal recht gut gemacht, ohne etwa dass der Bass deutlich in die tieferen Stimmlagen hineinstrahlt – Stimmen klingen tonal richtig und nicht verfärbt, werden durch die Abstimmung jedoch etwas distanziert dargestellt. Der Präsenzbereich nach 1 kHz ist Pegel-mäßig ziemlich korrekt; ab 2,5 kHz steigt der Pegel gleichmäßig an und bildet bei 8 kHz mit einer Betonung von etwa 8 dB den Höhepunkt. Danach und im Superhochton rollt der Pegel recht schnell ab; hier würde ich mir etwas mehr subtiles Glitzern oberhalb von 10 kHz wünschen.
Sibilanten sind bei dieser Abstimmung auch ein wenig betont, zischeln jedoch nicht übermäßig, wenn man eher moderat oder leise hört.
Sehr positiv überrascht und erfreut war ich davon, dass der Mittelton tonal sehr gut gemacht ist.

Rote Filter („Hochton“):
Mit den roten Hochton-Filtern erlangen die oberen Frequenzen noch etwas mehr Präsenz, klingen metallischer und Sibilanten werden stärker akzentuiert. Der Klang wird schärfer und der Mittelton klingt etwas hohl. Wer bei höherer Lautstärker hört und/oder eine Hochtonphobie besitzt, wird mit dieser Filterkombination eher nicht klarkommen.

Silberfarbene Filter („Bass“):
Mit diesen Filtern, die an den In-Ears standardmäßig installiert sind, ist der Hochton verhältnismäßig am flachsten und Sibilanz wird hörbar gemildert, doch gibt es noch immer einen angehobenen („splashigen“, noch leicht metallischen und hellen) oberen Hochton (der Pegel steigt auch hier gleichmäßig ganz langsam von den unteren in die oberen Höhen an), doch klingen die oberen Frequenzen mit diesem Filter am gleichmäßigsten und natürlichsten.
Dass genau diese Filterkombination standardmäßig installiert ist, wundert mich somit also gar nicht.

Persönliche Randnotiz: Im Gegensatz zu vielen In-Ears sind beim Finder X1 der Präsenzbereich und die mittleren Höhen nicht etwas zurückgesetzt sondern gleichmäßig ansteigend betont, was für Menschen, die von der Art von In-Ears kommen, die im mittleren Hochton entspannter sind, zuerst ein kleinerer Kulturschock sein könnte. Als jemand, der sehr gern mit dem sehr neutralen Etymotic ER-4S hört, der im mittleren Hochton neutral und nicht zurückgesetzt ist, war die Gewöhnung an den präsenteren Hochton des Finder kein allzu großes Problem. Durch den ansteigenden Pegel in den Höhen klingt der X1 heller sowie vordergründiger als viele Modelle und durch den auch recht korrekten Präsenzbereich geht der In-Ear auch recht kritisch mit schlechten Aufnahmen um.
Wer eher leise Musik hört und mit vordergründigen, hellen Höhen kein Problem hat, sollte mit der Spaß-Signatur des Finder gut zurechtkommen.
Da ich recht leise Musik höre, komme ich auch noch mit den roten Filtern klar, die beste Langzeittauglichkeit bieten jedoch die silberfarbenen, da sie am wenigsten sibilant sind und auch die geringsten Ermüdungserscheinungen hervorrufen. Deshalb bevorzuge ich insgesamt auch die silberfarbenen am meisten, da sie in den Höhen die am realistischsten klingenden Filter sind, obwohl der Klang in den oberen Frequenzlagen noch immer auf der hellen Seite ist.

Auflösung:

Bei einer solchen, recht starken Bassbetonung nicht zu viel Kontrolle und Auflösung einzubüßen, ist oft recht schwierig, doch dem Finder X1 gelingt dies recht gut. Trotz der starken Betonung ist der Tiefton nicht zu weich, obwohl der Einschlag ein wenig langsamer als üblich ist. Dafür ist der Bass jedoch sehr kontrolliert, relativ sauber und schwingt auch verhältnismäßig schnell aus. Das Impulsverhalten des Tieftons ist hierbei gut und Bässe klingen sehr gut texturiert sowie durch den geringfügig weicheren Charakter auch ein wenig körperhaft.
Die Mitten behalten recht gut Autorität und gehen nicht unter; Details bei Sängern werden recht gut aufgedeckt, auch wenn es ein wenig mehr Feingefühl und Nähe geben könnte (wofür jedoch hier größtenteils die Abstimmung verantwortlich ist).
Der Hochton ist in Ordnung, klingt durch die Betonung jedoch ein wenig metallisch und könnte bei schnellem Material ein kleinwenig feiner zeichnen.
Die allgemeine Kontrolle sowie Dynamik könnten auch ein wenig besser sein, was durch die tonale Abstimmung jedoch in Ordnung geht und der In-Ear demnach noch immer klar gut klingt und ich ihn auch empfehlen würde, wenn jemand diese Art von Klangsignatur sucht.
In Verbindung mit der makellosen Verarbeitung und dem guten Lieferumfang ist die Auflösung sehr ordentlich, auch wenn ich den Klang für sich allein betrachtet in etwa 30$ niedriger, um 170$ herum, ansehe. Dass es sich beim X1 um ein Erstlingswerk handelt, merkt man jedoch definitiv nicht. Ja, im Gesamtpaket ist der In-Ear definitiv seine 199$ wert und könnte auch mehr kosten.

Räumliche Darstellung:

Die Bühne ist relativ rund, mit nur minimal mehr Breite als Tiefe. Größen-mäßig würde ich sie als vielleicht geringfügig größer als durchschnittlich beschreiben.
In Sachen Instrumententrennung und Staffelung schlägt sich der X1 recht ordentlich, kann jedoch „Leere“ nicht so gut darstellen. Bei schneller und komplexer Musik ist die Kontrolle trotz der starken (Tief-) Bassbetonung noch überraschend gut.

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Im Vergleich mit anderen dynamischen In-Ears:

Sennheiser IE 80:
Der IE 80 besitzt den fetteren, dunkleren Grundton und kickt im Oberbass ein kleinwenig mehr, besitzt weniger Mid- und Tiefbass (Schraube geschlossen). Die Mitten sind beim X1 korrekter. Die unteren Mitten des IE 80 sind recht füllig und verleihen ihm etwas Muffigkeit zusammen mit den etwas zurückgesetzten oberen Mitten. Hier ist der X1 im Mittelton viel besser abgestimmt.
Die Bassgeschwindigkeit ist beim X1 etwas höher, wenn auch nicht deutlich. Dafür besitzt der Finder jedoch die klar bessere Kontrolle und matscht bei schnellem Material viel weniger.
Insgesamt löst der X1 höher als der Sennheiser auf.
Die Bühne des IE 80 ist größer, die Instrumententrennung beim X1 jedoch etwas besser.

RHA T20:
Der T20 besitzt mehr Kickbass und etwas mehr unteren Grundton, im tieferen Mid- und Tiefbass ist der Finder jedoch präsenter.
Der X1 besitzt hörbar mehr Präzision im Bass (der T20 „rumpelt“ manchmal etwas im Kickbass und klingt etwas unkontrolliert bei schnellen Bässen, obwohl er für einen dynamischen In-Ear nicht langsam spielt).
In Sachen Auflösung sind beide in etwa vergleichbar, wobei der T20 im Mittelton etwas feiner spielt und der X1 dann die höhere Bassqualität mit einer besseren Textur und Kontrolle besitzt.
In Sachen Bühnendarstellung ähneln sich beide auch, obwohl der RHA etwas breiter spielt.

DUNU Titan 5:
Der auch badewannig abgestimmte Titan 5 besitzt hörbar weniger Bass, der Hochton hingegen ist in etwa vergleichbar, auch wenn der Titan hier etwas natürlicher in den oberen Frequenzen klingt.
Der DUNU löst etwas höher auf und spielt ein wenig differenzierter.
Der Bass beim Titan 5 ist etwas schneller, in Sachen Kontrolle sind beide in etwa gleichauf.
Die Bühne des Titan 5 ist etwas feiner gestaffelt und in Sachen Größe ziemlich gleich mit der des Finder.


Fazit:


Der Echobox Finder X1 ist ein guter Spaßhörer mit Badewannenabstimmung und kombiniert eine sehr gute Verarbeitungsqualität mit einem soliden Klang, an dem man für einen In-Ear mit dynamischem Treiber und mit dieser Art von tonaler Abstimmung nicht viel kritisieren kann. Eine Abneigung gegen eine starke, gleichmäßig ansteigende Betonung beider Frequenz-Enden sollte man jedoch nicht besitzen, wenn man sich für den Finder entscheidet.
Was ich mir persönlich wünsche, ist ein Filter, der den Bassbereich wirklich absenkt, denn nach längerem Hören ist dieser schon recht mächtig. Für manche wäre ein Filter, der den Hochton noch etwas dämpft, sicher auch wünschenswert, doch kann man da auch selbst recht gut Hand anlegen, da sich zwischen dem Treiber im Inneren und dem Filter ein Hohlraum befindet, den man z.B. mit ein wenig Watte füllen und somit bedämpfen kann. Ein kleines Behältnis zum Aufbewahren der Filter wäre auch nicht ganz verkehrt.
Als Spaß-Hörer kann der Finder X1 zumindest gut überzeugen.

Bei einer 70%-Klang/Gegenwert-zu-30%-Rest-Gewichtung schafft es der Finder auf 86,7% oder 4,335 von 5 möglichen Sternen.


Eine persönliche Randnotiz: Obwohl dies normalerweise nicht die Klangsignatur ist, welche ich in geschlossenen Räumen bevorzuge, liebe ich den Finder X1 gänzlich beim portablen Einsatz im Freien, wo ich eine Badewannenabstimmung des Öfteren recht häufig zu schätzen weiß. Ja, diese In-Ears sind für mich die perfekten, mitreißenden, mal so gar nicht neutralen "Spaßhörer" mit gut gemachtem Mittelton und dynamischem Treiber, einem guten Klang, mit sehr guter Verarbeitung und zu einem vernünftigen Preis.
Es gibt nicht sehr viele dynamische In-Ears, von denen ich behaupten kann, dass ich sie wirklich liebe (TE-02, M3, Titan Reihe, LHF-AE1d) - auf den Finder X1 trifft dies jedoch zu.


Ein großes Lob an George, Sam und insbesondere Tang, dem genialen Mann, der diese In-Ears entwickelt hat!


///07.03.2016: Informationen über den Entwickler dieser In-Ears hinzugefügt.

///30.05.2017: Da die UVP nun nur noch 149$ beträgt, kann ich den In-Ear bedenkenlos als klaren Spaßhörer empfehlen, hatte ich doch geschrieben, dass ich etwa 170$ als preislich "spot-on" für die Leistung empfinde.