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AGPTek C1: eine durch und durch miserable Musik-Uhr - [Review] 🇩🇪

Prolog:

AGPTeks deutsche Vertretung, Linking Mart, hat mich gefragt, ob ich daran interessiert sei, ein ehrliches, unbefangenes Review zum C1 zu schreiben, wozu ich einwilligte. Der Player wurde mir daraufhin für einen ehrlichen Test kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Die in Brooklyn, New York ansässige Firma AGPTek (http://www.agptek.com/) wurde 2001
gegründet und führt seitdem alle möglichen Artikel, darunter MP3-Player, LED-Lampen, Laptop-Akkus und viele andere in ihrem Sortiment.
Billige MP3-Player gibt es wie Sand am Meer, besonders im asiatischen Raum. Die technische Ausstattung reicht dabei vom simplen Display-losen Player bis hin zu komplexeren Modellen mit Bluetooth, Bildschirm und etwas, das man halbwegs als Nutzeroberfläche bezeichnen könnte. Getestet habe ich einst einen MP3-Player für 1,38€ (ich berichtete: http://kopfhoerer-lounge.blogspot.de/2015/07/cheap.html), der zwar eine recht geringe Ausgangsimpedanz besaß und auch in Sachen Bedienung sehr gut war, klanglich jedoch nicht punkten konnte, so gab es bei der Wiedergabe etwa ein hohes Grundrauschen sowie ständige Störgeräusche.

Der AGPTek C1 ist eine Armbanduhr mit Bluetooth, legt das Hauptaugenmerk jedoch auf die Funktion als MP3-Spieler, wofür an Bord auch ein 3,5 mm Klinkenausgang sowie ein Speicherkartenschacht zu finden sind. Eine Smartwatch ist die Uhr hingegen nicht.
In meinem Test werde ich mich hierbei hauptsächlich auf die Audiospieler-Funktionen konzentrieren und die Uhr-Funktionen nur grob anschneiden.

Erhältlich ist der Armbanduhr-Player bei Amazon für 34,99€ (http://amzn.to/1LmXLS1).


Lieferumfang:

Die Uhr kommt in einer schwarzen Uhren-Box, in deren Inneren sich neben der C1 eine Schnellstartanleitung sowie ein Ladekabel (mit 3,5 mm 4-Pol Stecker für den Kopfhörerausgang) befinden.





Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die Tasten und die Oberseite sind aus Edelstahl gearbeitet, dennoch wirkt die Uhr insgesamt recht billig. Der Bildschirm besteht aus fragil anmutendem Plastik, der eigentliche Uhren-Teil wirkt jedoch recht robust und sieht durch die Edelstahl-Applikation optisch recht gut aus. Billig wirkt jedoch die linke Seite mit dem Speicherkarteneinschub sowie Kopfhörerausgang, ebenso wie das Armband aus Silikon und der sehr simple Verschluss.

Für den Preis ist die Qualität jedoch okay.








Bedienung, Benutzeroberfläche:

Im Hauptmenü des 128 x 128 Pixel messenden Bildschirms (die Auflösung ist mehr oder weniger okay, die Helligkeit und der Kontrast könnten jedoch besser sein, besonders bei Gegenlichteinstrahlung) gibt es drei Seiten, auf denen sich je vier „Anwendungen“ befinden (Musik, Filme, Timer, Radio, Fotos, E-Book, Sprachaufnahme, Sprache, Schrittzähler, Kalender, Bluetooth, Einstellungen). Die Bedienung erfolgt über den (zum Glück) kapazitiven Touchscreen sehr flüssig und recht genau (jedoch nicht so genau wie bei einem sehr guten Smartphone), alternativ kann man die Uhr auch über die seitlichen drei Tasten navigieren.
Die Bildschirmsperre lässt sich wie beim iPhone entriegeln („Slide to Unlock“).
Der Musik-Modus beinhaltet leider nur eine Datenbank-, jedoch keine Ordneransicht, weshalb die
Übersicht recht mäßig ist und es nicht sonderlich sinnvoll ist, überhaupt eine externe Speicherkarte zu verwenden (es sei denn, man nutzt hauptsächlich Wiedergabelisten oder den Zufallsmodus). 128 GB-Karten hingegen werden gut und problemlos unterstützt, das Einlesen in die Datenbank dauert glücklicherweise auch nicht sehr lange. Gapless Playback wird nicht unterstützt, aber das ist beim Preis auch nicht sonderlich verwunderlich.
Trotz der guten Möglichkeiten dafür wird leider kein Albumcover angezeigt, dazu muss man zum Ändern der Lautstärke erst einmal auf das Lautsprecher-Symbol in der rechten unteren Ecke tippen (oder im Radio-Modus von oben nach unten streichen), danach lässt diese sich in 30 Stufen regeln. Einen Equalizer gibt es auch.
In den Menüs eine Ebene zurückgehen kann man übrigens, indem man von rechts nach links streicht, eine Wischgeste von links nach rechts öffnet (gegebenenfalls vorhandene) Untermenüs.








Nutzung als Uhr (Kurztest):

Man kann (nur) vier verschiedene Uhren-Designs auswählen, was ziemlich wenig ist. Zur Anzeige der Zeit ist die C1 brauchbar, aber auch nur in nicht zu hellen Räumen, bei Gegenlicht und in zu heller Umgebung sind der Kontrast und die Helligkeit (trotz maximaler Einstellung) einfach zu gering. Als reine Uhr gibt es für knapp 35€ deutlich bessere Produkte.








Akkulaufzeit:

Bei moderater Benutzung konnte ich in etwa drei bis vier Tage im Durchschnitt erreichen.


Klang:

Zum Hören kamen FLAC-Dateien (44,1 kHz, 16 Bit) zum Einsatz; die zum Testen verwendeten Kopfhörer waren der Shure SE846, UERM, Sennheiser IE 800, Ultimate Ears Triple.Fi 10 und Ostry KC06A.

Frequenzgang, Ausgangsimpedanz:

Bereits ohne angeschlossene Last zeigt sich beim C1 ein Bassabfall:


Der Player besitzt also weniger Tiefton als eigentlich neutral wäre.

Widmen wir uns mal der nächsten und deutlich schwierigeren Disziplin, nämlich komplexen Mehrtreiber-In-Ears mit über den Frequenzgang variierendem Widerstand. Jene In-Ears benötigen ein Quellgerät mit niedriger Ausgangsimpedanz (vorzugsweise ein Ohm oder geringer), damit ihr Frequenzgang nicht verfälscht wird.
Gemessen habe ich die Abweichung mit meiner üblichen Mess-Referenz, dem kritischen Ultimate Ears Triple.Fi 10:



Aua. Eine deutliche Frequenzgangs-Verbiegung im Hochton (lässt auf einen sehr hohen Ausgangswiderstand schließen), dazu ein extrem ausgeprägter Bassabfall, welcher darauf schließen lässt, dass sich im Signalweg Koppelkondensatoren befinden.
Um dies näher zu untersuchen, habe ich einen 16 (?) Ohm-Dummy angeschlossen und den Frequenzgang gemessen:


Wie man sehen kann, ist der Bassabfall hier ebenfalls sehr deutlich ausgeprägt, was meine Vermutung bestätigt. An allen mobilen Hörern wird der Klang am C1 daher sehr dünn klingen, da der Tiefton dabei deutlich absackt.

Rauschen:

Positiv kann man der Player-Uhr hier lediglich anrechnen, dass sie selbst mit sehr empfindlichen In-Ears wie dem Ostry KC06A oder Shure SE846 nicht rauscht (das Grundrauschen ist sehr gering und zwischen dem fast gänzlich stillen iBasso DX90 und extrem leisen Cowon Plenue D einzuordnen).

Auflösung, Präzision, Bühne:

Nun zum subjektiveren Teil meines Reviews. Meine Ansicht und Erfahrung bezüglich Verstärker- und Geräteklang stellt sich wie folgt dar: Verstärker- und Geräteklang gibt es in begrenztem Umfang und er ist hörbar, jedoch sollte er nicht überschätzt werden – die grundlegende Charakteristik eines Kopfhörers wird durch ein (sauber konstruiertes) Gerät nicht verändert, jedoch „formt“ das Wiedergabegerät den Klang des Kopfhörers ein wenig, was sich aber eher in Nuancen ausdrückt und sich oft auch anhand der Eigenschaften oder Messwerte erklären lässt.
Nun also weiter mit meinen subjektiven Eindrücken:

Aus den Messungen geht bereits hervor, wie der Klang ist: sehr dünn. Den drastischen Bassabfall hört man ganz deutlich. Immerhin ist der Sound ansonsten sauber und erscheint präzise, dazu wirkt die Bühnendarstellung (bei durchschnittlicher Ausdehnung sowohl zu den Seiten als auch in die Tiefe) kohärent.
Dass ein großer Teil des Frequenzbandes fehlt (nicht nur der Bass, sondern auch der Grundton ist quasi nicht vorhanden), merkt man beim kabelgebundenen Hören von Musik jedoch deutlich. Ne, Leute, das muss echt nicht sein, wenigstens ohne Last sollte der Frequenzgang linear von 20 bis 20000 Hz sein, was er jedoch leider nicht ist (Bassabfall).

Bluetooth:

Getestet habe ich hier mit dem MEE Air-Fi Matrix².
Nun, was soll ich sagen, dies ist der einzige Modus, in dem die Uhr etwas taugt: hier hat man nicht nur einen vollständigen Ordnerbrowser (leider wird dieser jedoch nicht alphabetisch sondern nach dem Datum des Hinzufügens geordnet). Trotz des Fehlen von aptX ist der Klang ordentlich und (oh Wunder) nun auch Frequenz-mäßig gänzlich abgedeckt, sprich es gibt keinen Bassabfall mehr (ganz so gut wie bei einer guten AAC oder aptX-Sreaming Quelle ist der Sound aber auch nicht).

FM-Radio:

Der Radioempfang ist stabil und ohne zusätzliches Rauschen. Der ausgegebene Klang ist hier jedoch natürlich ebenfalls sehr dünn und im Tief- und Grundton beschnitten.


Fazit:


Insgesamt ist der AGPTek mehr schlecht als recht – als reine Uhr ist er bereits nicht so doll (das Display ist nur mittelmäßig), als Audioplayer sowieso nicht (starker Bassabfall ohne Last, welcher mit niederohmigen Kopfhörern nochmals deutlich verstärkt wird, dazu besitzt er auch noch eine hohe Ausgangsimpedanz und die Navigation im Musikmenü ist sehr umständlich). Als Fitness-Gerät ist der Schrittzähler auch mehr ein Gimmick als ein richtiges Feature.
Die einzige Disziplin, in welcher der Player punkten kann, ist die Wiedergabe über Bluetooth: hier wird der gesamte Frequenzbereich abgedeckt (bei einem sehr ordentlichen Klang, der dennoch etwas schlechter als bei einer guten AAC oder aptX Quelle ist) und man bekommt einen vollständigen Ordner-Browser.

Empfehlen kann ich die Player-Uhr, die als Sportgerät und zum Hören von Musik angepriesen wird, so leider nur im Bluetooth-Modus – überall sonst scheitert sie leider, und das ziemlich kläglich.

1,7 von 5 möglichen Sternen.