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LEAR NS-U1: Crossfeed in einem In-Ear - [Review] 🇩🇪

Prolog:

LEAR, 2008 in Hongkong gegründet und von der Hong Kong Forever Source Digital, einem der größten lokalen Einzelhändler für portables Hi-Fi, geführt, erlangte recht schnell Bekanntheit und Ansehen in internationalen audiophilen Kreisen. Zu Recht, wie sich 2014 zeigte, denn die Arbeit des aufstrebenden Herstellers von universellen und maßgefertigten In-Ears für den professionellen und Hi-Fi-Bereich wurde von Mediazone, einem renommierten Herausgeber internationaler Business-Magazine, mit dem „Hong Kong's Most Valuable Companies Award 2015“ belohnt.

Dieses Review behandelt einen so noch nicht dagewesenen In-Ear, den NS-U1 (http://www.lear-eshop.com/products/lear-natrosound%E2%84%A2-ns-u1-in-ear-monitor-pre-order-page), der zwei dynamische Treiber je Gehäuseseite besitzt, von denen sich einer per sich am Kabel befindlichen Schalters jederzeit dazu- und abschalten lässt – welchen Zweck dies genau verfolgt, werde ich in einem kurzen Absatz sogleich näher betrachten.


Aufmerksam geworden bin ich auf den NS-U1 (damals noch als NSS-U1 bekannt) Anfang 2015 durch folgendes YouTube-Video von LEAR: https://www.youtube.com/watch?v=eNYQWvuhPWU
Viel mehr müsste ich eigentlich nicht mehr dazu sagen, denn in diesem erklärt und demonstriert Tatco sehr gut, was NatroSound™ ist.
Das grundlegende Prinzip, auf dem LEARs NatroSound basiert, nennt sich Crossfeed. Für diejenigen, die noch nicht wissen, um was es sich bei Crossfeed handelt, möchte ich ein kleines Beispiel geben, das gern zur Veranschaulichung herangezogen wird: Hört man mit Lautsprechern Musik, erfasst das rechte Ohr nicht nur den Klang des rechten Lautsprechers, sondern erhält auch (minimal zeitverzögert) das Signal des linken. Ebenso verhält es sich mit dem linken Ohr, das ebenfalls nicht nur den Ton des linken, sondern auch einen Teil des rechten Lautsprechers wahrnimmt. Mit Kopfhörern verschwindet dieser Effekt, und Töne, die nur für den linken Kanal abgemischt wurden, werden somit nicht mehr, wie es mit Lautsprechern der Fall wäre, von beiden, sondern nur einem Ohr wahrgenommen. Hauptsächlich deshalb können manche Aufnahmen (diejenigen der Beatles mit ihrer Ping-Pong Stereophonie sind ein Paradebeispiel) über Kopfhörer etwas künstlich erscheinen und spielen sich meist eher im als vor dem Kopf ab.
Für dieses Szenario wurde Crossfeed entwickelt – ganz vereinfacht ausgedrückt wird dem linken Signal ein Teil des rechten beigemischt und umgekehrt (wobei natürlich auch noch andere Sachen wie etwa eine Laufzeitkorrektur involviert sind), um den Bühnen-bezogenen Höreindruck von Lautsprechern nachzuahmen. Im NS-U1 kommt akustisches Crossfeed durch die Verwendung von zwei dynamischen Micro-Treibern je Seite mit einem speziellen Röhren-Leitsystem für den NS-Treiber zum Einsatz.

Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich bei Crossfeed eher skeptisch bin und es bei mir in der Regel keine große Wirkung zeigt, was auch daran liegt, dass der Effekt von Mensch zu Mensch unterschiedlich wahrgenommen wird. Hardware-basierte Crossfeed-Lösungen von Meier oder SPL konnten mich nur mäßig überzeugen (obwohl der Phonitor 2 viele Möglichkeiten zur Feinjustierung bietet, wirkte das Ergebnis auf mich nicht so ganz natürlich, dazu empfand ich den reinen Verstärkerteil als etwas Klang-verschlechternd); Software-basierte Lösungen zeigten gar keinen Effekt bei mir. Das beste Crossfeed, das ich gehört habe, ist bis zu dem jetzigen Zeitpunkt das von ifi Audio.

Mal sehen, ob und inwieweit mich die überarbeitete Version des NS-U1 und besonders deren NatroSound überzeugen können.


Mein herzlicher Dank gilt Tatco für das Bereitstellen eines Review-Musters des NS-U1 In-Ears und NSC-03 Kabels für einen ehrlichen, unbefangenen Test.


Technische Daten:

UVP: 1688 HKD (~ 194€)
Treiber: 2x 6 mm dynamisch je Seite
Frequenzgang: 10 Hz – 20 kHz
Impedanz: 30 Ohm @1 kHz (NS deaktiviert), 16 Ohm @1000 Hz (NS aktiviert, NSC-01 Kabel)
Empfindlichkeit: 105 dB @1 mW (NS deaktiviert), 104 dB @1 mW (NS aktiviert, NSC-01 Kabel)


Lieferumfang:



Geliefert wird der NS-U1 in einer für LEAR typischen schwarzen Karton-Verpackung, auf deren Vorderseite sich jedoch die Silhouette des NatroSound In-Ears zusammen mit den LEAR sowie NatroSound und NS-U1 Logos befinden.
Hebt man den Deckel ab, erblickt man die praktische, innen grün gepolsterte Schraubdose, in der sich die In-Ears befinden, sowie darunter einen Karton mit LEAR Logo, in dem sich eine Bedienungsanleitung sowie zwei Paare an Silikonaufsätzen (ein drittes Paar in der Größe M ist bereits an den In-Ears installiert) und zwei Paare an Schaumstoffaufsätzen befinden.

Zusätzlich war das separat erhältliche NSC-03 bei meinem Testmuster enthalten.




Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die in zwei verschiedenen Hochglanz-Metallic Farbschemen (blau-schwarz oder grau-schwarz (alte Version mit anderem Tuning: chromfarben-schwarz)) erhältlichen In-Ears sind recht groß und wirken wuchtig. Die Farben gehen fließend ineinander über; auf der Außenseite gibt es ein LEAR Logo, die Innenseite zeigt die Seitenmarkierungen. Die Gehäuse scheinen recht gut verarbeitet (der eine ungleichmäßige Spalt der rechten Seite wird mit der zweiten Charge korrigiert) und wirken stabil.

Das Standard-Kabel ist etwas Gummi-artig, wirkt jedoch sehr stabil und robust. Der Knickschutz ist ausgezeichnet; der sehr schmale 3,5 mm Klinkenstecker aus Metall ist gewinkelt.
Oberhalb des Y-Splitters, in dem sich der NatroSound Schalter befindet, gibt es auf der rechten Seite eine gute ein-Knopf Fernbedienung mit Mikrofon, ein Kinnschieber fehlt jedoch leider.
Das NSC-03 Kabel ist prinzipiell wie das Standardkabel aufgebaut, besitzt jedoch einen (zwar etwas locker sitzenden jedoch einwandfrei funktionierenden) Kinnschieber und keine Kabelfernbedienung. Stattdessen gibt es im Y-Splitter neben dem NS-Schalter auch noch je ein Potentiometer zum Einstellen der Bassmenge und NatroSound-Intensität.
Beide Kabel besitzen 4-Pin Stecker (zwei Pins je Treiber).







Tragekomfort, Isolation:

 Die Ohrbügel lassen sich leider nicht so gut formen wie bei anderen In-Ears. Deshalb und auch aufgrund des Fehlens eines Kinnschiebers beim NSC-01 ist die Mikrofonie etwas stärker als üblich bei einer Trageweise mit dem Kabel über den Ohren ausgeprägt (wirklich schlecht ist sie nicht, jedoch auch nur durchschnittlich).
Mit dem NSC-03 Kabel ist die Mikrofonie durch den Kinnschieber zwar geringer ausgeprägt, könnte durch bessere Ohrbügel jedoch noch schwächer sein.
Da die In-Ears recht groß und klobig sind, sollte man schon mindestens durchschnittlich große Ohren für einen guten Sitz besitzen. Ich mit meinen großen Ohrmuscheln habe mit dem NS-U1, wie zu erwarten war, keine Komfortprobleme.

Die Rückseite der In-Ears weist eine kleine Belüftungsöffnung auf, dennoch ist die Isolation besser als nur durchschnittlich und sogar ziemlich gut, auch wenn sie nicht ganz an die von gänzlich geschlossenen In-Ears heranreicht.


Klang:

Zum Hören kamen hauptsächlich der Leckerton UHA-6S.MKII, LH Labs Geek Out IEM 100, mein zur Musik-Wiedergabe optimiertes iPhone 4 sowie iBasso DX90 und DX80 zum Einsatz. Gelegentlich nutzte ich auch meinen FiiO X3.
Verwendet habe ich, wie üblich, die größten inkludierten Einfach-Flansch Aufsätze.
Obwohl ich kein Anhänger der Einspieltheorie bei Kopfhörern bin, habe ich die In-Ears sicherheitshalber vor dem entspannten Hören für 50 Stunden mit Rausch- und Sinussignalen eingespielt.

Tonalität:

NSC-01 Kabel:

NatroSound deaktiviert:
Tonal ist der NS-U1 hier ein im Mittel- und Hochton sehr ausgewogen klingender In-Ear mit einem extra Schub an Betonung im Mid- und insbesondere Tiefbass.
Hut ab, Tatco, die Integration der Tiefbassbetonung ist sehr gut gemacht und konzentriert sich wirklich hauptsächlich auf den Tiefbass, im Gegensatz zu den meisten anderen bassbetonten In-Ears, die auch eine gehörige Portion Oberbass und Grundton besitzen, wodurch der untere Frequenzbereich unnötig aufgebläht und angefettet wirkt.
Bei etwa 500 Hz beginnt der Bassbereich des LEAR gleichmäßig als Gerade anzusteigen und erreicht bei etwa 85 Hz mit um die 11 dB im Vergleich zu einem strikt linearen In-Ear wie dem Etymotic ER-4S seinen Höhepunkt sowie bis hin zu 20 Hz einen aufrechten, gleichmäßigen Pegel – (dieser niedrig angesetzte Höhepunkt ist) eine wichtige Sache für eine Bassbetonung mit dem hauptsächlichen Fokus auf den Mid- und Tiefbass, denn dadurch, dass der Klimax zu sonst häufig üblich recht tief sitzt, gibt es keine wirkliche Einstrahlung in den Grundton, wodurch der Tiefton nicht unnötig aufgewärmt oder aufgebläht wird. Dadurch wirkt der Oberbass fest und der Mid- und Tiefbass kräftig und betont, jedoch nicht übertrieben.
Von 1 bis 4 kHz steigt der Pegel Gehör-mäßig gleichmäßig an, wodurch Stimmen minimal auf der helleren und dünneren Seite stehen, in meinen Ohren jedoch tonal noch immer korrekt klingen (diese moderate Betonung der oberen Mitten harmoniert gut mit meiner HRTF). Danach geht der Pegel wieder auf ein normales Niveau zurück, sinkt ein wenig unter die Null-Linie, kommt wieder zurück und rollt oberhalb von 10 kHz eher schnell ab – subtiles Superhochton-Glitzern oberhalb von 10 kHz sollte man als nicht wirklich erwarten.

Die Betonung im Bassbereich setzt tief genug an (und bietet so nicht nur einen kräftigen Mid- und Tiefbass sondern auch eine gute Kompensation der Maskierung der tiefen Frequenzen durch Lärm im ÖPNV), um den Klang nicht anzufetten und nicht zu nerven, die Mitten sind tonal ziemlich korrekt, der Hochton ist recht gleichmäßig und der gesamte Klang erscheint recht natürlich, mit einer nur geringen Metalligkeit von Hi-Hats und Trompeten durch die ansteigende moderate Betonung gen 4 kHz.

NatroSound aktiviert:
Mittel- und Hochton bleiben Pegel-mäßig so ziemlich gleich, aber im Bassbereich und Grundton tut sich einiges: zwar wird der Klimax noch immer unterhalb von 100 Hz erreicht, doch fällt die Betonung etwas stärker aus, der Grundton erlangt hörbar Wärme und die Betonung hört erst bei 800 Hz gänzlich auf (Vergleich vorher: 500 Hz). Dies hat zur Folge, dass sich Stimmen nun auf der fülligeren, wärmeren Seite befinden und eine gewisse Tendenz zum Muffigen bekommen.

NSC-03 Kabel:

NatroSound deaktiviert:
Der Hauptvorteil gegenüber des normalen Kabels liegt insbesondere daran, dass man die Quantität des Basses regulieren kann. Dadurch kann der Klang von „recht bassarm mit Mittenbetonung“ hin zu „recht neutral“ bis „ausgewogener Mittel- und Hochton mit kräftiger Mid- und Tiefbassbetonung à la NSC-01 mit etwas mehr Grundtonwärme“ reichen.

NatroSound aktiviert:
Der Grundton bekommt ebenfalls mehr Wärme, jedoch lässt sich dies sehr gut regulieren und die Mitten wieder natürlich klingen lassen, wenn man den Bass per Potentiometer etwas reduziert und das NS-Poti nicht bis zum Anschlag aufdreht. Zur Klangmodulation nach seinen eigenen Präferenzen eignet sich das NSC-03 Kabel daher besonders gut.


Auflösung:

NSC-01 Kabel:

NatroSound deaktiviert:
Der NS-U1 verrichtet hier für einen In-Ear mit dynamischem Treiber einen guten Dienst und überbietet in Sachen Kontrolle und Realismus einige andere dynamische In-Ears, auf die ich weiter unten eingehen werde, etwas, erreicht jedoch im Mittel- und Hochton nicht ganz die Natürlichkeit und Feinauflösung des LEAR LHF-AE1d, meiner dynamischen Referenz im Preisbereich um 200$.
Der Bassbereich ist für einen In-Ear mit dynamischem Treiber recht schnell, trocken, kontrolliert und präzise, mit einem fest zupackenden, schnellen Oberbass (hier zahlt sich der Einsatz des 6 mm Micro-Drivers aus) und gut kontrollierten Tiefbass, der im Vergleich zum Oberbass ein wenig weicher, jedoch nicht minder kontrolliert klingt.
Mittel- und Hochton klingen realistisch, mit einer guten und insgesamt realistischen Darstellung der höheren Frequenzen, lediglich im Mittelton würde ich eine Messerspitze mehr Details begrüßen, wenn ich den NS-U1 mit dem LHF-AE1d vergleiche.
Was ich höre, ist sehr gelungen, und wenn der LHF-AE1d den König darstellt, ist der NS-U1 der junge Prinz mit dynamischem, festem Tiefton.

NatroSound aktiviert:
Die Monarchie beginnt, zu zerbröckeln, und der Prinz muss ein wenig um seinen Posten in der Thronfolge bangen: mit aktiviertem NatroSound am Standard-Kabel NSC-01 weicht der Bassbereich etwas auf, der Mittelton wirkt etwas verschleiert, der Hochton bedeckt und den stärker vorhandenen Basskörper kaufe ich dem In-Ear nicht ab. Im Vergleich zu deaktiviertem NS wirkt der NS-U1 nun etwas grobschlächtiger, weniger feinfühlig und spielt auch nicht mehr ganz in der Klasse, in der er war – zwar ist das nun Gehörte nicht schlecht, aber nicht mehr ganz so natürlich, nicht mehr ganz so präzise, nicht mehr ganz so realistisch, was auch an der Bühnendarstellung liegt. Ein Abstieg vom Adel in das Großbürgertum.
Für die reine Detailfülle würde ich mit dem NSC-01 Kabel den NatroSound-Schalter nicht umlegen.

NSC-03 Kabel:

NatroSound deaktiviert:
Die Auflösung bleibt unverändert gut wie beim NSC-01 Kabel, jedoch mit einem etwas festeren Bass, wenn man dessen Quantität reduziert.

NatroSound aktiviert:
Wenn der Regler für den Bassbereich nur eher spärlich verwendet wird und dazu genutzt wird, um den Pegel abzusenken, wird der dynamische 6 mm Treiber weniger belastet, was man auch hört – die Auflösung bleibt beinahe gleich gut wie mit deaktiviertem NatroSound (sagte er und legte das NSC-01 Standardkabel sodann zurück in die Verpackung, um es in der nächsten Zeit nicht mehr zu nutzen, so gut gefiel ihm die Möglichkeit des NSC-03 Kabels, den Treiber weniger zu strapazieren).


Räumliche Darstellung:

NSC-01 Kabel:

NatroSound deaktiviert:
Auch schon ohne aktivierten NatroSound ist die Bühne des In-Ears in Sachen Breite und Tiefe stärker als nur durchschnittlich ausgeprägt, mit einem glaubhaft dargestellten imaginären Raum. Die Positionierung von Instrumenten im Raum wirkt authentisch, die Separation ist gut für einen In-Ear mit dynamischem Treiber, auch wenn bessere In-Ears mit BA-Treibern hier präziser trennen. Auch wenn die Tiefenebene etwas weniger weitreichend als die Bühnenbreite ist, kommt die Staffelung von Instrumenten gut ‘rüber.

NatroSound aktiviert:
Mit aktiviertem NS bekommt die Bühne sowohl mehr Intimität als auch gleichzeitig räumliche Tiefe, bei durch die größere Tiefe etwas geringer wahrgenommener Breite. In der Mehrzahl der Fälle gelingt die Front-Projektion tatsächlich ein ganzes Stück aus dem Kopf heraus, die Instrumentenseparation wirkt jedoch weniger auf den Punkt genau und ebenfalls etwas nebliger.
Ein paar Kommentare zur Natürlichkeit des NS-Effektes: bei einigen Aufnahmen (insbesondere alten und vielen modernen, nur am Computer entstandenen) wirkt die Bühne merklich authentischer (die Ping-Pong Stereophonie-Abmischungen vieler Beatles-Stücke klingen mit aktiviertem NS endlich erträglich und sogar authentisch über die In-Ears), bei anderen bleibt die Authentizität im Vergleich zu deaktiviertem NS identisch (bei einer lediglich anderen Präsentation), bei ein paar hingegen wirkt der NatroSound-Effekt in meinen Ohren sogar etwas weniger authentisch als bei deaktiviertem NS, was jedoch die Ausnahme darstellt – in der Mehrheit der Fälle wirkt die räumliche Präsentation mit aktiviertem NatroSound glaubhafter, besonders im Direktvergleich wenn man den Schalter auf „OFF“ stellt und plötzlich merkt, dass alles flacher klingt und man das Gefühl hat, etwas fehle irgendwie ein wenig.

NSC-03 Kabel:

NatroSound deaktiviert:
Wenn ich den Bass etwas herausreguliere und den Tiefton so neutraler gestalte, gewinnt die Instrumentendarstellung sowie -präsentation an Präzision und klangliche Elemente werden in meinen Ohren hörbar genauer im imaginären Raum positioniert als mit dem NSC-01 Kabel.

NatroSound aktiviert:
Bei ebenfalls reduzierter Bassmenge erscheint die Bühne in meinen Ohren bei aktiviertem NS räumlich sowohl tiefer als auch klar präziser gestaffelt und separiert als mit aktiviertem NS am NSC-01 Kabel. Zu meiner Überraschung wird die Bühnenbreite beim NSC-03 in meinen Ohren bei aktiviertem, jedoch nicht bis zum Maximum ausgenutzten NS nicht wirklich schmaler als bei deaktiviertem NatroSound. Zwar gibt es auch eine geringe Verschlechterung der Trennungsschärfe im Vergleich zu deaktiviertem NS, doch fällt dieser Unterschied viel geringer als mit dem NSC-01 Kabel aus. So macht die Räumlichkeit noch mehr Spaß, ist mehr nach vorn projiziert und präziser.

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Persönliche Randnotiz des Autors: Wie anfangs schon angemerkt, bin ich kein zu 100% überzeugter Crossfeed-Anhänger. Mit NatroSound ändert sich dies auch nicht ganz, aber was mir hier auffällt, ist, dass bei aktiviertem NS viel weniger Ermüdungserscheinungen auftreten und die Musik für mein Gehirn echter wirkt, wodurch es nicht mehr so viel „arbeiten“ muss. Besonders mit dem NSC-03 Kabel, bei welchem die bei aktiviertem NatroSound auftretende Anfettung von Stimmen herausgeregelt werden kann, erscheint der Raumeindruck etwas natürlicher. Abgesehen von essentiellen Beschreibungen des Klanges mit dem NSC-01 Kabel habe ich daher beim „privaten Hören“ eigentlich nur das NSC-03 mit aktiviertem NatroSound verwendet, da es einfach den großen Vorteil bietet, die Intensität des NS-Effektes sowie die Wärme im Klangbild nach seinen eigenen Präferenzen anzupassen und herunterzuregeln.
Durch die bei mir spürbar geringeren Ermüdungserscheinungen bei aktiviertem NatroSound habe ich auch an mir selbst feststellen können, dass das Ansehen von Fernsehsendungen oder Filmen mit dem NS-U1 etwas angenehmer sowie entspannter funktioniert.

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Im Vergleich mit anderen In-Ears (hauptsächlich mit dem NSC-03 Kabel verglichen):

Sennheiser IE 80:
Der IE 80 ist technisch gesehen ein vergleichsweise eher mittelmäßiger dynamischer In-Ear, dessen Stärke hauptsächlich auf seiner Bühnendarstellung mit einem gleichmäßigen, sanften Klangbild liegt, wodurch er sich gut für langsamere Musikstücke sowie Akustikaufnahmen eignet, wo er seine Sache jedoch meiner Meinung nach ordentlich macht (Metal- oder schnellere Elektro-Aufnahmen mag er nicht so sehr).
Bei schneller Musik behält der NS-U1 klar besser die Kontrolle und matscht hörbar weniger, da sein Bass fester und kontrollierter ist, selbst wenn man NatroSound zu ~ 80% und den Bass zu 100% aktiviert.
Verglichen habe ich daher hauptsächlich eher mit langsameren Stücken, um dem Sennheiser bessere Chancen zu ermöglichen.
Der LEAR klingt dennoch schneller und detaillierter, mit der feineren Wiedergabe von Stimmvariationen und feinen Details im Hochton.
In Sachen Bühne ist der Abstand der beiden In-Ears näher, als man denken könnte. Mit deaktiviertem NatroSound klingt die Bühne des Sennheiser größer, distanzierter und tiefer; legt man den Schalter jedoch um, gelingt es dem NS-U1 besser, Nähe und Weite zu vermitteln, dazu wirkt der dargestellte Raum harmonischer, natürlicher und der LEAR besitzt die schärfere Instrumentenplatzierung und -separation; die tonalen Elemente erscheinen einfach losgelöster im Raum um den Kopf.

RHA T20:
Der LEAR besitzt den etwas schnelleren, jedoch insbesondere kontrollierteren Bassbereich (der RHA spielt hier manchmal etwas stumpf und rumpelt etwas zu viel, bei einem gewissen Mangel an Kontrolle, wenn man schnelle und komplexe Musik wählt).
Auch in Sachen genereller Auflösung geht der Sieg an den NS-U1, der etwas mehr Details im Mittel- und Hochton herausarbeitet.
In Sachen Mittel- und Hochtonnatürlichkeit ist der Unterschied zwischen beiden In-Ears nicht groß, aber auch hier ist der LEAR der etwas bessere In-Ear.
Ohne NatroSound ist die Bühnengröße der beiden In-Ears etwa identisch und auch die räumliche Präzision bleibt es (solange man keine Stücke mit schnellen Bassschlägen spielt, denn dann gewinnt wieder der LEAR). Schaltet man NatroSound hinzu, gelingt dem NS-U1 die Projektion von Nähe etwas besser und er staffelt tiefer und präziser.

Echobox Finder X1:
Der Sieg im Duell in der Kategorie Bassgeschwindigkeit (NSC-03 maximaler Bass, kein NatroSound) geht sehr knapp an den Finder X1, in Sachen Kontrolle sind beide jedoch auf Augenhöhe und der LEAR präsentiert die gleiche Menge an Details im Tiefton.
In Sachen allgemeiner Auflösung ist der NS-U1 der knappe Sieger (wenngleich auch mit einem ziemlich geringen Abstand), der etwas detaillierter im Mittel- und Hochton klingt.
Was den LEAR insgesamt doch ein gewisses Stück besser macht, ist seine Natürlichkeit bei der Präsentation des Klangbildes ( - nicht verwunderlich bei der gezielt spaßig badewannigen Abstimmung des X1, den ich dennoch persönlich liebe).
Räumliche Nähe kann der NS-U1 sowohl mit aktiviertem als auch deaktiviertem NatroSound besser darstellen und bietet auch insgesamt die etwas größere Bühne.
Alles in Allem sind beide in etwa gleichauf und am Ende entscheidet der persönliche Geschmack, ob der spaßigere oder natürlichere In-Ear besser zu den eigenen Präferenzen passt.

LEAR LHF-AE1d (mit Upgrade-Nozzles):
Dass dies kein einfaches Duell wird, war von Anfang an klar, so ist der LHF-AE1d meiner Meinung nach einer der vielseitigsten, besten und natürlich klingendsten In-Ears mit einem dynamischen Treiber – obwohl er so technisch nicht an die Leistung meines Sennheiser IE 800 heranreicht (insbesondere in Sachen Bassgeschwindigkeit und Separation), klingt der LEAR überzeugender, natürlicher und besitzt den realistischer klingenden Mittel- und Hochton, mit der räumlich runderen Bühne und einer Auflösung im Mittel- und Hochton, die der des Sennheiser nicht zu deutlich hinterher steht. Um 200$ in der Kategorie der In-Ears mit dynamischem Treiber ist der AE1d daher meine Referenz.
Der NS-U1 spielt im Gegensatz zum LHF-AE1d (welcher hier eine Relaxed-Senke besitzt) in den mittleren Höhen direkter.
Der NS-U1 spielt im Bass fester, schneller und mit der besseren Kontrolle, dafür löst der AE1d im Mittel- und Hochton jedoch nochmals hörbar besser auf und klingt realistischer sowie natürlicher. Damit bleibt der AE1d bei den dynamischen In-Ears um 200$ noch immer „der König“.
Bei ausgeschaltetem NatroSound ist die Bühne in meinen Ohren bei beiden In-Ears etwa gleich gut. Aktiviere ich den NatroSound Schalter, kann der NS-U1 Nähe etwas besser darstellen, büßt aber geringfügig Punkte bei der räumlichen Präzision ein.


Fazit:

Der NS-U1 lässt mich zwar nicht zum Crossfeed-Anhänger werden (zumindest mit dem Standard-Kabel NSC-01, denn das NSC-03 Kabel offeriert in meinen Ohren einen gelungenen Raumeindruck) und bietet für mich nicht ganz die Crossfeed-Qualität von ifi Audios Implementation, doch ist der NatroSound Effekt ein wenig deutlicher wahrnehmbar und lässt die Bühne nicht nur etwas distanzierter, sondern auch gleichzeitig etwas näher erscheinen, was man hauptsächlich an intimer wahrgenommenen Stimmen merkt. Mit manchen Aufnahmen erscheint die Bühne tatsächlich natürlicher (hauptsächlich mit älteren sowie neueren, synthetisch produzierten Musikstücken), mit anderen hingegen bleibt der Raumeindruck gleich gut (jedoch „anders“), und mit einigen verschlechtert sich die räumliche Wahrnehmung etwas – von Aufnahme zu Aufnahme ist der Effekt hier unterschiedlich. Was ich jedoch an mir persönlich festgestellt habe, ist, dass es mit aktiviertem NatroSound zu merklich geringeren Ermüdungserscheinungen beim Hören über einen längeren Zeitraum kommt, trotz des stärker ausgeprägten Grundtons mit dem NSC-01 Kabel – es scheint so, als wäre die Wahrnehmung in meinem Gehirn bei aktiviertem NS dem Höreindruck der realen Umgebung sehr ähnlich, wodurch ich merke, dass sich mein Gehirn weniger anstrengen muss, wodurch es zu viel geringeren Ermüdungserscheinungen bei längerem Hören kommt.

Wünschenswert wäre weniger Wärme im Grundton bei aktiviertem NatroSound mit dem NSC-01 Kabel – so, wie die Mitten ohne NS sind, ist der Klang hier sehr natürlich und ausgewogen, bei aktiviertem NatroSound klingen sie etwas zu warm. Mit dem NSC-03 Kabel lässt sich dies viel besser justieren und die Grundtonwärme herunterregeln, wenn man das NS-Potentiometer nicht gerade maximal aufdreht – generell würde ich das optional erhältliche NSC-03 Kabel sowieso empfehlen, da mit ihm nicht nur die Intensität des Crossfeed-Treibers sowie die Tonalität bei aktiviertem NS justiert werden kann, sondern auch die Möglichkeit besteht, auch bei deaktiviertem NS die Bassintensität und Wärme im Klangbild zu regeln. Davon abgesehen empfinde ich den NS-Raumeindruck mit dem NSC-03 Kabel als natürlicher und mit der besseren Instrumentenplatzierung (wenn das Potentiometer nicht bis zum Anschlag aufgedreht ist).

Der NS-U1 ist ein einzigartiger In-Ear und qualitativ auf einem guten Niveau für In-Ears mit dynamischen Treibern.  Er besitzt einen recht schnellen, gut kontrollierten Bass und klingt größtenteils natürlich, dazu sorgt die NatroSound Funktion für ermüdungsfreies Hören.


Alles in Allem bekommt der NS-U1 mit dem NSC-01 Kabel 3,9 von 5 und mit dem NSC-03 Kabel 4,7 von 5 möglichen Sternen – im Mittel ergibt dies 4,3 von 5 Sternen.


Ein paar Empfehlungen an LEAR habe ich dennoch: besser formbare Ohrbügel am Kabel, ein Kinnschieber am NSC-01 Kabel sowie eine Fernbedienung am NSC-03 Upgrade-Kabel wären praktisch.