Translate

Alpha & Delta D2: ein günstiger und ziemlich bassiger In-Ear für den rauen Einsatz - [Review] 🇩🇪



Prolog:

Nachdem ich den Alpha & Delta AD01 getestet hatte, fragte mich Teo von Lend Me UR Ears (http://www.lendmeurears.com/), ob ich Interesse daran hätte, den bald erscheinenden Alpha & Delta D2 zu testen, ein Einsteigermodell, das für den sorglosen Gebrauch in allen erdenklichen Wetter- und Klimasituationen vorgesehen sei, da die In-Ears nach IPX4 schweißresistent wären. Deshalb eignet sich das Modell auch gut für den Sport (ganz abgesehen von der Gehäuseform und Trageweise, die dafür auch ideal ist). Basierend auf mehreren Kundenmeinungen mit dem Wunsch nach einem erschwinglichen, sehr robusten In-Ear, entstand dann der Alpha & Delta D2.


Technische Daten:

UVP: ~ 35 SGD/26 USD
Treiber: 10 mm dynamisch
Impedanz: 16 Ohm
Nennaufnahmeleistung: 1 mW
Frequenzgang: 10 Hz – 20 kHz
Empfindlichkeit: 95 +/- 3 dB @ 1 kHz
Kabellänge: 1,2 m


Lieferumfang:



Im Gegensatz zu anderen Produkten im niedrigen Preissegment kommt der D2 in einer schön gestalteten Verpackung, in der sich viel nützliches Zubehör befindet.

Die Vorderseite zeigt neben einem Bild der In-Ears, dass diese nach IPX4 schweißabweisend sind. Die linke Seite benennt das enthaltene Zubehör und die Rückseite zeigt neben den technischen Daten drei Produktbilder (der In-Ears, des 3,5 mm Klinkensteckers sowie Y-Splitters) und beschreibt die Merkmale.

Im Inneren gibt es eine Menge an Zubehör: neben den In-Ears und einer Gebrauchsanweisung findet man ein Reißverschluss-Etui, drei Paare an Hybrid-Silikonaufsätzen, drei Paare an schwarzen Silikonaufsätzen sowie zwei (unterschiedlich große) Paare an schwarzen Crystal Foam Schaumstoffaufsätzen und einen Shirt-Clip vor. Das ist ziemlich gut für den Preis und mehr, als man erwarten könnte.







Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die In-Ears besitzen abgerundete Gehäuse mit roten Alpha & Delta Logos auf den Faceplates. Die Gehäuse bestehen aus zwei Teilen und sind aus dem typischen, mattschwarzen Soft-Touch Plastik hergestellt, das nach einiger Zeit nicht mehr so schön aussieht, wenn man keine Vorsicht walten lässt.

Das Kabel ist gut und obwohl es etwas Feder-artig ist, erscheint es sehr haltbar und robust, was wohl am wichtigsten ist. Was wirklich schön zu sehen ist, ist die Integration eines Kinnschiebers, der bei vielen In-Ears leider fehlt.
Der Knickschutz ist wirklich hervorragend und an allen Stellen vorbildlich ausgeprägt. Zur einfachen Erkennung der richtigen Seite ist der Knickschutz der rechten Gehäuse rot.
Der 3,5 mm Klinkenstecker ist um 45° gewinkelt und klein.

Insgesamt erscheinen die In-Ears sehr robust.







Tragekomfort, Isolation:

Die In-Ears sind ziemlich klein und einfach einzusetzen (im meinen großen Ohren gibt es noch immer viel Platz). Die Schallröhrchen könnten etwas länger oder die Form nahe dieser etwas rundlicher für meine Ohranatomie sein (insbesondere für meinen Tragus), dennoch ist der Komfort noch gut.

Die In-Ears sind zum Tragen mit dem Kabel über den Ohren vorgesehen, was für manche Menschen in diesem Preisbereich neu sein dürfte, im professionellen und höherpreisigen Bereich jedoch der gängige Standard ist. Nach etwas Eingewöhnung weiß man den besseren Sitz und die höhere Sicherheit zu schätzen.
Die Ohrbügel sind verstärkt und bestehen lediglich aus einem Silikon-/Plastikschlauch, gänzlich ohne den häufig genutzten Drahtbügel, und dienen nur dazu, dass das Kabel seine Form behält. Deshalb eignen sich die In-Ears auch gut für Menschen, die mit Ohrbügeln aus Draht nicht richtig umgehen können (leider gibt es tatsächlich einige von dieser Sorte).

Zusammen mit dem Kinnschieber sind Kabelgeräusche äußerst gering ausgeprägt und viel weniger präsent als bei In-Ears, die nach unten getragen werden.

Obwohl die In-Ears eine Belüftungsöffnung besitzen, ist die Isolation besser als durchschnittlich, auch wenn sie nicht an das Niveau geschlossener In-Ears heranreicht.


Klang:

Obwohl ich nicht wirklich an Burn-In bei Kopfhörern glaube, habe ich die In-Ears sicherheitshalber vor dem ersten Hören 50 Stunden mit Rausch- und Sinussignalen einspielen lassen.

Zum Hören und Bewerten nutzte ich den iBasso DX90 sowie DX80, FiiO X3 (erste Generation) und nicht zuletzt den LH Labs Geek Out IEM 100.

Zum Hören verwendete ich dann die größten inkludierten schwarzen Silikonaufsätze, da ich den Mittel- und Hochton mit diesen im Vergleich zu den Hybridaufsätzen etwas besser differenziert fand.

Tonalität:

Ich würde den Klang des D2 als energisch, sehr bassstark und sanft, mit einem recht linearen und sanften Hochton beschreiben.

Die Betonung im Tiefton beginnt bei etwa 600 Hz, steigt jedoch recht schnell an und erreicht bei um
die 120 Hz ihren Höhepunkt, dessen Pegel auch bis nach 20 Hz aufrechtgehalten werden kann. Zwischen 200 und 300 Hz ist der untere/mittlere Grundton dennoch bereits schon ziemlich voll. Dementsprechend ist der Bass körperstark, warm, kickend und alles andere als zurückhaltend. Im Vergleich zu einem strikt neutralen In-Ear wie dem Etymotic ER-4S ist der Bass um ca. 13 dB angehoben, kann manchmal jedoch durch den korpulenten Grundton etwas stärker erscheinen.
Stimmen befinden sich auf der wärmeren und dunkleren Seite, jedoch nicht zu sehr, wodurch sie insgesamt nicht zu verfärbt sind.
Zwischen 1 und 4 kHz, im Präsenzbereich sowie mittleren Hochton, ist der Pegel etwas zurückgenommen und kommt bei 5 kHz auf ein normales Niveau zurück. Bei 6,5 kHz gibt es eine weitere kleine Senke, ansonsten sind die oberen Höhen wieder normal ausgeprägt. Im Superhochton oberhalb von 10 kHz ereignet sich fast nichts mehr.

Der Klang ist bassstark und sanft, ohne Peaks oder Schärfe; dennoch klingt der Hochton recht realistisch. Vergleichen zum vollen Bass und unteren Grundton könnte etwas Frische im oberen Hochton trotzdem nicht schaden.
Eigenartigerweise sind die Mitten etwas distanziert, aber nicht zu sehr.
Trotz des warmen Basses und der unteren Mitten ist das Timbre nicht zu sehr verfälscht, obwohl Trompeten etwas mehr Pegel zwischen 3 und 4 kHz besitzen könnten und etwas leise klingen.

Diese Art von Abstimmung mit einem sehr starken Bassfundament könnte sich gut für eine laute Umgebung eignen, in der tiefe Frequenzen vom Umgebungslärm maskiert werden.

Auflösung:

Für den Preis ist die Auflösung geringfügig besser als angemessen. Während der Mittel- und Hochton
weniger präzise als bei höherpreisigen dynamischen und günstigen BA-basierten In-Ears sind, macht der D2 hier angesichts des Preises nichts wirklich falsch und der In-Ear klingt gut kontrolliert, obwohl er im Bass alles andere als schüchtern ist. Der Tiefton ist nicht matschig, was eine schöne Sache im Vergleich zu anderen günstigen In-Ears ist, die hier des Öfteren straucheln. Zwar ist der Bass nicht der sauberste, dennoch insgesamt gut sowie schnell und kontrolliert. Die gute Geschwindigkeit hilft auch dabei, dass der Bass nicht zu schwammig wird.
Auf lange Sicht ist der Hochton schön – zwar mag er anfangs etwas arm an Glitzern scheinen (im Vergleich zum Bass), aber das stimmt nicht wirklich, da er sich nur geringfügig auf der sanfteren Seite befindet, insgesamt jedoch sehr authentisch klingt und keine falschen Details durch Betonungen vortäuscht, wie es manche In-Ears tun.
Für die Stimmwiedergabe ist der In-Ear nicht die beste Wahl, da der Mittelton etwas verhangen klingt, aber für den Preis und einen dynamischen In-Ear geht das in Ordnung und der D2 schlägt sich hervorragend mit komplexerer elektronischer Musik ohne Stimmen. Ja, meiner Meinung nach eignet sich der D2 am besten für Elektro. Andere Genres beherrscht er auch, aber nicht ganz so souverän.

Räumliche Darstellung:

Der dargestellte Raum ist etwas breiter und tiefer als durchschnittlich, ohne Engegefühl. Breite und Tiefe sind gleichmäßig stark ausgeprägt und erscheinen authentisch. Die Instrumentenseparation ist ziemlich präzise und tonale Elemente gehen kaum ineinander über. Meiner Meinung nach ist die Bühne für den Preis wirklich gut – sie besitzt zwar nicht die ultimative Größe, ist dennoch ziemlich räumlich, präzise und ordentlich gestaffelt.

---------

Im Vergleich mit anderen In-Ears:

TTPod T1 (non-E):
Der T1 besitzt ganz klar weniger Bass und den helleren, peakigeren Hochton. Sein Grundton befindet sich zwar auch etwas mehr auf der warmen Seite, dafür ist die Bassquantität jedoch viel geringer (der T1 besitzt etwa 6 dB mehr Bass, als neutral wäre). Im Tiefbass rollt der TTPod etwas ab, wo der D2 pegelstabil bleibt. Obwohl der Tiefton des T1 nicht dünn ist, klingt er weniger aufdringlich als der des D2. Dennoch, da der T1 etwas mehr Hoch- als Tiefton besitzt, kann dieser manchmal etwas aufdringlich werden.
Der T1 löst im Mittelton etwas besser auf und besitzt die höhere Sprachverständlichkeit. Im Hochton sind beide vergleichbar, wobei der Alpha & Delta hier harmonischer, da gleichmäßiger wirkt. Unbestreitbar ist der D2 im oberen Frequenzbereich weniger effekthascherisch als der T1. Der Bass des D2 ist schneller, weniger schwammig und handhabt schnelle Bassattacken routinierter. Auch insgesamt scheint der D2 geringfügig kontrollierter und detaillierter.
Was die Bühne betrifft, sind beide In-Ears vergleichbar breit spielend, wobei der D2 etwas mehr räumliche Tiefe und der T1 Höhe besitzt. Der D2 separiert Instrumente ganz geringfügig präziser.

Brainwavz Jive:
Der Jive ist badewanniger abgestimmt und besitzt die distanzierteren Mitten mit den vordergründigeren unteren und oberen Höhen (manchmal kann der untere Hochton etwas anstrengend sein). Der D2 besitzt mehr Oberbass und unteren Grundton, wodurch er fülliger sowie bassiger klingt obwohl der Jive mehr Mid- und Tiefbass besitzt. Der Brainwavz besitzt die helleren Mitten. Der Hochton des D2 ist gleichmäßiger und feinzeichnender.
Der Bass des D2 ist etwas besser kontrolliert und weniger schwammig. Im Mittelton klingt der Jive klarer und weniger verhangen. Insgesamt löst der D2 geringfügig besser auf und spielt kontrollierter.
In Sachen Bühnentiefe sind beide gleichauf, doch ist die des D2 etwas breiter, mit der ebenfalls etwas präziseren Ortung und Instrumententrennung.

Alpha & Delta AD01:
Der AD01 besitzt etwas mehr unteren und oberen Hochton, jedoch nicht viel – er klingt noch immer sanft und bassig. Tief- und Midbass-Quantität sind vergleichbar, jedoch besitzt der D2 den stärker ausgeprägten Oberbass sowie unteren Grundton, weshalb er bassiger und fülliger klingt.
Im Mittel- und Hochton geht der AD01 feinzeichnender ans Werk und besitzt die überlegene Sprachverständlichkeit, Feinauflösung sowie Authentizität. Insgesamt betrachtet jedoch liegt die Auflösung nicht weit auseinander.
Während der AD01 ebenfalls im Bassbereich etwas mehr Details aufdeckt, ist der D2 im Tiefton kontrollierter als auch schneller, mit der höheren Festigkeit.
Die Bühne des D2 ist geringfügig breiter und tiefer, bei weniger Höhe. Überraschenderweise besitzt der D2 die etwas bessere und präzisere Instrumententrennung.


Fazit:



Der Alpha & Delta D2 ist ein ordentliches Bass-orientiertes Anfängermodell für eine sorglose, strapaziöse Benutzung. Die In-Ears sind sehr stabil, bieten für den Preis eine sehr gute Auswahl an inkludiertem Zubehör und besitzen ein Kabel mit exzellentem Knickschutz.
Wer nach einem basslastigen, sanften und recht gut kontrollierten In-Ear für den Einsatz in eher lauter Umgebung sucht, kann sich den D2 ruhig mal genauer ansehen. Er ist nicht der bestauflösende In-Ear und auch nicht das beste Modell für vokalhaltige Musik, eignet sich dennoch sehr gut für Elektro und bietet bei dem Preis eine angemessene Auflösung mit eine fairem Gegenwert und einer guten Bühne.

Insgesamt erzielt der D2 4,16 von 5 möglichen Sternen für den Preis bei meiner üblichen 70% Klang/Preis (79/100) zu 30% Komfort/Design/Verarbeitung (93/100) Gewichtung.


Bonus – Frequenzgänge:


Gold: D2 I Rot: Jive I Hellgrau: T1 non-E I Dunkelgrau: AD01

(über die Messungen)