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Muse M-680 BTC: ein etwas überteuertes "Küchenradio" mit ein paar Mängeln - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Portable Bluetoothlautsprecher mit Akkus, häufig auch "Miniklangwunder" genannt, gibt es mittlerweile in Hülle und Fülle in verschiedenen Preisbereichen. Wie tauglich aktuelle Modelle sind, kann ich ehrlich gesagt nicht beantworten, da meine letzte ernsthafte Begegnung mit diesenmehr als fünf Jahre zurückliegt. Die Modelle von damals waren hauptsächlich auch nicht ganz portabel sondern auf den Netzbetrieb ausgelegt und verfügten über 30-Pol Apple-Anschlüsse. Auf der ernsthaften Suche nach einem solchen Gerät für das Wohn- oder Schlafzimmer testete ich damals
Nun wurde ich ausgewählt, auf Amazon einen Bluetooth-Lautsprecher namens Muse M-680 BTC (http://amzn.to/26T447x) zu testen. Bei diesem handelt es sich eigentlich eher um eine stationäre All-In-One Kompaktanlage als einen Bluetoothlautsprecher, so gibt es neben der obligatorischen Bluetooth-Funktion mit NFC noch Aux-Eingänge, einen CD-Player und die Möglichkeit, MP3s über USB abzuspielen.
einige Modelle im Preisbereich zwischen ~ 250 und 800€. Die Ergebnisse waren dabei recht ernüchternd: dosiger Klang, stark bassbetont oder gar basslastig (mit dröhnendem Grundton), mäßige Detailauflösung, kaum Bühne. Ein optisch sehr schönes Modell für 800€ und ein von der Presse als Preis-Leistungswunder gewertetes Modell für 350€ konnten mich gar nicht überzeugen: entweder zu basslastig oder stumpf und detailarm klingend. Die beiden solide klingenden Modelle für 600 und 700€ klangen zwar ordentlich, dennoch war mir der Größenvorteil gegenüber einer klanglich besseren Kompaktanlage nicht entscheidend genug. So kam es, dass ich keines dieser "Spielzeuge" kaufte.
Den Test habe ich etwas strukturiert und hier in meinen Blog importiert und gegliedert. Verzeiht mir deshalb die mäßigen Bilder und die andere Struktur. Sofern ich Zeit habe, folgt vielleicht noch irgendwann man ein Video, das den Klang demonstriert.
Zum Zeitpunkt des Testes war der Preis so hoch wie die UVP (159€).

Für die Leistung ist der No-Name Lautsprecher meiner Meinung nach zu teuer, zudem gibt es hier und da ein paar Mängel - aber lest am besten selbst:


Einleitung, Lieferumfang:


Der Muse M-680 BTC ist ein stationärer CD-Spieler und Bluetooth-Lautsprecher mit UKW-Radio. Daneben bietet er auch noch zwei USB-Abschlüsse (einen zur Musikwiedergabe, den anderen zum Aufladen mobiler Geräte), NFC (zur einfachen Bluetooth-Kopplung kompatibler Geräte), eine Uhr- und Weckfunktion sowie einen 3,5 mm Klinken- und einen zweiten AUX-Eingang. Eine Fernbedienung (inklusive Batterien) ist im Lieferumfang ebenfalls enthalten, ebenso eine Bedienungsanleitung, das Netzteil und ein 3,5 mm Klinkenkabel.







Anschlüsse:


Auf der Vorderseite befinden sich neben den Lautsprechern (zwei kleine Breitbänder, die sich hinter einer abnehmbaren Bespannung verstecken) das Display mitsamt Knöpfen zur notdürftigen Bedienung (die hauptsächliche Bedienung erfolgt über die Fernbedienung), eine ausfahrbare CD-Lade, ein 3,5 mm Klinkeneingang (Line In) und zwei USB-Buchsen (eine zum Abspielen von Musik, die andere zum Aufladen portabler Geräte mit 5 V).
Das Radio steht auf vier Füßen sicher und stabil.
Die Rückseite besitzt zwei Bassreflexrohre, der Anschluss für das (leider recht kurze) Netzkabel, eine integrierte Wurfantenne und einen weiteren Cinch-Eingang für ein externes Quellgerät.




Haptik, Verarbeitung:

Das Radio ist bei näherer Betrachtung eher mittelmäßig anmutend, da die Oberfläche aus simpler rauer, gängiger Kunststofffolie besteht und sich das Gehäuse als günstiges wenngleich stabiles Pressspan-Holz entpuppt. Auch spürt man beim Drücken der Tasten, dass die Vorderseite aus dünnem Plastik besteht und recht schnell nachgibt. Auch ist die CD-Lade recht klapprig und dünn, dazu gibt es an mehreren Stellen geringe Klebereste. Ganz wie ein Produkt, das auseinanderfällt, wirkt das Gerät nicht, bei näherer Betrachtung ist der Eindruck jedoch eher mäßig und man merkt, dass hier an einigen Stellen gespart wurde. Bei dem Preis zusammen mit dem Funktionsumfang ist das jedoch meiner Meinung nach (gerade noch) in Ordnung.
Mit den Tasten an der Front kann man das Gerät ein- und ausschalten (Letzteres benötigt einen ca. drei Sekunden dauernden Druck auf die ON/OFF/MODE Taste), den Modus wechseln (Bluetooth, CD, Radio, USB, Aux1, Aux2) und grundlegende Funktionen steuern – für komplexere Befehle ist die Fernbedienung vorgesehen.

Das Display ist sehr rudimentär gehalten, wird jedoch gut ausgeleuchtet und bietet einen sehr guten Kontrast – hier habe ich ehrlich gesagt weniger erwartet.






Bedienung, Funktionen:

Die Bedienung ist mit der Fernbedienung recht selbsterklärend und für alle Funktionen gibt es eine Taste. So lässt sich etwa das Display dimmen (ein, gedimmt, aus), ein Sleep-Timer von bis zu 90 Minuten einstellen oder zwischen den Quellen wählen.
An Klangeinstellungen gibt es eine zuschaltbare Loudness (Anhebung der unteren und oberen Frequenzen), eine Bass- und Höhenregelung (je +/- 4 Stufen) sowie ein paar vorgegebene EQ-Presets. Was aktiv ist, lässt sich im Display ablesen.
Ist das Gerät ausgeschaltet, wird die Uhrzeit angezeigt (diese muss manuell eingestellt werden), was auch geschieht, wenn man die Fernbedienung für eine gewisse Zeit nicht benutzt hat.

Die Bedienung erfolgt insgesamt recht flüssig, manchmal benötigt das Gerät dennoch eine halbe „Bedenksekunde“, was etwas irritierend ist. Auch werden Befehle der Fernbedienung nicht immer sofort erkannt (und das, obwohl die Signalstärke hoch ist – im Nebenraum wurde meine LED-Ambientbeleuchtung aktiviert).


Bluetooth-Betrieb:

Ein NFC-fähiges Quellgerät befindet sich aktuell leider nicht mehr in meinem Besitz, jedoch habe ich in der Vergangenheit mit meinem BlackBerry Q10 und einem kleinen portablen Lautsprecher diese Funktion testen können, die beim Muse M-680 BTC genau so funktioniert (NFC aktivieren und an die Schnittstelle halten, dann verbinden sich beide Geräte automatisch via Bluetooth).
Im Bluetooth-Modus (getestet habe ich diesen mit meinem iPhone) blinkt eine blaue LED auf der Gerätevorderseite, was ganz nett ist. Dazu ertönt auch beim Aktivieren und Koppeln ein Ton. Wer mit Bluetooth-Lautsprechern schon etwas Erfahrung besitzt, kennt dies sicherlich auch schon.
Das Koppeln erfolgt schnell und ohne Code-Eingabe (mit dem iPhone, mit anderen Geräten kann dies variieren). Beim nächsten Mal verbinden sich beide Geräte automatisch.
Praktisch hierbei ist, dass sich die Wiedergabe (Play, Pause, Titelwechsel) auch per Fernbedienung steuern lässt.


AUX-Eingänge:

Der AUX-Eingang ist selbsterklärend – per 3,5 mm Klinkenkabel auf der Vorderseite beziehungsweise rückseitig via Cinch-Anschluss kann man ein externes Wiedergabegerät (z.B. MP3-Player) an den Muse-Lautsprecher anschließen. Dazu kann man beide Eingänge separat ansteuern. Die Wiedergabe übernimmt das angeschlossene Gerät und am Muse reguliert man lediglich die Lautstärke (und, sofern man möchte, den Klang (Loudness, EQ, Bass-/Höhenregelung)).


CD-Betrieb:

Das CD-Fach benötigt etwas Zeit zum Aus- und Einfahren. Das Einlesen dauert auch einige Sekunden, danach wechseln die Titel auf Wunsch jedoch ohne Verzögerung. Hier kann man auch mithilfe der Fernbedienung eine zufällige Reihenfolge oder Wiederholungen einstellen.


Wiedergabe von USB-Sticks:

Das Einlesen von MP3-Titeln auf USB-Sticks erfolgt sehr schnell. Auch hier kann man eine Zufallswiedergabe oder Wiederholungen einstellen.


FM-Radio:

Das Radio besitzt leider keine RDS-Funktion, was im heutigen Zeitalter nicht mehr ganz zeitgemäß ist. Zu einem Abzug führt das aber nicht. Man kann einen automatischen Sendersuchlauf starten oder die Sender manuell einspeichern. Sowohl das automatische als auch das manuelle Suchen nach Sendern erfolgt leider recht langsam. Bei der automatischen Sendersuche besteht auch das Problem, dass die Suche zu fein eingestellt ist und „halbe Sender“ (Rauschen oder sich überschneidende Sender) auch gespeichert und gefunden werden. Dadurch habe ich statt 7 der hier empfangbaren Sender mehr als 20 im Senderspeicher.


Lautstärke:

Insgesamt gibt es 30 Lautstärke-Stufen (zuzüglich zur Stummschaltung), wobei die eingestellte Lautstärke leider nicht gespeichert wird – bei jedem neuen Einschalten ist die Lautstärke wieder auf 15, was ärgerlich ist, da dies bereits recht laut ist. Das ist meiner Meinung nach ganz klar ein Mangel.
Die Abstufungen sind recht gut und fein gewählt, hier gibt es keine großen Sprünge. Die geringste Lautstärke könnte manchmal, wenn man sehr leise hören will, auch etwas geringer ausfallen, geht insgesamt aber in Ordnung (die Mehrheit der Nutzer wird sich daran sehr sicher nicht stören).


Klang:

Kommen wir mal zum Klang. Hierbei sei noch erwähnt, dass meine hauptsächliche Lautsprecher-Anlage im vierstelligen Eurobereich liegt, ebenso meine Kopfhörer-Kette. Erfahrung mit preisgünstigen Modellen habe ich aber auch (bei Kopfhörern zuhauf, auch im Preisbereich um 10€ und weniger) und meine Drittanlage besteht aus selbst gebauten Kompaktlautsprechern (auch Breitbänder) für ca. 70€ (die Lautsprecher allein). Wenn es unbedingt notwendig ist, kann ich auch mit den Laptop-Lautsprechern oder dem grausigen Mobiltelefon-Lautsprecher Musik hören (nicht mit Genuss, aber wenn man sich etwas unbedingt ansehen/anhören will/muss, ist dies unumgänglich). Daher bewerte ich das Muse-Radio auch nicht mit hohen Ansprüchen, sondern als einfachen, kompakten Lautsprecher.

Mit Schutzgitter wird der Hochton etwas bedämpft und der Klang mittenlastiger. Nimmt man die Abdeckung ab, kommt der Hochton klar daher.
Bei den verbauten Lautsprechern handelt es sich um kleine Breitbänder in einem kleinen Bassreflexgehäuse, also darf man keinen allzu weitreichenden Tiefgang erwarten. Dennoch, heutzutage ermöglicht es die moderne Technologie, dies durch den Einsatz von sogenannten DSPs auszugleichen und den Frequenzgang nach unten hin auch trotz kleiner Gehäuseabmessungen zu erweitern. Hier patzt der Muse etwas – Grundtongegrummel, das als Bass verwechselt werden könnte, gibt es noch in vollem Umfang, unterhalb von 200 Hz, wo dann bald der Kickbass beginnt, fällt der Pegel dann aber auch schon recht schnell ab. Statt eines sauberen, definierten Kicks kommt bei 100 Hz nur ein eher flaches „Plopp“ (bei erhöhter Lautstärke bessert sich dies zwar etwas, aber die Lautsprecher spielen hier unterhalb ihrer Möglichkeiten). Von Mid- und Tiefbass braucht man hier natürlich gar nicht erst zu sprechen. Das ist schon etwas schade – mit einem von der Lautstärke abhängig arbeitenden (oder auch fixen) DSP ließe sich der Tonumfang nach unten hin erweitern, sodass wenigstens bei 100 Hz der Pegel etwas linearer ohne Abrollen vorhanden wäre. Der Einsatz der internen Bassregelung bringt hier nichts und hebt lediglich den (unteren) Grundton an. Eine sonst übliche Kaschierung des geringen Tonumfangs nach unten hin durch einen angehobenen Kickbass gibt es hier nicht.
Tonal (ohne Abdeckung) ist der Grundton etwas angehoben und lässt Stimmen ein wenig auf der wärmeren Seite erscheinen, was bei solchen Lautsprechern nicht unüblich ist. Senkt man den „Bass“ mittels der Regelung etwas ab,  werden Stimmen etwas neutraler, bleiben durch den oberen Grundton dennoch noch ein wenig auf der wärmeren Seite. Insgesamt ist der Mittelton jedoch nur gemäßigt wärmer als neutral und fällt definitiv nicht unangenehm auf. Insgesamt ist der Mittelton natürlich klingend und nur nach ganz neutralen Standards etwas wärmer und dunkler. Befinden sich die Ohren direkt auf der Achse vor den Breitbändern, ist der Hochton klar und gut differenziert. Typisch für Breitbänder jedoch ist die Abstrahlcharakteristik recht stark gerichtet, weshalb der Hochton klar abnimmt, sobald man sich neben den Lautsprechern oder mit dem Kopf darüber befindet (dies stellt keine Kritik dar und ist einfach so, wie diese Art von Lautsprechern nun mal eben Töne abstrahlt).
Eine super Detailauflösung sollte man nicht erwarten, aber für gute Hintergrundbeschallung ist der Klang mehr als Ausreichen – der Hochton kommt recht sauber und gut differenziert daher, bei Zimmerlautstärke verzerrt nichts und auch der Grundton/die Reste des Oberbasses sind nicht zu schwammig. Im Hochton spielt der Lautsprecher sogar etwas feinzeichnender als meine 70€ Selbstbaulautsprecher der Drittanlage, welche jedoch im Mittelton detaillierter klingen, pegelfester sind und den besseren Tiefgang bieten.
Bei dieser Lautsprecheranordnung kann man leider prinzipbedingt nicht von einer Bühnendarstellung sprechen (mit jedem Paar an 10€ PC-Lautsprechern, sofern man diese ordentlich positioniert, erreicht man mehr Räumlichkeit und Bühne), aber etwas räumliche Tiefe gibt es doch, wenn man vor den Lautsprechern steht (an Breite mangelt es ihnen, wenig verwunderlich, nahezu gänzlich).

Klanglich macht sich der Muse trotz der kleinen Breitbänder also nicht wirklich schlecht, bietet jedoch etwas Verschenktes Potenzial, da man mit einem DSP noch etwas linearen Tiefgang aus dem Gehäusevolumen herauskitzeln könnte.


Fazit:

Damit kommen wir also zum Fazit:
Der Klang ist relativ ordentlich, könnte mit einem DSP dennoch einen noch etwas tiefer reichenden Tonumfang besitzen. Der Funktionsumfang ist gut, aber kein Alleinstellungsmerkmal (andere, auch namhafte, Geräte in diesem Preisbereich und darunter bieten das gleiche und für 20-30€ kann man als Privatperson kombinierte Verstärkermodule mit allen Funktionen bis auf den CD-Spieler aus Asien beziehen). Das Display ist nichts Besonderes, bietet jedoch einen sehr guten Kontrast. Dass die Lautstärke nach dem Versetzen des Gerätes in den Standby nicht gespeichert wird, ist ein klarer Mangel. Der Sendersuchlauf könnte etwas schneller sein, dazu werden die Eingaben der Fernbedienung nicht immer sofort erkannt und manchmal benötigt das Gerät eine halbe „Bedenksekunde“ zu viel. Die haptische Anmutung könnte bei genauerem Betrachten etwas hochwertiger sein. Manchmal, wenn man sehr leise hören möchte, könnte die geringstmöglche Lautstärke etwas niedriger sein (kein wirkliches Kontra für die Meisten, da ich manchmal wirklich gern sehr leise höre).
Abgesehen von diesen Mängeln (, von denen das Vergessen der letzten Lautstärke der klar gravierendste ist), habe ich ein wenig Probleme mit dem Preis – bei ~ 160€ für ein recht unbekanntes Gerät ist das Preis-Leistungsverhältnis nicht gegeben (das wäre es auch nicht bei einem Markengerät). Vergleichbare Geräte (CD, Radio, Display, AUX, Bluetooth, NFC, Fernbedienung) namhafter Hersteller aus Japan sowie No-Name-Produkte bekommt man für weniger Geld und mit höherwertigerer Materialauswahl (~ 130€, Aluminium, besseres Display, RDS).

Deshalb gibt es auch in der Gesamtwertung nur 2,5 von 5 möglichen Sternen – mit einer besseren Materialanmutung, ohne die kleineren und größeren Mängel hier und da sowie zu einem geringeren Preis wäre das Gerät vielleicht sogar konkurrenzfähig.