Translate

Westone 4R: mein Testbericht nach mehreren Jahren des Besitzens - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Unter all denjenigen, die nicht ganz neu im Kopfhörer-Hobby sind, sollte Westone kein unbekannter
Name sein und ist ein international agierender „big player“ aus Amerika. 1959 mit dem Hauptaugenmerk auf Gehörschutz und In-Ear Monitoring gegründet, hat die Firma auch den E1 sowie E5 für Shure designt und einige von Ultimate Ears‘ ersten Produkten entworfen und produziert, als Jerry Harvey noch UEs Eigentümer war, bevor er die Firma Jahre später an Logitech verkaufte – aber dies ist wiederum eine andere Geschichte für ein anderes Kapitel. Diese sehr knappe Information sollte euch jedoch schon einen recht guten Einblick über Westone, eine wirklich einflussreiche Firma im In-Ear Geschäft, geben.
In der näheren Zeitgeschichte setzt sich die Tradition fort und Westone produziert noch immer Gehörschutz, aber auch Ohrpassstücke für den militärischen Gebrauch, maßgefertigte Ohrpassstücke, maßgefertigte In-Ears für Live-Musiker sowie universell passende In-Ears für den privaten und professionellen Gebrauch.
Das Quad-Driver Modell W4/4R (/40) bekam in der deutschen Kopfhörer-Szene recht viel Beachtung und wurde zu seiner Zeit als einer der technisch besten universellen In-Ears angepriesen – obwohl ich dem Meisten davon zustimme, würde ich dennoch nicht sagen, dass der In-Ear jedermanns Geschmack trifft, aber mehr dazu im weiteren Verlauf meines Reviews.

Ich weiß, dass ich den W4R, die Version des W4 mit austauschbaren 2-Pin Kabeln und überarbeitetem Aufbewahrungsetui, direkt gekauft habe, als der In-Ear veröffentlicht wurde. In welchem Internet-Shop dies erfolgte, weiß ich leider nicht mehr, doch erinnere ich mich noch daran, genau 439€ bezahlt zu haben.

Da der W4 und W40 laut Westone technisch identisch mit dem W4R sein sollen, könnte dieses Review auch für alle Leser interessant sein, die den Kauf eines gebrauchten W4 oder neuen W40 in Betracht ziehen.



Technische Daten:

Empfindlichkeit: 118 dB SPL @ 1 mW
Tonumfang: 10 Hz – 18 kHz
Impedanz: 31 Ohm @ 1 kHz
Treiber: 4x Balanced Armature, drei-Wege-Frequenzweiche (2x Bass, 1x Mittelton, 1x Hochton)


Lieferumfang:

Die In-Ears werden in einer Pappschachtel mit einem äußeren Schuber in Aluminium-Optik geliefert.
Die eigentliche darunterliegende Verpackung besitzt einen Deckel im Buchdeckel-Stil, der mittels Klettverschluss befestigt ist. Darin befinden sich dann die In-Ears, eine kleine Otterbox, eine Reinigungsbürste, ein 6,3 auf 3,5 mm Klinkenadapter, ein kleiner Lautstärkeregler und viele Ohrpassstücke (3x Schaumstoff, 3x Silikon (dunkelgrau), 3x Silikon (weiß, dickwandig) 1x Doppelflansch-Silikon). Außerdem findet man noch eine CD-Rom mit den Produktinformationen sowie eine Gebrauchsanweisung und ein handsigniertes Papier des Qualitäts-Prüfers.








Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die In-Ears bestehen aus sehr widerstandsfähigem Kunststoff und sind aus zwei Teilen hergestellt, die sehr sauber und fest miteinander verklebt sind. Die Außenseite zeigt in orangefarbenen Buchstaben „4R“, was indiziert, dass es sich um die Ausführung mit austauschbaren Kabeln handelt.

Über die Jahre ist das Kabel direkt an den Ohrstücken stellenweise etwas gehärtet (möglicherweise durch Schweiß, da ich die In-Ears auch gelegentlich beim Sport nutzte), insgesamt trotzdem noch immer sehr flexibel an beinahe allen Stellen.
Das Kabel ist ein dreiadriges, professionelles Modell, dessen einzelne Litzen wie im Profi-Bereich üblich verdrillt sind. Dadurch ist es sehr schmal im Profil, jedoch trotzdem sehr widerstandsfähig und flexibel. Sowohl der gewinkelte Klinkenstecker als auch der Knickschutz erscheinen gut gearbeitet und stabil, nur sind die Metallbügel direkt an den Hörern etwas zu kurz (mehr darüber im übernächsten Abschnitt).

Die kleine, schwarze und wasserdichte Otterbox mit orangefarbenem Verschluss ist innen vorbildlich ausgepolstert und besitzt zudem eine Aufnahmevorrichtung für eine Kordel oder einen Karabinerhaken.








Tragekomfort, Isolation:

Das Gehäuse der In-Ears ist ziemlich identisch mit dem von Shures In-Ears und wird deshalb für die meisten Menschen, mich eingeschlossen, sehr komfortabel sein. Der Winkel des Schallröhrchens ist etwas anders als bei In-Ears von Shure und manche werden den von Westone bevorzugen, wohingegen andere den steileren Winkel von Shures In-Ears präferieren. Ich gehöre zwar zur zweiten Gruppe, dennoch geben sich beide Winkel nicht viel und ich kann den W4R problemlos und sehr komfortabel über sehr lange Zeiträume tragen.
Was leider nicht ganz so toll ist, ist der Ohrbügel aus Draht: Ich weiß, dass viele Menschen keine Ohrbügel mögen und die W-Serie ohne austauschbare Kabel keine besaß. Ich persönlich mag Ohrbügel bei In-Ears, nicht jedoch die des W4R, denn bei diesen handelt es sich meiner Ansicht nach mehr oder weniger um eine Fehlkonstruktion, da der Draht sehr kurz ist und somit etwa oben an meinen Ohren statt dahinter endet, was sich etwas merkwürdig beim Tragen anfühlt. Ich denke, traditionelle, längere Ohrbügel oder der Verzicht auf ebenjene wäre eine bessere Entscheidung gewesen, denn die implementierte Form an Ohrbügeln lenkt lediglich das Kabel ein wenig in die richtige Richtung, als einen wirklichen Nutzen zu bereiten. Vielleicht ist dies aber auch nur meine Ansicht.

Mikrofonie gibt es überhaupt nicht, wenn man den guten Kinnschieber verwendet, jedoch nicht unbedingt bis zum Anschlag nach oben festzieht. Wie bei der Mehrheit an geschlossenen BA In-Ears ist die Geräuschisolation sehr gut.


Klang:

Zum Hören verwendete ich stets die inkludierten grauen Silikonaufsätze in der größten Größe sowie Quellgeräte mit um die oder weniger als 1 Ohm Ausgangsimpedanz.

Tonalität:

Der W4R klingt eher voluminös, mit einem Fokus auf den Midbass/Oberbass/unteren Grundton und einem sanften, jedoch nicht zurückgesetzten Mittelton.

Bereits bei etwa 800 Hz beginnt die Betonung im Tiefton anzusteigen und erreicht auch recht früh ihren Höhepunkt bei 200 Hz, daher klingt der untere (sowie auch mittlere) Grundton als auch Oberbass voll und voluminös und der Tiefton besitzt einen guten Kick. Verglichen mit meinem UERM beträgt die Betonung etwa 4,5 dB; im Vergleich zum nochmals neutraleren Etymotic ER-4S ist der Bass um etwa 7 dB angehoben (BA-typisch ist der Tiefton dennoch nicht so fühlbar oder „schiebend“ wie bei einem In-Ear mit dynamischen Treibern – von einem Basshead-Modell ist der W4R noch recht merklich entfernt). Der Pegel kann bis etwa 60 Hz aufrechtgehalten werden und rollt dann gen 20 Hz ab, wo er noch geringfügig oberhalb von Null ist, aber hörbar vom Mid- und Oberbass überdeckt wird. Durch die recht früh startende Tieftonbetonung wirkt der Bass recht warm und füllig. Obwohl der Grundton nicht zu sehr in den Mittelton hineinstrahlt, sind Stimmen doch etwas betroffen und befinden sich etwas mehr auf der wärmeren, dunkleren Seite, ohne jedoch wirklich verfärbt zu klingen – das Timbre im Mittelton stimmt, insgesamt ist es im Bass aber etwas abweichend und der In-Ear stellt durch den fülligen Grundton Instrumente mit dem Grundtonumfang in diesem Bereich etwas zu warm klingend dar.
Zwischen 800 und 1,5 kHz ist der Pegel recht flach, fällt danach (in den oberen Mitten/unteren Höhen) aber etwas zurück, wodurch es weiblichen Stimmen ein wenig an Schmelz und Luftigkeit fehlt, was insbesondere aber auch an der folgenden, eher tief ausfallenden Senke bei 5 kHz liegt, die den Bereich der Mitten allgemein recht entspannt und „smooth“ erscheinen lässt, da ein Teil der Obertöne von Stimmen leiser wiedergegeben wird.
Bei 8 kHz höre ich beim Sweepen einen Peak, dessen Pegel mit dem des Mitteltons identisch ist und der keineswegs spitz, hell oder einschneidend klingt (wodurch er den manchmal typisch scharfen Charakter des verwendeten Knowles TWFK nicht übernimmt). Im Superhochton reicht der Pegel noch gut hoch bis etwa 13 kHz, bei etwas weniger „Glitzern“ als bei heller abgestimmten In-Ears (hier fehlt jedoch nichts).

Die 5 kHz Senke in den mittleren Höhen ist für den größten Teil der Sanftheit und Entspanntheit im Mittelton verantwortlich und eigentlich eine Sache der eigenen Präferenz. Für viele wird sie für ermüdungsfreies Hören über Stunden hinweg sorgen. Mir persönlich ist diese Senke beim W4R schon klar zu deutlich ausgeprägt und ich vermisse etwas ausgleichende Helligkeit im unteren oder oberen Hochton.
Als Zyniker könnte ich den eher aufgebläht erscheinenden Midbass und Grundton mit der Senke im mittleren Hochton bei 5 kHz als „amerikanisches Sounding“ bezeichnen. Dennoch kenne ich einige Menschen, denen diese klangliche Abstimmung auch sehr gut gefällt, was auch keineswegs verwerflich ist. Mir persönlich, so kann ich nach mehreren Jahren des Besitzes sagen, ist der Klang nach längerer Hörzeit etwas zu weichgespült und „mit Zuckerguss übergossen“ – eine geringer ausgeprägte Senke in den mittleren Höhen mit einem tiefer ansetzenden Bass würde mir längerfristig besser gefallen. Bei Pop-Musik, so muss ich zugeben, kann der W4R aber auch mir manchmal sehr viel Spaß bereiten.

Auflösung:

Hier gibt sich der W4R keinerlei Blöße und die Behauptungen der deutschen Community von vor mehreren Jahren sind keine Lügen, denn der Westone ist in der Tat einer der besten In-Ear mit universellem Gehäuse und kann sich gut mit anderen sehr guten universellen In-Ears im Preisbereich von bis zu 1000$ messen: die Modelle, die doppelt bis drei Mal so viel wie der W4R kosten, machen manche Sachen etwas anders oder geringfügig besser, sind technisch jedoch vergleichbar. Hier kommt einfach das Gesetz des abnehmenden Ertrages zum Tragen, mit einem beschränkten Wachstum des Klanges bei einem stark exponentiell steigenden Wachstum des Preises – ob man willens ist, für geringe technische Verbesserungen oder gar nur Sachen, die etwas anders sind, den (teils deutlich) höheren Preis zu zahlen, ist eine persönliche Entscheidung (bei manchen Kopfhörern im Preisbereich von 1000€+ war sie es mir wert).
Der Bass ist schnell, trocken und detailliert (wenngleich der Tiefton meines UERM noch ein wenig schneller ist), der (obere) Hochton ist trotz des „Peaks“ sanft und von jeglicher Schärfe befreit, klingt sehr leichtgängig und präsentiert sehr feine Details ohne irgendeine Anstrengung oder unnötige Betonungen und trotz der 5 kHz-Senke. Obwohl ich mir persönlich etwas mehr „Schmutzigkeit“ und Kanten im Mittelton wünsche (die Präsentation, wie sie ist, liegt an der Senke im mittleren Hochton), ist dieser Bereich sehr detailliert klingend, auch wenn er moderat hinter der Präsentation meines UERM oder SE846 liegt – insgesamt gesehen jedoch kommt der W4R beiden, was die Detailauflösung betrifft, enorm nah.
Verglichen mit manchen anderen dreifach- und vierfach-Treiber In-Ears wie dem UE900, FA-4E XB oder DN-2000J ist der W4R der insgesamt (manchmal mehr und manchmal weniger offensichtlich) besser auflösende In-Ear (W4R > DN-2000J ~ UE900 > FA-4E XB).

Räumliche Darstellung:

Die Bühne ist wirklich sehr breit. Nicht ganz so sehr wie bei einem Sennheiser HD 800, jedoch kommt die Bühne des Westone der des Sennheiser ziemlich nah und für In-Ear Verhältnisse ist sie enorm breit. Breit genug, dass sie oft klar seitlich den Kopf verlässt, ist sie allemal, und dies ziemlich deutlich. Daher ist es für den In-Ear kein Problem, Instrumente und tonale Elemente sehr fein und präzise voneinander getrennt aufzuteilen, auch wenn diese noch so klein sind.
Dennoch, dem Westone fehlt es klar an räumlicher Tiefe – von dieser gibt es nämlich annähernd nichts. Wenn es Nachhall auf der Aufnahme gibt, wird dieser als Nachhall dargestellt, jedoch nicht als Räumlichkeit: die Bühne des W4R bleibt einfach flach. Dabei verhält sie sich ähnlich wie eine Plakatwand: sehr breit und man sieht, dass sich auf dem Foto ein dreidimensionaler Raum befinden soll, aber er ist nicht real und die Plakatwand bleibt einfach flach, ohne einen echten Eindruck von Tiefe. Daher kann der In-Ear auch nicht wirklich intim spielen, sondern man hat das Gefühl, eine oder zwei Reihen weiter hinten zu sitzen. Nutzt man einen Equalizer, ändert sich dies beim Westone für mich gar nicht.

---------

Im Vergleich mit anderen In-Ears:

Logitech UE900:
Der UE ist ein subjektiv klar ausgewogener/neutralerer In-Ear mit geringerer Bassquantität und der flacheren Tieftonbetonung bis in den Tiefbass hinein. Die Geschwindigkeit ist in etwa gleich. Während der W4R eher voll und mit einem dicken Midbass sowie unteren Grundton klingt, ist der UE vergleichsweise dünner; insgesamt ist das Timbre des UE900 etwas neutraler. Die Mitten des UE900 befinden sich ein wenig auf der dunklen Seite, beim W4R klingen sie noch etwas wärmer und dicker aufgrund des betonten unteren Grundtons. Der mittlere Hochton des UE ist auch etwas entspannt (wenn auch breitbandiger), jedoch ganz klar weniger als der des Westone.
Was die Bühne betrifft, ist die des UE900 seitlich schmaler (wenngleich nicht im Geringsten eingeengt), mit etwas mehr räumlicher Tiefe. Die Instrumentenseparation des W4R ist etwas schärfer, dafür ist seine Bühne hingegen Tiefen-mäßig nahezu komplett flach wo die des UE etwas Tiefgang besitzt (insgesamt dabei dennoch etwas mehr auf der flachen als dreidimensionalen Seite spielt; ich würde sagen, die Bühne des UE ist etwa durchschnittlich).
Beide sind, was die Detailauflösung betrifft, nicht zu weit voneinander entfernt, dennoch ist der W4R der detailliertere In-Ear. Während es keinen ganz deutlichen Unterschied im Bass und Hochton gibt, wird die Differenz spätestens im Mittelton deutlich, wo der UE leider etwas stumpf und nicht so feinzeichnend wie in seinen tiefen und hohen Frequenzen klingt (an für sich betrachtet ist der Mittelton des UE900 relativ gut, doch sein Bass und Hochton lösen einfach hörbar besser auf).

Shure SE846:
Mit den „Referenz“ Filtern ist die 5 kHz-Senke des Shure etwa gleich stark ausgeprägt, wodurch seine Mitten gleich sanft klingen, jedoch etwas detaillierter sind. Wechselt man zu den „Hochton“ Filtern, ist die Senke weniger stark präsent, wodurch der Mittelton definitiv nicht mehr so sanft und entspannt wie zuvor klingt (nicht mit „zurückgesetzt“ zu verwechseln, denn der Mittelton des Shure ist sogar etwas betont), obgleich er sich noch immer auf der eher sanften Seite befindet.
Der Shure ist ein auf den Tiefbass fokussierter In-Ear, der Westone einer, dessen Tieftonbetonung sich mehr auf den Midbass konzentriert, wodurch der W4R voluminöser klingt. Der untere Grundton/untere Mittelton des Westone klingt dicker obwohl der Shure hier definitiv auch kein dünn klingender In-Ear ist. Der Superhochtonumfang oberhalb von 10 kHz ist beim Westone hörbar besser.
Was die Auflösung betrifft, sind beide Quad-Driver so ziemlich gleichauf. Was den SE846 insgesamt dennoch den etwas besseren In-Ear macht, sind seine rundere und tiefere (wenngleich auch merklich kleinere) Bühne mit der etwas besseren Darstellung von Leere und minimal schärferen Instrumentenseparation sowie die insgesamt etwas bessere Auflösung im Mittelton und nicht zuletzt seine höhere Natürlichkeit – für geringe Änderungen oder technische Verbesserungen zahlt man in diesem Preisbereich eben einen exponentiell ansteigenden Preis bei beschränktem Wachstum der technischen Fähigkeiten, und bei weniger als dem halben Preis des SE846 bietet der W4R bereits 90-95% der klanglichen Qualität des Shure. Die Bassgeschwindigkeit der beiden In-Ears ist vergleichbar.

ORIVETI PRIMACY:
Der Grund, weshalb ich diesen hybriden In-Ear überhaupt in diesen meiner Meinung nach eher wenig Sinn ergebenden Vergleich aufnehme, liegt schlichtweg daran, dass der PRIMACY einige Gemeinsamkeiten mit dem W4R aufweist (Sanftheit und Entspanntheit), einige Sachen, die Abstimmung betreffend, subjektiv nach meinen persönlichen Präferenzen jedoch etwas besser macht.
Die Bassbetonung des PRIMACY folgt weniger der Form eines Buckels und ist eher flach ansteigend mit aufrechtem Pegel bis in den Tiefbass hinein, wo der Westone abrollt. Da die Bassbetonung des ORIVETI auch etwas tiefer anzusteigen beginnt, klingt der In-Ear im unteren Grundton weniger füllig. Der PRIMACY besitzt ebenfalls eine „Relaxed-Gen“ Senke bei 5 kHz, welche hingegen etwas weniger stark als beim W4R ausgeprägt ist und wodurch der hybride In-Ear weniger entspannt und sanft im Mittelton als der Westone klingt. Da der PRIMACY eine Betonung zwischen 1 und 2 kHz besitzt, sind seine Mitten auch präsent genug, um die Entspanntheit auszugleichen und auch der etwas stärkere Fokus auf hellere Stimmen hilft dabei, dass die Entspanntheit durch die 5 kHz Senke nicht zu deutlich oder gar nervend wird. Im oberen Hochton besitzt der PRIMACY einen stärkeren und steileren Peak (eigenartigerweise ist dieser beim Hören von Musik in mehr als 90% der Fälle kaum auffallend und man merkt ihn hauptsächlich eigentlich nur bei Sinus-Sweeps und auf Messgraphen), wodurch er etwas „luftiger“ klingt. Nach meiner subjektiven Präferenz ist die „entspannte und sanfte“ Abstimmung des PRIMACY besser gemacht, da sein unterer Grundton weniger präsent ist, er im Tiefbass nicht abrollt und die Betonung in den oberen Mitten die Senke in den mittleren Höhen etwas ausgleicht.
Die tonale Abstimmung (die ja höchst subjektiv ist, wenn es um die eigenen Vorlieben geht) mal ausgeblendet, ist der Westone der hörbar höher auflösende In-Ear und klingt präziser, mit der genaueren und klar breiteren wenngleich auch flacheren Bühne und dem wenig verwunderlich schnelleren und festeren Bass.


Fazit:

Während ich die technischen Fähigkeiten des W4R auf der objektiven Seite wirklich sehr wertschätze, mag ich ihn immer subjektiv nach einer gewissen Zeit nicht mehr, wenn ich ihn für eine längere Zeitspanne nutze – mir persönlich klingt er einfach zu entspannt sowie geschmeidig und die Präsenz im unteren Grundton sowie Ober- und Midbass ist mir im Verhältnis zum Tiefbass oft zu viel. Während der Grundton nicht zu sehr in den Mittelton hineinstrahlt, ist der Tiefton unbestreitbar voluminös und im Midbass auch etwas aufgebläht, dazu lässt die stärker ausgeprägte Senke bei 5 kHz den Mittelton  recht sanft und (für mich) auch ein wenig wie mit Zuckerguss überzogen klingen.
Während die Bühne sehr breit ist, besitzt sie leider so gut wie keine räumliche Tiefe.
Dies ist jedoch nur meine persönliche Meinung, die Abstimmung betreffend – eure kann da ganz anders aussehen und ich kenne auch manche Menschen, die den Westone (zurecht) sehr mögen, was keineswegs verwerflich ist, so habe ich den W4R/W40 auch schon mehrfach in der Vergangenheit empfohlen, wenn eine Suchanfrage auf das Profil des In-Ears zutraf.
Ja, ich kann ganz gut nachvollziehen, weshalb manche Menschen den Westone sehr mögen, denn er ist, was seine technischen Fähigkeiten betrifft, ein wirklich sehr guter In-Ear, auch wenn er meinen persönlichen Geschmack nicht so ganz trifft, zumindest längerfristig gesehen – und dennoch habe ich ihn noch immer nicht verkauft. Weshalb? Wahrscheinlich aufgrund dessen, dass er ein technisch sehr guter In-Ear ist.

Objektiv betrachtet ist der W4R ein In-Ear, der 4,3 von 5 möglichen Sternen erreicht – er löst sehr gut auf, ist wahrscheinlich noch immer unter den technisch besten universellen In-Ears unterhalb von 1000$ anzutreffen und besitzt eine sehr breite und fein separierte Bühne. Sein Klang ist eher voluminös, voll im Bass, sehr sanft und gänzlich ohne Ecken, mit einem entspannten jedoch nicht im Geringsten zurückgesetzten Mittelton. Klingt dies für euch attraktiv, könnte der Westone ein In-Ear sein, den ihr lieben werdet.

Wem würde ich ihn empfehlen? Natürlich vordergründig allen, die diese tonale Abstimmung mögen, da dies am wichtigsten ist. Ich denke zudem auch, dass Mainstream- und Pop-Hörer den W4R, seinen Vorgänger und Nachfolger sehr mögen könnten.


Bonusrunde – Frequenzgangs-Messungen:



Orange: W4R│Blau: UE900│Weiß: SE846 @ Hochton-Filter

 (Über die Messungen)