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Pai Audio MR4: ein Quad-BA In-Ear mit einer etwas ungewöhnlichen Aufteilung der Frequenzweiche - [Review] 🇩🇪


Prolog:

Pai Audio (http://www.paiaudio.com/indexEn.asp) ist eine noch relativ junge chinesische Firma mit
dem Firmensitz in Shenzhen, die 2014 gegründet wurde und sich auf die Herstellung von In-Ears spezialisiert hat. Eigenen Angaben zufolge besteht das dreizehnköpfige Team unter anderem aus nationalen Elite-Entwicklern aus dem Audiobereich.

Es ist schön zu sehen, dass Pai Audio, die auch Direktvertrieb bei ebay und hauptsächlich AliExpress betreiben, langsam wachsen und auch kontinuierlich ein internationales Netzwerk von Händlern, welche die Produkte der Firma führen, aufbauen.

Begonnen hat meine Reise mit Pai Audio mit dem MR3 (mein Review findet sich hier), den ich ohne vorherige Testberichte (die es zu dem Zeitpunkt schließlich nicht gab) blind gekauft hatte und sehr positiv überrascht wurde, denn trotz seines vergleichsweise geringen Preises von unter 200$ konnte er mit einigen westlichen Modellen, die bis zu doppelt so viel kosteten, ganz gut mithalten (meinen Shure SE425 übertraf er sogar recht mühelos) und bot eine sehr überzeugende Bühnendarstellung und Authentizität. Reviews der weiteren Pai Audio Produkte folgten.
Nun ist die Zeit gekommen und Pai Audio führt ein neues Modell für 2016 ein, den MR4, der, wie es der Name schon vermuten lässt, mit vier Balanced Armature Treibern ausgestattet ist. Diese sind über eine Frequenzweiche in drei akustischen Wegen aufgetrennt, wobei entgegen der gern genutzten 2x Bass, 1x Mittelton, 1x Hochton Auftrennung beim neuen Pai Audio Modell zwei Treiber für den Mittelton zum Einsatz kommen, was an sich aber nicht sonderlich ungewöhnlich ist, schließlich gibt es auch andere Quad-BA In-Ears, die so aufgebaut sind. Worin sich der MR4 jedoch unterscheidet, ist die Art der Treiber, denn der Logik widersprechend kommen zwei in ihrer Produktklasse unterschiedliche Miniatur-Lautsprecher für den Mittelton zum Einsatz, was bei mir, als ich dies zum ersten Mal hörte, schon eine gewisse Verwunderung und die Frage aufwarf, ob dies denn überhaupt gleichmäßig und harmonisch klingen könnte.

Wie sich diese etwas eigene Treiberauftrennung klanglich schlägt und ob ich meine Zweifel über Bord werfen konnte, wird dieses Review zeigen.

Wichtige Anmerkung: Es hat sich herausgestellt, dass man mir versehentlich den falschen Verkaufspreis mitgeteilt hatte (ich wünschte, ich hätte diese Information, dass der Preis auf der mir zugesandten Liste der technischen Daten ein Druckfehler ist, früher erhalten). Der reale Preis beträgt nun also nicht 239$, wie er fälschlich auf dem PDF-Dokument ausgewiesen war, sondern ist irgendwo um 300$ angesiedelt. Anhand dieser Information habe ich mein Review nun dementsprechend bearbeitet. Die Änderungen sind anhand der grünen Farbe ersichtlich.


Alex von Pai Audio hat mich kontaktiert und gefragt, ob ich Lust hätte, die In-Ears zu erhalten und einem ehrlichen und unbefangenen Test zu unterziehen, und natürlich hatte ich Interesse.


Technische Daten:

Preis: ~ 239$ irgendwo um 300$ herum
Treiber: 4; Balanced Armature
Akustische Wege: 3
Frequenzgang: 20 Hz – 18 kHz
Empfindlichkeit: 118 dB/mW
Impedanz: 45 Ohm
Maximale Lautstärke: 125 dB SPL
Leistungsaufnahme (RMS): 1,25 V
Kabellänge: 1,28 m


Lieferumfang:

Die Verpackung ist mit derer der anderen In-Ears von Pai Audio identisch und besteht aus einer schwarzen Schachtel, deren Deckel magnetisch verschlossen wird, sowie einem diese umgebenden Schuber mit Pai Audio Logos.
Im Inneren findet man den gleichen Lieferumfang in Form einer Bedienungsanleitung, drei Paaren an Silikon-Aufsätzen sowie den In-Ears selbst mit einem Aufbewahrungsbeutel vor (zusätzlich hat man mir das separat erhältliche Upgrade-Kabel zugesandt).

Währen der Lieferumfang okay ist, würde ich mir ein stabileres Aufbewahrungsetui mit Reißverschluss wünschen, zumal der MR4 bereits über 200$ kostet.






Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die Gehäuse des MR4 sind ergonomisch geformt und mit denen des MR2, MR3 sowie DR1 identisch. Mein Evaluierungs-Exemplar kam in der gleichen blauen Farbe, in der ich meinen MR3 bestellt hatte.
Die Verarbeitungsqualität ist ziemlich gut und die In-Ears erscheinen sehr stabil und die Gehäuse sind auch präzise zusammengeklebt.
Durch die durchsichtigen Gehäuse kann man die vier Treiber des MR4 sowie die interne Verdrahtung und das einfache Frequenzweichen-Netzwerk erkennen, einschließlich zwei separaten Schallröhrchen mit dedizierten akustischen Filtern von Knowles.

Die In-Ears als auch Kabel sind mit gut sitzenden MMCX Steckern versehen.
Das Standardkabel ist zwar etwas federartig, jedoch recht flexibel und nicht im Geringsten gummiartig, sondern wirkt robust. Leider gibt es jedoch keinen Kinnschieber.
Dennoch könnte man sich in diesem Preisbereich vielleicht schon ein flexibleres Kabel mit einzelnen, verdrillten Adern wünschen. Ich denke, eine Preiserhöhung um 15$, jedoch mit einem besseren Kabel sowie Aufbewahrungsetui dürfte machbar sein.

Das schwarze Upgrade-Kabel ist recht steif, weshalb es sich meiner Meinung nach nicht lohnt, es zu bestellen. Also wieder zurück in die Verpackung damit.

Das "Upgrade-Kabel" würde ich nicht
unbedingt als solches bezeichnen.


Tragekomfort, Isolation:

Die Gehäuse sind ergonomisch geformt, dennoch sollte man nicht unbedingt die kleinsten Ohren besitzen. In meinen großen Ohren sitzt der MR4 zumindest sehr gut und ich erreiche auch sofort einen guten Seal (in früheren Pai Audio Reviews schrieb ich, keinen guten Sitz und Seal auf Anhieb finden zu können, was seitdem ich herausgefunden habe, wie ich die In-Ears am besten einsetze, keine Gültigkeit mehr besitzt).

Das Kabel wird, wie im professionelleren Bereich üblich, über den Ohren getragen und ist sehr bequem. Kabelgeräusche sind so gut wie gar nicht vorhanden, könnten jedoch gänzlich mit einem Kinnschieber eliminiert werden.

In meinen Ohren isoliert der MR4, der logischerweise für einen Multi-BA In-Ear geschlossene Gehäuse besitzt, gut und pendelt sich irgendwo zwischen dem UE900 und SE425 ein.


Klang:

Als Zuspielgeräte dienten mir hauptsächlich der iBasso DX80, DX90 sowie der LH Labs Geek Out IEM 100.

Zum Hören nutzte ich die größten mitgelieferten Silikonaufsätze.

Tonalität:

Kurz zusammengefasst würde ich die Tonalität des MR4 als recht ausgewogen und natürlich
beschreiben, mit einem sanften und gelassenen Charakter. Er befindet sich nur moderat auf der wärmeren und bassigeren Seite von neutral (ER-4S und UERM als Referenz). Insgesamt würde ich also sagen, dass der MR4 vom Bassbereich bis in den Mittelton exakt wie der MR3 klingt, im Hochton jedoch merklich gemäßigter und gleichmäßiger ist.

Der Bass gleicht dem des MR3 und InEar StageDiver SD-2 (letzterer besitzt jedoch mehr Tiefbass) aufs Haar und ist etwa 4,5 dB stärker als beim ER-4S sowie ca. 1,5 – 2 dB stärker als beim UERM präsent. Damit ist der Tiefton insgesamt also noch immer relativ neutral/ausgewogen und ziemlich identisch mit der Tieftonquantität des SD-2 oder der Jays q-JAYS, womit es also genug Quantität gibt, sodass der Bassbereich nicht zu langweilig oder steril, aber auch nicht bassig sondern meist ausgewogen und natürlich, neutral-ähnlich klingt.
Die Betonung der Tiefen beginnt dabei bei 500 Hz und erreicht ihren Höhepunkt um 180 Hz herum. Von da an bleibt der Pegel bis 40 Hz aufrecht und rollt dann gen 20 Hz etwas ab, wodurch sich der Bassbereich exakt ziemlich deckungsgleich mit dem des MR3 misst.
Der Mittelton klingt ziemlich verfärbungsfrei sowie neutral, mit einer nur ganz gering warmen Einfärbung durch den unteren sowie unteren mittleren Grundton.
Zwischen 1,5 und 5 kHz befindet sich der Pegel etwas im Hintergrund und sorgt für einen geschmeidigen, anstrengungsfreien aber nicht zu entspannten oder dunklen Klang. Oberhalb von 5 kHz kommt der Pegel wieder zurück, mit einer breitbandigen Gehörgangs-Resonanz meiner Ohren um 6 kHz, die jedoch die Nulllinie nicht überschreitet. Zwischen 8 und 9 kHz höre ich eine breitbandige Betonung, deren Ausprägung nicht mehr als 1,5 dB über Null in meinen Ohren umfasst.
Im Superhochton oberhalb von 10 kHz fällt der Pegel ab 12 kHz gleichmäßig ab. Etwas mehr subtiles
Glitzern im Superhochton könnte es also schon geben, aber ich vermisse eigentlich nichts und der Hochtonumfang des Pai ist immerhin hörbar etwas besser als beim Shure SE425.

Insgesamt bin ich von der Harmonie und Gleichmäßigkeit des Klanges ziemlich positiv überrascht, und so gibt es weder schmalbandige Betonungen noch plötzlich auftretende Senken im Frequenzgang.
Randnotiz: der MR4 macht eigentlich nie etwas falsch und überzeugt mit einem sehr natürlichen und realistischen Timbre. Ich denke, Pai Audio hat hier bei der tonalen Abstimmung des MR4 gute Arbeit geleistet und eine Art MR3 mit einem gleichmäßigeren und weniger vordergründigen Hochton sowie minimal warmen Mitten kreiert.

Auflösung:

Ich würde sagen, dass der MR4 ein recht gut auflösender In-Ear ist und man ebenfalls sagen könnte,
dass er auch etwas oberhalb seines Preises spielt für seinen Preis angemessen detailliert klingt (hier spielen aber auch andere Sachen wie Gleichmäßigkeit, Authentizität und die Bühnendarstellung mit hinein).
Der Bassbereich ist ziemlich schnell und gut kontrolliert, was aufgrund der geschlossenen BA-
Treiber aber auch nicht arg verwunderlich ist. Ja, die Basskontrolle, -geschwindigkeit und Auflösung im Tiefton sind vergleichbar mit anderen In-Ears um 400$, die auf geschlossene BA-Woofer setzen.
Der Hochton ist adäquat detailliert sowie präzise und insbesondere sehr gleichmäßig und natürlich. Aufgrund dieser Gleichmäßigkeit kann es manchmal etwas schwierig sein, den oberen Frequenzbereich des MR4 objektiv mit anderen In-Ears, die steilere Peaks und einen nicht so gleichmäßigen Hochton besitzen, zu vergleichen, was die dortige Auflösung anbelangt. Dennoch würde ich sagen, dass manche andere BA-basierte In-Ears um und unter 400$ im Hochton etwas differenzierter und detaillierter klingen, einschließlich des günstigeren MR3 (wie gesagt lässt sich dies aber nicht ganz einfach objektiv beurteilen, da der Hochton so gleichmäßig ist und so keine falsche Auflösung vortäuschen kann – für ~ 239$ macht der MR4 aber dennoch nichts wirklich falsch im oberen Frequenzabteil, ganz im Gegenteil).
Weiter geht es mit dem Mittelton: Während dieser tonal wirklich gut gelungen ist, erscheint er ein
wenig verhangen (ich wette, dies liegt daran, dass zwei unterschiedliche Treiber für den Mitteltonweg zum Einsatz kommen): Die Mitten klingen keineswegs schlecht sowie ebenfalls nicht stumpf und sind etwas detaillierter als bei den meisten dynamischen In-Ears in diesem Preisbereich, was die Sprachverständlichkeit betrifft, aber sie sind etwas weniger detailliert als der Bass- und Hochtonbereich des MR4. Ich denke, dass eine konventionelle  2x Bass, 1x Mittelton und 1x Hochton Frequenzweiche oder eine mit 1x Bass, 2x Mittelton und 1x Hochton, jedoch mit zwei gleichen Treibern für den Mittelton, der Auflösung in den Mitten etwas zuträglicher wäre. Wäre mir diese Treiber-Aufteilung nicht bewusst, würde ich wahrscheinlich einfach nur sagen, dass der Mittelton einfach nur geringfügig weniger detailliert als der Hoch- und Mittelton klingt (die Sprachverständlichkeit ist recht gut, aber der Mittelton klingt etwas, als spiele er hinter einem dünnen und durchsichtigen Vorhang), aber so weiß ich, woran dies liegt.
Persönliche Randnotiz: Ich hatte erwartet, dass der Mittelton aufgrund der unterschiedlichen Treiber etwas schräg und diffus klingen würde, vielleicht sogar etwas hohl. Dieser Fall ist nicht glücklicherweise nicht eingetreten und der Mittelton des MR4 ist deutlich besser geworden, als ich es angenommen hatte, mit einem nur gering ausgeprägten Schleier. Nichtsdestotrotz löst der MR3 (sowie auch der UE900, welchen ich auch als etwas verhangen in den Mitten empfinde) etwas höher im Mittelton auf, klingt aber im Hochton etwas weniger natürlich/gleichmäßig.

Insgesamt würde ich sagen, dass die Auflösung für den Preis doch ziemlich gut adäquat ist und der In-Ear den Shure SE425 auch übertrifft, abgesehen vom Mittelton.

Räumliche Darstellung:

Es freut mich, zu hören, dass der MR4, wie auch die anderen Multi-BA In-Ears von Pai Audio, eine sehr schöne und authentische Bühnendarstellung besitzt.
Die Bühne des MR4 ist ziemlich breit, besitzt jedoch auch eine gute räumliche Tiefe, auch wenn diese im Vergleich zur Breite etwas weniger präsent ist. Zudem ist die Bühne präzise, mit einer scharfen Instrumentenseparation, guter Tiefenstaffelung, schön dargestellten Leere zwischen Instrumenten sowie einer hohen Authentizität, wie sie viele Multi-BA In-Ears unter 400€/$ häufig leider nicht erreichen (Positive Gegenbeispiele wären der InEar StageDiver SD-2 oder Audio Technica ATH-IM03).
Im Gegensatz zum MR3 ist die Bühne des MR4 etwas breiter, bei gleichzeitig ebenfalls weniger räumlicher Tiefe, jedoch einem noch immer sehr schönen Staffelungsvermögen. Die Instrumentenseparation sowie -platzierung mit der räumlichen Ausprägung ist ziemlich gut und sorgt für den Eindruck einer sehr authentischen räumlichen Präsentation.
Die Luftigkeit sowie der dargestellte freie Raum um Instrumente herum wirken ebenfalls glaubhaft.

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Im Vergleich mit anderen Balanced Armature In-Ears:
Hier wird sich also zeigen, wie sich der MR4 gegen ein paar andere, teurere Multi-BA In-Ears behauptet.

Pai Audio MR3 (mittlerweile 199$):
Beide In-Ears besitzen die gleichen Gehäuse und Kabel.
Der MR3 befindet sich tonal eher auf der helleren und etwas badewannigeren Seite von neutral wohingegen der MR4 sich eher auf der sanfteren und etwas bassigeren Seite von neutralem Klang befindet und somit als ausgewogen, natürlich und sanft bezeichnet werden könnte.
Beide besitzen die gleiche Bassquantität, der Tiefton des MR3 klingt jedoch geringfügig weniger präsent, was an seinem stärker ausgeprägten Hochton liegt.
In den Mitten ist der MR4 nur minimal warm und der MR3 auf den Punkt neutral, aber auch etwas distanzierter.
Der MR3 besitzt den helleren Hochton, der oberhalb von 10 kHz auch höher reicht, aber der des MR4 ist gleichmäßiger und erscheint dadurch zusammenhängender sowie sanfter, natürlicher.
Beide besitzen die gleiche Bassqualität sowie -kontrolle, der MR3 spielt aber im Mittelton etwas detaillierter. Im Hochton erscheint der MR3 ebenfalls etwas differenzierter, aber wie oben geschrieben, lässt sich dies objektiv etwas schwierig beurteilen, da der MR4 obenrum sehr gleichmäßig ist.
Die Bühne des MR4 ist etwas breiter, die des MR3 hingegen ein wenig tiefer. Beide besitzen nichtsdestotrotz eine gleichwertig präzise und authentische räumliche Darstellung.

Insgesamt würde ich sagen, dass der MR4 ein Sidegrade zum MR3 mit etwas weniger detailreichen Mitten aber einem gleichmäßigeren und realistischeren Hochton bei der gleichen räumlichen Präzision darstellt. Anhand des Preises würde ich persönlich jedoch trotzdem zum MR3 greifen, obwohl sein Hochton nicht so gleichmäßig wie der des MR4 ist, doch klingt der MR3 im Mittel- und Hochton etwas detaillierter und besitzt auch das noch bessere Preis-Leistungs-Verhältnis.

Logitech UE900 (UVP 399€, für ~ 349€ gekauft):
Der UE besitzt die kleineren Gehäuse aber beide In-Ears sitzen in meinen Ohren gleich gut. Der UE besitzt das bessere sowie flexiblere Kabel.
Beide gehen in eine mehr oder minder vergleichbare klangliche Richtung.
Beide In-Ears besitzen in etwa die gleiche Bassquantität, aber der UE besitzt  mehr Tiefbass. Im Mittelton erscheint die Tonalität des UE900 ein wenig verzerrt, mit einem geringen Drall zur dunklen Seite; der Mittelton des MR4 erscheint realistischer und tonal nicht geringfügig verzerrt. Im mittleren Hochton um 5 kHz besitzt der UE900 eine Senke, die für Entspannung sorgt. Beim UE befindet sich im oberen Hochton auch eine enge Betonungsspitze, wodurch er hier etwas heller klingt (insgesamt ist der Hochton des MR4 also etwas gleichmäßiger).
Der Bass des MR4 ist geringfügig schneller als der des UE während beide In-Ears gleichwertig kontrolliert sind. Im Mittelton ist der MR4 tonal korrekter, der UE900 jedoch etwas detaillierter, obwohl bei diesem das mittlere Frequenzband ebenfalls geringfügig schlechter auflöst als der Bass und Hochton. In den Höhen erscheint der UE etwas differenzierter und detaillierter, aber wie oben geschrieben, ist dies etwas schwierig zu beurteilen, da der Pai Audio hier gleichmäßiger spielt. Dennoch würde ich sagen, dass der UE insgesamt etwas besser auflöst, obwohl die Unterschiede nicht unbedingt groß sind. Im Kontrast dazu besitzt der MR4 den etwas authentischeren (wenngleich auch schlechter auflösenden) Mittelton.
Die Bühne des MR4 ist breiter, besitzt aber ebenfalls auch mehr räumliche Tiefe und ist präziser gestaffelt sowie separiert. Die Bühne des UE wirkt kompakter, etwas Tiefenstaffelungs-befreit und klingt nicht ganz so präzise oder gar authentisch.

Fischer Amps FA-3E (für 329€ gekauft):
Der MR4 besitzt die etwas größeren Gehäuse, sitzt in meinen Ohren längerfristig aber komfortabler. Das Kabel des Fischer Amps ist flexibler und besser.
Beide In-Ears streben eine vergleichbare tonale Richtung an, aber der FA-3E ist ein wenig mehr der neutralen Seite zuzuordnen, mit geringfügig weniger Bass, aber einem etwas zurückgesetzten mittleren Hochton, der ihn entspannter klingen lässt.
Der MR4 besitzt ganz geringfügig mehr Bass (jedoch weniger als 1 dB), dennoch klingen beide hier, was die Quantität betrifft, gleich, was daran liegt, dass der Tiefton des MR4 etwas schneller ist. Im Tiefbass ist der FA-3E etwas präsenter als der MR4, welcher etwas wärmer im Grundton spielt.
In den Mitten klingt der Fischer Amps etwas heller, verglichen mit dem geringfügig warmen Stimmbereich des MR4.
Im Hochton ist der MR4 etwas gleichmäßiger als auch sanfter. Nur bei 5 kHz ist der FA-3E etwas entspannter.
Der Tiefton des MR4 ist etwas schneller, bei gleicher Kontrolle wie beim FA-3E.
Der Fischer Amps löst in den Mitten um eine Messerspitze besser auf, im Hochton hingegen ist der Pai Audio der etwas differenzierter und detaillierter klingende In-Ear.
Während der FA-3E eine recht ordentliche und runde Bühne besitzt, ist die des MR4 etwas breiter und auch ein wenig tiefer. Die Bühne des Pai ist ebenfalls etwas besser gestaffelt sowie räumlich präziser, mit der höheren Authentizität und der merklich besseren Darstellung von räumlicher Leere um als auch zwischen Instrumenten.

Der FA-3E war für den Einsatz im Freien mein liebster recht ausgewogen klingender In-Ear im Preisbereich unter 350€ - und ich denke, der MR4 hat ihn nun abgelöst, da er im Tiefton etwas schneller ist und auch insgesamt etwas besser auflöst und ebenfalls authentischer klingt, mit der präziseren Bühne – was eine sehr schöne Sache ist, insbesondere in Anbetracht des Preises der beiden In-Ears [der Preis ist in etwa vergleichbar].

Westone W4R (für 439€ gekauft):
Der Westone lässt sich einfacher einsetzen, beide sind aber in meinen Ohren gleichwertig komfortabel. Das Kabel des W4R ist besser.
Der Westone strebt eine etwas andere tonale Richtung an und ist bassiger, voluminöser sowie entspannter klingend.
Mid- und Oberbass sind beim W4R stärker ausgeprägt und der Amerikaner klingt auch insgesamt etwas dicker und wärmer im Grundton/Bassbereich, dennoch fällt er gen Tiefbass etwas steiler ab.
Im Mittelton sind beide vergleichbar geringfügig warm, der des Westone klingt aufgrund der Senke bei 5 kHz hingegen etwas entspannter.
Im Hochton klingt der MR4 gleichmäßiger und besitzt den breitbandigeren oberen Hochton.
Was die Detailauflösung betrifft, befindet sich der Westone auf einem hörbar höheren Niveau. Der Bass des W4R ist ebenfalls noch etwas schneller während beide In-Ears hier ebenbürtig kontrolliert klingen. Im Mittel- und Hochton ist der W4R auch der detailliertere In-Ear, was die Darstellung und Aufdeckung von feinsten Details betrifft.
Der Westone besitzt eine sehr breitere Bühne, der es jedoch merklich an räumlicher Tiefe mangelt. Die des MR4 ist nur ein wenig „enger“, jedoch ein ganzes Stück tiefer. Während der W4R Instrumente geringfügig präziser trennt, gelingt es dem Pai Audio In-Ear etwas besser, leeren Raum um/zwischen Instrumenten darzustellen, dazu ist seine Bühne authentischer.

Während der Westone also der höherauflösende In-Ear ist, besitzt der MR4 in meinen Ohren die schönere Bühne und klingt auch authentischer (etwas, das auf jeden der Multi-BA In-Ears von Pai Audio, die ich bis jetzt gehört habe, zutrifft).


Fazit:



Der MR4 bietet einen sehr angenehmen, natürlichen als auch gleichmäßigen, realistischen Klang mit einer guten Bühne sowie einer hohen Authentizität.
Das Preis-Leistungsverhältnis ist ziemlich gut angemessen und ebenso verhält es sich mit der Detailauflösung, obwohl In-Ears wie der Pai Audio MR3 oder Logitech UE900 doch noch etwas detaillierter und feinzeichnender im Mittel- und Hochton klingen. Nichtsdestotrotz löst der MR4 ein wenig besser auf als der Shure SE425 oder Fischer Amps FA-3E.

Dennoch würde ich mir in diesem Preisbereich oberhalb von 200$ ein besseres Aufbewahrungsetui zusammen mit einem höherwertigen Kabel sowie eine im Verhältnis zum Tief- und Hochton etwas bessere Auflösung im Mittelton wünschen.


Insgesamt komme ich zu einer Endwertung von wirklich guten 86% oder 4,3 von 5 möglichen Sternen.

Der MR4 besitzt mit seiner sehr schönen und äußerst authentischen Bühne sowie hohen Gleichmäßigkeit ein paar sehr starke Attribute. Nichtsdestotrotz könnte er im Hoch- und besonders Mittelton etwas besser auflösen. Zwar ist das Detailniveau für den Preis angemessen, aber die Konkurrenz ist hier sehr groß sowie ernsthaft und besitzt zumeist einen etwas detaillierteren Mittel- und Hochton (, doch kommen die meisten Modelle nicht wirklich an die sehr hohe Authentizität und wirklich gelungene Bühnendarstellung des Pai heran).

Der MR4 ist ein In-Ear für alle Musikliebhaber, die einen ausgewogenen, sanften und sehr gleichmäßigen Klang suchen und besonders großen Wert auf eine präzise, dreidimensionale und äußerst authentische Bühne legen.
Nichtsdestotrotz wäre bei dem Preis ein Kabel mit einzelnen, verdrillten Litzen, nebst eines stabilen Aufbewahrungsetuis, angemessen, und über eine etwas bessere Auflösung im Mittelton würde ich mich auch nicht beschweren.


Insgesamt komme ich (anhand der nun korrigierten Information des Preises) auf ein Gesamtergebnis von guten 76%, die 3,8 von 5 möglichen entsprechen.