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Ein neuer Chord Mojo für nur 450€?! - [Ich habe einen Talisman gekauft] 🇩🇪

Der Chord Mojo DAC-Amp der, sagen wir mal "elitär" geführten, britischen Firma Chord Electronics, erfuhr seit seiner Vorstellung einen massiven Hype in einem der größten englischsprachigen Kopfhörerforen, genauer gesagt Head-Fi. Dass diese Seite schon mal für euphorische Überschwänglichkeit bei manchen Produkten bekannt ist, ist kein Geheimnis, und so wird gelegentlich auch der ironische Begriff "Hype-Fi" von manchen Nutzern gewählt, was durchaus in der Mehrheit der Fälle gerechtfertigt ist, so kann und konnte ich etwa die übermäßig positive Haltung gegenüber In-Ears wie dem Zero Audio Carbo Tenore, Ivery IS-1 "Hiput" (, welcher der "richtige" der beiden IS-1 Iterationen ist, aber dazu vielleicht irgendwann in einem gesonderten Artikel,) und auch nicht zuletzt dem MEE audio Pinnacle P1, welcher meiner Meinung nach besser für den Preis sein sollte, nicht nachvollziehen.

Da dieser Blog-Artikel aber keine Schelte gegenüber des Hypes großer Online-Foren sein soll und ich merke, dass ich abschweife, lenke ich das Thema wieder zurück auf das eigentliche Subjekt dieses Blog-Eintrags, nämlich, wie der Chord Mojo momentan bei Amazon Deutschland als Neuwahre für lediglich um die 450€ erhältlich sein kann.

Bevor ich diese Frage jedoch näher erörtere, möchte ich doch noch ein wenig auf den Mojo DAC-Amp eingehen:
Chord Electronics ist ein traditionsreiches britisches Unternehmen, dessen Markengesichter John Franks und Rob Watts (ja, sein Name lautet wirklich so) sind. Auch wenn die beiden Herren in Online-Foren eher harsch auf Kritik reagieren und bei einst skeptischen und später positiven Berichten mit Reaktionen wie "Was hattest du denn erwartet?! Der Mojo besitzt 500 Mal mehr Rechenleistung als jeder andere High-End DAC, selbst unter den besten Modellen" (frei aus dem Gedächtnis zitiert und übersetzt aus einem neulich verfassten Foren-Eintrag von Chord Electronics) auftrumpfen (als "britischen Humor"/"britische Art" würde ich das generelle öffentliche Auftreten nicht mehr bezeichnen), ist Chord Elektronics unkonventionell, nicht nur was die Formensprache betrifft. Denn im Inneren der Audio-Wandler verbirgt sich nicht etwa ein regulärer Chip von ESS, AKM, TI, Burr Brown, Wolfson, CL oder Konsorten, nein, in den Chord DACs verrichtet ein sogenannter "FPGA" seinen Dienst.
Ein solcher FPGA ist im Grunde genommen zu Anfang ein leerer Chip, welcher erst programmiert werden muss. Und im Gegensatz zu klassischen DAC-Chips ist ein FPGA nicht etwas auf das Einsatzgebiet, digitale in analoge Audio-Signale zu "übersetzen", beschränkt; nein, ein FPGA kann, je nachdem, wie er programmiert wird, in einer Vielzahl von Anwendungen fernab des Hi-Fi eingesetzt werden.
Und den ist das Lebenswerk von Rob Watts (der Einsatz eines FPGA als DAC-Chip ist aber nicht nur exklusiv bei Chord Electronics zu sehen, andere Firmen wie etwa Soundware nutzen auch FPGA Chips, wenngleich mit einem anderen Code, denn Chord Electronics hält den eigenen streng geheim).

Einer breiteren Masse bekannt geworden ist die britische Firma durch den (trans-) portablen "Hugo" DAC-Amp, welcher mit einem Preis von über 2000€ im oberen Segment lag, aber laut Chord dennoch die erwarteten Verkaufszahlen weit übertraf und zu einem großen Erfolg wurde.
Dabei besaß der Hugo des Preises unwürdige Schwächen und merkte sich etwa nach dem Ausschalten nicht die zuletzt eingestellte Lautstärke und mehr.
Nach diesem überraschenden Erfolg folgte der Chord Mojo, welcher kleiner, an vielen Stellen verbessert und mit einer UVP von 599€ insbesondere deutlich günstiger war, beim Einsatz des gleichen FPGA-Chips mit einer sehr ähnlichen Programmierung.

Interesse am Mojo bestand von meiner Seite aus, doch folgte nach ein paar gelesenen (positiven) Testberichten die Erkenntnis, dass einige seiner Eigenschaften nicht meinen sehr hohen persönlichen Ansprüchen an einen perfekten DAC-Amp nicht ganz gerecht werden (erwähnen sollte ich hierbei vielleicht, dass es aktuell keinem auf dem Markt verfügbaren Gerät gelingt, sehr nah an mein Ideal zu kommen).
Daran hat sich nichts geändert, trotzdem war ich neugierig und wollte bei einem Preis von um die 450€ einfach nicht nein sagen.

Nach einer doch recht langen Ausschweifung komme ich nun zu meiner eigentlichen Fragestellung: Wie kann es sein, dass der Chord Mojo bei Amazon Deutschland aktuell lediglich um die 450€ kostet, zumal die UVP 599€ beträgt und jeder andere deutsche Händler den Mojo zu eben diesem Preis anbieten?

  • Meine Erste Vermutung, es könnte sich um gebrauchte oder B-Ware handeln, wurde gleich zerschlagen, denn der Artikelzustand wird als "neu" ausgewiesen (, was auch der Grund ist, weshalb ich schließlich den Mojo bestellte - denn Gebrauchtkäufe kommen aufgrund meiner extrem peniblen und vorsichtigen Behandlung meiner Geräte, die nie in Berührung mit harten Oberflächen kommen, für mich nicht in Frage).
  • Auch wenn ich ziemlich sicher bin, zu wissen, wie der Preis so günstig sein kann, möchte ich Schritt für Schritt vorgehen: Auf der Amazon Artikelseite steht oberhalb der "Auf Lager" Information der folgende Satz: "Dieser Artikel kann nach Deutschland (Festland) versendet werden."
    Aha. Dies bedeutet also, dass sich der Mojo nicht in einem deutschen Amazon-Lager befindet.
    Spätabends sah ich im öffentlich rechtlichen Fernsehen einst eine Reportage über Amazon, in welcher auch gesagt und gezeigt wurde, dass Amazon in den angrenzenden östlichen Nachbarländern Logistik-, Versand- und Lagerzentren aufbaue, welche teils lediglich exklusiv für Amazons deutsche Geschäftsstelle dienen würden. Durch den Standort könnten nochmals Kosten gespart werden, denn abgesehen von den geringeren Standort- und Baukosten könnten Arbeiter beschäftigt werden, denen ein geringerer Stundenlohn gezahlt werde als denen in Deutschland. Bei einer Bestellung von Amazon erhielt ich übrigens auch schon britische Musik-CDs aus einem tschechischen Amazon-Lager.
    Auch wenn dies genau so sein könnte, erscheint es bei der weiteren Betrachtung nicht sonderlich wahrscheinlich, dass der Chord Mojo aus einem Amazon-Lager in Tschechien oder Polen kommt.
  • Amazon besitzt in Europa in verschiedenen Ländern mehrere Geschäftsstellen in den jeweils vertretenen Ländern (Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien). Ein enorm wichtiger europäischer Standort von Amazon ist Großbritannien.
    Bestellungen aus manchen europäischen Ländern werden häufig von Amazon UK geliefert.
    Und meine Vermutung ist auch, dass der Chord Mojo ebenfalls von Amazon UK kommt.
  • Der Brexit - nach Bekanntgabe der Abstimmungsergebnisse über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ist der Wert des britischen Pfunds merklich eingebrochen.
    Mit dem Hintergrund, dass der Mojo wahrscheinlich von Amazon UK verschickt und auch dort gelagert wird, muss man lediglich den Währungsrechner bemühen, um zu sehen, dass 399 GBP umgerechnet zwischen 450 und 460€ ergeben. Dieser Wert stimmt in etwa mit dem Preis auf Amazon Deutschland überein.

Wie man sehen kann, ist es sehr wahrscheinlich, dass der geringe Preis dadurch zustande kommt, dass der Artikel bei Amazon Großbritannien gelagert wird und auch von dort aus versendet wird; hinzu kommt dann noch der für uns Deutsche gute Umrechnungskurs, weshalb der Chord Mojo so günstig angeboten wird. Im Prinzip bestellt man also nicht direkt bei Amazon Deutschland, sondern Amazon.co.uk, welche das Paket dann entweder direkt zum Empfänger in Deutschland oder über einen kurzen Umweg zuerst an eine deutsche Amazon Umschlagstelle liefern. Dennoch profitiert aber von allen Leistungen des deutschen Amazon, wie etwa dem kostenlosen Versand.


Ob mich der Chord Mojo jedenfalls in manchen Kategorien für manche Anwendungsgebiete überzeugen kann oder meine ganz persönlichen Ansprüche größtenteils doch nicht erfüllen kann und wieder gehen muss, wird sich zeigen. Berichte und vielleicht sogar ein Review werden wahrscheinlich zumindest hier auf meinem Blog in nicht allzu ferner Zukunft folgen.