Translate

10 Dinge, die ich an meinem Chord Mojo NICHT mag - [Ich habe einen Talisman gekauft] 🇩🇪

Wie neulich hier berichtet, habe ich einen Chord Mojo gekauft. Ja, eines der am meisten gehypten Geräte dieses Jahrzehnts hat bei mir Einzug gehalten.
In meiner „Ich habe einen Talisman gekauft“ Reihe habe ich bereits neulich einen (nicht wirklich) kurzen Artikel über die Messwerte des Mojo, gekoppelt mit meinen subjektiven Höreindrücken, veröffentlicht (hier zu finden). Dort habe ich auch angemerkt, dass es ein paar Sachen gibt, die der englische DAC-Amp nicht so gut macht, obwohl er einige positive Eigenschaften besitzt.

Nun folgt eine kleine Aufstellung darüber, was ich nicht am Chord Mojo mag.



  1. Wild Boys.

    Ich bin jemand, der zugegebenermaßen häufig auch sehr gern sehr leise Musik hört. Und zu meiner Überraschung ist selbst in Verbindung mit sehr empfindlichen In-Ears (z.B. Shure SE846) und laut aufgenommenen Titeln/Alben die geringstmögliche Lautstärke für mich mehr oder minder okay, auch wenn ich mich persönlich als Leise-Hörer nicht beschweren würde, gäbe es noch mehr Headroom nach unten (den FPGA-Chip so zu programmieren, dürfte für Chord kein Problem darstellen). Hier gibt es also nur wenig Kritik von mir.

    Wo ich jedoch Verbesserungsbedarf sehe, ist die Lautstärkeskalierung selbst - diese ist meines Erachtens nach nämlich nicht gerade vorteilhaft gewählt, wenn man über das gesamte Lautstärkespektrum hinweg die für sich exakt richtige Lautstärke finden möchte.
    Eine für mich perfekte Lautstärke bieten mein iBasso DX90 und der DX80 derselben Firma, sowie der preiswerte HiFime 9018d DAC - alle drei Geräte regeln über ihr gesamtes verfügbares Lautstärkespektrum in 0,5 dB Schritten, wodurch es mir möglich ist, mit allen Kopfhörern in jedem Lautstärkebereich den für mich gerade passendsten Lautstärke-Wert einzustellen. Zudem ist bei all diesen Geräten auch das Einstellen einer (fast) unhörbar geringen Lautstärke möglich, was der Mojo definitiv nicht beherrscht.
    Beim Mojo sind die Sprünge je Klick leider (viel) größer, besonders im ganz unteren Regelbereich. Weiter oben hingegen wird die Skalierung feiner.

    Tja, hier hätte man den FPGA-Chip anders programmieren können. Leider scheint es so zu sein, dass die Mehrheit der Menschen eine sehr feinstufige digitale Lautstärkeregelung mit über das ganze Spektrum gleich großen Stufen nicht als entscheidenden Kaufgrund sieht. Für mich hingegen wäre eine 256-stufige Regelung mit einer Änderung von 0,5 dB je Stufe ideal.

    Nachtrag: Im Vergleich zu anderen Geräten ist die Lautstärke des Mojo fein skaliert, aber leider nicht ganz so fein, wie ich es gern hätte und wie es meinem persönlichen Ideal entspricht (ja ja, die sehr feinstufige Lautstärke-Skalierung der iBasso Audio-Player hat mich in dieser Hinsicht „verdorben“).

  2. Klickedy-Klack.

    Nicht in Verbindung mit allen Geräten, aber bei manchen gibt der Mojo gelegentlich ein (je nach Kopfhörer unterschiedlich) lautes Klicken über die Kopfhörer wieder, wenn man den Titel manuell wechselt (ohne Änderung der Bitrate), ein anderes Album auswählt oder einfach nur die Wiedergabe pausiert/fortsetzt.
    Zum Glück ist dies an meiner hauptsächlichen Quelle, meinem Pioneer PD-S701, nicht der Fall.

  3. Messtechnisch wirklich gänzlich neutral und niederohmig?

    Dieser Negativ-Punkt überschneidet sich inhaltlich mit meinem neulich veröffentlichten Artikel.

    Im Betrieb ohne direkte Last, also als reiner DAC zum Anschluss an einen separaten (Kopfhörer-) Verstärker, gibt der Mojo ein einwandfrei neutrales Signal aus. Der winzige Pegelabfall im Superhochton ohne ist vernachlässigbar und könnte übertragen mit einem sehr milden Slow Roll-Off Filter gleichgesetzt werden, zudem verschwindet er, sobaln man eine hochohmige Quelle an den Mojo anschließt.
    Ein wenig anders sieht es aber im Betrieb mit In-Ears und Kopfhörern aus.

    Die Ausgangsimpedanz des Mojo wird im Milliohm-Bereich angegeben, was auch zu stimmen scheint - denkste!
    Leider entspricht dies nicht gänzlich der Wahrheit und der DAC-Amp besitzt im Superhochton eine höhere Impedanz als im „normalen“ Frequenzbereich, weshalb es vorkommen kann, dass bei manchen In-Ears der (Super-) Hochton mal geringfügig und mal stärker abrollt.

    Bei manchen Multi-BA In-Ears beginnt der Frequenzgang bereits ab dem Bereich der oberen Mitten, messtechnisch an Neutralität zu verlieren. Als Fetischist eines messtechnisch perfekt neutral ausgegebenen Frequenzganges auch unter komplexer Last ist das schon ein größeres Ärgernis für mich. Auch wenn der Großteil der Verbiegung oberhalb von 10 kHz stattfindet und dadurch nicht mehr so richtig ins Gewicht fällt, ist dies trotzdem ziemlich ärgerlich für mich.
    Zwar ist dieser Bereich
    nicht wirklich von Bedeutung, dennoch ist der Mojo also, was den Frequenzgang angeht, nicht hundertprozentig laststabil und linear.
    Chord Electronics begründete dies damit, dass die Ausgangsstufe nach dem DAC extrem simpel aufgebaut sei, weshalb es beim Mojo unter Last zu geringen Frequenz-„Verbiegungen“ käme. Wirklich relevant ist dies nicht, dennoch möchte ich eigentlich auch unter komplexer Last einen messtechnisch gänzlich linearen, flachen Frequenzgang.
    Angeblich wäre die Ausgangsstufe so simpel gehalten, damit der Klang so seine Transparenz behielt - wie dem auch sei...

    So kommt es aber, dass ich meinen Mojo hauptsächlich als reinen DAC mit variierbarem Ausgangspegel nutze (daraufhin ist der ausgegebene Frequenzgang übrigens bis 20 kHz linear und der „geringfügig ausgeprägte Slow Roll Off Filter“ verschwunden, was darauf schließen lässt, dass der Mojo es „mag“, wenn man hochohmige Geräte an ihm anschließt) und er bei mir nur für manche Bügelkopfhörer sowie sehr wenige In-Ears direkt als DAC-Amp betrieben zum Einsatz kommt.

  4. Wie viel Uhr ist es?

    Der Mojo besitzt keine Anzeige. Na ja, fast zumindest. Doch, eigentlich besitzt er drei Anzeigen. Aber ohne die Legende zu kennen, kann man die drei Anzeigen nicht wirklich deuten.

    Unterhalb der Ladebuchse befindet sich eine LED, welche grob in fünf Stufen über den Akkuladezustand Auskunft gibt. Hier erscheinen die Abstufungen „blau - grün - gelb - rot - rot blinkend“ ja noch logisch.

    Die Kugel zum Ein- und Ausschalten hingegen orientiert sich nach der Wellenlänge des Lichts („geringe Abtastrate“ = große Wellenlänge, hohe Abtastrate = geringe Wellenlänge).

    Die beiden Kugeln zum Regeln der Lautstärke zeigen die Lautstärke nach dem gleichen Prinzip an und so hat man nur einen groben Richtwert anstatt einer präzisen Angabe.

    Die Wellenoptik in der Physik ist mir geläufig, dennoch ist diese Art, insbesondere die Lautstärke so anzuzeigen, etwas ungewöhnlich und auch nicht ganz präzise.

  5. Shine On.

    Der Mojo ist simpel und ohne unnötige Knöpfe oder Schalter gestaltet, dennoch hätte ich nichts dagegen, wenn die Akkuanzeige nur auf Knopfdruck kurz aktiviert wäre. Etwas ungewöhnlich ist es auch, dass man zwar während des Betriebs den Akkuladezustand erfahren kann, dieser aber während des Ladens nicht ersichtlich ist.

  6. Keep Rollin', Rollin', Rollin'!

    Katzen und kleine Kinder mögen Bälle. Erwachsene Männer mögen auch Bälle. Und ebenfalls Musikliebhaber scheinen Bälle zu mögen.

    Der Chord Mojo besitzt drei frei rotierende Kugeln aus Glas Plastik (?), welche oberhalb der eigentlichen Knöpfe für die Lautstärkeregelung und dem Ein-/Ausschalter liegen. Drückt man ebenjene Bälle sanft aber bestimmt nach unten, hört man ein leises mechanisches Klicken und der jeweilige Knopf wurde betätigt.

    Ich kann nicht leugnen, dass die drei Glaskugeln auch auf mich eine Faszination ausüben und ich mich gelegentlich dabei erwische, an ihnen herumzuspielen. Dies führt mit der Zeit jedoch zu Kratzern auf der Oberfläche.

  7. Drei ist mehr als zwei.

    Der Mojo besitzt aufgrund seines Aufbaus keinen wirklichen Line Out, was ich aber nicht als tragisch empfinde, denn „Double-Amping“ verteufle ich nicht, solange das ausgegebene Signal messtechnisch hochwertig und neutral ist. Auf den Mojo trifft beides zu.

    Aktivieren kann man jedoch einen „Pseudo Line Out“, indem man während des Einschaltvorganges alle drei Tasten gedrückt hält. Dann wird eine Ausgangsspannung von 3 V eingestellt. Weshalb gerade dieser hohe Wert und nicht etwa die gängigeren 2 V genommen wurden, erschließt sich mir nicht gänzlich.

    Ebenfalls ein wenig ärgerlich hierbei ist, dass der Pseudo Line Out Pegel nicht fix ist, sondern verändert werden kann. Somit ist das Pre-Set eigentlich unnötig.

  8. Smooth Operator.

    Der Unterschied ist wirklich gering, wenn man den Pegel beim Vergleichen messtechnisch angleicht. Und der Mojo klingt relativ neutral. Aber dennoch scheint mir sein Hochton, besonders in Verbindung mit In-Ears, ein wenig schnell auszuklingen und auch generell ein wenig sanft zu sein.
    Manchmal würde ich mir hier eine Prise mehr Aggressivität und „Schmutzigkeit“ im oberen Frequenzbereich wünschen.
    In einem Blindtest konnte ich dieses Ergebnis (leider) bestätigen.

  9. Hard Disk Drive.

    Beim Laden des Mojo gibt es, wenn er ausgeschaltet ist, leise Geräusche, die durch die USB-Oszillatoren verursacht werden, wenn ich mich nicht irre. Jene werden angeregt und in Schwingungen versetzt, welche man dann als ein Geräusch ähnlich dem Schreib- und Lesevorgang einer Festplatte wahrnehmen kann.
    Sonderlich laut sind die Geräusche nicht, aber gänzlich ohne sie wäre mir der Mojo lieber.

    Mit manchen Ladegeräten sollen diese Geräusche nicht auftreten, also werde ich hier gegebenenfalls noch ein wenig herumprobieren.

  10. Kurzstreckenläufer.

    Tja, die Akkulaufzeit wird von Chord Electronics mit etwa 10 Stunden angegeben. In der Realität ist dieser Wert aber eher nicht erreichbar.
    Selbst, wenn ich meinen Mojo als reinen DAC mit einem externen Kopfhörerverstärker nutze (dies ist für so gut wie alle In-Ears der Fall), wird dieser Wert ziemlich sicher nicht eingehalten.
    Nachgemessen und gestoppt habe ich die Zeit nicht, aber eine Akkulaufzeit von 6 bis 8 Stunden scheint mir realistischer.
    Die angegebene Ladezeit von vier Stunden dürfte gern auch etwas kürzer ausfallen.

    Nachtrag: Erwähnenswert ist hierbei auch, dass die rot blinkende LED unterhalb der Ladebuchse beim Mojo recht spät in Erscheinung tritt und der DAC-Amp deshalb, sobald dies eintritt, innerhalb kürzester Zeit ausgeht. Hier hätte man den Controller, der für die Akku-Status-LED zuständig ist, sinnvoller programmieren können, sodass das rote Blinken bereits etwa eine Stunde vor dem automatischen Abschalten einsetzt.
    Dies finde ich bei meinem Leckerton UHA-6S.MKII doch besser gelöst, denn bei diesem wechselt die Status-LED bereits etwa eine Stunde vor dem automatischen Ausschalten ihre Farbe auf Gelb.