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Chord Mojo: Mess- und Hörtests [Ich habe einen Talisman gekauft] 🇩🇪

Nach dem Kauf meines Chord Mojo DAC-Amp plane ich auf dem Kopfhörer-Lounge Blog eine kleine Serie mit Eindrücken und mehr. Sollte euch meine Reihe „Ich habe einen Talisman gekauft“ also nicht so sehr interessieren, dürft ihr in der nächsten Zeit die entsprechenden zwei oder drei Beiträge gern ignorieren und überspringen. Solltet ihr dennoch an meiner Sichtweise, Messungen und Erfahrungsberichten interessiert sein, seid ihr herzlich eingeladen, euch meine Texte anzusehen und gegebenenfalls auch durchzulesen – nicht zuletzt handelt es sich beim Chord Mojo um nicht weniger als den wohl am meisten gehypten DAC-Amp der letzten Zeit und womöglich überhaupt. ;-)


Dass sich der Chord Mojo unter Last nicht hundertprozentig ideal misst, was den Frequenzgang betrifft, was mir bereits im Vorfeld bewusst (die anderen Messwerte sind hingegen exzellent und können sich mit denen der besten stationären DACs problemlos messen). Dennoch hatte ich mich ob des guten Preises (ich berichtete) dazu entschlossen, bei Amazon (http://amzn.to/2bBVXGc) einen der britischen DAC-Amps zu bestellen.


Bevor ich aber zu meinen klanglichen Eindrücken übergehe, möchte ich zunächst die Messwerte ohne und unter Last näher betrachten.
Abgesehen von einer zuverlässigen Aussage über den ausgegebenen Frequenzgang mit und ohne angeschlossenen Kopfhörer/Verstärker ist meine Soundkarte nicht gut genug, um die anderen Parameter wie etwa Klirr- und Rauschverhalten oder die Kanaltrennung zuverlässig zu messen, doch wurde bereits messtechnisch von mehreren vertrauenswürdigen Seiten mit Referenz-Messgeräten bestätigt, dass der Mojo messtechnisch zu den besten DACs und Verstärkern gehört, die es gibt, und sich somit auch gegen manche Top-Geräte im wesentlich höheren Preisbereich problemlos behaupten kann und diese teils sogar etwas schlägt. Ein gutes Gefühl geben die guten Messwerte ohne und unter Last zumindest.

Anyway, mit den Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, geht es nun mit meinen üblichen Messungen des Frequenzganges weiter:

Der Ausgang des Mojo ohne Last:


Nicht sonderlich überraschend ist der ausgegebene Frequenzgang neutral und unverfälscht, wie ich es auch von jedem Gerät, egal in welchem Preisbereich, erwarte. Der Hochton fällt messtechnisch minimalst ab, was man vielleicht mit einem sanften Slow Roll Off Filter vergleichen könnte, und fällt also nicht negativ ins Gewicht.


Angegeben wird der Ausgangswiderstand des Mojo sehr niedrig im Milliohm-Bereich, wodurch der ausgegebene Frequenzgang auch unter Last komplexer Multi-BA In-Ears unverändert linear sein sollte, was er leider nicht ist. Der Grund hierfür ist, dass der Ausgangswiderstand des Mojo leider nicht über den gesamten Frequenzbereich gleich bleibt, sondern im Hochton etwas ansteigt.


Mit meiner üblichen komplexen Mess-Referenz, dem kritisch auf die Ausgangsimpedanz reagierenden Ultimate Ears Triple.Fi 10, zeigt sich folgende Abweichung:



Schließt man andere (Multi-) BA In-Ears an, lässt sich ein sehr ähnliches Bild beobachten:




Und selbst mit einem dynamischen In-Ear wie dem Sennheiser IE 800 gibt es eine minimale Abweichung:


Mit dem niederohmigen IE 800 gibt es auch eine kleine Pegelabweichung, die jedoch sehr gering ausfällt.


Die Verbiegung des Frequenzganges sieht bei den verschiedenen oben als Last verwendeten In-Ears nicht wie das typische Resultat „normaler“ höherohmiger Quellen aus, da die Abweichung am Mojo erst im Hochton beginnt. Wie gesagt, liegt das daran, dass der Ausgangswiderstand des DAC-Amps gen Hochton ansteigt. Von Chord wurde dies auch bestätigt – im Mojo sei eine sehr einfache Ausgangsstufe verbaut, welche dazu führe, dass es unter Last zu geringen Abweichungen im Frequenzgang kommen könnte.
Wertend geschrieben empfinde ich dies für ein Referenz-Gerät, dessen Ausgangsimpedanz auch in den technischen Daten im Milliohm-Bereich angegeben wird (, jedoch ohne Bezugspunkt), ein wenig armselig.


Mit Bügelkopfhörern verhält sich der Chord Mojo dann zum Glück erwartungsgemäß wesentlich besser:


Eine geringe Abweichung ist mit niederohmigen Bügelkopfhörern ebenfalls zu verzeichnen und mit der geringen Abweichung mit dem IE 800 als Last praktisch identisch.
Was aber auch auffällt, ist dass der ausgegebene Frequenzgang mit dem Sennheiser HD 800 als Last noch etwas neutraler als beim Mojo ohne Last ausfällt. Schlussfolgern könnte man daraus, dass der DAC-Amp höherohmige Quellen „mehr mag“.


Nutze ich den Mojo als reinen DAC und den Leckerton UHA-6S.MKII als Kopfhörerverstärker, wird folgender Frequenzgang ausgegeben:


Wie man sehen kann, ist der ausgegebene Frequenzgang ein wenig neutraler als der Mojo ohne Last oder mit mehr oder minder niederohmigen Bügelkopfhörern.


So kommt es auch, dass ich mit so gut wie allen In-Ears meinen Mojo auch hauptsächlich als reinen DAC verwende und meinen Leckerton als Kopfhörerverstärker an den Mojo anschließe. Lediglich mit ein paar Bügelkopfhörern und sehr wenigen In-Ears nutze ich den kleinen schwarzen Kaste aus England als eigenständigen DAC-Amp.



Weiter geht es nun also mit meinen subjektiven Klangeindrücken:
Was das Thema „Geräteklang“ betrifft, bin ich eher Objektivist und gehe beim Vergleichen verschiedener Geräte auch neutral und objektiv an die Sache heran. Hierzu führe ich auch immer einen zeitaufwendigen messtechnischen Pegelabgleich durch, da sich unser Gehör bereits von sehr geringen Lautstärkeunterschieden täuschen lässt (und hierbei sollte man nie den Fehler begehen, die Lautstärke per Gehör anzugleichen, denn dieses ist als objektives Messinstrument leider nicht sonderlich gut geeignet).  Mehr nachzulesen über den Geräte-Eigenklang und meine Einstellung zu dem Thema gibt es unter folgendem Link: http://kopfhoerer-lounge.blogspot.de/2016/04/Eigenklang.html
Erwähnen muss ich wohl nicht, dass ich ohne positive oder negative Erwartungen oder Vorurteile an den Mojo herangegangen bin.

Ganz allgemein geschrieben ist der Mojo ein sauber, natürlich und transparent klingender DAC-Amp ohne Verfärbungen. Und im Gegensatz zu manchen anderen Meinungen empfinde ich die ausgegebene Bühne des Mojo keineswegs als klein sondern normal groß und präzise gestaffelt und wiedergegeben.
Und tonal empfinde ich den Ausgang des Mojo auch als neutral natürlich, aber mit einer
„Besonderheit“: mit den meisten In-Ears, aber auch mit meinem Sennheiser HD 800, nehme ich den Hochton direkt am Mojo aber auch am Mojo-Leckerton-Stack als etwas „weich“ und „sanft“ wahr, verglichen mit so gut wie allen anderen Audio-Geräten in meinem Besitz. Anders als manche andere Besitzer nehme ich den Mojo aber keineswegs als etwas „warm“ klingend wahr, sondern nehme lediglich diese „Rundheit“/“Sanftheit“/Abwesenheit von „Schärfe“ wahr. Auch verblindet getestet konnte ich den Mojo dadurch zuverlässig durch den Geringen Unterschied bei Becken heraushören.
Ob diese „Rundheit“/Abwesenheit von „Schärfe“ im Hochton nun aber gut oder schlecht ist, ist eine andere Frage, zumal die meisten Geräte sie nicht besitzen und mir manchmal diese gewisse natürliche „Schmutzigkeit“ und „Schärfe“ fehlt und der Mojo ein wenig zu „rundgelutscht“ ist – beim ifi Audio Micro iDSD, den ich (jedoch aus dem Gedächtnis heraus, was somit keine zuverlässige Aussage darstellt) klanglich als mit dem Mojo ebenbürtig ansehe, konnte ich, als ich ihn noch besaß (aufgrund mancher Eigenschaften, die den Klang jedoch nicht betrafen, verkaufte ich ihn aber recht schnell), zumindest kein solches Verhalten feststellen.

Wie dem auch sei, mit dem Chord Mojo als DAC-Amp oder nur als DAC, kann ich in der Tat eine kleinere klangliche Steigerung feststellen, was die Transparenz betrifft. Und auch in Sachen Bühnenpräzision kann ich geringe Unterschiede zum Vorteil des Mojo feststellen, wobei diese „stärker“ auffallen, wenn man hochauflösende In-Ears verwendet. Mit meinem UERM und Shure SE846 beispielsweise war der „qualitative Unterschied“ zwischen einem bereits sehr guten Audio-Player wie sagen wir mal dem iBasso DX90 und dem Mojo „größer“ als mit dem Pai Audio MR3 und Etymotic ER-4S.

Was man sich dabei aber unbedingt vor Augen halten sollte: Der Unterschied ist bei weitem nicht groß. Die „riesigen Unterschiede“, wie sie teils genannt werden, existieren so nicht. Der Mojo ist ein wenig transparenter und somit „besser“ als sehr gute moderne Geräte, aber eben nur ein bisschen. Es ist einfach so, und das kann nicht oft genug gesagt werden, dass sich der Audio-Bereich bereits so weit entwickelt hat, dass wirkliche Verbesserungen kaum noch möglich sind und es, wenn es denn abgesehen von der Transparenz tatsächlich reproduzierbare Unterschiede zwischen zwei Quellgeräten gibt, auf den eigenen Geschmack ankommt, welches Produkt man nun bevorzugt. Und bei diesem Hintergrund ist es nicht arg verwunderlich, dass man mit dem Chord Mojo nur einen vergleichsweise kleinen klanglichen Zuwachs erreicht, der definitiv nicht so groß ist, als dass der DAC-Amp in einer gänzlich anderen Klasse spielt
Ob sich der Mojo also lohnt, bleibt eine Frage, die jeder für sich beantworten muss. Quasi eine Kaufpflicht besteht nicht und bereits im zweistelligen und sehr niedrigen dreistelligen Preisbereich gibt es reine DAC, die zwar haptisch sehr einfach, klanglich aber wirklich nicht sehr weit vom Mojo entfernt sind.
Momentan kann ich für mich persönlich aber sagen, dass der Mojo möglicherweise bleiben darf und mich diese letzten vielleicht zwei oder drei Prozent an klanglichem Zugewinn neben der Möglichkeit, Bügelkopfhörer wie den HD 800 sauber und transparent anzutreiben, über seine Schwächen hinwegsehen lassen, auch wenn der Hochton manchmal einen Tick zu „entschärft“ klingt.



Noch ein paar Kommentare bezüglich des UHA-6S.MKII und Mojo:

(Der folgende Text überschneidet sich teilweise thematisch mit den oberen Absätzen, da ich den Text unbewusst doppelt verfasst hatte und über eine Kürzung und Zusammenfassung der beiden Versionen hinwegsah. Dies möge man mir verzeihen.)

Im Gegensatz zum Chord Mojo, welcher ein DAC-Amp ist, ist der Leckerton ein Kopfhörerverstärker mit integriertem DAC, kann also auch analog angeschlossen werden. Der Mojo hingegen lässt sich nur digital an ein Quellgerät anschließen.

Der klangliche Unterschied zwischen dem Leckerton als DAC-Amp und Mojo als DAC mit dem
Leckerton als Verstärker ist nicht groß - aber: der reine DAC des Leckerton ist minimal weniger transparent als beispielsweise externe DACs und der Line Out der meisten Audio-Player. Der Unterschied ist gering, aber mit sehr guten In-Ears ein wenig hörbar. Nichtsdestotrotz hat mich dies nicht davon abgehalten, das amerikanische Gerät auch die meiste Zeit über mit dem internen DAC zu nutzen, da es sich bei den qualitativen Unterschieden, wie erwähnt, um alles andere als Welten handelt. Der reine Verstärkerteil des UHA-6S.MKII hingegen ist einwandfrei sauber und transparent.

Und lasse ich den Leckerton als DAC-Amp gegen den Leckerton als reinen Verstärker im Stack mit dem Mojo als DAC antreten, klingt das Mojo-Stack etwas transparenter mit hochwertigen In-Ears und besitzt auch den etwas besser definierten Bass. Erwähnt sei hierbei auch, dass ich etwa mit meinem Pai Audio MR3, den ich im "niedrigen" Preisbereich enorm mag und der auch einen exzellenten Gegenwert für seinen Preis bietet, keine reproduzierbaren Unterschiede im Bassbereich ausmachen konnte, jedoch ein gewisses (obgleich kleines, denn vernünftig konstruierte Audio-Geräte sind wirklich beileibe kein Hexenwerk mehr) Plus an Transparenz, insbesondere im Mittelton, wahrnehmen konnte.

Mit meinem UERM etwa gab es mit dem Mojo-Stack einen kleinen Vorteil die Bassqualität betreffend und auch die Transparenz war höher. Es handelte sich hierbei aber ebenfalls um keine Tag- und Nacht-Unterschiede, dennoch waren sie etwas stärker als mit dem Pai Audio MR3 wahrnehmbar.

Was ich aber, wie oben bereits genannt, feststellen konnte, wie auch beim direkten Anschluss von In-
Ears und Bügelkopfhörern, war ein seltsamerweise etwas schneller abklingender und dadurch sanfter erscheinender Hochton. Becken etwa wurde die Schärfe genommen, wodurch sie sanft und ein wenig weich klangen. Meiner Meinung nach ist diese Veränderung im Hochton sogar ein wenig zu deutlich, auch wenn man nicht wirklich von einem großen Unterschied sprechen kann, aber auch verblindet konnte ich mit meinem Sennheiser HD 800 und PaiAudio MR3 als auch Etymotic ER-4S den Hochton des Mojo von dem meines Leckerton und iBasso DX90 sowie anderen Geräten wie dem FiiO X3 oder iPhone 4 (bei jenen mangels Zeit aber nicht verblindet) ohne große Mühe unterscheiden, da Becken und andere hoch spielende Instrumente etwas schnell abzuklingen und ein wenig "rundgelutscht" und selbst mit hellen Kopfhörern nicht mehr so aggressiv erschienen.

Bei Bügelkopfhörern war das Plus an Transparenz aber nicht mehr wirklich reproduzierbar wahrnehmbar, da diese weitaus weniger als In-Ears auf die Unterschiede verschiedener Quellen regieren.


Mit einer Regelung der Lautstärke zugleich am Mojo und UHA-6S ist es mir dann auch möglich, problemlos die ideale Lautstärke zu finden, denn im Gegensatz zu meinem iBasso DX90, welcher über den ganzen Regelbereich 0,5 dB Schritte besitzt, sind diese beim Mojo besonders im niedrigen Bereich etwas grob und werden auch "weiter oben" nicht feiner als maximal 1 dB pro Klick (was zwar bereits sehr gut und feiner als bei manchen anderen Geräten ist, dennoch bin ich von der Regelung meines iBasso in sehr feinen 0,5 dB Schritten enorm verwöhnt und will keine Regelung, die weniger präzise ist. Zusammen mit der digitalen Regelung des Mojo und der analogen beim UHA-6S.MKII ist es mir dann aber doch noch möglich, die Lautstärke in endlos feinen Stufen bis zu meinem gewünschten Wert einzustellen).

Zusammen mit dem Mojo und Leckerton UHA-6S.MKII als reinen Verstärker kann ich dann jedoch die für mich ideale Lautstärke finden.


Ob sich der Chord Mojo lohnt oder nicht, muss jeder für sich selbst individuell entscheiden. Für mich persönlich kann ich die Frage teils mit "ja" und teils mit "nein" beantworten.