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Musik Hören mit und ohne Haare - mein Selbstversuch mit einem Nassrasierer und dem Sennheiser HD 800 🇩🇪

Prolog:

Der Sennheiser HD 800 ist ein dynamischer Kopfhörer, der schon etwas länger auf dem Markt ist und zurecht vielfach positiv bewertet wurde. Tonal moderat badewannig abgestimmt mit einer Resonanz/Betonung in den mittleren Höhen um 6 kHz herum gefiel er aber nicht allen Musik-Freunden und wurde teils als zu spitz und scharf, unangenehm klingend wahrgenommen, so befindet sich diese Betonung in den Höhen auch in einem für viele recht kritischen Bereich.
So gab es bereits nach kurzer Zeit auch Versuche, diese Resonanz mechanisch zu bedämpfen. Die wohl bekannteste Modifikation für den HD 800 war und ist wohl der "Anax-Mod", welcher in diesem Bereich wirkt und ihn bedämft.

Nun ist es so, dass ich meist nicht besonders Hochton-empfindlich bin (wobei dies auch auf meine Tagesform ankommt), mich aber fragte, ob meine Kopf- und insbesondere Gesichtsbehaarung (Koteletten-Brüder for the win) nicht auch einen gewissen Dämpfungs-Effekt auf den Hochton hat, schließlich besitzt jede Art von Material im Schall-Raum einen Einfluss auf den Klang.

Daraufhin wagte ich vor über einem Jahr ein etwas unkonventionelles Selbstexperiment, dessen Durchführung und Ergebnis ich euch hier präsentieren möchte (ja, das Schreiben sowie Veröffentlichen dieses Artikels ist doch "etwas" später als ursprünglich angedacht geschehen).



Durchführung:

Am Anfang meines Urlaubs zückte ich also meinen Edwin Jagger DE89b Rasierhobel (oder war es doch mein offener Hobel von Mühle? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr so genau), schäumte die Seife mit dem Mooreichen-Pinsel auf und nach nicht allzu langer Zeit war sowohl mein Backenbart als auch mein Haupthaar ab.

Ach ja, direkt davor setzte ich meinen HD 800 auf und hörte etwas Musik mit ihm, denn schließlich galt es ja für mich herauszufinden, welchen Einfluss meine Gesichts- und Kopfbehaarung auf die Wahrnehmung des HD 800-Hochtons besitzt.

Nach der Rasur ging es also zurück an meinen Hörplatz und der HD 800 kam wieder auf meinen, nun kahlen, Kopf.


Ergebnis:

Ohne Gesichts- und Kopfbehaarung konnte ich nun nachvollziehen, wie einige Nutzer den Hochton des HD 800 als etwas spitz und unangenehm empfinden. Ohne "Dämpfungsmaterial" vor und oberhalb meiner Ohren gab es natürlich im recht großen akustischen Raum des HD 800 mehr glatte, unbedämfte Flächen, an denen der Schall stärker als zuvor reflektiert werden konnte.
Einen riesigen Unterschied gab es zwar nicht, aber er war doch groß genug, um meinen zuvor harmonisch wirkenden HD 800 als unangenehm, spitz und zu hell zu empfinden, weshalb ich es nicht schaffte, ohne Haare ein ganzes Album mit ihm zu Ende zu hören, ohne dass er ab der Mitte nur noch obenrum nervte.


Fazit:

Sollte euch der Hochton des HD 800 etwas zu spitz und aufdringlich sein, müsst ihr euch also Koteletten wachsen lassen. ;-)
Diese nenne ich deshalb auch gern den "natürlichen Anaxilus Mod".


Mein kleines Experiment hat zumindest mir gezeigt, dass etwas Gesichts- und Kopfbehaarung den Unterschied zwischen einem als "stimmig" und "nervig" wahrgenommenen Klang bei meinem HD 800 ausmacht.
Mit anderen Kopfhörern, die große Ohrmuscheln besitzen, ließe sich dies wahrscheinlich auch reproduzieren.

Interessant wäre eine Wiederholung dieses Experiments mit dem Sennheiser Surrounder und/oder AKG K1000 ebenfalls interessant, aber ich besitze leider weder den ersten noch den zweiten Kopfhörer und bin auch nicht wirklich willig, meine Gesichtsbehaarung erneut für ein solches Experiment zu entfernen.