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TTPod T1 (non-E): Im Budget-Bereich einer meiner persönlichen Lieblinge - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Ein paar meiner älteren Reviews plante ich, zu erweitern und hier hochzuladen. Der recht unbekannte TTPod T1 (non-E) darf dabei natürlich nicht fehlen, denn obwohl er technisch nicht perfekt ist und auch die tonale Abstimmung stellenweise geringfügig verbessert werden könnte, stellt er im niedrigen Preisbereich doch eines meiner liebsten Produkte dar und er ist ein In-Ear, den ich im Freien recht gern und häufig verwende.
So here we go:

Gekauft habe ich den TTPod T1 vor ein paar Jahren bei PenonAudio für um die 30€. Die Lieferzeit
betrug in etwa zwei Wochen, vielleicht auch etwas weniger.

Aufgefallen ist mir der T1 vor einer Weile beim Stöbern im Internet. Das Design erinnerte mich dabei auf den ersten Blick stark an den Sennheiser IE 800, doch sind beide die verwendete Technologie, den Preis sowie den Klang betreffend völlig unterschiedliche In-Ears, was einem auch klar sein sollte. Auch ist der IE 800, den ich selbst ebenfalls besitze, im direkten Vergleich um ein gutes Stück kleiner. Mit dem Sennheiser hat der T1 wirklich nur die angelehnte Optik gemeinsam.
Vom T1 gibt es zwei Versionen, nämlich den T1S (üblicherweise wird jener überall nur T1 genannt) und den T1E, welcher sich durch eine wesentlich bassbetontere Abstimmung unterscheiden soll. Mein Review bezieht sich lediglich auf den wenig bekannten und verbreiteten T1 ohne E; den T1E besitze ich nicht und habe auch kein wirkliches Interesse an ihm. Da der „normale“ T1 im Internet scheinbar keine Relevanz zu haben scheint und kein wirkliches Interesse findet (meiner Meinung nach völlig zu Unrecht), habe ich mich dazu entschlossen, ihn in einem Review zu beschreiben.
Entschieden habe ich mich für die durchsichtige Variante – zwei transparente (rot, blau) und undurchsichtige (schwarz, weiß) Versionen sind jedoch ebenfalls erhältlich.


Technischer Hintergrund:

Der T1 besitzt zwei dynamische 6,2 mm Micro-Treiber, welche ohne Frequenzweiche laufen.


Lieferumfang:


Geliefert wird der T1 in einem schlichten, äußerst robusten Eierschalen-farbenen Pappkarton, mit einem eher spärlichem Lieferumfang (außer den obligatorischen drei Paaren an Silikonaufsätzen in unterschiedlichen Größen, den In-Ears selbst samt Kleidungsclip und dem typischen Papierkram ist die Box leer). Ein Aufbewahrungsetui sucht man vergeblich.
Was mich hier wundert, ist, dass man auf anderen Bildern im Internet einen Stoffbeutel sowie weitere Aufsatzstücke, unter Anderem aus transparentem Silikon, sieht. Ob TTPod den Lieferumfang geändert hat oder ich einfach nur Pech hatte und mein Karton leer blieb, kann ich nicht beantworten, zumindest war der Karton versiegelt.


Verarbeitung:


Die Verarbeitungsqualität des Kabels ist ordentlich – es ist flexibel, glatt und fühlt sich nicht
minderwertig an, wobei die transparente Ummantelung recht weich ist. Der Stecker, auf welchem der Firmenname aufgelasert ist, sowie der Y-Splitter mit eingravierter Seriennummer als auch der Kinn-Schieber bestehen aus mattem Aluminium. Schön sind auch die kleinen Details, wie die entgrateten, glänzend polierten Ränder. Im Auslieferungszustand ist übrigens jeweils eine Schutzfolie auf den Aluminiumteilen angebracht. An allen relevanten Stellen befindet sich ein gummierter Knickschutz, welcher jedoch nicht mit dem Kabel verklebt ist. Das Gehäuse der In-Ears besteht aus sehr stabilem Kunststoff, jedoch wirkt dieser nicht billig und alle Stellen sind glatt und frei von Kleberesten.
Für etwa 30€ ist dies weitaus mehr als nur ein sehr solider Eindruck.


Tragekomfort, Isolation:


Das Gehäuse ist eher groß (das Design-Original, der Sennheiser IE 800, ist viel kleiner) und etwas
angewinkelt.
Trägt man den In-Ear mit dem Kabel nach unten, steht der T1 ein wenig aus der Ohrmuschel hervor; setzt man ihn um 180° gedreht mit dem Kabel über dem Ohr ein, „liegt“ er flach in der Ohrmuschel.
Mit meinen großen Ohren habe ich generell kaum Probleme mit dem Tragekomfort von In-Ears und so verhält es sich auch beim TTPod. Bei mittleren bis kleinen Ohrmuscheln dürfte die „professionelle“ Trageweise jedoch zu Problemen führen.

Die Geräuschisolation ist übrigens gar nicht mal schlecht und besser als bei den meisten belüfteten dynamischen In-Ears ausgeprägt, was wohl auch an der fast gänzlich geschlossenen Bauweise liegt - die beiden Öffnungen sind nämlich mit bloßem Auge wirklich kaum erkennbar. Ganz an die Isolation von komplett geschlossenen In-Ears reicht die des T1 jedoch nicht heran.

Klang:

Tonalität:


Tonal ist der T1 im Vergleich zu vielen günstigen In-Ears relativ ausgewogen, genauer gesagt kommt er mit einem annähernd neutralen Tief-, jedoch betontem Mid- und Kickbass sowie Grundton daher, wobei der Midbass den meisten Pegel besitzt. Ein Bassmonster ist der TTPod jedoch definitiv nicht,
die Betonung umfasst lediglich in etwa 6 dB im Vergleich zu einem strikt neutralen In-Ear wie dem Etymotic ER-4S, wirkt jedoch bei schneller Musik geringfügig mächtiger, da der Tiefton zwar frei von Dröhnen, im Vergleich zu sehr schnellen und trocken spielenden In-Ears mit BA-Treibern jedoch eher ein wenig weich spielt.
In den Mitten ist der T1 Pegel-mäßig etwas zurückgesetzt. Stimmen befinden sich bedingt durch den angehobenen unteren und mittleren Grundton etwas auf der wärmeren Seite, ohne jedoch dass der Grundton in die unteren Mitten einstrahlt und diese unnatürlich wirken lässt. In den mittleren Höhen beginnt der T1 dann pegelmäßig anzusteigen und steigert sich gen Superhochton.
Der Hochton ist wie auch der Bassbereich betont, wobei hier der untere und obere Hochton eine Betonung aufweist und der mittlere Hochton im Vergleich zu ihnen etwas weniger Pegel besitzt. Was aber auch auffällt, ist dass die Betonung im Hochton etwas stärker als im Bassbereich ausfällt, weshalb dieser je nach Tagesform auch schon mal nerven/aufdringlich sein kann und man definitiv keine Abneigung gegen obenrum heller spielende Kopfhörer haben sollte. Bereits eine breitbandige Absenkung im Hochton um ein bis zwei dB wäre meiner Meinung nach für die tonale Balance zwischen Tief- und Hochton ideal.


Das insgesamt doch homogene, jedoch etwas badewannige Klangbild mit einer etwas gestauchten Ausdehnung (Oberbass, untere Höhen) gefällt mir jedoch für den Preis, ebenso die gute Bühnendarstellung (dazu weiter unten mehr).
Ich denke, insbesondere Fans der EarPods von Apple, die sich ein wenig mehr „oomph“ und „pling“ wünschen, könnte der T1 gefallen.


Auflösung:

Die Auflösung ist insgesamt gut für den Preis. Nicht überragend gut, jedoch sehr solide. Teurere In-Ears mit zwei dynamischen Treibern, wie der Brainwavz R3, schlagen den T1, wenngleich auch nicht
deutlich. Alle Frequenzbereiche sind auflösungsmäßig auf einem ähnlichen Niveau (anders als bspw. beim preislich ähnlichen SoundMagic E10, bei dem der Mittelton meiner Meinung nach besser auflöst als die restlichen Frequenzen). Im Mittelton löst der E10 etwas besser auf, bei den anderen Frequenzen empfinde ich den T1 jedoch als klar überlegen und kontrollierter spielend.
Der Bassbereich ist im Vergleich zu vielen anderen günstigen In-Ears angenehm trocken und schnell, im Vergleich zum Tief- und Kickbass ist der Midbass jedoch ein wenig weicher. Schneller als bei einem SoundMagic E10 ist der Bass allemal, wenngleich auch etwas zurückhaltender. An die Bassgeschwindigkeit des Havi B3 Pro I, Fostex TE-02 oder Shozy Zero reicht die des T1 nicht ganz heran, lässt aber so gut wie alle Modelle von Sennheiser und Philips für unter 30€ merklich im Regen stehen und auch ist der Tiefton etwas schneller und trockener als bei den In-Ears von Knowledge Zenith oder Xiaomi, die im niedrigen Preisbereich ebenfalls ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bieten.

Insgesamt kann ich für mich sagen, dass der T1 ein für den Preis gutes Detailniveau besitzt und ich mich, obwohl ich mich üblicherweise (stationär) im drei- und vierstelligen Preisbereich bewege, zwischendurch und insbesondere unterwegs sehr gern auf den TTPod einlasse und beim Hören mit ihm nicht im Geringsten mein Gesicht verziehen muss.

Räumliche Darstellung:


Die räumliche Darstellung des T1 nehme ich als offen wahr. Die Bühne ist dabei sehr breit und klingt „frei“, besitzt dabei auch eine gewisse Tiefe – flach ist die imaginäre Bühne also keineswegs.

Während ich die Bühnenbreite beim T1 vergleichsweise gut einschätzen kann, gelingt mir dies bei der Tiefe nicht ganz so gut. Eine wirkliche Vielschichtigkeit kann ich in der Tiefe nicht erkennen; diese wirkt eher neblig als präzise gefächert. Der günstige Brainwavz R1 besitzt meiner Meinung nach bei ähnlicher Bühnenbreite eine bessere Tiefenpräzision, löst insgesamt jedoch schlechter auf und ist extremer (viel stärkerer Bass, präsenterer Hochton) abgestimmt.
Im Vergleich zum Havi B3 Pro I, der eine sehr große und auch präzise Bühne bietet, besitzt der T1 nur geringfügig weniger Breite, bei mehr oder minder der Hälfte der räumlichen Tiefe. Dem Havi gelingt die Staffelung in der Tiefe präziser und das genaue erkennen von Instrumenten auf der Z-Achse ist einfacher.



Fazit:


Der T1 ist der sanft "spaßig" abgestimmten Fraktion eher zuzuordnen als den neutralen abgestimmten In-Ears. Dennoch ist er viel ausgewogener abgestimmt als die meisten in diesem Preisbereich
anzutreffenden In-Ears und besonders der Mittelton ist tonal nicht zu unnatürlich. Auch ist seine tonale Abstimmung keine Alltagsware und die Mischung aus einer Betonung des Midbasses in Verbindung mit einem ebenfalls etwas angehobenen Grundton und einem hellen Hochton kann durchaus gefallen, so etwa mir. Auch löst der In-Ear in seinem Preisbereich gut auf und besitzt eine große Bühne.

Auch wenn ich den In-Ear in seinem Preisbereich liebe, ist er aber nicht perfekt – die Darstellung der räumlichen Tiefe könnte etwas präziser sein und auch wären manchmal zwei dB weniger im Hochton angenehmer, um ein ideales Verhältnis zwischen Tief- und Hochtonbetonung zu erreichen.

~ 4 von 5 Sternen.



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