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Superlux HD381: Viel Plastik, viel Klang und wenig Geld - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Superlux – die chinesische/taiwanesische Firma dürfte für alle, die auch nur halbwegs an Kopfhörern interessiert sind, mittlerweile definitiv keinen unbekannten Namen mehr darstellen. Mit bereits mehr als 30 Jahren im Audiobereich tätig, stellt die Firma neben Mikrofonen, portablen PA-Systemen, Konferenz-Equipment und Monitoring-Systemen natürlich auch Kopfhörer her.
Besonders die Kopfhörer sowie In-Ears von Superlux wurden von der audiophilen Gemeinschaft und Kopfhörer-Enthusiasten sehr positiv aufgenommen, was das besonders gute Preis-Leistungsverhältnis und den trotz des geringen Preises guten Klang betrifft. Ein entscheidender Teil des „Geheimnisses“
besteht dabei darin, auf Werbe- und Marketing-Kampagnen (größtenteils?) zu verzichten und das Design bestehender Produkte zu übernehmen.
Was etwas weniger bekannt ist: Superlux stellt auch gelegentlich Kopfhörer als OEM-Produkte für andere Firmen her.

Ich selbst bin erst recht spät aktiv auf Superlux aufmerksam geworden – das dürfte im Frühling 2013 oder 2014 gewesen sein. Damals dachte ich, es könnte lustig sein, mir mal einen günstigen, ohrumschließenden Bügelkopfhörer zuzulegen, und so kaufte ich mir den Superlux HD681. Ohne viel beim gezahlten Preis von etwa 20€ zu erwarten, bot der Kopfhörer angesichts des Preises eine beachtliche Leistung, war sogar recht genießbar und klang definitiv nicht nach einem solch günstigen Modell. Ausgehend davon, was ich hörte, hätte ich nicht gezögert, mindestens 70€ für den Klang auszugeben. Und wäre der Hochton etwas weniger angehoben und gleichmäßiger, wäre ich wahrscheinlich sogar bereit, noch mehr zu zahlen.
Dieses Jahr bekam ich auch die Möglichkeit, mir den HD668B genauer anzuhören, und genau wie der HD681 bot er einen sehr guten Gegenwert für seinen Preis.

Obwohl der HD381 nur ein sehr günstiger In-Ear ist, bin ich doch über die Möglichkeit, ihn mir näher anhören zu können, erfreut, denn auch die HD381-Produktlinie erfuhr durch und durch positives Feedback. Dieses Review wird sich also auf die Performance des HD381 beziehen und auch beleuchten, wie er sich gegen andere günstige In-Ears behauptet, die ebenfalls einen guten Gegenwert für das Geld bieten.


Den HD381 habe ich von GearBest für das Schreiben eines Produktreviews erhalten. Wie bei all meinen anderen Reviews nicht selbst gekaufter Produkte erhalte ich dafür nicht die geringste finanzielle Zuwendung/Aufwandsentschädigung und habe auch sonst nichts mit dem Hersteller oder Händler zu tun und meine Worte sind ungefiltert und aufrichtig.

Erhältlich ist der In-Ear auch bei Thomannhttps://goo.gl/ZCqZVV


Technische Daten:

Preis: 12,08$ (http://www.gearbest.com/earbud-headphones/pp_298733.html?lkid=10385979)
Treiber: dynamisch, 13,5 mm
Impedanz: 16 Ohm
Empfindlichkeit: 103 dB


Lieferumfang:

Die meisten In-Ears, die so günstig sind, besitzen eine Verpackung, die man sehr schnell wieder vergisst, und bei Superlux trifft dies auch auf manche Bügelkopfhörer zu. Der HD381 jedoch besitzt eine kleine Verpackung, die recht interessant ist: Auf der Oberseite befindet sich eine Bullaugen-ähnliche Kuppel, hinter der sich die In-Ears befinden. Diese Idee gefällt mir recht gut.
Im Inneren findet man drei Paare unterschiedlich großer Silikonaufsätze mit farblicher Unterscheidung je nach Größe, ein Verlängerungskabel und einen Kabelaufwickler (, den ich ganz sicher nicht verwenden werde, da ordentliche Aufbewahrungstaschen bereits für unter 5$ gefunden werden können,) vor. Obwohl sich keine Aufbewahrungstasche im Lieferumfang befindet, ist dieser angesichts des Preises definitiv nicht schlecht.







Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die In-Ears sind aus Plastik gefertigt und auf der rechten Hörerseite befindet sich ein roter
Seitenindikator. Auch wenn sich das Plastik eher billig anfühlt, gibt es keine scharfen Kanten oder Grate. Die Form ist mit Modellen von DUNU, Atomic Floyd und auch Foster vergleichbar – ich weiß nicht, welcher Hersteller sie zuerst verwendet hat, also belasse ich es dabei.

Das eigentliche Kabel ist ziemlich kurz und eignet sich ideal zur Nutzung mit Playern wie dem Apple iPod Nano 6G oder SanDisk Sansa Clip Zip. Nutzt man das Verlängerungskabel, beläuft sich die Gesamtlänge auf ca. 1,2 m, was dem gängigen Standard entspricht.
Der Y-Splitter besitzt einen integrierten Kinnschieber, aber das Kabel fühlt sich insgesamt eher fragil als auch recht billig an und ist mit günstigen Modellen von Sony vergleichbar. Nichtsdestotrotz ist der Knickschutz an allen Übergängen vorhanden und lobenswert.







Tragekomfort, Isolation:

Die In-Ears sitzen sehr komfortabel in meinen großen Ohren und dichten sofort ab.
Aufgrund der Gehäuseform ist eine klassische Trageweise mit dem Kabel nach unten vorgesehen, jedoch bevorzuge ich es, die In-Ears genau so einzusetzen, das Kabel aber anschließend um meine Ohren zu legen.

Kabelgeräusche sind sehr gering und verschwinden mit meiner Methode so ziemlich gänzlich.

Die Geräuschisolation befindet sich auf der etwas schwächeren Seite, ist aber definitiv nicht so gering wie beim DUNU Titan 1 ausgeprägt.


Klang:

Sollte sich jemand von euch über die Namensgebung der Produkte bei Superlux wundern, sei euch gesagt, dass diese recht schnell verständlich ist: in jeder Modellgruppe gibt es drei Iterationen, die sich hinsichtlich der Bassquantität unterscheiden. Jene Modelle ohne Buchstabe am Ende besitzen am meisten Bass, gefolgt von denen mit dem Buchstaben „B“ („Balanced“). Am wenigsten Bass besitzen alle Modelle bei Superlux, deren Modellnamen mit einem „F“ enden („Flat“).
Damit stellt der HD381 den am „aufregendsten“ abgestimmte In-Ear der drei Modelle sein.

Als Quellgeräte dienten mir hauptsächlich der iBasso DX80, Cowon Plenue M2 als auch HiFime 9018d und LH Labs Geek Out IEM 100.

Zum Hören nutze ich die größten mitgelieferten Silikonaufsätze.

Tonalität:

Was ich höre ist ein sehr starker, (beinahe) immer präsenter und grummelnder Midbass mit einem Tiefton, der auch generell nicht im Geringsten dünn erscheint und sich etwas mehr der wärmeren Seite zugezogen fühlt. Der Mittelton ist relativ akkurat und verfärbungsarm, was nicht auf sehr viele In-Ears in diesem Preisbereich zutrifft, mit einer kleinen Anhebung im unteren Hochton zwischen 1 und 2 kHz, gefolgt von einem zurückgesetzten und sanften sowie moderat dunklen Hochton oberhalb von 3 kHz.

Beim Hören von Sinus-Signalen höre ich einen etwas V-förmigen Charakter zwischen 500 und 2000 Hz, wodurch tiefe Stimmen etwas wärmer dargestellt werden und hellen etwas Klarheit hinzugefügt wird, jedoch beeinträchtigt dies das Timbre nicht wirklich negativ.
Ich höre, dass der Bass bei etwa 500 Hz anzusteigen beginnt und seinen Höhepunkt bei etwa 80 Hz erreicht, dennoch gibt es insbesondere im unteren Grundton bereits eine hörbare Fülle und Wärme, was daran liegt, dass der Bass im Anstieg eher der Form eines Hügels als einer Geraden folgt. Zwischen 40 und 20 Hz verliert der Tiefbass dann etwas Pegel – der Bassbereich könnte also als Midbass-fokussiert beschrieben werden und besitzt ca. 10,3 dB mehr Pegel als ein strikt flacher In-Ear wie der Etymotic ER-4S, zumindest hat dies ein Lautstärke-angeglichener Vergleich mit EQ-Einsatz zur Eruierung der Bassquantität hervorgebracht.
Im Hochton höre ich zwischen 2 und 3 kHz eine kleine Senke, gefolgt von flachen Pegel-Anstiegen bei 5, 8 und 12 kHz, welche sich jedoch unterhalb der Grundlinie befinden und den Hochton insgesamt sanft und moderat dunkel, aber nicht verhangen klingen lassen, was an der moderaten Klarheits-Betonung im oberen Mittelton liegt. Oberhalb von 14 kHz fällt der Pegel ab.

Wenn es einen Mangel gibt, so bezieht sich dieser vielleicht darauf, dass Trompeten und Klaviere ein wenig zur hellen/quietschenden Seite aufgrund der Betonung der oberen Mitten gezogen werden (dies suggeriert gleichzeitig aber auch Klarheit) und dass der Midbass je nach persönlichem Geschmack manchmal etwas zu präsent und grummelnd bei manchen akustischen Aufnahmen wirken kann (dies ist natürlich auch eine Frage des persönlichen Geschmackes – ich würde sagen, der Bass erreicht noch nicht ganz ein Basshead-Niveau, ist aber kurz davor und besitzt einen ziemlich starken Einschlag). Auf der anderen Seite klingt der HD381 aber auch nicht unnatürlich und besitzt eine in sich stimmige Tonalität, und ich wäre definitiv nicht in der Lage, viele andere In-Ears zu nennen, die dies in diesem Preisbereich erreichen (ein paar sehr gute asiatische Budget-Modelle bilden die Ausnahme).

Auflösung:

Für den Preis hätte ich dieses Detailniveau eher nicht erwartet – der HD381 schlägt sich hier sehr gut und ich wäre nicht einmal geringfügig erstaunt, sollte er zwei Mal so viel wie der reguläre Verkaufspreis von um die 20€ kosten (für ~ 12$ ist er meiner Meinung nach ein No-Brainer).
Verglichen mit ein paar der besseren/besten In-Ears zwischen 50 und 100$ befindet sich auf männlichen Stimmen ein leichter Schleier und Becken könnten etwas separierter sein, aber bei alledem handelt es sich um nichts Ernsthaftes und wäre angesichts des Preises eigentlich nicht einmal wirklich erwähnenswert, da ich ordentliche/gute In-Ears um 50$/€ kenne, die hier vergleichbar sind und andere Schwächen wie etwa einen schwammigen Bass besitzen (hier denke ich z.B. an den SoundMAGIC E10).
Von den Tiefen sprechend: Diese befinden sich auf der weicheren und manchmal geringfügig dröhnenden Seite, enttäuschen in Sachen Auflösung und Textur aber nicht – der Bassbereich klingt gut, ist aber einfach nur weich. Insgesamt ist die Kontrolle auch ziemlich ordentlich und die einzigen Musik-Stilrichtungen, bei denen der Bass zu weich ist und etwas Kontrolle vermissen lässt, sind Metal oder anspruchsvolle und mehrschichtige elektronische Musik, dennoch lassen sich einzelne Bassnoten hier trotz einer gewissen Breiigkeit noch erahnen, was auch nicht auf alle dynamischen In-Ears, manche teurere Modelle eingeschlossen, zutrifft.

Räumliche Darstellung:

Recht überrascht hat mich am Superlux HD381, dass er sehr offen und räumlich klingt. Die Bühne besitzt viel räumliche Tiefe als auch Breite und erscheint realistisch. Die Offenheit und Luftigkeit erinnern mich an den DUNU Titan 1, welcher jedoch noch etwas mehr Breite und Tiefe besitzt.
In Sachen Instrumententrennung, Staffelung und Separation gibt sich der HD381 ebenfalls keine Blöße und klingt hier selbst bei dicht besetzten Aufnahmen nie schmierig oder neblig.

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Im Vergleich mit anderen In-Ears:

Xiaomi Piston Colorful Starter Edition:
Keiner der beiden In-Ears ist hochwertig verarbeitet oder besitzt ein gutes Kabel, dennoch besitzt das des Superlux einen guten Knickschutz an allen Übergängen.
Beide In-Ears besitzen vergleichbar viel Bass und Tiefgang (der HD381 besitzt nur geringfügig mehr Bass und ist ein kleinwenig wärmer im Vergleich) und der Superlux hat den etwas helleren Stimmbereich wohingegen der Xiaomi etwas mehr Glitzern im Hochton, in dem er einen milden Anstieg besitzt, zeigt.
Der Bass des Xiaomi ist verglichen mit dem Körper-orientierten aber geringfügig besser texturierten und separierten Tiefton des Superlux fester während die Kontrolle vergleichbar ist. Die Detailauflösung erscheint ziemlich vergleichbar (womöglich besitzt der Xiaomi den geringfügig besser separierten und texturierten Mittel- und Hochton, aber festlegen würde ich mich nicht).
Was die Bühne angeht, besitzt der Superlux den etwas größeren imaginären Raum und erscheint luftiger während es die Instrumentenseparation betreffend keinen klaren Sieger gibt.
Man könnte sagen, dass beide auf der technischen Seite ziemlich gleichauf sind.

Knowledge Zenith HDS1:
Der HDS1 besitzt das bessere Kabel und erscheint besser verarbeitet, was an seinen stabilen Aluminium-Gehäusen liegt.
Tonal erinnert mich der HD381 an eine bassigere Version des HDS1 mit einer stärkeren Klarheits-Anhebung in den oberen Mitten und einem geringfügig dunkleren Hochton.
Was den Bass betrifft, spielen beide In-Ears vergleichbar weich während der HDS1 ein kleinwenig schneller auszuklingen erscheint. Im Mittel- und Hochton kann ich keinen wirklichen qualitativen Unterschied feststellen (HDS1: minimal besser separierte Höhen; HD381: minimal besser gestaffelte Mitten) und beide bieten hier recht viel Klang für ihren geringen Preis.
Der HD381 besitzt die in beide Richtungen größere und etwas luftigere Bühne während die Instrumententrennung und -platzierung mit der des HDS1 vergleichbar ist.

Fidue A65:
Der Fidue besitzt das bessere Kabel und erscheint durch seine lackierten Kupfer-Gehäuse wie aus einer sehr viel höheren Klasse stammend (im direkten Vergleich der Haptik erscheint es fast so, als parke eine Luxus-Limousine neben einem Dacia Logan).
Beim Fidue ist der Bass hörbar zurückhaltender, aber der A65 fällt gen Tiefbass auch stärker ab. Im Tiefton ist der A65 weniger warm, dafür befinden sich seine Mitten aber auf der dunkleren Seite. Im Hochton klingt der Fidue ein wenig dunkler.
Der Fidue besitzt den festeren und besser kontrollierten Bass sowie den besser gestaffelten Mittelton.
Die Bühne des Superlux ist viel größer und offener klingend aber Instrumente werden beim Fidue etwas genauer positioniert und schärfer getrennt.

DUNU Titan 1:
Während ich das Nylon-/Stoff-ummantelte Kabel des DUNU nicht mag, ist es doch offensichtlich besser als das des Superlux und auch erscheint der Titan 1 hochwertiger.
In Sachen Tonalität besitzt der DUNU ca. 4 dB weniger Bass (fester Sitz, Belüftungsöffnungen natürlicherweise durch meine Ohren ziemlich bedeckt), der in den Tiefbass ohne Abrollen hineinreicht und im Grundton keine hinzugefügte Wärme besitzt, wodurch der In-Ear weniger warm (eigentlich gar nicht warm) klingt. Der Mittelton des DUNU erscheint distanzierter und im Hochton ist der Titan 1 auch der offensichtlich hellere In-Ear.
Der DUNU besitzt den festeren, schnelleren und besser kontrollierten Bass, löst im Mittelton höhrt auf und besitzt die bessere Trennung im Hochton.
Was die Bühne betrifft, ist die des DUNU sogar noch etwas offener und luftiger klingend (sowie auch etwas besser separiert) im Vergleich zum HD381, der hier bereits eine ziemlich große und offene Präsentation abliefert.


Fazit:

Ich war nicht sonderlich über die Performance des HD381 überrascht – nicht weil er schlecht wäre, sondern weil ich bereits vertraut mit dem (sehr) guten Preis-Leistungsverhältnis von Superlux bin. Was er mir bot war in der Tat eine in sich harmonische Tonalität mit recht akkuraten Mitten, ein Detailniveau das viele preislich gleiche westliche In-Ears nicht im Entferntesten erreichen, und ein
sehr offener und luftiger Klang mit einer guten räumlichen Tiefe.
Der Klang ist bassig mit einer Klarheits-Anhebung im oberen Mittelton, welche aber die tonale Balance oder Natürlichkeit im Bereich der Stimmen nicht negativ beeinflusst, sowie einem sanften und lässigen Hochton.

Als ein sorglos behandelter Budget-In-Ear, zum Sport, wenn man knapp bei Kasse ist oder auch wenn man seine Familienmitglieder und Freunde mit einem gut klingenden und günstigen In-Ear überraschen will, eignet sich der HD381 sehr gut.
Oh ja, obwohl ich üblicherweise hauptsächlich In-Ears und Kopfhörer im Preisbereich zwischen 400€ und 2000€ nutze, hinterlässt der HD381 einen sehr positiven Eindruck und ich liebe seinen bassig-warmen Tiefton gepaart mit der Klarheits-Betonung und besonders seine sehr offene und luftige Bühnenreproduktion (ich will hier sicher nicht implizieren, dass der Superlux mit In-Ears im von mir genannten drei- und vierstelligen Preisbereich mithalten kann, denn dies kann er schlichtweg nicht, aber für sehr wenig Geld klingt er mehr als nur ordentlich). Nur das Kabel wirkt sehr billig und kein Aufbewahrungsetui ist enthalten, jedoch ist dies angesichts des Preises nicht arg überraschend und verschmerzbar.

~ 4,24 von 5 möglichen Sternen.