Translate

Sabaj Audio D1: Kleiner USB-DAC aus Fernost - [Review] 🇩🇪

Vorwort:

Den Sabaj D1 habe ich stark vergünstigt erhalten, nachdem ich ein Rezensionsmuster angefragt hatte. Der Rabatt wurde mir für das Versprechen, ein ehrliches und ausführliches Review zu verfassen, gewährt.


Einleitung:

Vor einiger Zeit hat mich Kelly von Sabaj Audio, einer jungen chinesischen Firma aus Shenzhen, die 2016 gegründet wurde, betreffend eines Reviews für ein Produkt, das man mir anbot, kontaktiert. Ich
war einverstanden, hörte aber selbst nach mehrfacher Nachfrage nichts mehr von ihr. Ehrlich gesagt war ich daraufhin stark verärgert und wünschte der Firma definitiv nichts Gutes.
Als ich nach ein paar Monaten sah, dass Sabaj Audio nun auf Amazon vertreten ist, dachte ich mir, ich schreibe die Firma erneut an und frage ein Rezensionsmuster eines anderen Produkts an, obwohl es mich anwidert, dass ich zuerst kontaktiert wurde und alles schon ausführlich besprochen und vorbereitet war (eine deutsche und englische Einleitung hatte ich geschrieben und mich auch schon über Sabaj Audio ausführlich eingelesen), ich dann von der Firma aber nichts mehr hörte. Die Anrede meiner zweiten Anfrage war deshalb auch nicht sonderlich höflich und ich begann sie ganz der sittlichen Umgangsform widersprechend mit „Dear [Kofferwort aus den englischen Vokabeln für ‚Ejakulat‘ und ‚kleine Pferderasse‘]“. So here we go now mit einem anderen Produkt als dem mir damals angebotenen, nämlich dem Sabaj D1, einem externen USB-DAC mit digital geregelter Lautstärke. Ob er etwas taugt und man letztlich vielleicht sogar Kopfhörer direkt an ihm sauber betreiben kann, wird sich im Verlauf des Reviews zeigen.

Erhältlich ist der Sabaj D1 hier bei Amazon für 21,99€: http://amzn.to/2ffSFbp


Lieferumfang:

Der S1 wird mit einem langen Micro USB auf USB Verbindungskabel und einem sehr praktischen Etui geliefert.


Optik, Haptik, Verarbeitung:

Nach dem Auspacken war ich doch sehr überrascht darüber, wie klein der D1 in Wirklichkeit ist – seine Größe überschreitet kaum die einer regulären Streichholzschachtel. Dabei ist der kleine DAC gänzlich aus mattschwarzem Metall gefertigt und wirkt hochwertig verarbeitet.


Tasten, Anschlüsse:

Mit dem mitgelieferten Micro USB auf USB Kabel wird der D1 an einen Computer oder ein anderes
portables Quellgerät angeschlossen.
Auf der Oberseite befinden sich zwei Tasten für die digitale Lautstärkeregelung (hierbei wird die Lautstärkeregelung des Computers übernommen und geregelt, was in meinem Fall 16 Regelstufen bedeutet), während sich auf der Vorderseite zwei 3,5 mm Ausgangs-Buchsen (links ein regulärer Kopfhörerausgang, rechts ein optischer Digitalausgang) und eine Status-LED befinden.

Nach dem Anschluss an meinen Computer (Windows 7 64 Bit) wurden die Treiber für die Lautstärkeregelug und den DAC automatisch aus dem Internet herausgesucht und installiert. Anschließend konnte ich den D1 in der Systemsteuerung auswählen.


Klang:


Angemerkt sollte werden, dass der D1 wirklich sehr (!) kraftvoll ist und sich für In-Ears nicht sonderlich gut eignet, wenn man jemand ist, der bei eher geringer bis moderater Lautstärke Musik hört. Um mit durchschnittlichen, günstigen In-Ears aus dem Consumer-Bereich (Xiaomi Piston Colorful Starter Edition) eine für mich erträgliche Lautstärke zu erzielen, muss ich die Systemlautstärke auf 1% stellen und in meinem Software-Player (foobar 2k) die Lautstärke nochmal zusätzlich stark reduzieren, damit der ausgegebene Lautstärkepegel nicht gehörschädigend hoch ist.
Der D1 eignet sich also eher für wirkungsgradschwache Bügelkopfhörer, die an manchen Geräten nicht laut genug spielen (hierbei denke ich an wirkungsgradschwache Kaliber wie etwa den AKG K701 oder Beyerdynamic DT880 Edition in der 600 Ohm Ausführung – beide Kopfhörer werden vom Sabaj D1 problemlos zu hohen Lautstärkepegeln gebracht).

Messwerte:

Frequenzgang:
Ohne angeschlossene Last sollte der DAC ein absolut lineares Signal ausgeben.
Dies ist der gemessene Frequenzgang des D1 ohne Last:



Leider gibt es im Bassbereich einen moderaten Pegelabfall von knapp 2,5 dB bei 30 Hz. Bei sehr vielen Kopfhörern fällt dieser nicht wirklich ins Gewicht, da diese unterhalb von 80 Hz sowieso anfangen, abzurollen, aber bei In-Ears und Bügelkopfhörern, die ohne nennenswerten Pegelfall bis 20 Hz nach unten spielen können (z.B. HE-400, LCD-X, TH-X00), ist dieser mit etwas Hörerfahrung und entsprechender Musik schon hörbar.
Schade. Dies geht heutzutage besser und eigentlich sollte jedes ordentliche moderne Gerät einen von 20 bis 20000 Hz schnurgeraden Frequenzgang ausgeben.
Übrigens ist der Bassabfall des D1 auch nicht von der angeschlossenen Last abhängig, denn sowohl mit In-Ears, deren Impedanz weniger als 9 Ohm beträgt, als auch mit Bügelkopfhörern mit 600 Ohm Nennimpedanz fällt er gleich aus.

Ausgangsimpedanz:
Komplexe Mehrtreiber-In-Ears und manche Bügelkopfhörer besitzen keinen geradlinigen Impedanzverlauf, weshalb sie an ein Quellgerät mit einer Ausgangsimpedanz von möglichst unterhalb von einem Ohm angeschlossen werden sollten, um unverfälscht zu klingen. An einem hohen Ausgangswiderstand wird die Tonalität des Kopfhörers verbogen und er klingt anders, eben verfälscht. Wie stark diese Verbiegung ausfällt, hängt vom jeweiligen Kopfhörer/In-Ear und natürlich dem Ausgangswiderstand selbst ab.

Die Ultimate Ears Triple.Fi 10 In-Ears sind richtige Diven, was das Verhalten auf den Ausgangswiderstand eines Quellgerätes betrifft.
So messen sie sich am D1:



Hier kann ich also Positives berichten – die Ausgangsimpedanz des D1 ist sehr gering und liegt im Bereich zwischen 0,2 und 0,3 Ohm, was sehr niedrig und für alle komplexen Multi-BA In-Ears ideal ist.

Rauschen:

Ich bin jemand, der recht empfindlich auf das Eigenrauschen von Quellgeräten reagiert und auch sehr empfindliche In-Ears benutz. Mit diesen ist das Quellrauschen weitaus früher hörbar als mit den meisten großen Bügelkopfhörern.
Zum Testen des Rauschverhaltens habe ich drei meiner empfindlichsten In-Ears überhaupt, nämlich den Pai Audio MR3, Ostry KC06A und Shure SE846 herangezogen.
Ja, mit diesen rauscht der D1 schon recht stark und deutlich wahrnehmbar. Auch mit weniger empfindlichen In-Ears ist das Rauschen noch deutlich wahrnehmbar. Angesichts der Leistung des Sabaj D1 ist dies für mich zumindest aber nicht allzu verwunderlich. Mit Bügelkopfhörern hingegen, deren Wirkungsgrad merklich geringer als bei den zum Testen herangezogenen In-Ears ist, kann ich kein Rauschen wahrnehmen.

Transparenz, Präzision, Bühne:

Nun zum ganz klar subjektiveren Teil meines Reviews. Meine Ansicht bezüglich des Verstärker- und Geräteklanges stellt sich wie folgt dar: Verstärker- und Geräteklang gibt es in begrenztem Umfang und er ist hörbar, jedoch sollte er nicht überschätzt werden – die grundlegende Charakteristik eines Kopfhörers wird durch ein (sauber konstruiertes) Gerät nicht verändert, jedoch „formt“ das Wiedergabegerät den Klang des Kopfhörers manchmal minimal, was sich aber (wenn überhaupt, dann) eher in Nuancen ausdrückt und sich oft auch anhand der Eigenschaften oder Messwerte erklären lässt.
Nun also weiter mit meinen subjektiven Eindrücken:

Der D1 gibt sich hier keine Schwäche – er klingt schön sauber, transparent und besitzt keinen „tonalen Eigencharakter“, spielt also ohne subjektive Verfärbungen.
Der Bassbereich ist ein wenig weicher als bei manchen anderen DACs, aber hierbei handelt es sich nur um einen geringen Unterschied, der auch nur mit In-Ears ein kleinwenig im Direktvergleich wahrnehmbar ist, aber nicht mit Bügelkopfhörern.
Die Bühne spielt ziemlich weit und besitzt etwas mehr Breite als Tiefe, ähnlich wie bei meinem iBasso DX90 oder dem HiFime 9018d.

„Klanglich“ gibt es also nicht viel zu sagen, was gut ist, und das, was ich hier anmerken kann, fällt größtenteils sehr positiv aus. Verwunderlich ist dies aber auch nicht, da sich der Audio-Bereich mittlerweile an einem Punkt befindet, an dem es zwischen gut konstruierten Geräten keine großen Unterschiede mehr gibt und auch ein wesentlich teurerer Audio-Wandler (wenn überhaupt, dann) nur geringfügig anders als ein günstiger klingt, wenn man den Vergleich objektiv durchführt und den Pegel der zu vergleichenden Geräte messtechnisch angleicht.


Fazit:

Der Sabaj Audio D1 ist ein sehr kleiner, sehr günstiger und hochwertig erscheinender USB-DAC mit
digitaler Lautstärkeregelung und einem optischen Digitalausgang neben dem Kopfhörerausgang.
Überzeugen kann er durch eine sehr hohe Verstärkerleistung, eine sehr geringe Ausgangsimpedanz und ebenfalls durch einen sauberen Klang.
Dagegen stehen jedoch Dinge wie der permanente moderate Bassabfall gen Tiefbass, das mit In-Ears deutlich wahrnehmbare Grundrauschen und eine für diese etwas zu brachiale Leistungsausgabe. Somit dürfte der Sabaj Ds insbesondere für alle interessant sein, die einen leistungshungrigen Kopfhörer am PC mit ordentlich Lautstärke betreiben möchten und denen ein moderater Bassabfall, den man mit etwas Erfahrung und Konzentration hören kann, egal ist.

~ 3 von 5 Sternen.