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1More C1002: Ein (zu?) heller Stern am Horizont - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Ich habe bereits ein paar von 1MOREs und Xiaomis Audio-Produkten rezensiert und die meisten boten meiner Meinung nach einen sehr guten Klang angesichts des Verkaufspreises.

Die chinesische Firma 1MORE (dies sind zwei Links zu 1MOREs englischem Distributor und dem hauptsächlichen Händler in Vereinten Königreich: https://uk.1more.com/, https://www.pocketrocketuk.com/) wurde 2013 gegründet und erlangte binnen kurzer Zeit eine recht hohe Aufmerksamkeit. Alle Audio-Produkte der Firma sind preislich recht günstig gesetzt und selbst die teuersten Kopfhörer befinden sich im gerade beginnenden dreistelligen oder oberen zweistelligen Preisbereich. Die sich aktuell in Produktion befinden Produkte werden auch damit beworben, gemeinsam zusammen mit einem Tontechniker, der bereits mit dem Grammy ausgezeichnet wurde, entwickelt worden zu sein.

Der C1002 ist einer von 1MOREs aktuell höher positionierten In-Ears und wurde nach meinem Wissen erst neulich veröffentlicht. Bekannt ist er auch als „Kapsel-In-Ear“, was an seiner Form liegt. Bei ihm handelt es sich um einen hybriden In-Ear mit je einem dynamischen und einem Balanced Armature Treiber je Seite.
Wird er es schaffen, mich zu überzeugen, wie es bereits die meisten vorigen Produkte der Firma getan haben? Dies gilt es, in diesem Review herauszufinden.

Erhältlich sind die In-Ears übrigens auch bei Amazon: http://amzn.to/2gHrJUk


Die C1002 In-Ears wurden mir zusammen mit den C1001 In-Ears, die ich ursprünglich angefragt hatte, von 1MORE UK für eine ehrliche Rezension zugeschickt. Abgesehen von der Aufforderung, die obigen beiden Links einzuarbeiten, bekam ich keine Auflagen. Wie bei all meinen Reviews erhalte ich keine finanzielle Entschädigung/Zuwendungen und was ihr lest, sind nichts weniger als meine ehrlichen und unzensierten Gedanken zum Produkt. Auf etwas anderes würde ich mich auch nicht einlassen und habe in der Vergangenheit alle Anfragen, die Auflagen beinhalteten, die meinen Moralvorstellungen und einer transparenten sowie ehrlichen Darstellung widersprachen, rigoros abgelehnt.


Technische Daten:

Preis: ~ 89$/₤/€
Treiber: 2 je Hörer-Seite (1x dynamisch, 1x Balanced Armature)
Impedanz: 16 Ohm
Empfindlichkeit: 103 +/-3 dB @ 1 mW
Frequenzgang: 20 Hz – 40 kHz


Über hybride In-Ears:

Wie man den technischen Daten und der Einleitung bereits entnehmen kann, unterscheidet sich der C1002 von den meisten gängigen In-Ears und setzt nicht lediglich auf dynamische oder Balanced Armature Schallwandler, sondern kombiniert beide – bei ihm handelt es sich um einen hybriden In-Ear, einer in den letzten Jahren vermehrt aufkommenden Bauweise.

Die meisten In-Ears verwenden dynamische Treiber für die Audiowiedergabe. Diese haben den Vorteil, ohne allzu großen Aufwand das gesamte für den Menschen hörbare Frequenzspektrum abzudecken und ebenfalls ohne große Mühe einen stark angehobenen Bassbereich zu erzielen. Hochwertigen dynamischen In-Ears wird allgemein ein körperhafter, musikalischer Bassbereich nachgesagt, der im Ausklang jedoch meist eher weich als hart und analytisch ist. Im Gegensatz zu anderen Wandlerprinzipen besitzen dynamische Treiber jedoch meist auch eine etwas niedrige Detailauflösung.

Im höherpreisigen und professionellen Bühnenbereich findet man fast nur In-Ears mit Balanced Armature Treibern vor, welche in der Regel eine höhere Auflösung als ihre dynamischen Konsorten besitzen und sehr detailreich, schnell, präzise und auch sehr pegelfest aufspielen, was insbesondere für Bühnenmusiker von Bedeutung ist. Auf der Schattenseite steht, dass ein einzelner BA-Treiber kaum oder nur mit größerem Abstimmungsaufwand den größten Teil des hörbaren Frequenzspektrums abdecken kann und dabei nur mit größerem Aufwand, wie mehreren und voluminösen Treibern für den Tiefton in der Lage ist, extremere Betonungen zu erzielen. Einige Menschen empfinden den Klang von In-Ears mit BA Treibern auch als analytisch, leblos, klinisch oder kalt (in meinen Jahren der Mitgliedschaft, Reviews und Kaufberatung in einem großen deutschen Onlineforum für Audio sind mir diese Begriffe schon mehrfach in Bezug auf die Wahrnehmung von BA-basierten In-Ears, insbesondere bezogen auf den Tiefton,  begegnet).

Hybride In-Ears vereinen die positiven Aspekte aus beiden Welten und setzen auf einen dynamischen Schallwandler für die tiefen Frequenzen und mindestens einen BA Wandler für die mittleren und hohen. Dadurch bleien der Körper und der oft als „musikalisch“ beschriebene Charakter des dynamischen Basses und die Detailauflösung und Präzision des Balanced Armature Mittelhochtöners erhalten – und auf genau diese hybride Technologie setzt 1MORE mit seinem C1002 und spricht damit diejenigen an, welche den klinisch-schnellen Bass eines BA-Treibers als unnatürlich empfinden, jedoch die Auflösung, Schnelligkeit und Präzision in den Mitten und Höhen beibehalten wollen.


Lieferumfang:

Abgesehen von den In-Ears befinden sich in der Verpackung ein Aufbewahrungsbeutel, drei Paare an Silikonaufsätzen, eine Krawattennadel, Silikon-Überzüge für die In-Ear Gehäuse und der übliche Papierkram mit einem 1More Sticker.








Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die In-Ears sind gänzlich aus Kunststoff und Aluminium gefertigt, welches eine auberginefarbene
Oberfläche besitzt, die mich ein wenig an Mercedes-Benz‘ Farbcode „Bornit Metallic 481“ erinnert.
Das Kabel ist unterhalb dem Y-Splitter mit Stoff ummantelt, welcher mit der Zeit zum Ausfransen neigen wird und sich auch mit Flüssigkeit vollsaugen kann, weshalb ich solche Ummantelungen bei In-Ears nicht mag. Darüber erscheint es recht widerstandsfähig und ist aus Gummi gefertigt, mit einer Kabelfernbedienung mit drei Tasten auf der rechten Seite. Der Knickschutz ist ausreichend, doch fehlt ein Kinnschieber.

An den Hörer-Teilen kann man links einen konvexen und rechts einen konkaven silberfarbenen „Knubbel“ erkennen. Dabei handelt es sich um Magnete, mit denen man die In-Ears mechanisch verbinden kann (womöglich, um diese aus einem T-Shirt-Kragen heraushängen zu lassen). Ich habe keine wirkliche Verwendung dafür, also werte ich dies weder positiv noch negativ.



Die Silikon-Überzüge lassen sich einfach auf die Gehäuse ziehen und könnten praktisch sein, wenn man die In-Ears häufig fallen lässt oder nicht pfleglich behandelt und auch mal auf harte Oberflächen legt. Auf mich trifft dies nicht zu, also benötige ich sie auch nicht wirklich.






Tragekomfort, Isolation:

Die C1002 In-Ears sind so konzipiert, dass man sie, wie den Großteil der günstigeren In-Ears, mit
dem Kabel nach unten tragen soll. Im Gegensatz zu jenen kann man die 1More In-Ears aber nicht mit den Kabeln über den Ohren tragen.

Verglichen zur professionelleren Trageweise in Verbindung mit dem Fehlen eines Kinnschiebers gibt es dadurch auch vermehrt Kabelgeräusche.

Die Geräuschisolation ist in etwa durchschnittlich – weder super schlecht noch sehr stark.


Klang:

Meine hauptsächlich genutzten Quellgeräte waren der iBasso DX80, Cowon Plenue M2 und LH Labs Geek Out IEM 100.

Zum Hören verwendete ich die größten Silikonaufsätze aus dem Lieferumfang.

Tonalität:

Die C1002 Dual-Driver In-Ears besitzen in meinen Ohren eine etwas badewannige Tendenz und
klingen recht hochtonlastig. Ich würde sogar sagen, dass man den Klang als recht sibilant empfinden kann – wer kein Treble-Head ist, sollte diese In-Ears also eher meiden.

Während (auch meine) Messgraphen etwas anderes andeuten, höre ich den Bass als nur 7 dB stärker als bei einem Diffusfeld-neutralen In-Ear wie dem ER-4S ausgeprägt, jedoch kommt dieser nicht wirklich als so präsent durch, denn sein sehr heller Hochton agiert als Gegengewicht und könnte und dürfte je nach Situation definitiv auch weniger präsent sein. Wie schon gesagt, neigt der In-Ear zu Sibilanz und klingt auch etwas metallisch.

Beim Hören von Musik und Sinussignalen höre ich, dass der Grundton bei ca. 630 Hz anzusteigen beginnt und seinen Klimax um 100 Hz erreicht, auch wenn er um 200 Hz nur minimal weniger Pegel besitzt. Diese Betonung kann bis etwa 40 Hz gehalten werden und rollt dann gen 20 Hz etwas ab.
Dementsprechend besitzt der untere Frequenzbereich hauptsächlich einen etwas angehobenen Midbass und unteren Grundton, wodurch ein gewisses, in die warme Richtung gehendes Fundament geschaffen wird, das den Mittelton jedoch unangetastet lässt und nicht anfettet. Im Vergleich zum starken Hochton kommt diese Wärme leider nicht so gut durch und entweder etwas mehr Wärme oder weniger Hochton wären meiner Ansicht nach zuträglich für die tonale Balance.

Die zentralen Mitten bei 1 kHz klingen weder zurückgesetzt noch betont in meinen Ohren, jedoch steigt der untere Hochton an und erreicht um 5 kHz eine schmale Betonung, welche den Stimmbereich in die helle Richtung abdriften lässt. Bei 8 kHz höre ich eine weitere Betonung, die jedoch weniger schmalbandig ausfällt. Im Superhochton oberhalb von 10 kHz gibt es bei 13 kHz eine starke Betonung und darüber hinaus einen guten Tonumfang.

Der Klang im Tiefton sowie den tieferen und zentralen Mitten wirkt natürlich, was auf den Hochton jedoch nicht wirklich zutrifft. Dieser könnte gern etwas gleichmäßiger und weniger aufdringlich sein – und das sage ich als jemand, der einen hellen Klang durchaus zu schätzen weiß

Auflösung:

Der C1002 besitzt im Tiefton eine gute Auflösung und klingt auch relativ schnell als auch
kontrolliert, ohne wirklich verstecken zu wollen, dass er für die tieferen Töne einen dynamischen Treiber einsetzt. Attacke und Ausklang sind weder langsam noch so schnell und trocken wie bei Balanced Armature Treibern und sollten jeden überzeugen, dem ein BA-Treiber im Tiefton zu hart klingt, der zugleich aber keinen langsamen und matschigen dynamischen Treiber möchte (der C1002 ist ebenfalls merklich überzeugender im Tiefton als der hier eher langsam, weich und etwas detailarm klingende E1001 Triple-Driver von 1More).

Der C1002 ist in Sachen Detailauflösung im Mittelton und Sprachverständlichkeit definitiv ein überzeugender In-Ear.

Und obwohl sein Hochton sibilant ist, zeigt er doch eine gute Separation und klingt schnell aus – einzelne Noten sind hier gut und sauber erkennbar.

Räumliche Darstellung:

Die räumliche Darstellung des Dual-Drivers ist insgesamt recht überzeugend – der C1002 klingt relativ offen, mit einer breiteren als durchschnittlich großen Bühne, die auch eine solide räumliche Tiefe hervorbringt, die beinahe so gut ausgeprägt wie die Breite ist.
Die Instrumententrennung ist für den Preis solide bis gut, wenngleich die Staffelung auf der Z-Achse minimal genauer erfolgen könnte.

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Im Vergleich mit anderen In-Ears:

1MORE E1001:
Der C1002 besitzt den weniger betonten, hörbar ausgewogeneren Bassbereich in meinen Ohren. Im Mittelton ist er weniger warm und besitzt mehr Präsenz im zentralen Stimmbereich sowie den oberen Mitten. Anders als der E1001 besitzt der Dual-Driver keine Sanftheits-fördernde Senke im mittleren Hochton bei 6 kHz, sondern sogar eine Betonung und ist auch insgesamt sehr hell klingend im Hochton. Beide besitzen oberhalb von 10 kHz ein paar Peaks und einen sehr guten Hochtonumfang, wenngleich der C1002 definitiv für viele Menschen sibilant klingen wird.
In Sachen Bassqualität sehe ich den Dual-Driver definitiv vorn, so besitzt er mehr Trockenheit und Geschwindigkeit. Auch würde ich sagen, dass er im Tiefton detaillierter klingt. Im Mittel- und Hochton hingegen besitzt der E1001 die geringfügig bessere Differenzierung und ebenfalls die minimal bessere Sprachverständlichkeit, auch wenn seine zentralen Mitten etwas zurückgesetzt sind.
Der C1002 besitzt in meinen Ohren in etwa so viel Bühnenbreite wie der Triple-Driver, jedoch etwas mehr räumliche Tiefe. In Sachen Instrumententrennung sehe ich den E1001 minimal vorn.

PMV A 01:
Der A 01 besitzt etwas mehr Bass in meinen Ohren (je nach Ohranatomie kann er aber auch merklich weniger besitzen). Der Mittelton des PMV ist ein wenig heller und quietschiger, während der C1002 den insgesamt helleren Hochton besitzt, der auch sibilanter ist, aber geringfügig besser zusammenhängend als der des A 01 erscheint.
Der PMV besitzt den minimal trockeneren Bass, während beide hier gleichwertig schnell ausschwingen. Ich würde sagen, dass sich beide In-Ears im Mittel- und Hochton in Sachen Detailauflösung nichts geben und gleichwertig sind.
Die Bühne des A 01 ist geringfügig breiter in meinen Ohren und minimal besser separiert.

DUNU Titan 1:
Der DUNU besitzt in meinen Ohren die gleiche Menge an Bass, aber den etwas linearer nach unten reichenden Tiefbass ohne Abrollen. Der Titan 1 besitzt den weniger hellen Mittelton und klingt auch im Hochton gemäßigter im Vergleich, auch wenn er ebenfalls ein recht heller In-Ear ist und nicht die beste Wahl für Hochton-scheue Menschen darstellt.
In meinen Ohren besitzt der DUNU den etwas detaillierteren Mittel- und Hochton.
Die Bühne des DUNU ist merklich breiter als auch tiefer und klingt offener. In Sachen räumlicher Präzision spielt der Titan 1 ebenfalls etwas genauer.

Phonak Audéo PFE132 (graue Filter):
Der Phonak ist von den beiden der merklich neutralere In-Ear, so besitzt er weniger Bass, weniger Wärme, aber ebenfalls den weniger präsenten Hochton, auch wenn er in den oberen Höhen auch einen Peak besitzt. Dementsprechend klingt der Audéo realistischer und gleichmäßiger.
Insgesamt empfinde ich den Phonak als etwas detaillierter klingend.
Beide In-Ears besitzen eine Größen-mäßig vergleichbare Bühne, während die des PFE132 im Direktvergleich etwas sauberer getrennt und gestaffelt erscheint.


Fazit:

Der C1002 ist ein solider/guter Einstieg in die Welt der hybriden In-Ears, eignet sich aber eigentlich nur für jene, die explizit einen hellen Hochton suchen. Somit ist er meiner Ansicht nach ein In-Ear für „Treble-Heads“. Auf der negativen Seite klingt er deshalb auch sehr häufig sibilant und etwas metallisch, auch wenn er ansonsten auf der technischen Ebene überzeugen kann.
Während der C1002 im Mittel- und Hochton geringfügig weniger detailliert als der E1001 Triple-Driver klingt, so ist sein Bassbereich qualitativ aber um ein gutes Stück präziser, schneller und trockener – wer einen (sehr) hellen Klang mit einem qualitativ guten dynamischen Bassbereich sucht, ist beim Dual-Driver also gut aufgehoben, sollte aber gewarnt sein, denn selbst für mich ist der Hochton etwas zu viel des Guten.

GearBest