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AAW Nebula One: "Whoomp! (There It Is)" - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Advanced AcousticWerkes, in der Kurzform als AAW bekannt, ist eine aus Singapur stammende Manufaktur für maßgefertigte In-Ears (sog. „CIEMs“). Vor nicht allzu langer Zeit hat die Firma eine
Reihe an In-Ears mit universellem Gehäuse vorgestellt, die nicht etwa die nicht-maßgefertigten Pendants zu den CIEMs, sondern eine ganz eigenständige Produktlinie repräsentieren.

Manche dieser Produkte gehören zu einer Produktlinie, die „Nebula“ genannt wird und momentan zwei In-Ears umfasst, für die proprietäre Treiber entwickelt wurden. Einer dieser In-Ears, der Nebula One, besitzt einen Titan-beschichteten dynamischen Treiber mit 10 mm Durchmesser je Seite, während der Nebula 2 ein hybrider In-Ear ist, bei dem neben einem Balanced Armature Treiber für den Mittel-/Hochton auch ein dynamischer 10 mm Treiber für den Tiefton zum Einsatz kommt.
Dieses Review soll primär den Nebula One (https://www.aaw.me/collections/universal-in-ear/products/advanced-acousticwerkes-nebula-one-universal-in-ear-monitor) genauer beleuchten.


Bevor ich fortfahre, möchte ich mir die Zeit nehmen, um mich bei Advanced AcousticWerkes für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplares der Nebula One In-Ears für den Zweck eines ehrlichen, unbefangenen Tests und Reviews zu bedanken.


Technische Daten:

Preis: ~ 99 US$
Treiber: ein proprietärer dynamischer 10 mm Treiber mit Titan-Beschichtung je Seite
Tonumfang: 10 Hz – 23 kHz
Empfindlichkeit (dB SPL @ 1 mW): 100 dB
Eingangsleistung: 3 mW
Kabellänge: 1,2 m
Android/Apple Kabelfernbedienung


Lieferumfang:

Mich erreichte kein Verpackungskarton bei meinem Review-Exemplar, sondern ein Plastikbeutel, welcher jedoch das gesamte Zubehör besaß, das da wäre: ein schönes Aufbewahrungsetui, vier Paare an schwarzen Silikonaufsätzen (1x S, 2x M, 1x L), drei Paare an schwarzen Silikonaufsätzen mit weißem Kern, ein Flugzeugadapter, ein 6,3 auf 3,5 mm Adapter und selbstverständlich die In-Ears selbst.





Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die In-Ears bestehen aus silberfarbenem Metall auf der Außen- und semi-transparentem Kunststoff auf der Innenseite. Das Design mit den eingravierten „AAW“ Logos auf der Außenseite gefällt mir
gut und durch die sich auf der Außenseite befindenden Ausschnitte der Belüftungsöffnungen kann man auch ein Metallgitter erblicken.
Die In-Ears sind Puck-förmig und besitzen fest angebrachte Kabel mit Drahtbügeln. Vom Kabel sprechend: Dieses ist das gleiche, das auch bei den sehr günstigen Knowledge Zenith In-Ears zum Einsatz kommt, jedoch habe ich es schon ein- oder zweimal erwähnt, dass dieses besser als so manches Kabel einiger In-Ears im 200€/$-Bereich ist, weshalb AAW hier meiner Meinung nach alles richtig gemacht hat, wenngleich es ein wenig gummiartig ist (dies trifft aber auch auf das Kabel der Knowledge Zenith Modelle zu).
Der Knickschutz am gewinkelten 3,5 mm Anschluss ist gut, aber an den anderen Übergängen nur dürftig implementiert. Glücklicherweise gibt es jedoch einen Kinnschieber und sogar eine Fernbedienung mit drei Tasten und einem Mikrofon. Diese Fernbedienung ist semi-transparent und man kann ihre Bauteile erkennen, was ich optisch als sehr ansprechend und interessant erachte.




Abgesehen vom teils mäßig eingesetzten Knickschutz ist die Verarbeitungsqualität der In-Ears sehr gut.


Tragekomfort, Isolation:

Obwohl ich große Ohren besitze, war ich anfangs besorgt, die Form der In-Ears könnte problematisch für mich sein, denn die Puck-förmigen Gehäuse mit eher kurzen und angewinkelten Schallröhrchen waren für mich bei schon manch anderem In-Ear ein Grund für Komfortprobleme. Umso glücklicher bin ich, dass ich berichten kann, dass AAWs Nebula In-Ears sehr gut in meinen Ohren sitzen, gut abdichten und enorm komfortabel sind.
Das Kabel wird über die Ohren geführt und von den eingearbeiteten Drahtbügeln gesichert. Ich weiß, dass manche Menschen dies nicht mögen, aber ich mag die Bügel und finde, dass sie sehr gut mit den In-Ears funktionieren. Das Kabel leitet selbst dann keine Kabelgeräusche weiter, wenn man den Kinnschieber nicht nach oben zieht, was eine gute Sache ist.

Die Geräuschisolation ist gering. Sehr gering sogar. Vielleicht sogar so gering wie beim DUNU Titan 1.


Klang:

Meine hauptsächlich genutzten Quellgeräte waren der iBasso DX80, HiFime 9018d und Cowon Plenue M2.

Zum Hören nutzte ich die größten schwarzen Silikonaufsätze, die sich im Lieferumfang befanden.

Tonalität:

Der Nebula One (nachfolgend manchmal „N1“ genannt) besitzt, wie auch der Nebula 2 (nachfolgend manchmal „N2“ genannt), eine nach innen gerichtete Belüftungsöffnung, die während des Tragens aufgrund der Gehäuseform der In-Ears wahrscheinlich gänzlich blockiert wird. Wie bei so gut wie allen In-Ears mit einer Belüftungsöffnung vor dem Treiber beeinflusst diese die Bassquantität und solange man keine ungewöhnliche Ohranatomie besitzt, welche die Belüftungsöffnung offen lässt, wird der Nebula One ein sehr bassiger wenn nicht gar basslastiger In-Ear sein (die genaue Quantität hängt dann noch immer ein wenig von der individuellen Ohranatomie und demzufolge wie stark die Belüftungsöffnung verdeckt wird, ab – in meinem Fall wird sie beinahe gänzlich verdeckt, was auch die Intention zu sein scheint, um für einen bassstarken Klang zu sorgen).

Der N1 besitzt einen ziemlich starken Oberbass, der beinahe omnipräsent ist und manchmal wie ein Vorschlaghammer erscheinen kann. Dies mag zwar recht negativ und/oder wertend klingen, ist aber gar nicht so gemeint – ich bin wie ein Chamäleon und kann mich an fast alle tonalen Abstimmungen
anpassen und diese sogar mögen, solange der Mittelton nicht zu stark verfärbt ist, obwohl ich insbesondere stationär einen ausgewogenen und sogar Diffusfeld-neutralen Klang bevorzuge.
Der Oberbass ist also definitiv sehr stark, dennoch strahlt er nicht zu sehr in den Mittelton hinein, wenn man seine Quantität bedenkt, und lässt den Klang nicht zu warm oder weich werden, obwohl er sich auf der volleren und warmen, aber nicht übertrieben sanften Seite befindet. Bei basslastigeren Aufnahmen hingegen wird der Mittelton manchmal etwas von der Basswand verdeckt, geht aber niemals unter und klingt auch nicht eingeengt.
Um 650 Hz beginnt der Tiefton, anzusteigen, und ist im Oberbass bereits ziemlich kräftig. Im Midbass gewinnt er nochmal etwas an Pegel, wenngleich nicht viel. Auch der Tiefbass ist kräftig vorhanden und fällt nur unterhalb von 30 Hz äußerst moderat ab. Die Betonung beläuft sich auf etwa 14 dB nördlich eines Diffusfeld-neutralen In-Ears.
Zwischen 650 Hz und 2 kHz ist der Mittelton des N1 laut meinen Ohren flach und neutral und verliert in meinen Ohren zwischen 2 und 3 kHz etwas an Quantität. Um 5 kHz befindet sich eine ganz minimale und breitbandige Anhebung; daraufhin bleibt der Hochton aber flach und ohne Betonung. Oberhalb von 13,5 kHz beginnt der Nebula One, abzurollen.

Der Nebula One ist dementsprechend ein bassiger/basslastiger In-Ear mit einem warmen aber nicht schnulzig-erdrücken-warmen Grund- und Tiefton und ohne Schärfe im Hochton. Für meinen Geschmack dürfte ruhig etwas weniger Oberbass im Verhältnis zum Mid- und Tiefbass vorhanden sein, was aber insbesondere im mobilen Einsatz nicht unbedingt eine schlechte Sache ist. Außerdem finde ich gut, dass der Mittelton präsent bleibt und nicht eingeengt oder zu sehr unnatürlich vom starken Bass überdeckt scheint. Und auch der Hochton wurde gut eingearbeitet und klingt weder sibilant noch mit kleinen Spitzen versehen, außerdem besitzt er keine plötzlichen Senken oder unnatürliche Ungleichmäßigkeit. Becken klingen auch natürlich und weder auseinander gezogen, verdeckt noch hervorgehoben.

Auch wenn ich mich auf der subjektiven Seite nicht an etwas weniger Oberbass stören würde, finde ich auf der objektiven Seite kaum einen tonalen Mangel – trotz des starken Basses wird der Mittelton nicht zu sehr beeinträchtigt, klingt natürlich und etwas warm, aber nie eingeengt, und der Hochton ist gleichmäßig, aber nicht uneben/spitz. Der Mittel- und Hochton klingt ziemlich natürlich und relativ realistisch.

Auflösung:

Bei einer Bassbetonung im Bereich von 14 dB im Vergleich zu einem Diffusfeld-neutralen In-Ear kann es schnell passieren, dass der Klang überfordert, matschig und/oder weich wird. Glücklicherweise jedoch klingt der Nebula One verhältnismäßig eher trocken, fest, schnell und insbesondere gut kontrolliert im Tiefton, der zwar ein wenig der weicheren Seite zugehörig ist, aber
keineswegs matschig oder zu weich klingt. Der Bass ist nicht ganz so schnell wie bei DUNUs Titan In-Ears, aber vergleichbar kontrolliert, zudem wird er nie unkontrolliert und einzelne Noten im Bass bleiben immer gut erkennbar. In der Attacke gibt es geringe Weichheit im Midbass, die aber im Ausklingen größtenteils ausbleibt, weshalb der Bass nie überfordert oder angestrengt wirkt, sondern recht sauber bleibt. Metal und schnelle elektronische Musik stellen für den dynamischen Treiber kein wirkliches Problem dar und er folgt dem Beat recht mühelos und bleibt dabei sehr gut kontrolliert. Dabei hinterlässt er keine Matschigkeit und bleibt immer gut differenzierbar.
Wie bereits erwähnt, wirkt der Mittelton nie eingeengt oder stumpf, trotz des starken Basses. Die Detailauflösung ist gut und auch an der Sprachverständlichkeit gibt es nichts auszusetzen, auch wenn diese nicht so hoch wie bei den meisten BA-basierten In-Ears ist.
Dem Hochton mangelt es definitiv auch nicht an Auflösung und einzelne tonale Elemente in ihm klingen detailliert sowie sauber und gut voneinander getrennt.

Räumliche Darstellung:

Die Bühne wirkt eher offen, aber nicht unbedingt groß oder größer als durchschnittlich auf mich. Die räumliche Tiefe ist gut, auch wenn es etwas mehr Breite als Tiefe gibt.
Die Instrumententrennung ist gut und die Bühne wirkt nicht neblig, Instrumente werden aber auch nicht messerscharf getrennt, was angesichts des Preises aber keinen Mangel darstellt.

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Im Vergleich mit anderen In-Ears:

Mal sehen, wie sich der Nebula One gegen ein paar andere In-Ears im ähnlichen und höheren Preisbereich schlägt.



DUNU Titan 5:
Der DUNU besitzt 5 dB weniger Bass bei meiner Ohranatomie (seine Bassquantität ist auch davon abhängig, wie sehr seine Belüftungsöffnung verdeckt wird) und den weniger hämmernden aber noch immer präsenten Oberbass. Der Übergang in den Tiefbass ist vergleichbar, auch wenn der DUNU unterhalb von 30 Hz noch etwas länger geradlinig bleibt. Der Titan 5 besitzt den helleren Mittel- und Hochton, der im Vergleich aber nicht so gleichmäßig wirkt – hier klingt der N1 hörbar etwas natürlicher.
Der Titan 5 besitzt den etwas schneller ansprechenden und trockeneren Bass, obgleich beide In-Ears gleichwertig kontrolliert klingen. Der DUNU scheint im Mittelton ein wenig detaillierter während beide im Hochton wieder vergleichbar sind.
Der Nebula One besitzt etwas mehr räumliche Tiefe, während die Breite vergleichbar ist. Der DUNU besitzt die etwas schärfere und genauere Instrumententrennung und -platzierung.

Fidue A65:
Der Fidue besitzt hörbar weniger Bass, rollt aber auch ein wenig gen Tiefbass ab. Der Mittelton des AAW ist etwas wärmer, während der des Fidue etwas dunkler ist.
Der Fidue besitzt den etwas schneller einschlagenden Bass, der auch ein kleinwenig schneller ausklingt, wodurch er leichtfüßiger erscheint, obgleich die Kontrolle vergleichbar gut ist. Der Fidue erscheint im Mittelton ein wenig detaillierter, während der AAW den etwas sauberer getrennten oberen Hochton wiedergibt.
Die Bühne des Fidue ist in allen Dimensionen kleiner, aber genauer.

LEAR LHF-AE1d (Upgrade-Schallröhrchen):
Die Bassschraube des LEAR kann so eingestellt werden, dass er sogar noch mehr Tiefton als der AAW besitzt. Der LEAR besitzt definitiv etwas weniger Wärme im Mittelton, dafür strahlt der Bass aber auch bei dieser Quantität stärker in den Mitteltonbereich ein.
Der AAW besitzt den trockeneren, schnelleren und auch etwas besser kontrollierten Bass, aber der LEAR befindet sich in einer hörbar höheren Klasse, was die Detailauflösung, Sprachverständlichkeit, Natürlichkeit und Genauigkeit betrifft. Hier habe ich bis jetzt auch keinen anderen dynamischen In-Ear gehört, der dies im gleichen Preisbereich des LEAR (ca. 200US$) erreichen konnte.
Der LHF-AE1d besitzt etwas mehr räumliche Tiefe in meinen Ohren und stellt die Bühne auch etwas präziser und authentischer dar, was die Positionierung und Staffelung von Instrumenten betrifft.

Sennheiser IE 80 (Schraube gänzlich offen):
Beide besitzen vergleichbar viel Bass (der Sennheiser sogar ein kleinwenig mehr), aber der des Sennheiser strahlt etwas stärker in den Mittelton und lässt diesen wärmer und voller erscheinen. Der IE 80 besitzt um 5 kHz weniger Präsenz, dafür um 8 kHz aber mehr.
Der Bass des IE 80 besitzt Schwierigkeiten, mit schnellen Titeln hinterherzukommen – dann klingt er nämlich überfordert, aufgedunsen, unkontrolliert, weich und matschig. Auf den Tiefbass trifft dies umso mehr zu. Auch im Rest des hörbaren Spektrums ist es der N2, der höher auflöst und natürlicher klingt als der IE 80.
Zwar ist die Bühne des Sennheiser größer und besitzt mehr Tiefe als auch Breite, doch kann ich wirklich nicht behaupten, sie sei präziser als die des AAW, denn eher das Gegenteil ist der Fall.

Advanced AcousticWerkes Nebula 2:
Ehrlich gesagt erwartete ich, dass beide In-Ears ziemlich unterschiedlich klingen, was zu meiner Überraschung jedoch nicht eintraf: Der Nebula One klingt dem Nebula 2 sehr ähnlich, was die tonale Abstimmung betrifft. Der Unterschied beläuft sich darauf, dass der N1 etwas mehr als 2 dB mehr Bass als der N2 in meinen Ohren besitzt und den geringfügig dunkleren und volleren Mittelton hat. Im mittleren Hochton um 5 kHz besitzen beide die gleiche winzige Anhebung, während der Nebula One im oberen Hochton weniger Präsenz zeigt, was ihn zum insgesamt bassigeren und sanfteren In-Ear macht. Dass beide dieselben Gene besitzen, ist aber definitiv unverkennbar.
Ich würde sagen, dass der N1 durch den Einsatz nur eines Treibers je Hörerseite kohärenter klingt, obgleich der N2 den weniger weichen und besser kontrollierten Bass besitzt, was insbesondere im Tiefbass auffällt, der ebenfalls besser kontrolliert wirkt, obgleich der Nebula One sich hier auch keine wirkliche Blöße gibt. Im Mittel- und Hochton klingt der Nebula 2 etwas differenzierter.
Der Unterschied zwischen den beiden In-Ears ist definitiv nicht groß, nichtsdestotrotz klingt der Nebula 2 wie eine verfeinerte Version des Nebula One.
Was die räumliche Präsentation betrifft, scheint der N1 etwas mehr Bühnentiefe zu besitzen, während der Nebula 2 etwas mehr Breite und die geringfügig bessere Instrumententrennung bietet.


Fazit:

Bei sehr bassigen In-Ears im Preisbereich um 100$ stellt der AAW Nebula One definitiv eines der besseren wenn nicht sogar besten Modelle dar. Während er nicht perfekt ist, zeigt er gute Kontrolle,
ordentliche Geschwindigkeit, klingt nicht zu weich und besitzt einen natürlich erscheinenden Mittel- und Hochton.
Nicht arg überraschend spricht er diejenigen, die keinen bassstarken/basslastigen Klang mit einem bereits sehr starken Oberbass suchen, nicht wirklich an. Auch ist er nicht die richtige Wahl, wenn eine gute Geräuschisolation gewünscht ist.
Sollten diese Eigenschaften ansprechend für euch klingen, solltet ihr definitiv ein Auge auf den Nebula One werfen, denn für all diejenigen, die nach dieser tonalen Abstimmung suchen und denen die anderen Eigenschaften, auf die ich in meinem Review eingegangen bin, auch zusagen, stellt er eine gute Empfehlung dar.


Bei meiner üblichen 30% Verarbeitung/Komfort (92,5) zu 70% Klang/Gegenwert/Preis (86) Gewichtung komme ich auf ein Endergebnis von 4,3975 von 5 möglichen Sternen.