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Shinrico SHD5: Ein idealer Desktop-Musikspieler? - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Es gibt verschiedene Arten, bei sich zu Hause die Freude der Musikwiedergabe zu erfahren.
Egal ob mit einem Lautsprecher-Setup oder mit Kopfhörern – alle Lösungen haben gemeinsam, dass sie eine Quelle benötigen, von der die Musik kommt. Heutzutage überwiegt dafür wohl die Online-Streaming Mitgliedschaft, weshalb sich der Fokus von physischen Medien hin zu etwas, das kaum Platz benötigt und rund um die Uhr zugänglich ist, verlagert hat, und auch häufiger genutzt wird als Musik-Downloads.

Ich muss zugeben, dass ich dem Trend des Musik-Streamings nicht wirklich nachgehe. Zwar habe ich Tidal sowie Spotify ausgiebig ausprobiert und habe auch Erfahrung mit bezahlten Musik-Downloads,
dennoch kann ich definitiv nicht behaupten, dass diese Medien für meine Präferenzen geschaffen sind. So fühle ich etwa keine persönliche Verbindung zu etwas, das nur auf einer Festplatte oder in einer Cloud gespeichert ist und das ich nicht anfassen kann. Deshalb nutze ich hauptsächlich auch noch immer CDs als mein primäres Musik-Medium, was sich in der näheren Zukunft sicherlich auch nicht ändern wird, obgleich manche Musiker, die bei kleinen und/oder Independent-Labels unter Vertrag stehen, manche ihrer Alben leider nur noch als Download anbieten und überhaupt keine physischen Medien mehr herausbringen.
Auch wenn CDs mein hauptsächlich genutztes Medium darstellen und ich in meinem Home-Office zum konzentrierten Hören am Abend meinen bewährten Pioneer PD-S 701 als Abspielgerät verwende, ist es oft doch unpraktisch und mühsam, eine bestimmte Aufnahme im CD-Regal zu suchen. Da ich sowieso all meine CDs nach dem ersten Hören als FLAC- und MP3-Dateien (letztere in der höchstmöglichen Auflösung) auf einer SSD-Festplatte speichere und diese Dateien dann von dort aus auf meine diversen mobilen Audio-Spieler kopiere, wäre es doch manchmal praktisch, auf meine Festplatte mit einem Gerät zuzugreifen, welches ausschließlich den Zweck erfüllt, Musik von jener Festplatte wiederzugeben.
Ein paar solcher Lösungen existieren, jedoch möchte ich keinen externen Bildschirm anschließen, mein Tablet nicht zur Steuerung verwenden und auch meinen PC nicht als Quellgerät nutzen.

An dieser Stelle werden also stationäre Audio-Spieler interessant.
Shinrico ist eine chinesische Firma, die 2014 gegründet wurde. Im Sortiment befinden sich unter anderem (neben Kopfhörerverstärkern) verschiedene solcher stationärer Audio-Spieler mit eingebautem Bildschirm, die vom D3 mit lediglich digitalen Ausgängen bis hin zum SHD10 mit einer zusätzlichen analogen Ausgangsstufe und einem eingebauten Kopfhörerverstärker reichen.
Ich hatte die Möglichkeit, mir den SHD5 (http://www.shinrico.net/en/produce_view.asp?id=626) genauer anzusehen. Dieser besitzt neben den beiden Digitalausgängen (optisch und koaxial), die ich hauptsächlich nutzen werde, auch eine analoge Ausgangsstufe mit dazugehörigen Cinch- und XLR-Ausgängen.

Wird der SHD5 mich als eigenständiger, stationärer Audio-Player zum Abspielen meiner auf einer externen Festplatte gespeicherten CDS überzeugen können?


Bevor ich fortfahre, möchte ich mich bei Ann von Shinrico herzlich bedanken, die es mir ermöglicht hat, ein Exemplar des SHD5 Desktop Musik-Spielers als Rezensions-Exemplar für eine ehrliche und unbefangene Bewertung zu erhalten.


Technische Daten:

Preis: 569$ auf AliExpress
Eingänge: SD-Karte, 2x USB, Ethernet Netzwerk
Ausgänge: Digital: Optisch & Koaxial; Analog: Cinch, XLR
Analoge Ausgangsstufe: TI PCM1792 DAC-Chip & OPA1612 Verstärker-Chip
Unterstützte Formate: FLAC, APE, WAV, M4A, AAC, WMA, MP3, ALAC, OGG, TAK, TTA, WV, AIFF, DSD (DSD64, non-DST compression), DFF, DSF, SACD ISO
Unterstützte Bittiefe und Abtastrate: 32 Bit, 192 kHz
Unterstützung von CUE Sheets: Ja
Bildschirm: 4,3“ LCD
Abmessungen: 295 mm x 225 mm x 90 mm (T X B x H)


Lieferumfang:

Der gut gepolsterte Verpackungskarton ist gleichzeitig der Versandkarton und enthält neben dem SHD5 eine Fernbedienung (zwei AAA Batterien müssen separat erworben werden), ein Netzkabel (top: mit deutschem Stecker) und eine gute SD-Speicherkarte (SanDisk Ultra, 16 GB, 80 MBps). Eine Bedienungsanleitung fehlt, doch vermisse ich sie definitiv nicht, so sind alle Menüs selbsterklärend – lediglich für ein paar der Tasten der Fernbedienung wäre sie hilfreich.



Optik, Haptik, Verarbeitung, Anschlüsse:

Mein erster Gedanke nach dem Auspacken war „Mann, ist der schwer!“, denn der SHD5 ist kein Leichtgewicht und auch noch sehr solide gebaut. Der Desktop-Audiospieler, der in zwei Farben (silberfarben und schwarz) erhältlich ist, besitzt einen großen, matten Bildschirm auf der Vorderseite, auf der sich zudem noch fünf Messing-Tasten befinden. Schön zu sehen ist auch, dass es ein richtiges Front-Panel gibt, das die Erscheinung noch wertiger als eine nur einfache, rechteckige Kiste wirken lässt.


Die Deckelplatte ist mit sechs Innensechskantschrauben mit dem Chassis verschraubt. Sehr gut finde ich, dass die Seitenteile (auf der rechten Seite befindet sich übrigens der SD-Kartenslot) keine Schrauben aufweisen und diese stattdessen auf der Ober- und Unterseite ihren Platz finden. Flache Standfüße aus Messing befinden sich übrigens auch auf der Unterseite.


Auf der Rückseite befindet sich eine Vielzahl an Anschlüssen. So gibt es etwa neben der Kaltgerätebuchse XLR- und Cinch-Buchsen als analoge Ausgänge nebst der digitalen Ausgangsstufe, welche eine optische und koaxiale Buchse parat hält. Zwei USB-Eingänge gibt es auch noch, sowie schließlich eine Netzwerk-Buchse, über die man den Player wohl mit einem Router verbinden und dann über eine Smartphone-/Tablet-App steuern kann.



Der SHD5 ist kein wirklich billiger Player, also erwarte ich auch eine hochwertige Verarbeitung, die jedoch auch geliefert wird. Neben dem schweren, soliden und hochwertig verarbeiteten Chassis gefällt mir auch der matte Bildschirm, der Farben und Kontraste gut darstellt und auch ordentlich auflöst.



Tasten, Funktionen, Fernbedienung:

Auf der Vorderseite befinden sich fünf Tasten, mittels derer sich der gesamte Player steuern lässt. Nichtsdestotrotz ist die Fernbedienung praktischer und besitzt ebenfalls mehr Funktionen.


Ja, die Fernbedienung – mit ihr kann man den SHD5 vollständig steuern, nur besitzt sie einige Tasten, denen gar keine Funktion zugewiesen ist und erscheint auch wie eine Universal-Fernbedienung für ein TV-Gerät.
Die Tasten unterhalb der Tasten zur Lautstärke- und Wiedergabesteuerung besitzen so etwa gar keine Funktion, was auch auf die farbigen Tasten und die meisten jener, die mit einem „F“ versehen sind, zutrifft – F7 und F8 jedoch sind recht praktisch, denn sie ermöglichen es dem Nutzer, schnell durch viele Ordner und Titel zu scrollen. Mit F10 kehrt man vom Wiedergabe-Bildschirm zur Titel-Liste des wiedergegebenen Albums zurück.
Alle Funktionen, die man am SHD5 direkt findet, existieren auch auf der Fernbedienung, doch besitzt diese ein paar weitere praktische Funktionen und man kann mit der „HOME“-Taste zurück zum Haupt-Bildschirm zurückkehren, und auch zum Ordner-/Wiedergabebildschirm lässt sich durch die „MENU“ Taste wechseln, was meiner Meinung nach wirklich praktisch ist.



Abgesehen von ein paar unnötigen Tasten ist die Fernbedienung gut.


Bedienung, Nutzeroberfläche:

Der Startvorgang dauert eher lange und fühlt sich auch etwas träge an. Da es sich aber um keinen portablen Player, sondern ein stationäres Gerät handelt, geht dies in Ordnung.


Nachdem das Betriebssystem hochgefahren ist, gelangt man in das Hauptmenü, welches aus fünf Untermenüs/-bildschirmen besteht.


Die Wiedergabeeinstellungen bieten Unterpunkte wie etwa den Wiedergabemodus, unterbrechungsfreie Wiedergabe (diese funktioniert übrigens sowohl über den analogen als auch den digitalen Ausgang perfekt) oder Einstellungen der Bibliotheks-Aktualisierung (die Bibliothek wird jedoch nur für die SD-Karte aufgebaut).


Die System-Einstellungen bieten dem Nutzer auch die Möglichkeit, zwischen drei Helligkeitsstufen zu wählen (angezeigt werden aber fünf) und die Länge der Hintergrundbeleuchtung zu ändern.





Der „Music List“ Bildschirm zeigt alle Titel an, die sich auf der SD-Karte befinden und generiert für diese auch eine Datenbank, welche aber eben nur exklusiv für die Speicherkarte erstellt wird. Wer, wie ich, also eine externe Festplatte anschließen möchte, sollte sich eine gute Ordnerstruktur anlegen (dies habe ich zum Glück getan, also ist dies für mich kein negativer Aspekt). Viele Unter-Ordner werden übrigens problemlos unterstützt.







Den Wiedergabebildschirm finde ich sehr gut gemacht, denn er zeigt alle Informationen, die ich möchte und als wichtig erachte.


In der Statusleiste wird links ein Titelzähler für den aktuellen Ordner/das aktuelle Album angezeigt. Oben rechts befindet sich ein Lautstärke-Indikator, denn die Lautstärke des analogen Ausganges ist variabel, weshalb man den SHD5 auch als Vorverstärker nutzen kann, sofern man denn seinen Analogausgang verwendet.
Das Album-Cover wird in der linken Hälfte dargestellt und ist recht knackig und detailliert, auch wenn die Auflösung des Bildschirmes freilich nicht das Niveau eines modernen Smartphone-Bildschirms erreicht.
Informationen über den Titel, das Album, den Interpreten und die Abtastrate werden rechts davon angezeigt, nebst dem Titel, der als nächstes abgespielt wird.
Im unteren Bereich befindet sich eine Fortschrittsleiste, welche die verstrichene Zeit und Länge des aktuell wiedergegebenen Titels anzeigt.

Mit der grafischen Oberfläche und Bedienung des SHD5 bin ich sehr zufrieden – alles ist sehr logisch aufgebaut und besitzt einen sehr guten Wiedergabebildschirm, auf welchem man alle relevanten Informationen sehen kann. Zusätzlich erfolgt die Bedienung sehr flüssig und ohne Verzögerung.
Nur einen Mangel gibt es: manche der Unterpunkte in den Einstellungen sind nicht ganz korrekt übersetzt.


Ich erwartete/befürchtete, eine unfertig erscheinende Nutzeroberfläche zu erhalten, doch dies war überhaupt nicht der Fall, und abgesehen vom Startvorgang fühlt sich gar nichts träge an. Ich kann gewissenhaft sagen, dass Shinrico die Software definitiv gut implementiert hat, was insbesondere auf den Wiedergabebildschirm zutrifft, den ich als ideal erachte.


Klang:

Wie in den technischen Daten, die ich am Anfang meines Reviews zusammengetragen habe, ersichtlich, unterstützt der SHD5 eine ganze Menge an Formaten – sogar SACD ISOs.

Cinch-Ausgang:

Hier nutzte ich hauptsächlich meine Lautsprecher-Ketten mit den Swans M1 und Cyburgs Needle, die von ein paar Mono-Blöcken von Pro-Ject versorgt wurden. Als „Vorstufe“ diente eine digital gesteuerte analoge Lautstärkeregelung. Auch nutzte ich meine Kopfhörer-Ketten, bestehend aus meinem Leckerton UHA-6S.MKII, einem selbstgebauten Kopfhörerverstärker, sowie mehreren Kopfhörern und In-Ears (hauptsächlich mein Sennheiser HD 800, Audeze LCD-X, HiFiMan HE-400, UERM, Noble SAVANNA, Fischer Amps FA-3E XB und Pai Audio MR3).

Frequenzgang:

Der SHD5 macht genau das, was er soll: er gibt einen perfekt linearen Frequenzgang aus:


Die anderen Parameter zeigen auch keinen Mangel und übertreffen die Eingangsempfindlichkeit meiner Soundkarte, die nichts unterhalb von -110 dB messen kann.

Transparenz, Präzision, Bühne:

Hier kann ich meinen Text glücklicherweise kurz halten: Der SHD5 macht nichts Unerwartetes und klingt neutral als auch sauber. Das Signal tendiert in keine Richtung (es scheint weder hell noch warm) und die Bühne wird auch rund dargestellt, mit normal großer Ausprägung. Die Transparenz ist einwandfrei und dem SHD5 fehlt kaum etwas im Vergleich zum Chord Mojo, wobei es sich hier nur um Nuancen handelt.

Sowohl für Lautsprecher als auch den Anschluss an einen separaten Kopfhörerverstärker kann ich den SHD5 empfehlen, denn sein analoger Ausgang macht alles richtig.

Digitalausgänge (optisch, koaxial):

Hier nutzte ich hauptsächlich die oben genannten Kopfhörer-Ketten, doch kam zusätzlich mein Chord Mojo als DAC zum Einsatz, den ich für die Bügelkopfhörer direkt und für die In-Ears zusammen mit dem Leckerton an den SHD5 anschloss. Auch nutzte ich den Leckerton zusammen mit dem optischen SABRE DAC von HiFime.
Die Lautsprecher-Kette bestand aus den oben genannten Komponenten, zu denen sich der HiFime als DAC dazugesellte.

Frequenzgang:

Der Frequenzgang und die anderen Parameter hängen in diesem Fall natürlich vom angeschlossenen DAC ab. Nutze ich meinen Leckerton für die Messung, ist das ausgegebene Signal perfekt linear:


Dies war aber auch zu erwarten und soll nur demonstrieren, dass der SHD5 dem digitalen Signal keine EQ-Korrekturen beimischt.

Transparenz, Präzision, Bühne:

Der Klang, den man bekommt, hängt hier selbstverständlich vom angeschlossenen DAC ab – der SHD5 fügt dem digitalen Signal keinen Hokuspokus hinzu und verschlechtert es auch nicht.


Fazit:

Der Shinrico SHD5 bietet einige Anschlüsse für externe Speichermedien, fühlt sich hochwertig,
schwer und gut verarbeitet an und besitzt einen reflexionsarmen Bildschirm.
Sowohl seine digitalen als auch analogen Ausgänge klingen einwandfrei neutral, sauber und transparent – auch die unterbrechungsfreie Wiedergabe zwischen zwei Titeln funktioniert perfekt.
Die grafische Nutzeroberfläche ist gut strukturiert und neben ein paar kleinen Übersetzungs-Fehlern, die vielleicht durch ein Firmware-Update beheben werden könnten, gibt es keine Mängel. Die Navigation und generelle Bedienung erfolgt flüssig, schnell und ohne Verzögerung.
Sehr gut ist der Wiedergabebildschirm gelungen, denn er ist ebenfalls sehr gut strukturiert und zeigt alle wichtigen Informationen an.

Zweifellos – der SHD5 erfüllt meine Erwartungen definitiv und übertrifft diese sogar. Bei ihm handelt es sich um einen großartigen stationären Musik-Spieler.

Die gering ausfallende negative Seite will ich dennoch nicht unerwähnt lassen: Die Fernbedienung besitzt einige Tasten, denen keine Funktion zugewiesen ist, und die interne Datenbank erfasst lediglich die Speicherkarte, was aber irrelevant ist, sofern man eine gute Ordnerstruktur auf seinen externen Festplatten angelegt hat.
Verglichen mit den zahlreichen Bereichen, in denen der SHD5 glänzt, kann ich mit diesen minimalen Mängeln sehr gut leben.

4,5+ von 5 möglichen Sternen.