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Brainwavz B100: BAby's Got a Temper - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Endlich geschieht es – nach ein paar Jahren stellt Brainwavz Audio nun wieder In-Ears mit Balanced Armature Treibern her. Nachdem die neuen In-Ears vor ein paar Monaten in Großbritannien auf einer Messe enthüllt wurden, sind die beiden Single-BA Modelle B100 sowie B150 nun fertig und bereit für den Verkauf.
Kürzlich hatte ich bereits die Gelegenheit, einen Prototyp des B150 mitfinalisierter klanglicher Abstimmung zu hören und zu testen, und nun ist der B100 an der Reihe, den ich ebenfalls in meine Ohren bekommen habe.




In welchen Punkten unterscheiden sich diese beiden In-Ears? Und wie schlagen sie sich im Vergleich mit anderen Single-BA In-Ears? Dies wird sich im Verlauf dieser Rezension zeigen.


Erhältlich ist der B100, zusammen mit dem B150 und B200, mittlerweile übrigens auch bei Amazonhttp://amzn.to/2scEhH8


Als mich Pandoras Anfrage, den B100 zu testen, erreichte, freute mich sehr auf die neuen Modelle und stimmte zu, die In-Ears zu rezensieren. Kurze Zeit darauf erreichte mich der B100 für Feedback sowie ein unbefangenes, ehrliches Review.


Technische Daten:

Preis: 59,50$
Treiber: 1x BA je Seite
Impedance: 50 Ω
Frequency Range: 15 Hz ~ 22 kHz
Sensitivity: 110 dB at 1 mW
Cable: 1.3 m Y-Cord, Over the ear, OFC Copper
Plug: 3.5 mm, Gold plated


Lieferumfang:

Zu allererst möchte ich erwähnen, dass ich das neue Design des Umkartons mit der mattschwarzen Oberfläche und den rot glänzenden Akzenten als Farbkontrast sehr gelungen finde.
Im Inneren findet man die In-Ears, ein schönes längliches Aufbewahrungsetui in den typischen Brainwavz-Farben, einen Shirt-Clip, ein Paar an roten Comply Foam Aufsätzen in der mittleren Ausführung, zwei Paare an kleinen Silikonaufsätzen, zwei Paare an mittleren Silikonaufsätzen und letztlich zwei Paare an großen Silikonaufsätzen.





Die Silikonaufsätze sind mit denen des B150-Prototypen mit finaler klanglicher Abstimmung, den ich vor nicht allzu langer Zeit rezensiert habe, baugleich, jedoch fallen sie schwarz statt rot aus. Da alle Größen sowieso in doppelter Ausführung geliefert werden, wäre es schön, sofern die Hälfte der Aufsätze in roter Farbe käme, was meiner Meinung nach mit den schwarzen Gehäusen zu einem schönen Farbkontrast führen würde.


Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die kleinen Gehäuse bestehen aus schwarzem Kunststoff und erscheinen widerstandsfähig. Auf der
Außenseite kann man kleine Brainwavz-Logos erkennen, während die Innenseite von der jeweiligen Seitenmarkierung geziert wird.
Das Kabel unterhalb dem Y-Splitter ist verdrillt und schließlich mit einem Gummi-Gemisch überzogen worden; es erscheint sehr stabil und widerstandsfähig. Während es flexibel ist, besitzt es doch noch geringe federartige Eigenschaften.
Ein Kinnschieber fehlt nicht und abgesehen von der Stelle direkt oberhalb dem Y-Splitter ist der Knickschutz gut ausgeprägt.






Tragekomfort, Isolation:

Die In-Ears werden mit dem Kabel über den Ohren getragen, was im Gegensatz zur bei günstigen In-Ears hauptsächlich vorzufindenden Trageweise mit dem Kabel nach unten den Vorteil minimierter Kabelgeräusche und eines sichereren Sitzes bringt.

Aufgrund ihrer kleinen Gehäuseform sollten die B100 In-Ears auch Menschen mit sehr kleinen Ohren gut passen.

In meinen großen Ohren zumindest sitzen die In-Ear sehr gut und isolieren auch gut, was aber auch zu erwarten war, zumal ihre Gehäuse geschlossen sind.


Klang:

Meine hauptsächlich genutzten Quellgeräte waren mein iBasso DX90 und der iBasso DX80.

Zum Hören verwendete ich die größten Silikonaufsätze aus dem Lieferumfang.

Tonalität:

Der B100 unterscheidet sich nicht deutlich zum B150, mit dem ich ihn weiter unten vergleichen werde, jedoch gibt es in zwei eher wichtigen Bereichen Unterschiede, die beide etwas anders und nicht identisch klingen lassen.

Grob zusammengefasst übermittelt der B100 einen trockenen, kickenden Oberbass, nicht sonderlich viel Wärme im unteren Mittelton, der nur geringfügig in die wärmere und dunklere Richtung tendiert, und einen insgesamt recht sanften Hochton, der Becken-Anschläge nicht zu sehr dämpft, sie aber auch nicht sibilant erscheinen lässt.

Verglichen mit einem wirklich neutralen In-Ear wie dem Etymotic ER-4S besitzt der B100, wie auch der B150, ein bisschen mehr als 7 dB Bassquantität in meinen Ohren, mit einem Höhepunkt, der hauptsächlich im Oberbass (Kickbass) erreicht wird.
Auch wenn sich die Bassbetonung hauptsächlich auf den Oberbass und unteren Grundton konzentriert, beginnt die Betonung, um 650 Hz langsam anzusteigen und erreicht bei ca. 120 Hz ihren Höhepunkt, der bis 80 Hz linear gehalten wird und dann langsam gen Tiefbass abfällt. Der Abfall ist nicht stark ausgeprägt, sondern eher mild – der untere Midbass und beginnende Tiefbass bei 40 Hz sind noch immer präsent und mit guter Quantität hörbar, wenngleich unterhalb von 28 Hz kaum noch etwas kommt.
Es handelt sich um einen kickenden und festen Bass, der nicht das Verlangen von jemand, der nach einer (sehr) starken Betonung sucht, befriedigen wird, die man vornehmlich in diesem Preisbereich bei In-Ears mit dynamischen Treibern vorfindet, jedoch für einen Single-BA In-Ear recht kräftig ausfällt und den B100 deshalb auch alles andere als steril oder Bass-arm wirken lässt.
Das Klischee eines Bass-armen und hellen Single-BA In-Ears trifft definitiv nicht auf den Brainwavz zu.

Der Mittelton befindet sich nur geringfügig auf der wärmeren und dunkleren Seite und ist im Vergleich zu dem des B150 weniger voluminös. Ich würde den Klang nicht wirklich als verfärbt bezeichnen, jedoch spielt der obere Mittelton etwas zurückgesetzt, wodurch Stimmen eine dunkle Note erhalten, ohne künstlich zu klingen.

Der mittlere Hochton um 5 kHz und der Rest bis 12 kHz zeigt dann wieder mehr Präsenz. Zwischen 12 und 13 kHz kann ich beim Nutzen eines Sinusgenerators sogar eine moderate Betonung ausmachen.
Beckenanschläge befinden sich noch ein wenig auf der abgemilderten Seite, was definitiv keine schlechte Eigenschaft sein muss, und die Betonung im beginnenden Superhochton verleiht dem Klang eine schöne und subtile Luftigkeit.

Auflösung:

Hier mache ich es kurz – der B100 klingt behände und schnell, leichtfüßig und detailliert, kohärent und gut gerendert.
Wie einem auch auffallen könnte, ist die Mehrheit der Unterteilungen „Auflösung“ und „Räumliche Darstellung“ weitestgehend identisch mit dem Text, den ich in meinem B150 Review verfasst habe, was schlichtweg einfach daran liegt, dass ich finde, dass sich beide In-Ears so ziemlich auf demselben technischen Niveau bewegen.


Der Bass ist nicht ganz so fest und schnell wie bei manchen Multi-BA In-Ears oder dem Etymotic ER-4S, doch mangelt es ihm insgesamt definitiv nicht an Geschwindigkeit und er befindet sich nur
sehr geringfügig (!) auf der weicheren Seite und ist um ein gutes Stück besser kontrolliert und schneller als bei den meisten In-Ears mit einem dynamischen Treiber im gleichen Preisbereich. Auch empfinde ich ihn als ein wenig schneller als beim B150, was aber nur eine akustische Täuschung ist, denn spätestens beim Direktvergleich beider In-Ears nebeneinander fällt auf, dass dieser Eindruck dadurch hervorgerufen wird, dass der B100 den geringfügig weniger betonten unteren Mittelton besitzt.

Der Mittelton besitzt eine gute Sprachverständlichkeit und Aufdeckrate feiner Details, wie es auch von einem (Single-) BA-In-Ear erwartet werden darf.

Im Hochton gibt es ebenfalls eine gute Detailliertheit und gute Separation von Noten, die zwar nicht elitär, für den Preis aber gut ist. Zumindest vermisse ich nichts wirklich.

Der Klang ist, wenig überraschend, sehr gut zusammenhängend, weswegen ich dem B100 auch den Vorzug vor dem Dual-BA In-Ear von Apple geben würde, denn auch wenn dieser im Mittel- und Hochton in Sachen Detailauflösung dem Single-BA von Brainwavz überlegen ist und insgesamt feiner klingt, ist sein Klang nicht so zusammenhängend wie bei den meisten Single-BA In-Ears im oberen zweistelligen/unteren dreistelligen Bereich, inklusive des B100, der kohärenter klingt.
Als jemand, der persönlich (bis auf wenige Ausnahmen und Einsatzbereiche) In-Ears mit Balanced Armature Treibern dem Pendant mit dynamischen Schallwandlern vorzieht, wäre der B100 auch in diesem Preisbereich meine bevorzugte Wahl vor den allermeisten dynamischen In-Ears, was hauptsächlich in seiner höheren Geschwindigkeit und Trockenheit begründet liegt.

Räumliche Darstellung:

Mit dem B100 bekommt man weder eine sehr große noch sehr kleine Bühne. Ich würde sagen, ihre Ausdehnung ist etwas größer als durchschnittlich, wenngleich nicht deutlich. Das Verhältnis zwischen Breite und Tiefe stimmt und die Staffelung erfolgt auch angenehm genau. Die Positionierung von Instrumenten erfolgt auch recht präzise und die Präsentation wirkt ebenfalls angenehm luftig, auch wenn es nicht so viel Luft zwischen Instrumenten wie bei teureren Multi-BA In-Ears gibt.

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Im Vergleich mit anderen Single-BA In-Ears:

MEE audio A151 (zweite Generation):
Der A151 gehört definitiv nicht zu den dünn klingenden Single-BA In-Ears und ist ein Modell, das etwas mehr Bass und Wärme als ein flach abgestimmter Monitor besitzt, doch besitzt er ca. 3 dB weniger Quantität als der B100 und spielt auch im oberen Hochton etwas dunkler. Der Stimmbereich des MEE ist etwas intimer und im Vergleich betonter.
Der MEE besitzt den minimal festeren und schnelleren Bass und klingt auch im Hochton um eine geringe Spur differenzierter, wobei ich Letzteres nur beim schnellen Wechseln und sehr konzentrierten Hören gerade so erahnen kann. Den B150 sehe ich in Sachen Mitteltonauflösung und Sprachverständlichkeit minimal vorn.
Die Bühne des A151 ist ein wenig breiter und etwas besser separiert.

Brainwavz B150:
Knapp zusammengefasst klingen beide sehr ähnlich, jedoch nicht identisch.
Beide besitzen einen gleich stark ausgeprägten Bass, während der des B100 etwas besser kickt, was daran liegt, dass sein unterer Mittelton etwas weniger präsent als beim B150 ausfällt, der einen geringfügig voluminöseren und wärmeren Stimmbereich ausgibt. Beide In-Ears klingen in meinen Ohren auch im Hochton gleich, abgesehen vom Bereich zwischen 12 und 13 kHz, wo der B100 etwas mehr Quantität besitzt und dadurch luftiger, weniger entspannt und direkter erscheint.
In Sachen Detailauflösung befinden sich beide In-Ears meiner Einschätzung nach auf demselben Niveau.
Beide sind auch gleichwertig, was die Ausmaße und Präzision der Bühnenabbildung betrifft, während der B100 die geringfügig luftigere imaginäre Räumlichkeit ausgibt, was an seinem im Vergleich zum B150 stärker ausgeprägten unteren Superhochton liegt.

Nach dem, was ich höre, sind die Unterschiede in der tonalen Abstimmung also definitiv nicht groß oder gar signifikant. Der B150 eignet sich etwas besser für alle, die einen etwas wärmeren und sanfteren Klang suchen, während der B100 besser zu jenen passt, die sich im Vergleich zu ihm weniger Wärme im unteren Mittelton wünschen, wodurch der Oberbass subjektiv etwas besser kicken kann, zusammen mit dem luftiger wirkenden Superhochton.


Fazit:

Ich bin froh zu sehen, dass Brainwavz wieder In-Ears mit Balanced Armature Treibern herstellt.
Der B150, den ich kürzlich rezensiert hatte, konnte mich auf der objektiven Seite bereits überzeugen,
und nun tut es ihm der B100 gleich.
Schnelligkeit, Kohärenz, Sprachverständlichkeit, Luftigkeit und ein kickender, kontrollierter Oberbass, dessen Quantität höher als bei den meisten Single-BA In-Ears ausfällt, jedoch nicht übertrieben ist, sind Attribute, die den B100 auszeichnen.


Während ich meine persönliche Vorlieben nie in die Endwertung eines Reviews einfließen lasse, mag ich den B100 persönlich mehr als den B150, was hauptsächlich an seiner geringer ausgeprägten Wärme im unteren Stimmbereich/Grundton liegt, zusammen damit, dass er im Hochton auch etwas direkter und weniger entspannt aufspielt. Das Preis-Leistungsverhältnis jedoch fließt definitiv in mein Fazit ein, und hier kann der B100, der nur in etwa halb so viel wie der B150 kostet, jedoch technisch ebenbürtig ist und sich auch mit dem MEE audio A151 (zweite Generation) messen kann, den ich in seinem Preisbereich als besten Single-BA In-Ear erachte, deutlich punkten – solange nicht mehr Wärme und Sanftheit gewünscht sind, stellt der B100 also die wirtschaftlich sinnvollere Investition dar. Der B150 ist seinen Preis zwar auch wert, aber für etwas weniger als die Hälfte bietet der B100 einfach den noch besseren Gegenwert für den aufgerufenen Preis.

~ 4,6 von 5 möglichen Sternen.