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Ivery IS-1 Hiput: Genau so... wird's nicht gemacht - [Review] 🇩🇪

Vorwort:

Diese Rezension hatte ich ja beinahe völlig vergessen – einsam und verloren befand sie sich fertiggestellt und formatiert für mehrere Monate in meinem Ordner für fertiggestellte Reviews, doch kam eine Veröffentlichung noch nicht infrage, da ich keine Bilder gemacht hatte (beziehungsweise die Schnappschüsse, die ich hatte, nicht mehr finden konnte).
Nun hatte ich meine Rezension wieder entdeckt und die Sache mit den Bildern nachgeholt.

Viel Spaß beim Lesen!


Einleitung:


Ein paar meiner älteren Reviews habe ich aus der Versenkung geholt, etwas erweitert und hier auf meinem Blog hochgeladen.
Dieses Produkt, der Ivery IS-1 Hiput, ist ein sehr günstiger In-Ear, der gleichzeitig auch einer der schlechtesten ist, den ich je gehört habe.



Vor längerer Zeit stieß ich beim Stöbern im Internet auf einen sehr günstigen In-Ear (~ 10€), der im allseits bekannten amerikanischen Kopfhörerforum Head-Fi mächtig Aufmerksamkeit und Hype bekam. Wirklichen Glauben schenkte ich den meisten Sachen, die ich dort je gelesen hatte, sowieso nicht, gerade bei vielen Hype-Produkten, weshalb ich dem Thread auch keine wirkliche Beachtung schenkte.
Einige der Beiträge klangen jedoch interessant, da der In-Ear von vielen Käufern als neutral oder wenigsten sehr natürlich und ausgewogen klingend bezeichnet wurde und angeblich eine Auflösung und Basspräzision besitzen sollte, die nicht einmal In-Ears für 200€ hätten. Auch wurde er manchmal mit dem Sennheiser HD 800 verglichen und mit diesem technisch gleichgesetzt. Messkurven des IS-1 konnte man zu diesem Zeitpunkt leider nirgends finden.

Durch Treuepunkte hatte ich bei MP4Nation noch einen Gutschein übrig und so kam es, dass ich den In-Ear für wenige Cent kaufte und nun folgendes Review mit euch teilen möchte.


Anzumerken sei hier vielleicht noch, dass es vom IS-1 zwei Versionen gibt, wie ich später herausfinden durfte – den Hiput und den Liberty. Manche Online-Stores unterschieden beide leider nicht, weshalb teils auch das falsche Produkt ausgeliefert wurde. So erhielt ich den schlechteren Hiput statt des besseren Liberty (wobei „besser“ hier nur relativ zum Hiput steht). Dementsprechend bezieht sich diese Rezension auch auf den schlechteren Hiput.
Der Liberty wurde mir übrigens irgendwann von einem Leser, der mich auch erst auf die Existenz dieser zwei Versionen aufmerksam machte und den ganzen Hype ungewollt gestartet hatte und ihn auch irgendwie bereute (weshalb er den Thread auch schließen und löschen ließ), da er zu voreilig mit seinen Eindrücken war, als Geschenk ohne weitere Bedingungen zugesandt. Nun ist es tatsächlich so, dass der Liberty technisch viel besser als der Hiput ist, aber ohne Modifikationen annähernd unhörbar klingt – sein Hochton ist einfach übermäßig stark betont und dermaßen spitz, dass man den In-Ear ohne nachträgliche Bedämpfung/den Einsatz eines Equalizers kaum ertragen kann.
Aber hier soll es schließlich um den schlechteren Hiput gehen, auf den sich meine Rezension damals bezog.



Lieferumfang:


Für den geringen Preis von etwa 10$ darf man bei der Verpackung und dem Lieferumfang sowie bei der Materialanmutung nicht viel erwarten, und so kommt es auch, dass lediglich ein weiteres Paar Aufsatzstücke aus Silikon in einer anderen Größe neben den bereits installierten Aufsätzen in der Verpackung vorhanden ist – abgesehen vom In-Ear, versteht sich. Dass nicht wie üblich drei Paare an Aufsätzen vorhanden sind, ist ungewöhnlich und könnte für Menschen mit mittelgroßen Gehörgängen zu einem nicht ganz idealen luftdichten Abschluss führen, doch in meinen großen Gehörgängen sitzen die In-Ears mit den größeren der beiden Aufsätze gut.


"High Quality"? Was auf der Verpackung steht, trifft leider nicht immer zu.



Verarbeitung:

Die Verarbeitungsqualität ist in Ordnung, wobei die In-Ears selbst gut verarbeitet sind und das Kabel zwar merklich der günstigeren Sorte angehört, dafür jedoch keine wirklich erkennbaren Mängel aufweist. Das typische 1€-Radio-Beipackhörer-Feeling vermittelt es zumindest nicht ganz, ist davon aber auch nicht weit entfernt.
Der Knickschutz am 3,5 mm Klinkenstecker ist noch recht gut, am Y-Splitter (, welcher als Fernbedienung fungiert,) und den In-Ears selbst wünscht man sich jedoch einen ebenso guten Knickschutz. Das Gehäuse weist keine Grate oder Klebereste auf, fühlt sich jedoch nicht sonderlich hochwertig an, auch wenn das Metall selbst einwandfrei ist.





Tragekomfort

Durch die weichen Silikonaufsätze ist der Tragekomfort gut; die Geräuschisolation stellt sich etwas besser als durchschnittlich dar.

Kabelgeräusche gibt es beim IS-1 in Hülle und Fülle, jene lassen sich jedoch durch eine Trageweise mit dem Kabel über dem Ohr enorm minimieren, jedoch nicht gänzlich eliminieren – ein weicheres Kabel wäre hier eine wünschenswerte Sache, ebenso ein Kinnschieber oberhalb des Y-Splitters.


Klang:

Tonalität:

Ohne wirkliche Erwartungen an den Klang startete ich die Wiedergabe und war teils richtig schockiert:

Die Klangsignatur lässt sich mit einem Wort passend beschreiben: Bass.

Der Ivery IS-1 besitzt einen enorm angehobenen Bassbereich, mehr als 20 dB waren meine erste Schätzung. Ganz so viel waren es mit 15 dB dann doch nicht, doch aufgrund der dürftigen Bassqualität wirkt dieser undifferenziert und alles überlagernd.
Die Betonung erstreckt sich gleichmäßig über den ganzen Bassbereich, mit einem nicht abrollenden und starken Tiefbass, und strahlt leider auch stark in den Mittelton hinein, wodurch Stimmen unnatürlich dunkel, voluminös und „wollig belegt“ klingen. Anders lässt sich dies einfach nicht umschreiben.
Von Natürlichkeit kann hier gar keine Rede sein und selbst als „Spaßhörer“ ist der IS-1 meiner Meinung nach wirklich nicht wirklich zu gebrauchen. Ein SoundMagic E10 oder Brainwavz R1, das sind für mich preisgünstige In-Ears, die den Begriff „Spaßhörer“ verdienen, da sie trotz teils starker Betonungen noch ohne Equalizereingriffe hörbar sind und ihre Stärken besitzen – der Ivery jedoch ist davon weit entfernt und bei ihm gibt es lediglich einen breiigen Bass, der alles überdeckt.

Im oberen Hochton gibt es eine kleinere, eher schmalbandig ausfallende Betonung, welche jedoch zu weit oben und im Verhältnis zum dominanten Bass zu leise ausfällt, als dass sie das Klangbild noch einigermaßen retten und dem In-Ear halbwegs tonale Ausgewogenheit verschaffen könnte. Hi-Hats erhalten dadurch lediglich ein klein wenig „Körper“, gehen aber trotzdem im Basswald verloren. Auch andere Töne im Hochton werden einfach verschluckt.



Auflösung:

Der Bass schwingt für die Preisklasse einigermaßen schnell ein, dafür jedoch zu langsam aus und ist komplett undifferenziert. Auch wenn ich neutrale In-Ears (stationär) bevorzuge, habe ich definitiv nichts gegen stark bassbetonte oder basslastige In-Ears und kann Freude an ihnen finden, solange die technische Qualität stimmt. Beim Ivery jedoch wäre es eine Schande, die Worte „Bass“ und „Qualität“ im selben Satz zu verwenden.
Die Auflösung im Mittel- und Hochtonbereich ist schlecht, alles klingt zusammengematscht, undifferenziert und hohl. Details in der Musik suche ich vergeblich. Auch mit starken Equalizer-Eingriffen lässt sich keine wahre Auflösung entlocken.

Die starken Verfärbungen des Mitteltons vermiesen das Musikhören zudem enorm.

Der Driver-Flex (Knistern beim Einsetzen der In-Ears durch eine anschlagende Membran) ist beim Ivery auch sehr stark vorhanden – das spricht nicht unbedingt für einen starken Magneten oder eine steife Membran.


Räumliche Darstellung:

Von einer Bühne oder Ortung kann man bei diesem In-Ear leider auch nicht sprechen; alles kommt aus der Mitte und die Bühne ist sehr schmal, ohne eine wirklich erkennbare Tiefen- oder Breitendarstellung zu besitzen.




Fazit:

Klanglich gibt es dem IS-1 nicht wirklich viel abzugewinnen.

Ist man nur an einem möglichst lauten und möglichst dröhnenden Bass interessiert und die anderen Frequenzbereiche sowie eine halbwegs natürliche Mittelton-Reproduktion sind von keinerlei Relevanz (sprich: wenn man überhaupt keine Ansprüche an den Klang besitzt und es einem nicht wichtig ist, dass der In-Ear manche Töne im Hochton einfach gänzlich „verschluckt“), kann man vielleicht auch am Ivery IS-1 halbwegs Gefallen finden – ansonsten wohl eher nicht.

Eine einzige positive Eigenschaft konnte ich dann doch finden: Der Schalter an der 1-Knopf-Fernbedienung, welcher durch Verschieben die Kontakte des Masse- und Mikrofonleiters tauscht, gewährleistet eine Funktionsweise der einzelnen Fernbedienungstaste und des In-Ears an einer großen Bandbreite von Geräten.



Ich bin jemand, der meist auch noch bei sehr lausigen Schallwandlern (wie bspw. dem Sony ME-21, einem Mono-Kristallhörer,) wenigstens einen einzigen positiven klanglichen Aspekt finden kann – beim Ivery IS-1 hingegen ist diese Mission gescheitert und ich konnte keinen einzigen finden.

Den Ivery IS-1 Hiput kann man also getrost auslassen und muss ihn nicht gehört habe – es sei denn, man möchte wissen, wie ein richtig schlechter Einsteiger-In-Ear klingt, was meiner Meinung nach leider auch auf den preislich gleich positionierten FiiO F1 zutrifft.

Für das gesparte Geld könnte man sich stattdessen eine schöne Musik-CD (
oder zwei bei der Amazon-Aktion „3 CDs für 15€“), beziehungsweise einen um Welten besseren In-Ear im Budget-Bereich, wie etwa den Knowledge Zenith HDS1 oder Xiaomi Mi Colorful Starter Edition, kaufen.