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Etymotic ER•4XR: "Eine Portion Neutralität mit einer Prise Bass, bitte!" - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Etymotic Research wurde 1983 in den USA von Mead Killion (http://www.etymotic.com/about-us/interview-with-mead), einem Mann, dem großer Respekt gebührt, gegründet, und ist weltweit durch seine ER•4 In-Ears, die mehr als 20 Jahre lang mit nur moderaten kosmetischen Veränderungen produziert wurden, recht bekannt.
Als ich also Ende 2015 auf der Ausstellerseite der CES las, dass Etymotic Research präsent sein würde und aktualisierte Modelle der ER•4 Linie vorstellen werde, war ich sehr gespannt, wie man sich denken kann. Und so kam es, dass der ER•4SR („Studio Reference“) und ER•4XR („Extended Response“) der Öffentlichkeit präsentiert wurden und die Nachfolger des ER•4S und ER•4P darstellen, während der erste nur ein geringes Facelift auf der klanglichen Seite ist, der Quasi-Nachfolger des ER•4P hingegen klanglich großflächig überarbeitet wurde und das bietet, was von einigen Etymotic-Kunden gewünscht wurde: ein Etymotic In-Ear, der ausgewogen und noch immer neutral klingt, jedoch ein bisschen mehr Bass und Wärme als der ER•4S besitzt.



Wie der ER•4XR hineinpasst und ob er sich als Side-Grade zum ER•4S oder ER•4SR lohnt, wird dieses Review zeigen.

Der ER•4XR ist auch bei Amazon erhältlich: http://amzn.to/2hbZqf2

... und ebenfalls bei Thomannhttps://goo.gl/1CKIJj


Bevor ich fortfahre, möchte ich noch einen großen Dank an Etymotic Research aussprechen, die eingewilligt haben, mir ein Exemplar des ER•4SR und ER•4XR für ein ehrliches und unbefangenes Review zukommen zu lassen.


Technische Daten:

http://www.etymotic.com/consumer/earphones/er4-new.html
UVP: 399€
Frequenzgang: 20 Hz – 16 kHz
Schallwandler: leistungsstarke Balanced Armature Micro-Treiber
Geräuschisolation: 35-42 dB
Impedanz (@ 1 kHz): 45 Ohm
Empfindlichkeit (@ 1 kHz, SPL bei 0,1 V): 98 dB
Maximale Ausgangslautstärke (SPL): 122 dB
Kabel: 5 Fuß, austauschbar
Durch den Anwender austauschbare ACCU-Filter: Ja
Garantie: 2 Jahre
Möglichkeit der individuellen Ohranpassung: Ja


Lieferumfang:

Die In-Ears kommen in einer schön designten Verpackung, in welcher sich eine Aufbewahrungstasche mit Reißverschluss befindet, welche genug Platz für die In-Ears sowie einen Audio-Player/DAC/Kopfhörerverstärker bietet. Zusätzlich gibt es in ihr noch ein paar Innentaschen, in welchen man das Zubehör verstauen kann, das da wäre: ein 6,3 auf 3,5 mm Adapter, ein Shirt-Clip, Ersatz-ACCU-Filter mit einem Werkzeug, um diese zu entfernen, zwei Paare an großen Tannenbaumaufsätzen, zwei Paare an kleinen Tannenbaumaufsätzen und zwei Paare an Schaumstoff-Aufsätzen.
Ebenfalls im Verpackungskarton befindet sich ein Performance-Zertifikat, welches abgesehen vom Frequenzgang jeder einzelnen Hörer-Seite auch die Kanalgleichheit, Seriennummer, Empfindlichkeit und THD-Werte zeigt.






Auch wenn ich mich nicht über ein zusätzliches kleines Transport-Etui wie das vom ER•4S beschweren würde, ist das mitgelieferte nicht viel größer als ein Pelican 1010 Case, welches Größen-mäßig noch immer recht vernünftig ausfällt.


Optik, Haptik, Verarbeitung:

Im Vergleich zu der vorigen Generation, bei denen sie aus Kunststoff bestanden, sind die Gehäuse der neuen ER•4 In-Ears aus Metall gefertigt und besitzen deshalb eine höherwertige optische Anmutung. Die Seriennummer ist noch immer in jedes einzelne Gehäuse eingraviert; zusätzlich gesellt sich noch die modellspezifische Bezeichnung dazu, die einem sagt, welchen In-Ear man gerade in der Hand hält.
Die alten 2-Pin Stecker, bekannt von Sennheisers HD 6X0 Serie, sind Rotations-blockierten MMCX-Steckern gewichen. Diese erscheinen sehr zuverlässig, jedoch wird nur die Zeit zeigen, wie haltbar diese wirklich in einem Szenario, in dem ich sie nicht unnötig entferne, sind.




Das Kabel stellt einen Fortschritt zu dem der vorigen Generation dar, so ist es flexibler und weicher, während es noch immer sehr robust scheint und genau wie das alte aussieht. Sehr freut mich, dass endlich ein Kinnschieber implementiert wurde, denn beim ER•4S fehlte dieser leider.
Auch wenn der Y-Splitter keine Widerstände mehr besitzt, ist er noch immer zylindrisch geformt, was eine Hommage an die vorige Generation darstellt, bei der diese Form nötig war, um die Widerstände (und im Fall des ER•4B zusätzlich noch Kondensatoren) zu beherbergen.


Persönlich würde ich mich noch über farbige Seitenmarkierungen freuen, denn abgesehen von den Buchstaben an den Steckern des Kabels gibt es keine.


Tragekomfort, Isolation:

Die In-Ears der ER•4 Serie müssen sehr tief eingesetzt werden und die zweite Biegung des Gehörganges passieren, damit der Klang korrekt ist. Anfangs mag sich dies irritierend anfühlen oder gar geringfügig schmerzen, wenn man nicht an In-Ears gewöhnt ist, die so tief eingesetzt werden; ich zumindest habe keine Probleme damit und empfinde auch keine Schmerzen.
Am besten kann man die In-Ears zuerst mit dem Kabel nach unten einsetzen, woraufhin man auch automatisch weiß, wann die korrekte Einsetztiefe erreicht ist. Danach kann man das Kabel um die Ohren legen, was ich auch so handhabe. Dadurch wird die Mikrofonie (Kabelgeräusche) auf ein gut erträgliches Niveau gesenkt (weniger Mikrofonie ist aufgrund des tiefen Einsetzens kaum möglich, doch in Verbindung mit der Trageweise über den Ohren sowie dem Kinnschieber lässt sie sich gut reduzieren).

Ich besitze ziemlich große Gehörgänge, weshalb ich die Aufsätze meines ER•4S modifizieren musste, um einen dauerhaften Seal zu erreichen.
Die neue ER•4 Serie kommt mit neuen Aufsätzen, welche die gleichen Abmessungen besitzen, jedoch aus einem anderen Material gefertigt sind. Zu meiner Überraschung dichten die großen Aufsätze in meinen großen Gehörgängen ab, da das neue Material etwas stabiler als auch klebriger ist. Nichtsdestotrotz muss ich den Sitz dann noch immer von Zeit zu Zeit korrigieren, weshalb ich sie ebenfalls modifiziert habe (dazu schnitt ich den kleinsten Flansch der Aufsätze ab, zog ihn zuerst auf und ließ die anderen beiden dann folgen – dadurch erlange ich einen sehr guten und konstanten Seal in meinen Ohren und die Länge der Aufsätze bleibt unverändert).


Sofern die In-Ears korrekt eingesetzt sind und abdichten, ist die Geräuschisolation sehr hoch.


Neutral = Neutral?

Bevor ich hier weiter zum „Klang“ Abschnitt schreite, möchte ich mich kurz noch mit der Theorie der Neutralität von Kopfhörern und In-Ears befassen und eine knappe Einführung zu diesem Thema geben.

Ist die neutrale, messtechnisch ideale Referenz-Kurve bei Lautsprechern klar definiert, sieht die ganze Angelegenheit bei Kopfhörern, zu denen auch In-Ears zählen, etwas anders aus, denn ein In-Ear Kopfhörer, der sich nach Lautsprecher-Kriterien neutral misst, hört sich, direkt am Trommelfell gemessen, für unser Ohr anders an: dies liegt daran, dass unsere Ohren und der Oberkörper von außen kommenden Schall (also im richtigen Leben, bei Schallquellen im Raum wie etwa Lautsprechern oder dem Fließgeräusch des Wasserhahns) in bestimmten Frequenzbereichen aus Resonanzen resultierend verstärken. Bei Kopfhörern fällt diese natürliche, anatomisch bedingte Verstärkung weg, da sich die Schallquelle direkt am Ohr respektive im Gehörgang befindet, der Gehörgang also beidseitig geschlossen ist, wodurch der natürliche „Open Ear Gain“ wegfällt.
Um diese natürliche Verstärkung zu imitieren und deren Mangel zu kompensieren, sollte ein Kopfhörer deshalb idealerweise in diesem Frequenzbereich (ca. zwischen 200 und 15000 Hz mit dem Höhepunkt bei etwa 2,7 kHz mit um die 15 dB) eine Überhöhung besitzen – am Trommelfell gemessen ergibt sich daraus resultierend dann ein natürlicher, linearer Frequenzgang. (Siehe zu dieser Thematik auch HRTF und Open Ear Gain.) Von Mensch zu Mensch variiert die Anatomie des Ohrs natürlich, weswegen die Wahrnehmung der durchschnittlichen Diffusfeld-Kompensationskurve individuell auch etwas unterschiedlich ausfallen kann, insbesondere in der Wahrnehmung der oberen Mitten, die bei manchen Kopfhörern von manchen Menschen als etwas zu drückend oder gar schrill empfunden werden, wenn ein gewisser Grad der Ausprägung erreicht ist.
Die meisten Frequenzschriebe von Kopfhörern, die wir online oder in Magazinen sehen können, haben die HRTF-Kompensation bei der Abstimmung der Kopfhörer schon herausgerechnet und geben den am Trommelfell wahrgenommenen Frequenzgang wieder.

Davon abgesehen gibt es noch eine andere Sache, bei der es zwischen Experten teils größere Uneinigkeit über die Abstimmung von neutral wahrgenommenen Kopfhörern gibt: hören wir über Lautsprecher Musik, nehmen wir nicht nur den Luftschall über die Ohren wahr, sondern bekommen auch über unseren Körper taktil den von der Schallquelle wiedergegebenen Körperschall mit, besonders bei höheren Lautstärken und sehr tiefen Frequenzen. Deshalb kann ein neutral abgestimmter Kopfhörer unter Umständen im Tiefton als etwas zu dünn klingend empfunden werden. Manche Menschen sind daher der Ansicht, dass dieser fehlende Körperschall durch eine eher tief angesetzte, geringfügig (!) ausgeprägte Bassbetonung kompensiert werden soll, damit der Kopfhörer „natürlich“ klingt und subjektiv die Wiedergabe über neutrale Lautsprecher imitiert. Darüber, wie die gemittelte HRTF aussieht, herrscht jedoch Einigkeit in den Untersuchungsergebnissen verschiedener Institute und Forscher.

Wie man sehen kann, ist empfundene Neutralität bei Kopfhörern nicht unbedingt zu 100% abschließend definiert und kann je nach Ansicht anders aussehen (keine messtechnische, gering ausfallende Mid- und Tiefbassbetonung vs. gering ausfallende messtechnische Mid- und Tiefbassanhebung, messtechnisch bei der Kompensation neutral ausfallende untere Höhen vs. messtechnisch bei der Kompensation geringfügig zurückgesetzte untere Höhen und so weiter).


Klang:

Meine hauptsächlich genutzten Quellgeräte waren mein iBasso DX90, der Cowon Plenue M2, sowie letztlich mein Stack bestehend aus meinem Chord Mojo und Leckerton UHA-6S.MKII, das seine Daten vom Shinrico SHD5 erhielt.

Wichtig ist für den richtigen Klang die korrekte Länge des Schallaustritts sowie die richtige Einsetztiefe. Dass sich das Ende des Schallaustritts sehr tief im Gehörgang befinden muss, nach dem zweiten Knick des Gehörganges, sollte nach dem Abschnitt „Tragekomfort, Isolation“ klar sein.
Die korrekte Länge der Ohrpassstücke ist jedoch mindestens genauso wichtig. Wie bereits weiter oben beschrieben, verwende ich den ER•4XR (sowie den 4SR und meinen 4S) mit den standardmäßig mitgelieferten, großen Tannenbaumaufsätzen, die ich so modifiziert habe, dass sie in meinen großen Gehörgängen eine gute Abdichtung bilden, jedoch ihre ursprüngliche Länge beibehalten. Mit anderen Aufsätzen (Einfach-Flansch und somit kürzere Länge des Schallröhrchens) war der Klang in meinen Ohren tonal hörbar verfälscht und nicht so, wie er sein sollte (lediglich die langen Schaumstoffaufsätze von Etymotic klingen so ziemlich wie die Tannenbaumaufsätze in meinen Ohren).

Tonalität:

Der ER•4XR ist exakt das, was sich manche manchmal nicht gänzlich zufriedene Besitzer des ER•4S/SR wünsch(t)en – ein In-Ear mit Etymotics sehr neutralem und harmonischem, kohärenten und natürlichen Mittel- und Hochton, jedoch mit etwas mehr Basspräsenz im Vergleich zu einem Referenz-neutralen und verfärbungsfrei-sterilen In-Ear Monitor.


Was man im Grunde genommen erhält, ist ein flacher, neutraler Mittel- und Hochton, in Verbindung mit einer Betonung des Bassbereichs, die im mittleren Grundton beginnt und langsam gen Tiefbass ansteigt, wo sich ihr Punkt der maximalen Ausprägung befindet.
Nichtsdestotrotz ist der Klang weit davon entfernt, bassig zu sein, denn der ER•4XR besitzt nicht mehr oder viel mehr Quantität im Tiefton als andere In-Ears, die als weitestgehend neutral eingestuft werden, sich jedoch nicht Diffusfeld-neutral messen (nicht zwangsweise, weil ihre Schöpfer inkompetent sind und nicht wissen, wie eine flache Klangsignatur auszusehen hat, sondern viel mehr aufgrund anderer Aspekte wie der geringen Kompensation des Fehlens von Körperschall).

Bevor ich auf die wirklich gut gemachte Bassbetonung näher eingehe, möchte ich mich auf den Mittel- und Hochton konzentrieren: Diese Bereiche klingen sehr neutral und flach in meinen Ohren und messen sich auch so. Die milde Anhebung im Präsenzbereich, wie man sie von anderen Etymotic In-Ears kennt, ist ebenfalls etwas weniger präsent in meinen Ohren. Beim Hören von Sinus-Signalen und Musik sticht im Mittel- und Hochton nichts hervor und nichts scheint zu fehlen, abgesehen von einer sehr milden und flachen Senke um 7 kHz, die jedoch überhaupt nicht einfach auszumachen ist. Dementsprechend ist das Timbre extrem natürlich und alle Instrumente sowie Stimmen klingen neutral und auf den Punkt verfärbungsfrei in meinen Ohren.

Nun aber weiter zum Bass: Beim Nutzen eines Sinusgenerators höre ich, dass die Anhebung um 500 Hz beginnt und dann langsam und gleichmäßig gen Tiefbass ansteigt, wo sich der Höhepunkt der Betonung befindet. Wie bereits zuvor erwähnt, fällt diese Anhebung aber alles andere als stark aus – verglichen mit Etymotics Diffusfeld-flach abgestimmten In-Ear Monitoren besitzt der ER•4XR 3 dB mehr Quantität bei 100 Hz, ca. 4 dB mehr bei 50 und ein bisschen weniger als 5 dB mehr bei 30 Hz und darunter, was nicht mehr als bei anderen In-Ears ist, die als weitreichend neutral eingestuft werden.
Die Implementierung ist wirklich sehr gut gemacht und da er gleichmäßig und langsam ansteigt, geht der Bass extrem harmonisch in die anderen Frequenzbereiche über, ohne jene zu maskieren oder verfärben. Auch der Stimmbereich ist größtenteils nicht von der Bassanhebung betroffen, denn lediglich sehr tiefe Stimmen im unteren Grundton gewinnen etwas an Körper, ohne jedoch, dass sich die Klangfarbe im Mittelton ändert oder dieser künstlich klingt – die tonale Balance ist noch immer großartig und der ER•4XR klingt noch immer sehr ausgewogen, jedoch ohne den „sterilen“ und flachen, komplett verfärbungsfreien Klang des ER•4SR.

Als eine Interpretation eines neutralen Klanges mit einer Kompensation für den fehlenden Körperschall bei In-Ears funktioniert die Signatur des ER•4XR ebenfalls sehr gut. Und ich muss auch eingestehen, dass die Implementierung der moderaten Betonung beinahe schon abhängig macht und etwas ist, das ich persönlich ebenfalls sehr mag.

Auflösung:

Dass es nicht zwingend mehrerer BA-Treiber je Seite bedarf, um einen großartigen Klang im Preisbereich um/bis 500$ zu erreichen, hat Etymotic mit seinen neuen In-Ears erneut gezeigt. Der Klang ist sehr leichtfüßig, schnell, zusammenhängend und ebenfalls auch sehr hochauflösend – etwas, was man einem einzelnen Balanced Armature Treiber womöglich nicht direkt zutrauen würde.
Besonders erwähnenswert beim ER•4XR ist sein exzellentes Ein- und Ausschwingverhalten (Transient Response) über den gesamten wiedergegebenen Frequenzbereich – alles klingt zusammenhängend und in keinem Frequenzbereich hat man das Gefühl, dass etwas verschoben oder fehl am Platz wäre.

Was der ER•4XR in Sachen Tonumfang, Bassqualität, Detailauflösung und Authentizität von sich gibt, ist schon recht beeindruckend – wie auch schon sein Quasi-Vorgänger zeigt dieser In-Ear, dass ein einzelner, gut abgestimmter und implementierter Balanced Armature Treiber ausreichen kann, um mit anderen In-Ears im gleichen Preisbereich problemlos mithalten zu können.
In manchen Kategorien gibt es Mehrtreiber-In-Ears, die etwas besser als der Ety sind (zum Beispiel in Sachen Auflösung in einem bestimmten Bereich oder Bassgeschwindigkeit), jedoch gibt es nur sehr wenige In-Ears in diesem Preisbereich, die ein solch exzellentes Gesamtpaket abliefern, bei dem kein Aspekt wirklich das Nachsehen hat – in Sachen Auflösung gibt es wirklich kaum eine Schwäche.


Abgesehen von der exzellenten Kohärenz und Authentizität besitzt der ER•4XR einen sehr detaillierten und separierten Hochton, einhergehend mit einem sehr transparenten Mittelton. Sein Bass ist auch wirklich schnell und übertrifft einige andere Single-BA In-Ears in Sachen Geschwindigkeit und Trockenheit. Verglichen mit manch teurerem Multi-BA In-Ear jedoch wird der Tiefton des ER•4XR etwas weicher klingen, während er nichtsdestotrotz höchst kontrolliert und schnell ist und sich in Sachen Geschwindigkeit auch mit anderen Multi-BA In-Ears gut messen kann. Zusammen mit der gut implementierten Anhebung des Tieftons sorgt der schnelle, aber etwas Weiche Bass übrigens auch für einen dynamischen, fast schon geringfügig „spürbaren“ Bass, der, zumindest mir, sehr viel Spaß bereiten kann, ohne stark betont zu sein.

Räumliche Darstellung:

Die Bühne ist in alle Richtungen sicherlich nicht die größte, doch habe ich sie, wie auch schon bei meinem ER•4S, nie als klein oder eingeengt, sondern durchschnittlich groß und mit einem sehr guten Verhältnis zwischen Breite und Tiefe sowie einer sehr guten sphärischen und dreidimensionalen Präsentation mit nur geringfügig mehr Breite als Tiefe empfunden.
Instrumente werden im imaginären Raum sehr präzise platziert und auch die Tiefenstaffelung erfolgt präzise – ganz ohne Nebligkeit. Die Instrumententrennung ist ebenfalls gut und Instrumente gehen nicht ineinander über, sondern sind mit einem schönen leeren Raum um sie herum getrennt. In dieser Hinsicht stellt der ER•4XR sogar ein kleines Upgrade zum ER•4S dar, denn besonders bei schnelleren und komplexeren Aufnahmen bleibt die Bühne des neuen In-Ears gut separiert und knickt weniger ein, wenngleich der ER•4SR hier nochmals geringfügig besser abschneidet.

Persönlich liebe ich die räumliche Präsentation des ER•4XR, da es ihm gelingt, mich in Sachen Authentizität und Dreidimensionalität zu überzeugen, ohne übermäßig breit oder tief zu spielen. Dementsprechend zählt der Etymotic auch zu meinen persönlichen Favoriten, was die Bühnenreproduktion betrifft.

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Im Vergleich mit anderen In-Ears:



Ultimate Ears Reference Monitors:
Die allgemeine Richtung, die beide In-Ears im Tiefton einschlagen, ist größtenteils gleich – der einzige Unterschied besteht darin, dass die Bassbetonung beim ER•4XR etwas weiter unten beginnt, weshalb der mittlere Grundton geringfügig weniger warm als der des UERM ist. Beide besitzen die gleiche Menge an Midbass, während der Ety geringfügig mehr Präsenz im unteren Midbass und Tiefbass zeigt. Abgesehen vom Präsenzbereich, der beim ER•4XR nur geringfügig präsenter in meinen Ohren ausfällt, klingen beide In-Ears im Mittelton sehr vergleichbar, gar fast gleich. Weiter oben höre ich beim UERM eine Senke in den mittleren Höhen, gefolgt von einer schmalbandigen Betonung um 10 kHz, die manchmal etwas scharf klingen kann, wenn eine einzelne Note genau diese Frequenz trifft.
Im Hochton ist der ER•4XR also linearer und gleichmäßig im Vergleich, weshalb er auch authentischer auf mich wirkt.
In Sachen Basskontrolle und -geschwindigkeit, sowie Detailauflösung und Instrumententrennung hat der UERM die Nase vorn, wenngleich der qualitative Unterschied im Vergleich zum ER•4S etwas geringer ausfällt.

Etymotic ER•4S:
Der ER•4XR besitzt das flexiblere und weichere Kabel, bei dem ein Kinnschieber über dem Y-Splitter auch nicht fehlt, weshalb Kabelgeräusche stärker verringert werden können. Und auch wenn die neuen Silikonaufsätze die gleichen Abmessungen wie die alten grauen besitzen, dichten sie in meinen Ohren besser ab und ich müsste sie womöglich nicht mal unbedingt modifizieren.
Die Empfindlichkeit des ER•4XR ist höher, weshalb er weniger Spannung benötigt, um die gleiche Lautstärke wie der ER•4S zu erreichen.
Ich bin an Lautsprecher, In-Ears und Kopfhörer gewöhnt, die in eine flache/sehr neutrale Richtung gehen, weshalb ich weder meinen ER•4S noch den ER•4SR je als Bass-arm empfunden habe – der Tiefton dieser In-Ears ist einfach nicht angehoben und auf den Punkt Diffusfeld-neutral. Manche Menschen jedoch, die den Klang der In-Ears der ER•4 Serie im Mittel- und Hochton mochten, ihn jedoch als zu Bass-schwach empfanden, wünschten sich manchmal etwas mehr Bassquantität. Und genau damit kam der ER•4XR ins Spiel: im Grunde klingt er wie der ER•4S und ER•4SR, besitzt jedoch ein wenig mehr Bassquantität.
Im unteren Grundton beginnend, steigt der Tiefton des ER•4XR gleichmäßig gen Tiefbass an, wo sich sein Klimax befindet. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei ihm keineswegs um einen bassigen In-Ear, sondern er besitzt nur etwas mehr Quantität, um jene zu befriedigen, die ein wenig mehr Kompensation für den fehlenden Körperschall wollen.
Nach dem, was ich höre (EQ-Gegenvergleiche, um die genaue Differenz an einem spezifischen Punkt zu eruieren) und messe, beträgt dieser geringe Boost nicht mehr als 3 dB bei 100 Hz, 4 dB bei 50 Hz und etwas weniger als 5 dB bei 30 Hz und darunter im Vergleich zum ER•4S, was nicht viel ist, sondern die Menge, um dem ER•4XR ein bisschen mehr Tiefbass- und Midbassquantität zu geben, einhergehend mit ein wenig mehr Fülle im unteren Grundton, ohne jedoch die Balance des Mitteltons zu beeinträchtigen. Vom Mittelton sprechend: sowohl meine Ohren als auch Messungen sagen mir, dass der ER•4XR etwas weniger im Präsenzbereich als der ER•4S angehoben ist, weshalb man mit ihm etwas länger ermüdungsfrei hören kann. Auch besitzt er etwas weniger Pegel als mein ER•4S bei 10 kHz und darüber hinaus, weshalb er geringfügig weniger hell als der ER•4S klingt, jedoch nicht zu dem Ausmaß, als dass man wirklich von einer Betonung/einem Unterschied bei einem der In-Ears sprechen könnte (kleinere Produktionsschwankungen könnten hier auch eine Rolle spielen), da der Unterschied wirklich recht gering ausfällt und eigentlich hauptsächlich im Bassbereich stattfindet.
Beide In-Ears klingen in meinen Ohren identisch, was die Detailauflösung betrifft, während der ER•4S den geringfügig trockeneren Bass besitzt.
Der ER•4XR besitzt in meinen Ohren eine vergleichbar große Bühne, die jedoch ein klein wenig besser separiert ist.

Fischer Amps FA-3E:
Die Bassquantität fällt bei beiden In-Ears größtenteils gleich aus, mit geringfügig mehr Quantität im unteren Midbass und Tiefbass beim Ety. Der Fischer Amps besitzt weniger Pegel im mittleren Hochton um 5 kHz, wo sich bei ihm eine Senke befindet, während sein oberer Hochton etwas stärker präsent ist.
Beide In-Ears nehme ich in Sachen Bühnengröße als in etwa gleich wahr, während der Etymotic den etwas authentischeren und geringfügig besser separierten imaginären Raum aufbaut.

InEar StageDiver SD-2:
Der SD-2 besitzt den voluminöseren und wärmeren Grundton sowie Mittelton im Vergleich, einhergehend mit insgesamt etwas mehr Bassquantität. Im Hochton zählt der SD-2 zu den wenigen In-Ears, die beinahe so gleichmäßig und authentisch wie der Ety klingen, während der StageDiver großflächig ein bisschen weniger Hochtonquantität besitzt und etwas sanfter sowie entspannter klingt.
Der Bass des ER•4XR ist ein bisschen schneller und etwas weniger weich.
Die Bühne des In-Ears von InEar ist in allen Richtungen größer und wirkt dreidimensionaler, während die Instrumententrennung und räumliche Authentizität bei beiden In-Ears in meinen Ohren vergleichbar gut ausfällt.

Etymotic ER•4SR:

Ich bin an Lautsprecher, In-Ears und Kopfhörer gewöhnt, die in eine flache/sehr neutrale Richtung gehen, weshalb ich weder meinen ER•4S noch den ER•4SR je als Bass-arm empfunden habe – der Tiefton dieser In-Ears ist einfach nicht angehoben und auf den Punkt genau Diffusfeld-neutral. Manche Menschen jedoch, die den Klang der In-Ears der ER•4 Serie im Mittel- und Hochton mochten, ihn jedoch als zu Bass-schwach empfanden, wünschten sich manchmal etwas mehr Bassquantität. Und genau damit kam der ER•4XR ins Spiel: im Grunde klingt er wie der ER•4SR, besitzt jedoch ein wenig mehr Bass.
Im unteren Grundton beginnend, steigt der Tiefton des ER•4XR gleichmäßig gen Tiefbass an, wo sich sein Klimax befindet. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei ihm keineswegs um einen bassigen In-Ear, sondern er besitzt nur etwas mehr Quantität, um jene zu befriedigen, die ein wenig mehr Kompensation für den fehlenden Körperschall wollen.
Nach dem, was ich höre (EQ-Gegenvergleiche, um die genaue Differenz an einem spezifischen Punkt zu eruieren) und messe, beträgt dieser geringe Boost nicht mehr als 3 dB bei 100 Hz, 4 dB bei 50 Hz und etwas weniger als 5 dB bei 30 Hz und darunter im Vergleich zum ER•4SR, was nicht viel ist, sondern die Menge, um dem ER•4XR ein bisschen mehr Tiefbass- und Midbassquantität zu geben, einhergehend mit ein wenig mehr Fülle im unteren Grundton, ohne jedoch die Balance des Mitteltons zu beeinträchtigen. Vom Mittelton sprechend: sowohl meine Ohren als auch Messungen sowie die Messungen auf dem im Lieferumfang enthaltenen Zertifikat sagen mir, dass der ER•4XR geringfügig weniger im Präsenzbereich als der ER•4SR angehoben ist, weshalb man mit ihm etwas länger ermüdungsfrei hören kann. Auch besitzt er etwas mehr Pegel als der ER•4SR, auf den ich Zugriff habe, bei 10 kHz und darüber hinaus, weshalb er geringfügig heller als der ER•4SR klingt, jedoch nicht zu dem Ausmaß, als dass man wirklich von einer Betonung oder einem größeren Unterschied sprechen könnte (kleinere Produktionsschwankungen könnten hier natürlich auch eine Rolle spielen), da der Unterschied wirklich recht gering ausfällt und eigentlich hauptsächlich im Bassbereich stattfindet.
Beide In-Ears klingen in meinen Ohren identisch, was die Bassqualität und Detailauflösung betrifft.
Der ER•4XR besitzt in meinen Ohren beinahe die gleiche Bühne wie der ER•4SR, jedoch geringfügig weniger räumliche Tiefe und die minimal weniger präzise Instrumententrennung.


Fazit:

Habt ihr den Etymotic ER•4SR oder ER•4S gehört und fandet ihn sehr gut, wollt aber ein wenig mehr Bass?
Oder wollt ihr einen ausgewogen klingenden In-Ear, der in die neutrale Richtung tendiert und nur moderat mehr Quantität im Bassbereich besitzt?
Eure Suche könnte mit dem Etymotic ER•4XR vorbei sein, denn er verbindet alles, was man am ER•4S/SR lieben kann, mit einem präsenteren Bass, der sehr gut eingearbeitet wurde und sehr weit davon entfernt ist, übertrieben zu sein, weshalb er jenen, die einen bassigen In-Ear suchen, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu zurückhaltend ausfallen wird.


Der ER•4XR ist definitiv eine sinnvolle Ergänzung in Etymotics Produktkatalog und die einzige Sache, die ich mir wünsche, sind farbige Seitenmarkierungen des Kabels, jedoch bin ich mir recht sicher, dass diese irgendwann implementiert werden, zumal die alte ER•4 Linie ebenfalls hin und wieder kosmetische Änderungen erfahren hat.