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Cowon Plenue 2 - [Preview] 🇩🇪

Prolog:

Die Tradition, die ich beim iBasso DX200 begonnen hatte, möchte ich hier fortsetzen und widme dem Cowon Plenue 2 ein etwas kompakteres, deutschsprachiges Preview, bevor mein ausführliches, englischsprachiges Review fertiggestellt, formatiert und hochgeladen ist.


Der Markt der portablen Premium-Audio-Player erlebt noch immer eine rege Nachfrage, insbesondere im asiatischen Raum, der schon immer etwas offener für hochpreisige Audio-Produkte war, und so ist es nicht arg verwunderlich, dass die weltweit bekannte koreanische Firma Cowon, die bereits auf eine erfolgreiche Vergangenheit von mehr als 22 Jahren im Audio-Bereich zurückblicken darf, ein neues Modell auf den Markt bringt, das, wie sich im weiteren Verlauf meiner Vorschau zeigen wird, in manchen Bereichen die Messlatte noch ein kleines Stück höher legen kann und sich bewusst gegen den Trend von WiFi, Streaming und Bluetooth setzt - der Plenue 2 ist nämlich ein Player, der ausschließlich eine Offline-Zielgruppe anspricht, die neben einem klassisch eleganten und dennoch markanten Design großen Wert auf den Klang legt.



Optik, Verarbeitung, Anschlüsse:

Sehr markant sind beim Plenue 2 die beiden digitalen Dreh-Potentiometer an der Oberseite des Players, die je von einem weißen respektive roten LED-Ring, der in den Einstellungen selbstverständlich deaktiviert werden kann, kurz beleuchtet werden, sobald eine Eingabe erfolgt.
Während der rechte Regler die Lautstärke in 140 Schritten mit einer Skalierung von 0,5 dB über den gesamten Regelbereich steuert, lässt sich der linke in den Einstellungen diversen Funktionen zuweisen und kann so etwa beispielsweise die Bildschirmhelligkeit steuern, zwischen den sechs Digitalfiltern umschalten oder als zweiter Lautstärkeregler mit einer Skalierung von 1 dB je Schritt fungieren.
Abgesehen von den größeren Aluminium-Reglern bei stationären Hi-Fi-Komponenten erinnern mich diese beiden Potentiometer an die Regler hochwertigerer Kofferradios, aber hauptsächlich an die Mikrofonköpfe kleiner, portabler Audiorekorder.

Der Cowon ist aus einem großen Aluminium-Block gefräst, auf dessen Vorderseite sich der 3,7 Zoll messende Touchscreen mit darunter liegender Sensortaste befindet.
Die Rückseite besteht ebenfalls aus Glas, welches mit einem feinen Muster graviert wurde, welches je nach Lichteinfall sichtbar ist und der Glasplatte somit eine schöne räumliche Tiefe verleiht. Neben den beiden Potentiometern auf der Oberseite ist die rückseitige Glasplatte für mich das markanteste und schönste optische Highlight des Players. Eigentlich ist es da schon ein bisschen schade, dass dieses Muster nicht mehr sichtbar ist, wenn man den Cowon in der weichen, mitgelieferten Echtlederhülle nutzt.

Das Design und die Formensprache des Players gefallen mir sehr gut - der Plenue 2 wirkt elegant und besitzt eine gleichmäßige, klassische Linienführung, die jedoch eigenständig wirkt und mit den Abschrägungen sowie Kanten moderne Einflüsse harmonisch kombiniert.

Der Plenue 2, während er nicht unbedingt flach ist, fällt etwas kürzer als viele seiner preislich ähnlich gelagerten Konkurrenten aus und ist somit handlicher, da er kompakter ist. Durch die abgeschrägten Kanten der Rückseite liegt der Player auch sehr sicher und angenehm in der Hand.

Was die Anschlussmöglichkeiten und Schnittstellen betrifft, hält sich Cowon auch beim neuesten Mitglied der Plenue-Familie an das Motto "weniger ist mehr", weshalb man beim Plenue 2 lediglich einen unsymmetrischen 3,5 mm Kopfhörerausgang mit integriertem optischem Digitalausgang, einen symmetrischen TTRS 2,5 mm Kopfhörerausgang, eine Micro USB Buchse und einen Micro SD Slot vorfindet.


Ausstattung und innere Werte:


Der AMOLED-Touchscreen, der 3,7 Zoll misst, besitzt eine Auflösung von 480 x 800 Pixeln, was genügend ist, um Inhalte scharf und ohne Pixelmatsch darzustellen. Die Auflösung eines modernen Smartphones darf man aber nicht erwarten.
Die Blickwinkelstabilität ist exzellent und meine einzige Kritik ist, dass die Farbsättigung einen Hauch zu hoch ausfällt.

Da der Cowon auf Streaming, WiFi und Bluetooth verzichtet, genügt der Dual-Core Prozessor mit einer Taktung von 1,2 GHz vollkommen, um alle Eingaben verzögerungsfrei und flüssig anzunehmen und auszugeben. Dementsprechend kommt auch nie das Gefühl auf, der Player wäre langsam oder träge.

Wie auch beim niedriger positionierten Plenue M2 hat Cowon dem Plenue 2 128 GB an internem Speicher spendiert, die durch eine Micro SD-Karte erweitert werden könnten - zwei Kartenschächte wären meiner Meinung nach jedoch sinnvoller und für den Preis angemessener, da der Player auch nativ DSD-Dateien abspielen kann, was ein gewisser Teil der Käufergruppe wohl auch tun wird (mir hingegen "genügen" meine 16 Bit, 44,1 kHz CD-Dateien...).



Grafische Nutzeroberfläche:

Das Interface ist von anderen modernen Cowon-Playern bekannt und nur geringfügig verändert/angepasst worden. Wer grob wissen möchte, was ihn erwartet, darf sich hierzu gern meine Rezension des Plenue M2 einverleiben.

So besitzt auch der Plenue 2 eine (deaktivierbare) "Cover Flow"-ähnliche Albendarstellung, wenn man den Bildschirm dreht, aber auch Cowons mächtige und intuitiv nutzbare "JetEffect 7" genannte DSP- und Equalizer-Software und auch die gute Bibliotheksansicht mit der von mir sehr geschätzten Suchfunktion mit der virtuellen On-Screen-Tastatur dürfen selbstverständlich nicht fehlen.


Klang:

Lautstärke-Regelung:

Es gibt zwei Gain-Modi, die jeweils 140 Lautstärke-Stufen mit einer Schrittgröße von je 0,5 dB besitzen. Somit kann man immer die gewünschte Lautstärke finden, ohne sich darüber ärgern zu müssen, dass Zwischenschritte fehlen.

Ich bin jemand, der vorwiegend Musik bei (sehr) geringem Pegel hört, wobei dieser auch regelmäßig nur ein wenig oberhalb der Wahrnehmbarkeitsschwelle liegen kann. Mit sehr empfindlichen In-Ears würde ich mir bei manchen Aufnahmen manchmal wünschen, dass es beim Plenue 2 möglich wäre, einen dritten, nochmals klar geringeren Gain-Modus zuzuschalten, oder dass der Regelbereich alternativ nach unten hin erweitert würde (so wie etwa bei iBassos Modellen, mit denen man auch extrem leise hören kann, da diese trotz einer Schrittgröße von ebenfalls 0,5 dB über den gesamten Regelbereich insgesamt 256 Lautstärke-Schritte besitzen, weshalb es mit ihnen möglich ist, auch mit sehr empfindlichen In-Ears bei extrem niedriger Lautstärke Musik zu hören).
Für geschätzt 95% der Nutzer dürfte dies jedoch irrelevant sein.


Ausgangsimpedanz:

Hier konnte man sich auf Cowons Angaben bis jetzt immer verlassen, und auch der Plenue 2 stellt diesbezüglich keine Ausnahme dar.
Niedrige und sehr gute 0,6 Ohm werden für den unsymmetrischen Kopfhörerausgang angegeben, während im Datenblatt für den symmetrischen Ausgang 1,2 Ohm eingetragen sind. (Als ideal für sehr kritische Multi-BA-In-Ears wird ein Wert von weniger als 1 Ohm angesehen, welchen der Cowon im unsymmetrischen Betrieb unterschreitet, was sehr gut ist.)

Meine (unsymmetrische) RMAA-Messung mit den bei steigender Ausgangsimpedanz des Players sehr schnell dunkler aufspielenden Ultimate Ears Triple.Fi 10 In-Ears konnte Cowons Angabe von 0,6 Ohm genau bestätigen:

Plenue 2 mit UE Triple.Fi 10 als Last, unsymmetrisch.

Somit eignet sich der Plenue 2 sehr gut dafür, alle existierenden, kritischen Multi-BA In-Ears gleichermaßen neutral und unverfälscht ohne Klangverbiegungen, wie sie bei einem erhöhten Ausgangswiderstand auftreten würden, anzutreiben.


Die sechs Digitalfilter:

Beim Plenue 2 kann man zwischen sechs verschiedenen Digitalfiltern wählen. Was diese individuell tun, würde den Rahmen des Previews und auch Reviews etwas sprengen (hierzu finden sich im Internet jedoch mehrere Messungen und Erklärungen), doch lässt sich grob und in einem Satz zusammengefasst sagen, dass sie den oberen Teil des Frequenzspektrums und die Impulsantwort beeinflussen.
Gewöhnlicherweise, solange ein Filter nicht zu extrem in seiner Ausprägung ausfällt, gibt es keine bis nur ganz subtile klangliche Unterschiede bei sehr hoher Konzentration während des Hörens, weshalb es mich nicht verwundert, dass ich bei den Filtern #1 bis #5 keinen verlässlichen Unterschied wahrnehmen konnte, während Filter #6, der einen "NOS-Filter" (non-Oversampling Filter) simuliert, ein um ein wenig reduziertes Subtiles "Glitzern" oberhalb von 10 kHz und eine geringfügig breiter empfundene Bühne bewirkte, was bei seinem Filter-typischen Frequenzgang aber auch letztlich abzusehen war.

Alle 6 Digitalfilter im Vergleich ihres Frequenzganges.


Der symmetrische Kopfhörerausgang:

Der Plenue 2 besitzt einen symmetrischen 2,5 mm TRRS Kopfhörerausgang neben dem unsymmetrischen 3,5 mm (TRS) Ausgang.
Bei jenem handelt es sich jedoch nicht um einen "echten" symmetrischen Ausgang, denn der interne Signalweg des Players fällt "klassisch" aus. Lediglich direkt vor dem symmetrischen Ausgang wird das Signal für den symmetrischen Betrieb "aufgetrennt". Das spiegelt sich auch an den technischen Daten wieder, die keinen Leistungszuwachs anzeigen und ansonsten auch nur minimal bessere Messwerte aufweisen.

So überrascht es mich im Nachhinein betrachtet nicht so sehr, dass der Klang über den symmetrischen Ausgang für meine Ohren exakt identisch mit dem des normalen Kopfhörerausganges ausfällt (getestet mit dem Fidue SIRIUS und meinem Audeze LCD-X) - bei anderen Playern mit einem "echten", vollständig symmetrischen Kopfhörerausgang, wie etwa beim iBasso DX200 oder dem Luxury & Precision L3/L3 Pro, konnte ich zumindest geringe Unterschiede feststellen, beim Cowon wie gesagt hingegen keine.
Somit bietet der symmetrische Ausgang des Plenue 2 aus meiner Sicht einzig den Vorteil, dass man als Besitzer für den Betrieb seiner In-Ears und Kopfhörer mit symmetrischem 2,5 mm TRRS-Stecker keinen Adapter benötigt.


Rauschverhalten:

Hier halte ich mich eher kurz, denn meine ausführliche Rezension wird diesen Aspekt ein wenig ausführlicher beleuchten - als jemand, der sich selbst als relativ rauschempfindlich bezeichnet und auch mehrere sehr empfindliche In-Ears besitzt und nutzt (z.B. Shure SE846, Pai Audio MR3, Ostry KC06A), bin ich sehr froh, hier berichten zu können, dass der Plenue 2 in dieser Hinsicht definitiv ein Player der Spitzenklasse ist.

Hielt ich noch meinen geliebten iBasso DX90 für praktisch rauschfrei selbst mit extrem empfindlichen In-Ears, konnte ich bei konzentriertem Hinhören mit leeren Audio-Dateien bei ihm doch noch ein sehr geringes Grundrauschen feststellen. Beim Plenue 2 hingegen gibt es selbst mit extrem empfindlichen In-Ears in Verbindung mit leeren Audio-Dateien kein hörbares Grundrauschen - nur an Tagen mit einer sehr ausgeruhten, frischen Wahrnehmung kann ich in einem stillen Raum bei leeren Audio-Dateien ein so minimales Grundrauschen wahrnehmen, dass es praktisch nicht von meinem Blutrauschen trennbar ist.

Wer also einen niederohmigen Player sucht, der selbst mit höchst empfindlichen In-Ears rauschfrei ist, wird mit dem Plenue 2 bestens bedient sein.



Subjektiv empfundene "Transparenz", "Eigencharakteristik" und "räumliche Reproduktion":

Zum Thema passender Lesestoff: http://kopfhoerer-lounge.blogspot.de/2016/04/Eigenklang.html
^^^ Zusammenfassung: qualitativ größere Unterschiede zwischen verschiedenen Audio-Geräten sind bei messtechnisch angeglichener Lautstärke und bei objektiver Betrachtung nicht zu erwarten und drücken sich, wenn überhaupt, dann nur in Nuancen aus. Solange ein Audio-Gerät vernünftig konstruiert ist, gibt es die manchmal propagierten "deutlichen" und "Tag- und Nacht-" Unterschiede nicht. Mit weniger empfindlichen Bügelkopfhörern sind auch sehr geringe hörbare Unterschiede meist nicht vorhanden.


Der Plenue 2 klingt subjektiv neutral, ohne die "Sanftheit" oder "Wärme", die dem AKM-Chip manchmal zugesprochen wird. Nur im direkten Vergleich mit dem subjektiv (und messtechnisch sowieso) neutralen DX200 wirkt der Hochton geringfügig "sanfter". Ansonsten gibt es keine Auffälligkeiten beim Klang - der Bass ist mit empfindlichen In-Ears so straff und sauber, wie er sein sollte, und die räumliche Presentation stellt sich auch so sauber getrennt und positioniert dar, wie sie sein soll und wie ich es bei diesem Preis erwarten würde.

Was die Transparenz in Verbindung mit empfindlichen In-Ears betrifft, liegt der Plenue 2 gleichauf mit meinem Chord Mojo sowie dem iBasso DX200 und spielt somit geringfügig transparenter als etwa der iBasso DX90, FiiO X3, Cowon Plenue M2 oder iBasso DX80 - um "große" Unterschiede handelt es sich dabei jedoch wie gesagt bei einem korrekt durchgeführten Lautstärkeabgleich zwischen den zu testenden Geräten nicht.
Verglichen mit dem Plenue M2 fällt beim Plenue 2 mit In-Ears ein etwas offenerer, größerer imaginärer Raum auf, der vergleichbar mit der Offenheit des DX200 oder DX80 ist. Auch ist dieser beim Cowon etwas größer als bei meinem Chord Mojo, bei welchem die Trennung/der "leere" Raum zwischen einzelnen Instrumenten jedoch noch geringfügig präziser ausfällt.

Klanglich verdient sich der Plenue 2 damit also aus meiner Sicht definitiv das Prädikat "exzellent".

Bei einem korrekt durchgeführten Lautstärkeabgleich kann ich mit meinen Bügelkopfhörern hingegen keinen nachvollziehbaren qualitativen Unterschied zwischen dem Plenue 2 und den anderen Geräten feststellen.

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Weiteres und Ausführlicheres könnt ihr in meinem vollständigen Review lesen, das mittlerweile fertiggestellt ist: http://kopfhoerer-lounge.blogspot.de/2017/05/Cowon-Plenue-2-Review.html